Wie Liechtenstein mit FinTech umgeht

Fintech ist auch in unserem Nachbarstaat Liechtenstein auf dem Radar. Seit 2015 hat das «Ländle» sogar eine eigene Konferenz. Anders als in der Schweiz zeigt sich dort auch die Regierung. Ein Gespräch mit Co-Veranstalter David Meyer.

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Ihr organisiert zum zweiten Mal eine FinTech-Konferenz in Liechtenstein. Hat das «Ländle» überhaupt genügend Potenzial dafür?

Ob das Potenzial für eine Konferenz vorhanden ist, ist aus unserer Sicht erst einmal zweitrangig. Was wir aber sehen, ist das Potenzial für innovative, finanztechnologische Lösungen. Wir denken, dass es lediglich eines kleinen Anstosses bedarf. Diesen versuchen wir mit unserer Konferenz zu geben und damit auch weiterhin für das Thema Digitalisierung in der Finanzindustrie zu sensibilisieren.

Welches Potenzial meinst Du konkret?

Der Finanzplatz Liechtenstein bietet einfach die perfekten Voraussetzungen für FinTech. Er verfügt über stabile Strukturen und kurze Entscheidungswege zwischen den Beteiligten. Auch das verfügbare Kapital, um Ideen anzuschieben, ist für ein kleines Land wie Liechtenstein beachtlich.

Zudem gibt es hier eine Menge smarter Leute, die über jahrelanges Fachwissen im Finanzbereich verfügen. Dieses Wissen wird zusätzlich durch die Universität gestützt, die mit den Instituten Entrepreneurship, Wirtschaftsinformatik und Finanzdienstleistungen die optimale Schnittmenge für FinTech-Themen bietet.

Einige Finanzinstitute aus Liechtenstein kennt man auch hier. Aber wie sieht eure FinTech-Szene konkret aus?

Hier muss man fairerweise zugeben, dass die Szene noch in den Kinderschuhen steckt. Daher orientieren wir uns, was das Programm unserer Konferenz angeht, überwiegend an den umliegenden Ländern wie beispielsweise der Schweiz oder Deutschland.

Allerdings gibt es auch schon ein paar vielversprechende Unternehmen wie beispielsweise Tradico, SynoFin oder yourSRI. Wir hoffen aber natürlich auch, dass wir durch unseren Event weitere potenzielle Gründer dazu ermutigen können, sich den Herausforderungen des Unternehmertums zu stellen.

Wie verhält sich der Regulator zum Thema FinTech?

In unseren Augen steht die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA) dem Thema sehr positiv gegenüber. Sie versucht sich als kompetenter Ansprechpartner zu präsentieren und hat eigens für FinTech-Themen ein Regulierungslabor eingerichtet. Es wird also viel Wert auf den Austausch mit allen Finanzplatz-Akteuren gelegt. Das sieht man schon an der Tatsache, dass die FMA auf unserem Event als Kooperationspartner auftritt und einen halben Tag regulatorische Themen in Bezug auf FinTech diskutiert. Darunter sind dann auch Themen wie beispielsweise «Kann man die Blockchain regulieren?»

Anders als in der Schweiz zeigt sich der Regierungschef an der Konferenz. Was ist die Absicht dahinter?

Die Regierung hat sich seit etwa einem Jahr verstärkt das Thema Wettbewerbsfähigkeit durch Innovationen auf die Fahnen geschrieben. Da der Bereich Finanzdienstleistungen einen wichtigen Eckpfeiler der liechtensteinischen Wirtschaft darstellt, lag es nahe, sie auch für das Thema FinTech zu begeistern. Dass der Regierungschef nun auch auf der Konferenz spricht, zeigt in unseren Augen, dass das Thema sehr ernst genommen wird.

Könnten wir Schweizer von Euch etwas lernen oder umgekehrt?          

Meine persönliche Meinung ist, dass man von jedem immer etwas lernen kann. In diesem konkreten Fall finde ich es beeindruckend, dass wir bei der Regierung und der FMA mit unserem Konzept von Anfang an auf offene Ohren gestossen sind. So konnten wir jederzeit mit der Unterstützung von ihrer Seite rechnen. Gerade diese kurzen Wege können ein entscheidender Faktor für Liechtenstein sein.

Umgekehrt habt ihr aber sicher ein paar Jahre Vorsprung, was die Entwicklung der FinTech-Szene angeht. Ich denke, der Finanzplatz Liechtenstein wird weiterhin genau beobachten, was in der Schweiz passiert und schauen welche Konzepte in ähnlicher oder abgewandelter Form auch für Liechtenstein interessant sein könnten.

David Meyer ist gelernter Bankkaufmann und studierter Betriebswirt. Im Jahr 2015 hat er gemeinsam mit Tobias Fitz das Branchenportal FinTech.li ins Leben gerufen und veranstaltet seitdem die FinTech-Konferenz Liechtenstein.

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FinTech made in Switzerland

Im Fintech-Bereich läuft inzwischen viel in der Schweiz. Vielleicht fast zu viel – oder die Aktivitäten sind zu wenig koordiniert. Mit diversen Gesprächen mit Finanzexperten möchte der Autor Manuel Stagers das Fintech-Ökosystem beschreiben: Fintech made in Switzerland

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Wie steht es um das Schweizer Fintech Ökosystem? Dieser Frage geht der Dokumentarfilm FinTech Made in Switzerland von Manuel Stagars nach. Zu den Gesprächspartnern zählen Start-up-Gründer, Vordenker im Finanzsektor, Banker, Politiker und Finanzexperten. Auch zwei Co-Gründer der Finance 2.0-Konferenzen sind dabei.

Investor Marc P. Bernegger begrüsst die unterschiedlichen (Förderungs-)Aktivitäten in der Schweiz, doch letztlich komme eine prosperierende und erfolgreiche Fintech-Szene Schweiz nur durch mutige Gründer mit innovativen und erfolgreichen Unternehmen zustande. Er bemängelt, dass oftmals fehlende «think big» Denken in der Schweizer Gründerszene.

Rino Borini sieht in der ganzen Fintech-Entwicklung eine Riesenchance für Banken und Versicherungen, aber insbesondere auch für das globale Finanzsystem, Stichwort Cryptofinance. Letztlich geht es um Demokratisierung der Finanzdienstleistungen und vor allem um ein stabileres, effizienteres und somit besseres Banking. Er bemängelt das  in der Schweiz fehlende (digitale) Leadership-Denken auf oberster Führungsebene und fehlendenden Unternehmergeist.

Der Dokumentarfilmer Manuel Stagars hat noch weitere Experten zu Fintech befragt. Die Videogespräche finden Sie hier.

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Robo advisor: More banking for less money

It all started with fully automated stock exchanges. The next step is digital managers (robo advisors). The winners are the clients.

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Text: Rino Borini and Adriano B. Lucatelli

The global financial industry is facing the challenge of having to completely rethink its business models and adapt them to the new digital and mobile reality. This development encompasses new, disruptive peer-to-peer technologies (from computer system to computer system) such as Blockchain which will revolutionise the worldwide financial market infrastructure.

Retail banking is already feeling the pressure acutely. But even in the wealth management business and the product lab, asset management, the changes will be fundamental. Technology-based applications enable financial services to be delivered direct to customers. The potential is enormous, and it also makes the middleman superfluous.

Customers want to benefit from this new simplicity, transparency and flexibility. They want to have access to their assets around the clock, for information or management purposes, regardless of their location and the device they’re using. The interface between customers and banks is being redefined.

Back to the future

It’s nothing new for wealth and asset management to be facing challenges. A whole twenty years ago the Swiss stock exchange launched the world’s first fully electronic stock exchange. Physical open outcry trading was made obsolete. Every step in the process, from stock exchange orders to settlement, was completely automated.

The next evolutionary step in the democratisation of investing was taken by the fund industry. When the first exchange traded funds (ETFs) hit the market, the powerful active fund industry didn’t even dignify the new competition with a weary smile. Now the ETF industry manages more than 3 trillion US dollars, with double-digit annual percentage growth – rates active funds can only dream of.

Now, so-called robo advisory platforms allow even greater automation. They (robo advisor) manage their clients’ wealth with the help of algorithms, and offer an unprecedented customer experience. It should be pointed out that the term “robo” is somewhat misleading, because it’s still people who are behind the platforms. But first things first.

ETF blaze the trail

Before a client can become a user of a robo advisor in the first place, their ability to take risks is assessed using an online questionnaire. On the basis of the resulting investor profile, within seconds the algorithm works out a suitable asset allocation. In most cases the foundation of this asset allocation is around half a dozen standard portfolios that are adapted to different risk aptitudes (from conservative and balanced to aggressive). These portfolios are modelled with ETF. The investor benefits from low fees and a great deal of freedom, since index funds, like shares, can be traded on any stock exchange trading day.

These digital managers practice what seasoned investment pros have been preaching for years: managing assets according to stringent criteria, and keeping emotions out of the equation. Many bankers sneer at these digital managers, but what many financial experts don’t understand is that the new reality isn’t developing on a linear basis, but exponentially.

Thanks to these platforms, investors with a certain minimum amount can invest their assets like the pros. But the (r)evolution has only just begun. Technological advances will enable customers to be analysed better and more accurately with the help of behavioural economics and gamification approaches.

But that’s only one side of the coin. It gets really exciting when you package different scientific and tried-and-tested investment strategies. As soon as a strategy displays a clear set of rules it can be used as the basis for an algorithm and be integrated in a digital asset management platform.

The cornerstone was laid several decades back by leading economists such as Markowitz, Fama and French. It’s only now, thanks to access to real-time market data and steady technological progress, that it’s possible to model scientific theories digitally and implement them physically with securities. The way was paved by cost-efficient ETF.

Pure democratisation

With this development, what you might call Robo Advisory 2.0, implementing things like momentum, risk minimisation, size effect and value strategies is no problem. And that’s not all: as soon as you’ve set up the technology and defined the interfaces, the logical next step is to package client-specific investment strategies. To do so you no longer need the expensive shell of a fund. As we’ve already mentioned, any rules-based strategy can be digitised. This doesn’t necessarily have to happen via ETFs; you can also do it with individual securities, all over the world.

This opens up completely new possibilities for customers, and in future there will be no need for collective vehicles such as funds or ETFs. Between the provider and the client there is a co-engagement, which translates into pure democratisation.

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Quelle: A.T. Kearney

Undreamed-of possibilities

Not yet foreseeable, but by all means realistic, is the fourth stage of development. Thanks to artificial intelligence it won’t be just the interface between robo advisors and customers that is redefined, but the interfaces to other customers. Say hello to social investing. People can take investment strategies and stock exchange transactions as inspiration for their own portfolios. Or they can replicate the portfolio of other successful investors one-for-one.

One criticism often levelled in this connection is the lack of advice. Naturally there are many people who don’t want to do without personal advice. And indeed we’re already seeing the first signs of hybrid models. Digital or analogue, it doesn’t really matter – both routes are possible. Ultimately it’s the customer who decides how much they want to do digitally – at lower cost – and what parts of their assets they want to manage with the support of an advisor.

The future belongs to hybrid models and completely digital platforms. The big winners among all this progress are the customers, who get more banking at lower cost. But the most important point is this: customers get much more flexibility when it comes to managing their assets.

Rino Borini, CEO of financialmedia Ltd. and member of the board of directors of Descartes Finance; Adriano B. Lucatelli, chairman of Descartes Finance.

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Hochschulen rüsten Banker für die Zukunft

Der digitale Wandel wird besonders im Banking grosse Veränderungen mit sich bringen. Um sich für die Herausforderungen zu wappnen und mit den Entwicklungen Schritt halten zu können, bieten die Schweizer Hochschulen passende Lehrgänge an.

Text: Barbara Kalhammer

Die Digitalisierung wird den gesamten Bankensektor umkrempeln und die Geschäftsmodelle der Institute stark verändern. Davon betroffen sind natürlich auch die Arbeit sowie die Aufgaben der  Bankangestellten. Den Bankberater in seiner heutigen Form wird es in einigen Jahren wohl nicht mehr geben (siehe auch: Digital Banking: Auf allen Kanälen).

Auch Andreas Kubli, Leiter Multichannel Management & Digitization bei UBS Schweiz, sagte kürzlich im Interview (Banken haben viel zu verlieren), dass sich die Rolle des Bankers in der Beratung klar verändern werde: «Reine Administrationsarbeit und einfache Tätigkeiten erfolgen künftig digital». Darüber hinaus erwarte der Kunde, dass er Bankgeschäfte über alle Kanäle hinweg nahtlos abwickeln könne.

Noch drastischer fomuliert die Citibank die Aussichten für die Bankenbranche. In der Studie Digital Disruption geht das Institut davon aus, dass in den nächsten zehn Jahren bis zu 30 Prozent der Bankangestellten ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Genauer gesagt wird die Zahl der Mitarbeiter in den USA von 2,9 im Jahr 2015 auf 1,8 Millionen in 2025 sinken.

In Europa soll die Zahl sogar von 3,26 auf 1,82 Millionen zurückgehen. Der Wegfall wird vor allem dadurch erklärt, dass Start-Ups unterschiedliche Finanz-Leistungen übernehmen werden. Bereits heute wächst die Fintech-Branche mit grossen Schritten.  Die weltweiten privaten Investitionen in den Bereich beliefen sich im vergangenen Jahr bereits auf 19 Milliarden Dollar.

FullTimeEmployeeReduction

Quelle: Source: ECB, United States Bureau of Labor Statistics, Citi Research estimates

Gemäss der Hochschule Luzern werden aber nicht nur viele Arbeitsplätze verloren gehen, sondern auch neue Jobprofile entstehen. Beispiele dafür sind die Beratung über Videochat, die Begleitung des Onboarding Prozesses von der Serviceseite aus, die Erstellung und Vermarktung von kundenrelevantem Content oder der Ausbau des Kundenservice-Centers.

Noch ist der Einfluss der digitalen Disruption aber gering. Gemäss der Citibank-Studie wurde bislang  nur 1 Prozent des Umsatzvolumens des nordamerikanischen Privatkundengeschäfts von Banken auf digitale Modelle übertragen. Allerdings gehen die Studienautoren davon aus, dass der Höhepunkt der digitalen Revolution erst noch bevorsteht.

Um sich für diese Entwicklungen zu wappnen, gilt es nun sich für die Zukunft zu rüsten. Dazu werden hierzulande bereits drei CAS Digital Banking angeboten, von der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ), der Hochschule Luzern (HSLU) und von der Kalaidos Fachhochschule Schweiz.

«Es ist absolut wichtig, dass die Banken ihre Mitarbeiter fit machen für die neue Realität: Banking wird digital und social», sagt Rino Borini, externer Studiengangsleiter HWZ Digital Finance (und Mitgründer der Finance 2.0). Der HWZ Lehrgang ist in vier Module unterteilt: Digital Mindset, Technology, Products & Services und Customer Experience. «Wir haben den Lehrgang aus Sicht des Kunden aufgebaut», erklärt Borini. Dadurch könnten die künftigen Banker 2.0 verstehen, welche Anforderungen dieser hat. Ebenfalls zentral sind ein neues Leadership Verständnis, welche Technologien künftig das Banking verändern oder wie altgebackene Produkte und Dienstleistungen in Zukunft verpackt werden. Und Banking würde nun auch anderen, wie den jungen Fintech Start-ups, gehören.

Der Umgang mit Fintech-Unternehmen ist auch beim Lehrgang der HSLU ein wichtiges Thema. Darüber hinaus gelten die Themen der Beantwortung der Frage der grundlegenden Digitalisierungsstrategie und der idealen Organisationsform im Unternehmen, sowie eine Anpassung der Prozesse an der Kundenschnittstelle nach dem Prinzip der idealen Customer Journey und die Neugestaltung des Produkt- und Servicemixes der Bank. «Der CAS Digital Banking versetzt Führungskräfte in Banken in die Lage, die Veränderung zu erkennen, Chancen und Risiken abzuwägen und aktiv die geforderten Kompetenzen in der eignen Bank aufzubauen», erklärt HSLU-Studienleiter Nils Hafner.

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Schweiz muss digitale Zukunft in Angriff nehmen

Die Schweiz hinkt im internationalen Vergleich in vielen Bereichen hinterher. Das zeigt eine aktuelle Studie der Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne und definiert die wichtigsten Aufgaben um die Digitalisierung voranzutreiben. Nun muss endlich an Lösungen gearbeitet werden.

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Text: Barbara Kalhammer

Dass die Digitalisierung die Gesellschaft sowie die Wirtschaft fundamental verändert, ist längst bekannt. Um den Status quo der Schweiz zu zeigen und Lösungsansätze für die Zukunft zu bestimmen, hat die Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne (EPFL) im Auftrag von SIX und Swisscom eine Studie durchgeführt. Die Ergebnisse dazu wurden in Bern präsentiert:

Untersucht wurden verschiedene Bereiche wie die Netzwerkinfrastruktur, der Datenschutz, das Start-up-Umfeld, die öffentliche Hand und die Gesellschaft. Im internationalen Vergleich ist die Schweiz zwar in vielen Bereichen konkurrenzfähig, aber die Führung haben andere Staaten übernommen. Betreffend Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Digital Economy wird die Schweiz noch wenig wahrgenommen, heisst es in der Studie.

Professor Christopher Tucci von der EPFL gibt zahlreiche Ratschläge mit dem auf den Weg, um die Schweiz für die Zukunft zu wappnen.

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Besonders im Bereich der Start-ups ist die Marktattraktivität der Schweiz im internationalen Vergleich geringer. Die EPFL sieht besonders bei der Finanzierung und der Besteuerung Potenzial, das Umfeld für Start-ups zu verbessern.

Die wichtigsten Themen für die Zukunft sind somit das Vorantreiben des Ausbaus des mobilen Breitbands, die Schaffung einer nationalen Dateninfrastruktur, Verbesserung der kantonalen Steuerpolitik und neue Finanzierungsmechanismen für Start-ups.

Die Studie fasst die aktuelle Lage und die wichtigsten Aufgaben gut zusammen, doch ehrlich gesagt sind diese To-Dos längst bekannt. Nun wird es aber Zeit endlich die erwähnten Punkte in Angriff zu nehmen. Erste Schritte in diese Richtung, beispielsweise im Bereich der Regulierung und Besteuerung wurden schon in Angriff genommen. Dennoch – die Schweiz kann mehr! Und wie der Professor sagt: «It`s not too late.» Die Zeit der ewigen Studien ist vorbei, das Motto der Zukunft lautet: «Less paper, more pepper.»

Die gesamte Studie können Sie auf der Webseite der SIX nachlesen.

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Robo Advisory: Gewinner sind die Kunden

Am Anfang war die vollautomatische Börse. Der nächste Schritt sind digitale Vermögensverwalter. Der Kunde gewinnt: Mehr Banking für weniger Geld.

Text: Rino Borini (financialmedia AG), Adriano Lucatelli (Descartes Finance AG)

Die globale Finanzindustrie ist gefordert,  ihre  Geschäftsmodelle grundlegend zu überdenken und der neuen digitalen und mobilen Realität anzupassen. Dazu zählen neue disruptive Peer-to-Peer-Technologien (von Computer- zu Computersystem) wie zum Beispiel Blockchain, die die weltweite Finanzmarktinfrastruktur revolutionieren werden. Im Retail Banking ist der Druck bereits stark spürbar, doch auch im Geschäft mit der Vermögensverwaltung und in der Produktschmiede, dem Asset Management, werden die Veränderungen fundamental sein. Dank technologiebasierten Anwendungen können Finanzdienstleistungen direkt an die Kunden erbracht werden. Das Potenzial ist enorm und ­bedeutet auch, dass der Mittelsmann ausgeschaltet wird.

Die Kunden wollen von dieser neuen Einfachheit, Transparenz und Flexibilität profitieren. Sie wollen rund um die Uhr, ortsunabhängig und von jedem Endgerät auf ihr Vermögen zugreifen können, sei es zu Informations- oder zu Verwaltungszwecken. Die Schnittstelle zwischen Kunde und Berater wird neu definiert.

Zurück in die Zukunft

Dass Wealth und Asset Management gefordert sind, ist nicht neu. Bereits vor zwanzig Jahren lancierte die Schweizer Börse die weltweit erste vollelektronische Börse. Der physische A-la-criée-Börsenhandel wurde obsolet. Sämtliche Prozesse, vom Börsenauftrag bis zur Abwicklung, wurden komplett automatisiert.

Den nächsten Entwicklungsschritt der Demokratisierung des Anlegens vollzog die Fondsindustrie. Als im Jahr 1993 die ersten börsengehandelten Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF) auf den Markt kamen, hatte die mächtige aktive Fondsbranche für die neue Konkurrenz nicht einmal ein müdes Lächeln übrig. ­Inzwischen verwaltet die ETF-Branche über 3 Bio. $, und das prozentuale jähr­liche Wachstum ist zweistellig. Aktive Fonds können von solchen Zuwachs­raten nur träumen.

Noch mehr Automatisierung erlauben die sogenannten Robo Advisory Platt­formen. Sie verwalten das Kundenvermögen mithilfe von Algorithmen und bieten ein noch nie dagewesenes Kundenerlebnis. Wobei der Begriff «Robo» etwas irreführend­ ist, denn hinter den Plattformen stehen weiterhin Menschen. Doch der Reihe nach.

Wegbereiter ETF

Bevor der Kunde überhaupt Nutzer eines Robo Advisor werden kann, wird seine ­Risikofähigkeit mithilfe eines Online-Fragebogens eruiert. Anhand des so entstandenen Anlegerprofils berechnet der Algorithmus binnen Sekunden eine passende Vermögensaufteilung. Die Grundlage für die Asset Allocation bildet meist ein halbes Dutzend Standardportfolios, die an die unterschiedlichen Risikoneigungen (von konservativ über ausgewogen bis zu aggressiv) angepasst werden. Abgebildet werden die Portfolios mit ETF. Der Investor profitiert damit von niedrigen Gebühren und einer grossen Freiheit, da Indexfonds, genauso wie Aktien, börsentäglich gehandelt werden können.

Diese digitalen Verwalter setzen das um, was gestandene Anlageprofis seit jeher proklamieren: das Vermögen nach strengen Kriterien verwalten und Emotionen ausschliessen. Noch belächeln zahlreiche Banker die digitalen Verwalter, doch was viele Finanzexperten nicht verstehen: Die neue Realität entwickelt sich nicht linear, sondern exponentiell. Dank diesen Plattformen können Anleger ab einem bestimmten Mindestbetrag ihr Vermögen so investieren, wie es Profis tun. Doch die (R)Evolution steht erst am Anfang. Technologische Fortschritte werden dafür sorgen, dass die Kunden mithilfe von Verhaltensökonomie und Gamification-Ansätzen besser und schärfer analysiert werden können.

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Spannend ist das Verpacken unterschiedlicher wissenschaftlicher und praxiserprobter Anlagestrategien. Sobald eine Strategie ein klares Regelwerk aufweist, kann sie die Grundlage eines Algorithmus bilden und in eine digitale Vermögensplattform integriert werden

Den Grundstein haben führende Ökonomen wie Markowitz, Fama oder French bereits vor mehreren Jahrzehnten gelegt. Erst dank Zugang zu Real-Time-Marktdaten und dank stetigen technologischen Fortschritten ist es aber möglich, die wissenschaftlichen Theorien digital abzubilden und mit Wertpapieren physisch umzusetzen. Den Weg dazu frei gemacht haben die kosteneffizienten ETF.

Demokratisierung pur

Mit dieser Weiterentwicklung, sozusagen Robo Advisory 2.0, sind beispielsweise Momentum-, Risikominimierungs-, Size-Effect- oder Value-Strategien problemlos umsetzbar. Damit nicht genug: Sobald die Technologie aufgesetzt ist und die Schnittstellen definiert sind, ist der logische Entwicklungsschritt, kundenspezifische Anlagestrategien zu verpacken. Dazu braucht es keine teure Fondshülle mehr.

Wie erwähnt kann jede regelbasierte Strategie digitalisiert werden. Das muss nicht zwingend mithilfe von ETF geschehen, sondern ist auch mit Einzeltiteln möglich, und zwar weltweit. Dadurch erhält der Kunde ganz neue Möglichkeiten, auf eine Kollektivierungsanlage wie Fonds oder ETF kann künftig verzichtet werden. Zwischen Anbieter und Kunde entsteht ein «Co-Engagement» – das ist Demokratisierung pur.

Noch nicht absehbar, aber durchaus realistisch ist der vierte Entwicklungsschritt. Dank künstlicher Intelligenz wird nicht nur die Schnittstelle zwischen Robo Advisor und Kunde neu definiert, sondern auch diejenige zu anderen Kunden, Stichwort Social Investing. Anlagestrategien und Börsentransaktionen können für ­andere Kunden als Inspirationsquelle für das eigene Portfolio dienen. Oder sie replizieren das Portfolio anderer erfolgreicher Investoren gleich eins zu eins.

Ein oft genannter Kritikpunkt der Robo Advisory Plattformen ist die fehlende Beratung. Selbstverständlich gibt es eine Vielzahl von Kunden, die auf die persönliche Beratung nicht verzichten wollen. So sind bereits erste Entwicklungen von hybriden­ Modellen sichtbar. Ob nun digital oder analog, beide Wege sind möglich. Denn letztlich entscheidet der Kunde, wie viel er digital umsetzen will – und das zu reduzierten Kosten – und welche Vermögensteile er mit der Unterstützung eines Beraters verwalten will.

Den hybriden Modellen und den komplett digitalen Plattformen gehört die Zukunft. Die grossen Gewinner dieses Fortschritts sind die Kunden. Sie bekommen mehr Banking zu tieferen Kosten. Der wichtigste Punkt aber ist: Der Kunde erhält viel mehr Flexibilität in der Verwaltung seines Vermögens.

Adriano Lucatelli ist Gründer & Verwaltungsratspräsident von Descartes Finance AG. Rino Borini ist Co-Gründer Finance 2.0 und Verwaltungsrat bei Descartes Finance AG. 

Dieser Artikel ist aus der Sonderbeilage «Private Banking» der «Finanz und Wirtschaft» vom 30. April

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Fintech ist die Zukunft der Schweiz

Der Swiss Fintech & Digitization Day setzt einen Meilenstein in der Schweizer Finanzbranche. Banken und Fintechs müssen endlich aufeinander zugehen und an der Zukunftsfähigkeit des gesamten Finanzplatzes arbeiten, betont Christina Kehl. Doch auf vielen Ebenen besteht dringender Nachholbedarf.

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Text: Barbara Kalhammer

Bislang hat die Politik der Schweizer Fintech-Szene nur ein müdes Lächeln geschenkt, doch nun kommt Bewegung in die Sache.

Genau so ist es. Mit dem Swiss Fintech & Digitization Day haben wir einen wahren Meilenstein für unsere Branche in der Schweiz gesetzt. Der Finanzplatz ist eine, wenn nicht DIE tragende Säule der Schweizer Wirtschaft. Und in Zukunft wird eine Finanzbranche ohne Fintech nicht mehr vorstellbar sein. Daher war es höchste Zeit, dass Fintechs und Banken hierzulande einen grossen Schritt aufeinander zugehen und künftig stärker als Teil einer gemeinsamen Branche agieren, statt getrennt zu denken.

Wie hat Swiss Finance Startups (SFS) es geschafft, den Fokus von Bundespräsident Johann Schneider-Ammann auf das Thema zu lenken?

Das war in der Tat ein längerer Prozess, denn Herr Schneider-Ammann – die Politik allgemein – hat viele Themen auf der Agenda, die Beachtung verlangen. Mir war aber von Anfang an klar, dass wir Erfolg haben werden.

Warum?

Fintech ist schon lange kein blosser Hype mehr, sondern eine kontinuierliche und schnelle Entwicklung. Auch wenn viele grosse Banken und Versicherungen dies inzwischen erkennen, so sind es doch die Start-ups, die diese Entwicklung treiben. Und gerade als Start-up-Standort hat die Schweiz im internationalen Vergleich noch viel Nachholbedarf. Als einer der wichtigsten Finanzplätze der Welt haben wir hier ein riesiges Potenzial, das genutzt werden will.

Wir als SFS haben der Politik dieses Potenzial aufgezeigt. Die enorme Resonanz, die wir erhalten, bestätigt uns darin. Mit der Schweizer Bankiervereinigung konnten wir einen grossartigen Veranstaltungspartner gewinnen und einmal mehr deutlich machen, dass es in Zukunft vielmehr auch um Zusammenarbeit statt um Konkurrenz geht.

Welche Anliegen sollen am 2.Mai an den Mann gebracht werden?

Wir sehen in Fintech die Zukunft der Finanzbranche und damit auch die Zukunft der Schweiz. Fintech ist Start-up-getrieben, daher heisst Fintech-Förderung auch Startup-Förderung. Wir können viel von Metropolen wie London, Berlin oder New York lernen und sollten uns nicht dauerhaft abhängen lassen. Es geht bei Weitem nicht nur um finanzielle Förderung, auch steuerliche Regelungen und viele bürokratische Hürden wirken sich hierzulande derzeit gar als Start-up-Killer aus. Dabei könnte die Schweiz als Ganzes von einer gesunden Star-tup-Umgebung stark profitieren. Wir werden uns mit dem Bundespräsidenten zusammensetzen und genau die Punkte auf den Tisch bringen, die es anzupacken gilt.

Was soll an dem Tag erreicht werden?

Dieser Tag ist unser grosser Auftakt, der eine langfristige Entwicklung in Gang setzen soll. Wir Start-up-Vertreter wollen gemeinsam mit den grossen Corporates und Banken an der Zukunftsfähigkeit des gesamten Finanzplatzes arbeiten. Denn es wird in Zukunft keine Finanzbranche mehr ohne Fintech geben, Fintech gehört untrennbar zum Finanzsektor. Daher ist der Swiss Fintech & Digitization Day unser gemeinsamer grosser Tag und ein Schritt in die Zukunft.

Was und wer steckt hinter dem ersten Fintech-Verband der Schweiz? Welche Ziele verfolgt er?

Fintech-Gründer sind mutige Vorreiter, die sehr nah am Konsumenten von heute dran sind. Im Gegensatz zu Grosskonzernen denken sie meist aus Nutzersicht und kreieren völlig neue Geschäftsmodelle, die tradierte Systeme teilweise komplett umkrempeln. Gerade in der Schweiz ist es für Start-ups neben den grossen Playern und alteingesessenen Bankhäusernhäufig schwer, Gehör zu finden. SFS ist die Stimme der Fintech-Start-ups. Wir fokussieren deren Anliegen und arbeiten daran, dass siegehört werden. Der Swiss Fintech Day ist dabei nur ein Beispiel.

Was sind die weiteren Aufgaben?

Wir widmen uns ausserdem der Vernetzung der Fintechs untereinander, aber auch der Draht zum klassischen Finanzplatz ist uns wichtig. Denn wie bereits erwähnt, glauben wir, dass wir alle mehr erreichen können, wenn wir uns weniger als Gegner verstehen. Die Denkweise von «Oldschool vs. New Economy» hat längst ausgedient.

Unterstützen Sie die Start-ups auch konkret?

Ja, eine dritte Säule unserer Tätigkeiten besteht darin, Start-up-Gründer ganz direkt zu fördern. Wir sind ein Verband von Gründern für Gründer, das heisst, wir kennen die Herausforderungen, die Unternehmern gerade in der Anfangsphase begegnen. Und wir alle kennen die Schar an Consultants, die sich gerne für teueres Geld anbietet. Wir haben in unseren Reihen einen breiten Erfahrungsschatz, den wir mit unseren Mitgliedern teilen wollen.

Was muss sich in der Schweiz ändern?

Die Schweizer Wirtschaft ist eher traditionell geprägt. Grosskonzerne und alteingesessene Bankhäuser sind seit Generationen bestimmend. Die Start-up-Kultur ist relativ neu, sie ist jung, sie ist schnell, sie ist digital, sie ist international. Die Rahmenbedingungen hierzulande stehen einer Entwicklung dieser Kultur im Weg. Gründer sehen sich mehr Hürden als Hilfen gegenüber.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Die Zürcher Start-up-Steuer ist nur ein Beispiel, wie junge Unternehmer an andere Standorte getrieben werden. Eine Besteuerung entsprechend der Bewertung aus Finanzierungsrunden wird von uns stark kritisiert und auch, wenn Teile dieser Regelung bereits entschärft wurden, so sind wir doch weit entfernt von einem Rahmen, der Start-ups bei der Entwicklung hilft, statt sie zu bremsen.

Wo besteht ausserdem Handlungsbedarf?

Junge Menschen arbeiten heutzutage überall auf der Welt. In der Welt der Start-ups ist es nicht wichtig, welchen Pass ein Mensch mitbringt, sondern welche Fähigkeiten. Wenn es um eine Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis geht, dann kann es in der Schweiz schnell sehr kompliziert werden. Andere Länder sind viel offener und erleichtern das Recruiting von internationalen Talenten. Dies sind nur ausgewählte Punkte – die Liste, die wir bearbeiten wollen, ist deutlich länger.

Der Schweizer Finanzplatz ist einer der grössten der Welt. Welche Rolle nehmen in diesem Umfeld die Fintechs ein?

Fintechs werden in der Schweiz noch immer deutlich unterschätzt. Dies hat erst kürzlich die Hochschule Luzern in einer Studie wieder festgestellt. Fintechs bringen nicht nur neue Ideen und Modelle auf den Markt, sie sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Während in anderen Bereichen teilweise Personal abgebaut wird, schaffen Fintechs neue Arbeitsplätze und zwar Jahr für Jahr mehr. So hat sich die Anzahl der Fintech-Unternehmen seit 2010 versiebenfacht und wir sehen keine abnehmende Tendenz in dieser Entwicklung. In Zukunft werden die Finanzplätze der Welt dort zu finden sein, wo die Fintechs sind. Daher ist es höchste Zeit, dass die Schweiz in Bewegung kommt.

Warum kommt die Schweiz im Vergleich zu London nur so langsam weiter?

Es sind einerseits die bereits genannten regulatorischen Rahmenbedingungen, die in der Schweiz einen eher bremsenden als fördernden Effekt haben. Aber ich denke, dass es auch eine Mentalitätsfrage ist. Nicht umsonst kennen wir den Ausdruck des Selfmade Man aus dem Angelsächsischen. Unternehmergeist und Entrepreneurship sind dort wohl tiefer verwurzelt als hierzulande.

Gibt es noch andere Gründe?

Durchaus, die sogenannte Kultur des Scheiterns in der Schweiz noch nicht wirklich angekommen. In England oder den USA beispielsweise wird gesellschaftlich honoriert, wer wagt. Und nicht nur, wer gewinnt. Eine Insolvenz ist nicht gleichbedeutend mit dem Karriereende, in der Schweiz aber ist die Gefahr höher, dass ein Makel haften bleibt. Erfolgreich Karriere machen soll daher möglichst risikolos erfolgen, man strebt einen hochdotierten Posten in einem der bestehenden Grosskonzerne an, statt auf eigene Faust ein Unternehmen aus dem Boden zu stampfen.

Wie sieht die richtige Mischung aus Konkurrenzkampf oder Kooperation aus, um innovativ zu sein und die Entwicklungen voranzutreiben?

Mutig muss man sein und hartnäckig. Innovationen fallen nicht vom Himmel, selbst einen Geistesblitz kann ich nur mit viel Mut und Ausdauer erfolgreich umsetzen. Von Konkurrenzkampf halte ich nicht viel. Ich glaube, dass die besten Ergebnisse in Kooperation entstehen. Wer immer nur gegeneinander arbeitet, der blockiert.

Welche Chancen und Risiken lauern auf Unternehmer?

Wer den Schritt ins Unternehmertum wagt, hat immer das Risiko, zu scheitern, finanziell, aber auch persönlich. Unternehmer sind sehr viel stärker mit ihrer Idee verknüpft als ein Angestellter. Wenn sich diese Idee als nutzlos erweist, ist dies immer auch eine persönliche Niederlage. Auf der anderen Seite besteht die Chance, selbst wirklich etwas zu bewegen, durch Eigeninitiative etwas ganz Eigenes zu etablieren. Aus einer Niederlage kann man lernen und somit am Ende sogar profitieren. Man kann nicht nur eigene Ideen umsetzen, man schafft sich auch die eigenen Strukturen. Ein Unternehmen nach eigenen Vorstellungen aufzubauen, ist eine unvergleichbare Erfahrung. In einem Konzern wird man nie Gestaltungsmöglichkeiten in solchem Rahmen finden.

Abschliessend Frau Kehl, warum setzten Sie sich so aktiv für die Branche ein?

Ich bin von Herzen Unternehmerin und ich liebe die Schweiz. Ich liebe es, neue Wege zu gehen und wenn nötig auch Mauern einzureissen. Die Fintech-Branche ist meine unternehmerische Heimat, ich fühle mich ihr sehr verbunden. Ausserdem bin ich überzeugt von der zunehmenden Wichtigkeit dieser Branche, die künftig unser alleren Alltag mitbestimmen wird und zwar weltweit.

Welche Potenziale sehen Sie und welche Visionen haben Sie?

Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen können, den hiesigen Finanzplatz so zu transformieren, dass in Zukunft auf der Fintech-Weltkarte eine grosse Fahne auf dem Gebiet der Schweiz stecken wird.

Christina Kehl, Start-up-Gründerin von Knip und Initiantin des Netzwerks Swiss Finance Startups

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Crowdfunding auf dem Weg von Glamour zu Business

Der Report «Current State of Crowdfunding in Europe» nimmt die Entwicklungen im Markt für Peer-to-Peer-Finance unter die Lupe. Andreas Pages von Swisscom fasst im Interview die wichtigsten Erkenntnisse zusammen und zeigt auf vor welchen Herausforderungen der Markt steht.

Crowdfunding
Text: Barbara Kalhammer

Wie hat sich der europäische Crowdfunding-Markt 2015 entwickelt?

Ein weiteres Wachstum war zu erwarten. Die Bereiche haben sich jedoch unterschiedlich entwickelt. So wächst das Lending weiterhin am stärksten, während die Entwicklung im Supporting/Reward eher ein geringes Wachstum zeigt.

Wichtig ist aber, wie im Report Current State of Crowdfunding in Europe erstmalig festgehalten, dass bei der Entwicklung im Crowdfunding nicht nur auf die Umsatzzahlen eingegangen wird. Betrachtet werden sollte die Kombination mehrerer Faktoren wie Diversity, Approach Banking, Consumer Interest und die unterschiedlichen Ausprägungen im Crowdfunding.

Welche Faktoren sind für die Entwicklung entscheidend?

Eine Kombination mehrerer: Grösse des Marktes, Bekanntheit beziehungsweise Verständnis über Peer-to-Peer Finance, Unterstützung der Politik und Regularien, die diese Form von Finanzierung zulassen.

Welche Rolle spielt die Regulierung? 

Hierzulande spielt sie eine sehr wichtige Rolle. Echtes Crowdlending ist in der Schweiz bisher nicht möglich, aus rein regulatorischen Gründen.

Was sind die weiteren Schwierigkeiten?

Tendenziell bieten Crowdfunding Plattformen eine hohe Transparenz. Aber es wird eine Herausforderung sein, sich auf einheitliche Kriterien zu einigen und damit einen Standard für die ganze Industrie zu schaffen. Weitere Herausforderungen sind Unterstützung aus der Politik, Regularien für Peer-to-Peer Finance und das Schaffen von Steueranreize, um Investitionen attraktiver zu machen.

Welche Gefahren bestehen dabei?

Der Druck wächst. Wir haben (zu) viele Plattformen in der Schweiz. Ausländische Anbieter drängen auf den Markt. Eine der grössten Herausforderung liegt wohl in der Skalierung des Geschäftsmodells. Crowdfunding verliert langsam den Glamour und wird zum Business.

Warum gibt es so starke Unterschiede zwischen den Ländern?

Die wohl grossen Unterschiede liegen in der Kultur der Länder und den Regularien.

Wer ist Vorreiter?

Grossbritannien ist im Peer-to-Peer Finance führend in der EU und bietet bisher das beste Gesamtkonzept.

Wie sieht es in der Schweiz aus?

Die Schweiz liegt im aktuellen Report «Current State of Crowdfunding in Europe» in den Top 10. Das ist erfreulich, zumal sich in dem letzten Jahr viel getan hat: Die Bekanntheit wurde durch die Medien erhöht, zudem finden wir heute fast 40 Plattformen der unterschiedlichsten Arten von Crowdfunding. Erfreulich ist auch, dass Politik und Regulatoren aufmerksam und aktiv geworden sind.

Zeigen auch klassische Banken Interesse?

Sie zeigen Interesse im Crowd-Supporting. So haben wir bereits drei Banken, die 2016 mit einer eigenen Plattform am Markt sind bzw. Erfahrungen sammeln wollen. Dies kann jedoch nur ein Einstieg sein. Banken müssten  im Bereich viel aktiver Lending werden, vornehmlich beim KMU Lending. Hier liegt das Potenzial.

Warum ist das Interesse noch zögerlich? 

Vergleicht man die Situation der Schweizer Banken im Crowdfunding, erkennt man die unterschiedlichen Ansätze: Momentan setzen sie auf eigene Supporting-Plattformen. Im Ausland arbeiten Banken mit bestehenden Plattformen zusammen, um Kredite bereitstellen.

Wenn eine Bank nur den Bereich Crowd-Supporting im Fokus hat, mag es aus Marketing-Perspektive durchaus sinnvoll erscheinen, eine eigene Plattform zu bestreiben. Jedoch ändert sich die Argumentation mit dem Lending/Investing. Hier sollten die Argumente Skalierung und Effizienz ebenfalls betrachtet werden. Die Situation ändert sich auch, wenn eine Bank das Prinzip Peer-to-Peer Finance für eine Kundeninterne Plattform nutzen möchte.

Welches Potenzial hat Crowdfunding in der Schweiz?

Die Chancen sind da, Crowdfunding kann sehr viel ermöglichen. Erlebt haben wir dies am Beispiel der Branche Kunst und Kultur. Weitere Potenziale in der Schweiz sehe ich in einer Spendenplattform, in der Finanzierung von Immobilien und KMU. Das Thema scheint aber auch für Städte und Gemeinden interessant zu sein.

Hat Crowdfunding die Chance, eine ernsthafte Alternative zu traditionellen Finanzierungen zu werden?

Ja. In ein paar Jahren werden wir auch nicht mehr vom Crowdfunding sprechen. Wir sprechen dann vom Peer-to-Peer Finance. Diese Art der Finanzierung wird für uns viel alltäglicher sein als heute.

Was sind die grössten Herausforderungen?

Kurzfristig die Bekanntheit des Peer-to-Peer Finance weiter zu fördern und die Unterstützung der Politik, die aus der Industrie geforderten regulatorischen Anpassungen umzusetzen. Mittelfristig werden sich skalierbare Modelle etablieren und Collaboration wird gesucht werden.

Andreas Pages ist Head Crowdfunding bei Swisscom.

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Stimmen aus der Finance 2.0 Konferenz

Twitter ist auf der Finance 2.0-Konferenz ein wichtiges Sprachrohr. Die Community lässt die ganze Welt an der Konferenz teilhaben und teilt, Emotionen, News, Statements und Bilder.

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Bilder zur Flagship Konferenz «Finance 2.0»

Mit 400 Teilnehmer schliesst die Finance 2.0 Konferenz nathlos an die Erfolge der Vorjahre an. Im Zürcher Schiffbau traten nicht nur nationale und internationale Fintech Experten auf, sondern auch das Schweizer Netzwerk wurde gepflegt.

Der Austausch der jungen wilden Fintech-Unternehmer mit den traditionellen Finanzdienstleister ist ein zentrales Element der Finance 2.0 Konferenz.

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Official Aftermovie Finance 2.0 Conference

Die Finance 2.0 Conference 2016 ist Geschichte – Der offizielle Aftermovie, frisch aus dem Schnitt, hat die besten Momente der Konferenz festgehalten. Viel Spass beim Anschauen.

Finance20-2016-18
Text: Marco Demont

Die Finance 2.0 ist die grösste und wichtigste Konferenz im Bereich FinTech.  Diese Jahr haben sich 400 Teilnehmer aus der Finanz-, Technologie-, Beratungs- und Startup-Szene am 9.3.2016 im Zürcher Schiffbau zur Finance 2.0 getroffen. Es war bereits die 4. Ausgabe der Finance 2.0.

 

 

 

 

  1. […] you are interested in some impressions of the recent Finance 2.0 event, have a look here: http://www.finance20.ch/official-aftermovie-finance-2-0-conference/ – you will find the official […]

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Einblicke in die Berliner Fintech Schmiede

FinLeap ist eine auf Fintech spezialisierte Startup-Fabrik. Im Twitter-Gespräch erläutert Co-Founder Ramin Niroumand was genau ein Company Builder ist und warum es überhaupt Fintech benötigt.

Blog-Niroumand
Text: Rino Borini

Ramin, alle reden über #Fintech. Ein Hype?
Die #Digitalisierung erfasst alle Teile der #Wirtschaft. Auch Finanzdienstleistungen werden nicht kurzfristig sondern nachhaltig verändert.

Warum braucht es Fintech überhaupt?
Banken fehlt wg. gewachsener Strukturen, fehlender Incentivierung & Kultur die #Innovationskraft, um die neuen Kundenerwartungen zu erfüllen.

Warum Fintech in Berlin und nicht in der Bankenmetropole Frankfurt?
Zurzeit bietet Berlin für #Fintech-Startups ideale Bedingungen. Wichtiger ist aber der Erfolg der Fintech-Standorte Deutschland & Europa.

Hat Deutschland nicht den Zug verpasst? Alle reden von London.
Die #Finanzbranche hat grosse Tradition in London. Der Vorsprung ist da, wird aber aufgeholt.

Was sind eigentlich die Unterschiede zwischen Deutschland und Schweiz?
Beide Länder stehen für #Innovationen. Deutschland eher für #Technologie, die Schweiz eher im Finanzbereich.

Aber Deutschland ist keine Bankennation, Schweiz schon.
Fintech braucht keine #Banken. Konsumenten wollen gute & innovative Dienstleistungen, der Charakter des Anbieters ist zweitrangig.

Was ist @FinLeap eigentlich?
Ein #CompanyBuilder im Bereich Fintech. Wir gründen mit unseren Co-Foundern Ventures und binden sie in das @FinLeap Netzwerk ein.

Vorteile eines Company Builders gegenüber traditionellem Venture Capitalisten?
Wichtige Kompetenzen werden gebündelt. Gründer erhalten Zugang zu #Kapital & Experten aller Geschäftsbereiche, die aktiv unterstützen.

Wo seid ihr überall vertreten?
Unsere #Ventures sind in über 10 Ländern in Europa aktiv. In der Schweiz unterstützt uns z.B. @marcpbernegger bei unserer Strategie.

Mit welchen #Fintechs seid ihr dabei?
Ingesamt hat FinLeap 7 Ventures: @BillFrontLtd, @ClarkGermany, @financeAdsI, @FinReach, @Savedo_de, Pair und @ValendoDE.

Einige Zahlen zu #Finleaps Aktivitäten?
Wir haben 200 Kollegen aus 30 Ländern, 7 #Ventures in 6 #Fintech Bereichen und verfolgen dabei nur 1 Ziel: Reshaping Finance.

Bei welchen Fintech Themen seht ihr viel Potenzial?
Besonders #Insurtech und #Proptech werden an Relevanz gewinnen. Auch die #Blockchain-Technologie hat grosses Potenzial.

Wo steht #Fintech in Berlin 2020?
Auf Augenhöhe mit dem SiliconValley und London als treibende Kraft für #Innovationen in der Finanzindustrie in Europa.

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Mobile Payment: Der unnötige Zweikampf

Dass sich mobiles Bezahlen früher oder später durchsetzen wird, steht ausser Frage. Doch der mangelnde Kooperationswille innerhalb der Branche bremst die Entwicklungen des Mobile Payments.

Blog-paymit-twint
Text: Rino Borini

Eigentlich ist die Zukunft schon da: Dank mobilem Internet, ausgeklügelten Technologien und hohen Sicherheitsstandards sind Zahlungen mit dem Smartphone an immer mehr Verkaufsstellen möglich. Auch der Geldtransfer unter Privaten ist dank cleverer Apps einfacher denn je: Die Telefonnummer des Empfängers reicht, um Beträge in Echtzeit zu transferieren.

Ob Bargeld innert eines Jahrzehntes tatsächlich verschwinden wird, wie es John Cryan, Chef der Deutschen Bank prophezeit, wird sich zeigen. Sicher ist, dass es als Zahlungsmittel von digitalen Formen abgelöst wird. Wie das in einem fortgeschrittenen Stadium aussieht, zeigen die Nordländer: Wer etwa in Schweden mit Münzen oder Noten bezahlt, wird schräg angeschaut.

Ein Land, eine Bezahl-App

Auch Dänemark ist der bargeldlosen Gesellschaft schon ziemlich nahe. Fast die Hälfte der 5,6 Millionen Einwohner nutzt Mobile Payment – und zwar alle mit derselben App: «MobilePay» von der Dankse Bank. Diese wurde vor fast drei Jahren, im Mai 2013, lanciert. Die Anwendung steht allen offen, die Nutzer müssen nicht zwingend ein Konto bei der Danske Bank haben – was bei rund zwei Drittel der Fall ist.

Im Durchschnitt werden über die App jede Minute umgerechnet 6200 Franken transferiert. In über 19 000 Geschäften kann mit der Anwendung einfach und schnell bezahlt werden. Zudem wird fast jedes zweite Zugticket auf diese Weise beglichen. Auch Zahlungen in Webshops sind möglich: Knapp 3000 Online Shops akzeptieren Mobilepay.

Die App ist derart beliebt, dass sie nach Facebook und Facebook Messanger an dritter Stelle rangiert. Die Dänen haben etwas geschafft, was für eine kleine Nation eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte: das Etablieren eines einheitlichen mobilen Bezahlstandards, losgelöst von irgendwelchem Gärtchendenken. In der Schweiz ist eine solche Zusammenarbeit noch Wunschdenken.

 

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Helvetischer Föderalismus

Hierzulande herrscht beim mobilen Zahlen Föderalismus pur: Bis vor wenigen Monaten gab es knapp ein halbes Dutzend verschiedene Lösungen. Inzwischen kämpfen vor allem zwei Zahlsysteme um die Gunst der Kunden: Paymit und Twint.

Paymit ist ein Gemeinschaftswerk des Infrastrukturanbieters SIX sowie den Banken ZKB und UBS. Inzwischen sind auch Swisscom, Raiffeisen und diverse Kantonalbanken auf den Zug aufgesprungen. Twint wiederum ist eine 100-Prozent-Tochter der Postfinance, die nicht nur das Versenden von Geld ermöglicht, sondern auch Bezahlen in Geschäften. Diesen letzten Schritt hat Paymit noch nicht vollzogen, doch ab März soll diese Möglichkeit ebenfalls bestehen. Auch bei Twint sind andere Banken dabei, wie Bank Coop, Valiant und ebenso einige Kantonalbanken.

Beide Anbieter kämpfen stark um die Gunst der Banken. Zweikämpfe mögen im Sport eine spannende Sache sein, wenn es darum geht, einen Bezahlstandard zu etablieren, sind sie es nicht. Zwei Standards sind in einem Acht-Millionen-Land einer zu viel.

Zufrieden mit der jetzigen Situation sind lediglich die Werbeindustrie und die Entwicklerbranche. Für die Kunden und letztlich für die Finanzbranche ist die Lage eher schädlich – wenn nicht sogar gefährlich: Je mehr sich Paymit und Twint bekämpfen und gegenseitig schwächen, statt gemeinsam zu wachsen, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass ein externer Dritter das Rennen macht. Apple oder Facebook würden liebend gerne in die Bresche springen; an Investitionskapital mangelt es nicht, und Zugang zur Konsumentenschnittstelle haben beide seit Jahren.

Unattraktiv sind zwei verschiedene Systeme auch für die Ladenbesitzer. Denn Twint arbeitet mit der Beacon-Technologie, die ohne Near Field Communication (NFC) auskommt. Das ist aus Technologiesicht sehr clever, bedeutet jedoch auch, dass jeder Ladenbesitzer neben seinem herkömmlichen Kreditkartenterminal noch einen Beacon hinpflastern muss. Bei Paymit muss beim Start einen QR-Code eingescannt werden. Das ist eher antiquiert und kann nicht das Endziel sein.

Lernen aus der Vergangenheit

Ob Twint oder Paymit die bessere Lösung ist, ist Geschmackssache. Klar ist: Würden sämtliche relevanten Player ihre Kräfte bündeln und gemeinsam das Beste aus beiden Welten zu einer Lösung vereinen, hätte dies das Zeug, im Nu zum nationalen Standard zu werden. Angesichts einer derart breit abgestützten Lösung würden ausländische Anbieter es sich zwei Mal überlegen, ob der Schweizer Markt in Angriff genommen werden sollte. Und vor allem: Für Herr und Frau Schweizer ist es bedeutend einfacher und effizienter.

Eine gemeinsame Lösung sollte letztlich auch im Sinne des Staates sein. Und diesem gehört immerhin die Postfinance, die ja zu 100 Prozent im Besitz der Post (die wiederum zu 100 Prozent dem Bund gehört) ist. Da kann es einem schon sauer aufstossen, dass sich das staatliche Unternehmen lieber auf einen aufreibenden Zweikampf einlässt, statt partnerschaftlich nach Lösungen zu suchen.

  1. Christian Bucheli sagt:

    Der Zweikampf in der Schweiz ist sicher schwierig um die Akzeptanz im Markt rasch durchzubringen. Aber auch in Dänemark gibt es nebst MobilePay der Danske Bank ein zweites Mobile Payment Scheme Namens Swipp, das von anderen Banken aufgebaut wurde.

  2. Der bessere gewinnt sagt:

    Dann sollte uns wohl auch sauer aufstossen das der Staat die UBS gerettet hat, hätte man das auch dem Markt überlassen gäbe es heute keinen Wettbewerb in diesem Bereich. Solche Argument hinken sorry. Postfinance hat hier sicherlich auch einen Vertrauensvorsprung, abe rschauen wir was sich auf dem Markt durchsetzt. In 12 Monaten wissen wir mehr.

  3. Isabella Gruszka sagt:

    Mich erinnert diese Diskussion ein wenig an die „User-friendly-Entwicklung“ bei den Bankomaten. Heute akzeptiert (fast) jeder Bankkmat (fast) jede „fremde“ Karte. Das wird auch im Fall von Mobile Payment sein. Aber eben lasst doch bitte die Werbebranche ein wenig noch verdienen. Das sage ich als digitaler Marketer

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Banken haben viel zu verlieren

Andreas Kubli, Leiter Multichannel Management & Digitization bei UBS Schweiz, wirft im Twitter-Interview einen Blick auf die zahlreichen Veränderungen bei Beratung, Bezahlwesen und Vermögensverwaltung.

Blog-Finance20-kubli
Text: Barbara Kalhammer

Herr Kubli, #Digitalisierung ist heute gelebte Realität. Warum hinkt #Banking hinterher?
Banken und ihre Kunden sind 2015 nochmals digitaler geworden. Es ist ein Marathon, kein Sprint.

Wird Banking #digital + social?
Social ist sehr spannend. Die dem Schweizer in Geldfragen typische Vertraulichkeit setzt aber ganz klar auch Grenzen.

Kommt #Banking in die Hosentasche?
#MobileBanking-Apps müssen künftig in der Lage sein, alle einfachen Bankingbedürfnisse «fallabschliessend» erledigen zu können.

Sind #Fintechs die treibende Kraft?
Sie fördern den Innovationsdruck. Wir sind in regelmässigem Austausch mit ihnen und halten Ausschau nach spannenden Kooperationen.

Fintechs sind also nicht die neuen Konkurrenten der Banken?
Für @UBSschweiz sind sie die neuen Partner. Wir helfen ihnen, ihre Innovationen rasch zu skalieren, siehe SumUp + bexio. @bexiocom

Haben Banken den Fortschritt verschlafen?
Banken wissen um @Kodak und haben gesehen, wie es der Reise-, Musik- und Medienindustrie ergangen ist.

Aber Fintechs sind erst seit kurzem ein Thema.
Nein, bei Banken ist das schon lange Thema. UBS hat bspw. in den frühen Nullerjahren –#MobileBanking auf WAP angeboten.

Erst jetzt stehen die Banken unter Zugzwang.
Banken haben viel zu verlieren. Darum übertreffen ihre eigenen Investments die astronomisch hohen Risikokapitalinvestitionen um ein Vielfaches.

Was bremst Banken, sich den Innovationen zu öffnen?
Es ist viel komplexer, ein Geschäft mit Millionen Kunden in der ganzen Breite weiterzuentwickeln als Lösung für einen Use Case zu lancieren.

Was bedeutet Digitalisierung für den Kunden? #Digitization
Bankkunden werden die grossen Gewinner der Digitalisierung sein. Sie erhalten mehr #Banking für weniger Geld.

Auf welchen Ebenen geschieht der Wandel?
Zuerst wird primär das Kundeninterface digitalisiert. Mehr und mehr geschieht dies aber end-to-end, d. h. bis ins Backoffice hinein.

Wo ist die Entwicklung am weitesten fortgeschritten?
Dort, wo «fallabschliessend» digitalisiert werden kann, z.B. im #Zahlungsverkehr oder bei der Konsumfinanzierung.

Wie wichtig ist #Security? #Cyberrisk
Absolut zentral. Einerseits, um Risiken unter Kontrolle zu halten. Anderseits als Voraussetzung zur Kundenverhaltensveränderung.

Wird die Bankfiliale schon bald der Vergangenheit angehören?
Nein, Kunden erwarten auch künftig Filialen. Seit @Apple Stores eröffnete, ist das klar. Verändern wird sich aber die Nutzung der Filialen.

Was dürfen die Kunden beim Kontakt mit Ihrer Bank erwarten?
Dass sie Bankgeschäfte über alle Kanäle hinweg nahtlos abwickeln können. #multichannel

Ist die Bank dann rund um die Uhr erreichbar?
Natürlich. Die UBS ist bspw. digital und via Customer Service Center 24/7 erreichbar.

Auch auf Stufe Berater?
Berater nein, aber Beratung im Rahmen neuer Beratungsformen immer mehr.

Wie sieht das aus?
Mit dem ins E-Banking integrierten UBS Advice haben wir in der «rund-um-die-Uhr-Beratung» Neuland beschritten.

Wird sich die Rolle des Bankers in der Beratung verändern?
Ganz klar. Reine Administrationsarbeit und einfache Tätigkeiten erfolgen künftig primär digital.

Übernehmen künftig Computer und Algorithmen den Anlageprozess?
Jein. Asset-Allokations-Entscheide wie die UBS House View (Hausmeinung) werden auch künftig nicht Computern delegiert werden können.

Wo werden sie dann eingesetzt?
Sie machen auf der UBS House View basierende Analysen, wie nächtliche Health Checks bei 650 000 UBS Advice Portfolios, erst möglich.

Laufen #Roboadvisor den Vermögensverwaltern künftig den Rang ab?
Wir glauben, der Kunde wird hybrid unterwegs sein: primär digital und für gewisse Themen unterstützt durch den persönlichen Berater.

Wo braucht es noch Menschen im Anlageprozess?
Es ist ähnlich wie in der Medizin: Der Kunde ist immer besser informiert, aber grosse Entscheidungen will er mit einem Menschen besprechen.

Nicht nur das Anlegen und die Beratung wandeln sich, auch das Bezahlen. #mobilepayment
Absolut! Ärgere mich, wenn von mir Cash verlangt wird und ich Münz als Retourgeld erhalte. Oder ich Karten nicht bequem einsetzen kann.

Das Portemonnaie der Zukunft ist dann wohl nicht mehr aus Leder.
Ja, ich habe mein Lederportemonnaie bereits 1997 abgeschafft. Wer aber unbedingt Leder will, für den gibt es ja noch lederne Handycover.

Warum kommt mobiles Bezahlen in der Schweiz nicht voran? #mobilepayment
Mobiles Bezahlen steckt in allen Ländern mit einer gut ausgebauten Bankinfrastruktur noch in den Anfängen.

Was müsste sich ändern?
Der Fokus muss auf Lösungen liegen, wo mobiles Bezahlen wie bei P2P viel besser als die traditionelle Methode ist. z.B. #ecommerce

Was noch?
Wir brauchen auch Verhaltensänderungen bei den Kunden. Das alles braucht Zeit.

Brauchen wir einen nationalen Standard, damit nicht #applepay das Rennen macht?
Absolut! Es wäre super hilfreich, wenn @PostFinance beim offenen System #Paymit mitmachen und @Twint_AG einbringen würde.

Zum Schluss: Welches ist Ihre persönliche Lieblings-App?
Ich liebe viele Apps. Wenn ich aber eine herauspicken müsste, würde ich als Nicht-Auto-besitzer @Uber wählen.

Warum?
Weil Uber bewiesen hat, dass man selbst eine gute Lösung wie mytaxi aus Kundensicht noch viel, viel, viel besser machen kann.

Welches andere Nicht-Banken-Unternehmen macht einen hervorragenden Job im Bereich #Digitalisierung?
Ich nehme @TheEconomist. Durch App und #SocialMedia wurde ich vom Gelegenheits-leser zum regelmässiger Leser.

Andreas Kubli arbeitet seit 2010 bei der UBS. 2013 wurde er Leiter der Abteilung Multichannel Management & Digitization, zuvor verantwortete er den Bereich Strategy & Business Development. Vor seiner Tätigkeit bei der UBS war er Partner bei McKinsey. Kubli hat die Rechtsanwaltszulassung für Zürich und New York. 

Dieses Interview ist in der Ausgabe Nr. 1-16 des Wirtschaftsmagazin PUNKT erschienen.

  1. Interessantes Interview. Die Fragen sind toll und besonders schön sind die Antworten.

  2. […] Banking». Denn Banken haben viel zu verlieren, das sagt auch die grösste Schweizer Bank (hier in einem Interview […]

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Build the digital future

The Swiss leading Finance 2.0 & FinTech conference – Save the date!

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Text: Rino Borini

It‘s going on! After the fully booked Finance 2.0 Conference in spring 2015, followed by the fully booked Cryptofinance Conference in September 2015, we are pleased to announce the next round of Finance 2.0 – the Swiss leading Finance 2.0 & FinTech conference. All about the future of digital banking. This time the venue will be Schiffbau in Zurich West. You’ll receive further information shortly.

Please mark your agenda already today: 9 March, 2016. We look forward to meeting you at our Main Conference 2016. Details about the agenda will be announced in due course: Conference 2016.

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Cybersecurity: Digitalisierung erhöht Sicherheitsbedarf

Die Zahl der Hackerangriffe und Cyberattacken nimmt kontinuierlich zu. Unternehmen und Regierungen sind darum gefordert im Bereich Cybersecurity aufzurüsten. Für Thomas Rappold bietet der Sicherheitsmarkt enormes Wachstumspotenzial.

Blog-Rappold
Text: Barbara Kalhammer

Was sind derzeit die wichtigsten Themen der Digitalisierung?
Thomas Rappold_ Die Digitalisierung wird getrieben durch das Silicon Valley, wo das Mantra gilt «Software is eating the world». Das bedeutet, dass heute alles aus Software-Sicht gedacht wird. Ein Beispiel dafür ist der Elektro-Automobilkonzern Tesla. Dort sind mehr als 60 Prozent der Mitarbeiter in Software-Projekte involviert. In der deutschen Autoindustrie sind es nur etwa vier Prozent.

Was sind die Treiber dieser Entwicklung?
Eine wichtige Rolle spielen Sensoren. Das sind kleine, intelligente Sende- und Empfangsbausteine, die mit Software interagieren. Sie ermöglichen intelligente Dienste wie autonomes Fahren. Weitere wichtige Treiber sind das Internet der Dinge, Heimautomatisierung und Cloud Computing.

Der aktuelle Boom erinnert viele an die Dotcom-Blase. Sie auch?
Man muss unterscheiden zwischen börsenkotierten Firmen und jenen, die nicht an der Börse sind, sogenannte Unicorns. In die erste Kategorie fallen bekannte Unternehmen wie Apple, Google und Facebook. Diese drei sind stark aufgestellt und haben 300 Milliarden Cash zur Verfügung. In den vergangenen Jahren hat sich die Internetwirtschaft mit grossen Schritten entwickelt, sie ist das Rückgrat der Globalisierung geworden. Ihre Unternehmen sind heute so wichtig wie vor 15 Jahren die Stromversorger.

Wie erklärt sich ihre hohe Bewertung?
Die grossen börsenkotierten Unternehmen haben in ihrem Geschäftsfeld monopolartige Strukturen, die durch den Netzwerkeffekt immer stärker gefestigt werden. Da es nur eine Suchmaschine und ein soziales Netzwerk gibt, sind die Eintrittsbarrieren für neue Anbieter sehr hoch. Google und Co. sind nicht überbewertet, weil sie sehr viel Cashflow generieren und stark wachsen.

Und wie steht es um die Unicorns?
Die neueren Firmen gehen entweder an die Börse oder werden von den grossen Konzernen aufgekauft. Denn die Innovationskraft findet bei kleineren, wachstumsstarken Unternehmen statt. Durch ihren hohen Cash-Bestand haben es die grossen IT-Konzerne derzeit einfach. So baut Google derzeit das Modell Berkshire Hathaway von Warren Buffett in digitaler Form nach. Die einzelnen Geschäftsbereiche des Unternehmens wachsen dann, so wie beim bekannten US-Investor, über Beteiligungen.

Sie sehen also keine Übertreibungen?
Doch, es gibt einzelne Übertreibungen, etwa der hohe Wert des Online-Speicherdienstes Dropbox. Aber deren Anwendungen finden hohen Zuspruch, im Zweifelsfall könnte es zu einer Übernahme kommen.

Von welchen Entwicklungen profitieren diese Unternehmen?
Über allem stehen zwei Aspekte. Zum einen die Cloud-Infrastruktur sowie die fortschreitende Smartphone-Penetration und die dahinterstehenden App Stores von Google und Apple. Die Kombination aus App und Cloud-Diensten sorgt für eine starke Dynamik. Ein Unternehmen kann quasi aus dem Nichts auftauchen, ohne dass zuvor eine Infrastruktur aufgebaut werden muss.

Was ist der zweite Aspekt?
Die Time-to-market ist kürzer, Anwendungen können also schneller auf den Markt gebracht werden. Früher musste die gesamte Software selbst entwickelt werden, heute gibt es sogenannte API-Schnittstellen. Der Fahrdienst Uber hat beispielsweise die Schnittstellen Google Maps mit einer Kreditkartenabrechnung verknüpft. Vereinfacht kann von einer Lego-Software-Entwicklung gesprochen werden.

Gibt es weitere Beispiele?
Der Filmverleiher Netflix oder Dropbox. Sie haben keine eigene Hardware und Server-Infrastruktur, sondern mieten ihre Computerleistung über Amazon. Es kommt zu einer Virtualisierung der gesamten Infrastruktur.

Mit diesen Entwicklungen nehmen auch die sicherheitskritischen Vorfälle zu. Welchen Schaden richten Hacker-Angriffe an?
Die Unternehmensberatung PWC schätzt den Schaden auf 749 Milliarden bis 2,2 Billionen Dollar jährlich. Das sind mehr als drei Prozent der Gesamtwirtschaftsleistung. Und die Angriffe nehmen kontinuierlich zu.

Ist Cybersecurity der grösste Wachstumsmarkt der Technologiebranche?
Er gehört zu den wachstumsstärksten. Gemäss Untersuchungen wächst der IT-Markt mit drei bis vier Prozent pro Jahr, der Sicherheitsmarkt mit bis zu 30 Prozent. Die höheren Ausgaben für Sicherheit sind ein wichtiger Teil der Infrastruktur und Voraussetzung für die weitere Digitalisierung.

Wo ist der Bedarf am grössten?
Beim Schutz der Daten in der Cloud. Ebenfalls wichtig sind sichere Datenübertragungen bei der Vernetzung von Geräten.

Wo stehen wir bei diesen Entwicklungen?
Die Amerikaner sprechen beispielsweise bei Cloud-Diensten immer davon, dass wir nur die Spitze des Eisbergs sehen. So stecken wir bei der Speicherung von Behördendokumenten, Gesundheitsdaten oder auch Finanzdienstleistungen in den Kinderschuhen. Wir sehen wohl erst fünf bis zehn Prozent der möglichen Anwendungen. Auf der anderen Seite wird es dadurch immer wieder Missbrauch geben, wodurch wiederum die Nachfrage im Sicherheitsbereich wächst. Den absoluten Schutz gibt es nicht, es ist ein Wettlauf zwischen den beiden Parteien.

Wie viel geben Firmen für Sicherheit aus?
Bis 2020 dürfte der Cybersecurity-Markt ein Volumen von 170 Milliarden Dollar erreicht haben. Die Unternehmen geben enorme Summen für die Sicherheit aus. Im Finanzbereich sind es beispielsweise 2500 Dollar pro Jahr und Arbeitsplatz.

Trotzdem wird die Gefahr häufig immer noch unterschätzt.
Der Umgang mit Daten ist oft zu wenig umsichtig. Gerade bei der Verwendung von Smartphones wird eine Vielzahl an Daten übermittelt, wovon der Nutzer nichts merkt. Die Vernetzung wird immer grösser. Das ist auch der Grund, warum Google und Apple ins Auto-Geschäft einsteigen wollen. Sie wollen Zugang zu noch mehr Daten, um daraus Erlöse zu generieren.

Die Anbieter von Finanzprodukten haben diesen Trend erkannt und bieten entsprechende Produkte an. Welches Potenzial hat die Digitalisierung als Investmentthema?
Sie ist nicht wirklich ein Trend, sondern ein Wachstumssegment, das auch mittel- bis längerfristig Potenzial bietet.

Welche Chancen bietet der Technologiesektor den Anlegern?
Ich bezeichne ihn gerne als den grössten Binnenmarkt weltweit, sozusagen ein eigener Wirtschaftsraum. Der Internetbereich ist losgelöst von nationalen politischen Einflüssen. Eine Regulierung durch die Politik ist nicht möglich.

Was sind die Chancen und Risiken?
Internetwerte haben ein sehr geringes Beta und sind ein wichtiger Portfoliobestandteil. Im Bereich Cybersecurity ist mangelnde Innovationskraft das grösste Risiko. Durch die hohen Investitionen von Risikokapitalgebern und das ständige Wachstum an Unternehmen schätze ich die Risiken insgesamt niedrig ein.

Thomas Rappold ist Investor und Autor des Buches Silicon Valley Investing.

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Digitalisierung als Chance verstehen

Digitalisierung trifft mit voller Wucht auf die Finanzbranche. Besonders für die Mitarbeiter stellen die veränderten Kundenbedürfnisse eine grosse Herausforderung dar.
Um den Zug nicht zu verpassen und zu Rationalisierungsopfern zu werden, ist nun Weiterbildung in «Digital Finance» ein Muss.

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Text: *Costantino Lanni, Leiter Center for Financial Studies - HWZ Zürich

Kaum haben sich die Banken nach der Finanzkrise auf verschärfte Regulierungsauflagen, rekordtiefe Zinsen und misstrauische Bankkunden eingestellt, stehen bereits neue Veränderungen vor der Tür. Insbesondere der zunehmende Wunsch der Kunden nach einer raschen und weitreichenden Digitalisierung der Bankendienstleistungen stellt die hiesigen Institute vor neue Herausforderungen. Digitalisierung, mobile Kommunikationsformen und soziale Netzwerke werden zu integralen Bestandteilen der Geschäftsmodelle von Finanzinstituten. So wie die Musik-, Medien- und Reiseindustrie bereits grundlegend auf den Kopf gestellt wurden, steht auch die Finanzbranche vor einschneidenden Umwälzungen.

Dabei geht es nicht nur um den Zahlungsverkehr – im Gegenteil: Auch das Retail- und Private Banking sowie das Asset Management werden von der Digitalisierungswelle erfasst. Wollen die Finanzinstitute nicht Marktanteile an branchenfremde beziehungsweise aufstrebende Fintech-Unternehmen verlieren, müssen sie auf den digitalen Wandel reagieren. Die Finanzinstitute müssen die neuen Kundenbedürfnisse verstehen und entsprechende Lösungen anbieten.

Die Kunden von heute erwarten sinnvolle Finanzdienstleistungen, basierend auf ihren Daten. Sie wollen «Banking to go». Banking soll einfach, schnell und zielgerichtet erfüllt werden: «anytime, anywhere and on any device». Diese Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten. Das Rad dreht sich immer schneller und verlangt letztlich ein Umdenken, auf jeder Funktionsstufe. Nebst neuen Geschäftsmodellen entstehen durch die Digitalisierung auch neue Berufsbilder in Kombination mit neuen Arbeitsmodellen. So wird der Kundenberater zum Coach und «Experience Maker», der je nach Bedürfnis des Kunden ein Team aus Spezialisten zusammenstellt, um vorhandenes Know-How zu vernetzen und so für den Kunden einen echten Mehrwert generieren zu können.

Richtig umgesetzt eröffnet Digital Finance neue Chancen, Kunden über erweiterte Beratungsdienstleistungen und verbesserte Servicequalität Mehrwert zu bieten und die Kundenbindung zu stärken. Im diesen Umfeld haben Mitarbeiter mit digitalem Verständnis gute Aussichten. Dabei reicht es aber nicht, nur ein iPad bedienen zu können. Durch die Digitalisierung werden diverse Prozesse automatisiert und Bank- und Versicherungsmitarbeiter müssen eine rasche Reaktions- und Anpassungsfähigkeit aufweisen, damit sie nicht zu Rationalisierungsopfern werden.

Diejenigen, die aktiv den digitalen Transformationsprozess mitgestalten, benötigen Agilität und ein breites Verständnis für die neue Realität. Sie müssen die Sprache des Internets verstehen, sich ein neues Leadership-Verständnis aneignen und die technologischen Möglichkeiten erkennen. Die Digitalisierung eröffnet somit Chancen und Herausforderungen zugleich. Abwenden lässt sie der Prozess nicht mehr. Verschiedene Hochschulen stellen sich diesen neuen Herausforderungen mit einem wachsenden Ausbildungsangebot im Bereich der Digital Finance.

Weitere Infos zum CAS «Digital Finance» an der Hochschule für Wirtschaft Zürich

 

Dieser Artikel erschien am 14. November 2015 in der Finanz und Wirtschaft

*Costantino Lanni, Studienleitung MAS Banking & Finance an der Hochschule für Wirtschaft Zürich

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Switzerland – an important FinTech Hub in the near Future?

Everybody speaks about FinTech – What is the international position of Switzerland? What are the opportunities? New Study by Roland Berger and Swiss Finance Startups. Switzerland must seize the FinTech opportunity now.

Text: Urs Haeusler, serial web entrepreneur & fintech expert

Download the Swiss FinTech Study here:

  • The rapid worldwide development of startups in the FinTech industry will lead to significant shifts in the global financial industry.
  • Innovations in the FinTech area lead to a fragmentation of the value chain and thus drive the specialization and cooperation between established financial service providers and the FinTech startups even further.
  • Switzerland’s financial center offers a promising starting point for FinTech companies. Compared to the leading FinTech hubs (eg. London or Silicon Valley), Switzerland is still well behind expectations.
  • Around three-quarters of the surveyed Swiss FinTech companies indicate that they would likt to sell their products and services also in Europe.
  • For the development of the FinTech Hub Switzerland innovative collaborations, a healthy competition and first success stories are of crucial importance.
swissfintech

Urs Haeusler, Member of the Board Swiss Finance Startups, CEO Dealmarket AG

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Fintech In Switzerland: Success As A Niche Player

Switzerland has everything it takes to advance to the leading finTech nations. First-class financial institutions such as UBS or CS, leading banking software manufacturers such as Avaloq or Finnova and research departments of ICT heavyweights such as Google and IBM call Switzerland their home.

Text: Marc P. Bernegger

In addition, the Swiss Federal Institutes of Technology in Zurich and Lausanne are among the leading international universities for technology and engineering. The high quality of life in Switzerland is well known. Even globally leading fintech personalities think highly of Switzerland as a fintech location. So said Susanne Chishti, CEO and founder of London’s fintech Circles, one of the world’s oldest fintech networks:

A look at the relevant rankings in the fintech field reveals, however, that Switzerland or Swiss cities are not being represented at all or can be found in the midfield at the best. Currently, Asian cities such as Singapore or Hong Kong are at the forefront followed by London and New York. After all, we see a clear upward trend for Switzerland. Until recently, not a single Swiss city appeared on any fintech map.

Finma and Fintech?

There are many reasons for the weak performance of Switzerland in fintech rankings. One of them certainly is the relatively comprehensive regulatory framework in Switzerland in the field of online banking. Another reason may be the Financial Market Authority (FINMA). FINMA has no special fintech strategy because the current legislation, adopted by parliament, contains no specific provisions. In this respect, the City of London is proactive. The Financial Market Authority in London collaborates with the startups and has developed a special program for counseling fintech startups.

As much as we are flattered by good rankings, it can’t be the goal to achieve top results in relevant rankings as quickly as possible. We rather must ask ourselves in what area we really can compete and on what strengths we can build upon. Because fintech is not equal fintech. Fintech is multifaceted and includes everything from banking infrastructure and payment solutions to lending platforms and digital currencies. CB Insights, a tech company in New York, has tried to outline the various fintech sectors in a way that is similar to Chemistry’s periodic table (see figure below).

https://www.cbinsights.com/blog/fin-tech-periodic-table/

Currently, only one company headquartered in Switzerland is represented in the fintech periodic table: the company XAPO in the sector digital currency. XAPO offers secure storage of the digital currency Bitcoin. They moved its headquarters mid-2015 from the Silicon Valley to Zug. XAPO seems satisfied with the move to the Greater Zurich Area.

Cryptovalley Zug

The company lists 10 reasons for Switzerland in a recent blog post. According to XAPO, privacy is one of the major reasons for Switzerland. For more information see xapo.com/resources/switzerland. In addition to XAPO, numerous other providers of digital currency solutions have found their way to Switzerland and the Greater Zurich Area. The canton of Zug is already being considered a global center for crypto currencies and received the name Crypto Valley. In the Crypto Valley new storage solutions, new encryption technologies or new digital currencies are being developed. The possibilities are virtually unlimited – Bitcoins are just one option among a wide variety of options.

A major driver of the development of the Crypto Valley is the company Monetas. The young company is committed to a decentralized, global system for financial and legal transactions – without intermediaries, with vanishingly low transaction fees, to use with your smartphone, and faster than traditional banking transactions. Another company that promotes the development of the Crypto Valley is Ethereum. The company goes even one step further than Monetas and wants not only to decentralize financial transactions, but also cloud storage solutions.

The reasons for the success of the Crypto-movement in the Greater Zurich Area can be found in well-known location advantages such as the long-standing tradition of privacy, the stable direct democracy and a supportive environment in IT. In addition, companies in the region started to form a cluster and offer a unique expertise in cryptographic or security issues. And: Crypto currencies are treated as a foreign currency in Switzerland. This means that no new laws are needed and the tax environment is highly competitive.

Numerous Crypto events in the Greater Zurich Area show how lively the Crypto scene is. For example, the first-ever Crypto Finance Conference took place on September 23rd in Zurich (http://www.finance20.ch). With over 250 participants the event was sold out and brought together renowned speakers. Besides this conference, various other events and meetups are currently being held in the region.

It is not to be expected that Switzerland will be among the leading finTech nations anytime soon. Switzerland will be positioned in the midfield across all fintech disciplines. However, in a few fintech niches, such as the Crypto-niche, companies in the Greater Zurich Area might contribute to a strong growth. Similar to other successful Swiss industries, Swiss fintech will be successful as a niche player.

Marc P. Bernegger is a serial web entrepreneur and fintech investor from Switzerland. He co-founded and exited two internet companies (usgang.ch, amiando) and since 2010 he is active as an investor focusing on fintech / finance 2.0.

 

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«Banking muss einfach, transparent und sexy sein»

Die Schweiz hat alle Zutaten um international auch im Bereich Finanzinnovation zu überzeugen. Stabilität und Sicherheit sind zwei entscheidende Standortvorteile. Und inzwischen tut sich hierzulande auch einiges. Fintechs sind gekommen um zu bleiben, ein zentrales Element der Finance 2.0 Welt.

Text: Franziska Garbe, Communication Specialist, SIX

SIX ist eine wichtige Institution auf dem Schweizer Finanzplatz: sie verantwortet unter anderem eine stabile Abwicklung des Wertpapierhandels, zuverlässige Finanzinformationen und einen reibungslosen Zahlungsverkehr. Das Unternehmen versteht sich als «Enabler» für Banken und Finanzdienstleister und lotet in ihrem «Technology Incubator» F10 die Chancen neuer Technologien für die Finanzindustrie aus.

Neue Technologien machen auch in der Finanzwirtschaft effizientere, transparentere oder sogar völlig neue Dienstleistungen möglich und treiben deren Entwicklung gerade rasant voran. Die Digitalisierung ist –  nachdem sie Branchen wie die Medien- oder die Reisebranche bereits nachhaltig verändert hat – bei den Finanzdienstleistern angekommen, und fordert ein radikales Umdenken bei Geschäftsmodellen und Kundenverständnis. «Dank der Digitalisierung können sich Kunden heute in allen Lebensbereichen umfassend informieren, Dienstleistungen vergleichen und dementsprechend auswählen», sagt Rino Borini Verleger des Wirtschaftsmagazins Punkt. «Banken müssen sich auf ihre Kunden einstellen, wenn sie in ihren traditionellen Geschäftsfeldern nicht überflüssig werden wollen. Finance 2.0 muss einfach, transparent und sexy sein.» Borini hat 2013 in Zürich die «Finance 2.0 Conference» ins Leben gerufen, an der Finanzfachleute sich vernetzen und ihr Wissen über Technologien und Trends verbessern können.

Zahlreiche Fintech-Aktivitäten

«Nimmt man die steigende Anzahl der Teilnehmer an solchen Konferenzen als Gradmesser, zeigt das, welchen Schub das Thema FinTech in den letzten ein bis zwei Jahren erfahren hat», sagt Andreas Iten, verantwortlich für Technologie-Innovation bei SIX. Gemeinsam mit Swisscom und den Grossbanken ist SIX mit ihrem Technology Incubator eines der «Schwergewichte» in der Schweizer FinTech-Szene, die ansonsten wie überall stark von Start-ups geprägt wird. Diese Konstellation hat eine hierzulande noch recht neue Denk- und Arbeitsweise weiter vorangebracht: Kollaboration statt Konkurrenz.

Um Unternehmertum zu fördern, Innovation voranzutreiben und ein Innovations-Ökosystem aufzubauen haben sich SIX, Swisscom und Credit Suisse mit dem Impact Hub Zürich im Projekt NEXT zusammengeschlossen. Im Impact Hub Zürich arbeiten Mitarbeiter von Grossunternehmen und Start-ups auf Augenhöhe im Coworking Space zusammen, tauschen sich aus und lernen voneinander. Um das Thema Fintech voranzutreiben, pilotieren die Partner gemeinsam mit der Zürcher Kantonalbank und Postfinance im November die Event-Reihe «Disrupt Finance»: Zehn noch unbekannte Start-ups mit disruptivem Potential sollen sich mit Experten der Grossunternehmen über Trends und Entwicklungen diskutieren und Lösungsansätze finden.

Kooperationen existieren auch ausserhalb dieses Projekts: so lässt etwa SIX Start-ups in der frühen Gründungsphase in den F10 einziehen, in der Hoffnung, sich deren Know How, Kreativität und Unternehmergeist ins Team zu holen, während die Jungunternehmer ihrerseits Coachings erhalten und vom bestehenden  Netzwerk und der Infrastruktur von SIX profitieren. Die UBS bietet in Zusammenarbeit mit dem Berliner Start-up Sum up eine mobile Bezahllösung für Kleinunternehmer an und hat zusammen mit SIX und Zürcher Kantonalbank die P2P-App Paymit lanciert. Für die Weiterentwicklung der App setzt SIX auf eine strategische Partnerschaft mit Swisscom: künftig soll der Kunde mit Paymit auch im Geschäft oder im Internet bezahlen können; Swisscom wird die Entwicklung von Zusatzdiensten rund um das Einkaufserlebnis vorantreiben.

«Wer ist Kunde, wer ist Lieferant, wer ist Partner, wer ist Konkurrent? Diese Grenzen lassen sich nicht mehr eindeutig ziehen», sagt Andreas Iten von SIX. «Damit müssen Unternehmen und auch Banken heute umgehen können. Letztendlich werden sich diejenigen durchsetzen, die in der Lage sind, dieses komplexe Ökosystem zu managen und erfolgreich für sich zu nutzen.»

Banken kooperieren mit Startups

Die Banken hätten dies durchaus erkannt, sagt Thomas Sutter, stellvertretender CEO und Leiter Kommunikation der Schweizerischen Bankiervereinigung. «Es ist wichtig, dass sich eine Fintech-Szene in der Schweiz entwickelt, damit die Banken ihre Wertschöpfungskette neu zusammensetzen und, wo es Sinn macht, Teile davon an ein Schweizer Unternehmen outsourcen können», sagt er. «Die Kundenschnittstelle müssen und wollen die Banken aber behalten.» Hier landet man schnell bei der Vertrauensfrage und – daran anknüpfend – bei der Frage nach Regulierung und Rahmenbedingungen für neue und alte Finanzdienstleister.

Ist die bestehende Regulierung noch zeitgemäss? Ist sie anwendbar auf die neuen Geschäftsmodelle und Prozesse, die ein digitales Banking mit sich bringt? Das müsste geprüft und gegebenenfalls angepasst werden, so Sutter. «Der Bankiervereinigung geht es nicht darum, die traditionellen Institute durch mehr Regulierung vor der Konkurrenz der Fintech-Unternehmen abzuschotten.» Er fordert gleich lange Spiesse für alle Akteure und ein stärkeres Commitment der Politik in Bern für Fintech und Digital Banking in und aus der Schweiz.

«Letztendlich wird es zwei Sorten von Fintech-Unternehmen geben», glaubt Andreas Iten: Solche, die  nah am Kunden sind, und dementsprechend eine optimale Front-End-Experience bieten können; und  solche, die für die vertrauensvolle Abwicklung von Transaktionen und anderen Backoffice-Prozessen  sorgen. Hier ist SIX mit ihrer stabilen Finanzmarktinfrastruktur besonders gut positioniert.

Sicherheit im Banking ist Key

Stabilität und Sicherheit sind zwei Standortvorteile, die die Schweiz auch im internationalen Wettbewerb in die Waagschale werfen muss. Denn im Vergleich zu London, Singapur oder New York, die massiv in die Start-up Förderung und ihre Positionierung im Bereich Fintech investieren, fehlt es dem Fintech-Standort Schweiz noch an Profil und internationaler Strahlkraft. Und so eröffnete denn auch die UBS im Sommer ihr Blockchain-Labor nicht in Zürich, sondern im angesagten Londoner Fintech Inkubator Level39. «Als globale Grossbank können wir natürlich dahin gehen, wo Innovation stattfindet. London hat sich in diesem Thema angeboten auf Grund eines bereits bestehenden inhaltlichen Clusters und der Nähe zu zahlreichen im Investment-Banking angesiedelten Use-Cases», so Andreas Kubli, Leiter Multikanal Management und Digitalisierung bei UBS. «Wir sind aber in der Schweiz verankert und an einem starken Fintech Ökosystem in unserem Heimmarkt interessiert. Aus diesem Grund arbeiten wir mit verschiedensten Partnern und Initiativen intensiv zusammen, um die Schweiz als FinTech-Standort weiter zu etablieren.»

UBS, Credit Suisse, Swisscom, SIX – alle «Grossen» in der Fintech-Szene engagieren sich mittlerweile in verschiedenen Initiativen und Netzwerken oder mit speziellen Accelerator-Programmen für  die Startup-Förderung und das Fintech-Ökosystem in der Schweiz. Der Aktionismus ist hoch, doch noch fehlt es an Koordination und einer klaren Ausrichtung. «Die Schweiz muss erkennen, welche Themen wichtig sind, und welche sie aufgrund ihrer klassischen Stärken besetzen kann», sagt der Verleger Rino Borini. Dazu gehörten etwa das Wealth und Asset Management, das Thema Block Chain und Crypto Currencies (Stabilität! Glaubwürdigkeit!) sowie das vorhandene Know How im Bereich Sicherheit und Big Data – man denke etwa an das CERN, die ETH oder auch Google mit seinem Headquarter in Zürich. Wenn es der Schweiz gelingt, das eigene Fintech-Profil basierend auf diesen Stärken zu schärfen, wird der Finanzplatz auch zukünftig weltweit konkurrenzfähig sein.

Dieser Beitrag ist am 21. Oktober in der Netzwoche erschienen.

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Successful Cryptocurrencies + Blockchain Conference in Zurich

First Cryptocurrencies + Blockchain conference in Zurich. The Start of a Revolution? Leading Expertes talked about of the long term potential of cryptofinance.

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The cryptocurrency «Bitcoin» generated a lot of positive and negative headlines in the media. With our conference #Crypto15 we kicked off the discussion on the long-term capabilities of digital currencies and their impact.

Bitcoin was launched six years ago. Blockchain, the fundamental technology behind it, contains a lot of potential. Will this technology transform the financial industry in the future? Will it be able to shift the paradigm towards stable financial systems? What are the impacts of Blockchain for other industries?

Leading experts talked about these topics in Zurich (get here the presentations). The conference attracted more than 250 participants and several prominent figures in the crypto and fintech industry.

Watch the video and get inspired.

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Best Tweets #Crypto15

As usual, finance 2.0 conferences are packed with intelligent speeches, wise words and remarkable moments, and attendees have captured them on Twitter.

Here is some of our favorite tweets from speakers, attendees, and our own writers.

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Stellen Robo-Advisor den Bankberater in Frage?

Die Digitalisierung stellt die Finanzbranche auf den Kopf. Nun geht es ans Filetstück, die Vermögensverwaltung. Besonders für die traditionellen Vermögensberater wird es eng. Ersetzen Robo-Advisor den Bankberater?

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Text: Barbara Kalhammer

Im Februar 2011 fanden drei einzigartige Ausgaben der amerikanischen Quizsendung Jeopardy statt. Der IBM-Computer Watson trat gegen zwei menschliche Mitspieler an – und schlug sie. Wer dies nur als schönes Beispiel für den Fortschritt der Algorithmen sah, hat weit gefehlt. Algorithmen gewinnen nicht nur Quizduelle gegen Menschen, seit neuestem verwalten sie auch deren Gelder.

Was früher der Bankberater bei einem persönlichen Treffen machte, übernehmen heute sogenannte Robo Advisor. Mittels Online-Fragebögen eruieren diese die persönliche Risikoneigung des Kunden, wobei auch Aspekte aus der Verhaltensökonomie berücksichtigt werden. Anhand des entstandenen Anlegerprofils berechnet der Algorithmus innert Sekunden eine passende Vermögensallokation.

Für die Umsetzung der Strategien werden hauptsächlich börsenkotierte Indexfonds, Exchange Traded Funds (ETF), eingesetzt. Gegenüber der traditionellen Vermögensverwaltung unterscheiden sich die digitalen Berater in drei Aspekten: Sie arbeiten mit einer automatisierten Software, die auf den Erkenntnissen der Finanzwissenschaft basiert wie beispielsweise der Portfoliotheorie von Harry Markowitz. Zudem sind sie günstiger und der Kunde kann sein Portfolio selbst verwalten, und zwar jederzeit – via PC, Tablet oder Smartphone.

Dank der Automatisierung und dem Einsatz von ETF sind die Verwaltungskosten der Robo-Advisor-Plattformen sehr tief, sie betragen zwischen 0,25 und 0,75 Prozent. Bei herkömmlichen Banken und unabhängigen Vermögensverwaltern fallen sie mit 1 bis 1,5 Prozent doppelt so hoch aus. «Robo Advisor könnten für die gesamte Vermögensverwaltung in der Schweiz, in Europa und wahrscheinlich auch global ein Game Changer werden», sagt Sven Württemberger, der beim ETF-Anbieter iShares den Deutschschweizer Markt verantwortet.

ETF machen in den USA bereits den Grossteil der privaten Anlagevermögen aus, auch in der Schweiz erfreuen sie sich einer immer grösseren Nachfrage privater Investoren. Robo Advisor können der Branche einen Mehrwert bieten, ist Württemberger überzeugt: «ETF können in der Online-Vermögensverwaltung, bei Model-Portfolios und Vermögensverwaltungs-Mandaten einfach eingesetzt werden. Für die ETF-Branche sind Robo Advisor ein zentraler und wichtiger Wachstumsmarkt.» Doch solche Veränderungen werden nicht nur durch den technologischen Fortschritt vorangetrieben, sondern auch durch die Bedürfnisse der Kunden. Massgebend ist hier die Generation Y.

Eine heikle Güterabwägung

Die Millennials, aufgewachsen mit Computer, Internet und Handy, fordern von ihrer Bank eine Anpassung des Angebots. Ein zentrales Element dabei ist Kommunikation: Sie soll online erfolgen. Den Gang in die Bankfiliale oder ein persönliches Beratungsgespräch mit ihrem Banker erachten sie als überflüssig. Schliesslich können sie sich die nötigen Informationen auch auf anderem Weg beschaffen. Jeder Dritte der technologieaffinen Generation Y geht davon aus, in fünf Jahren keine herkömmliche Bankfiliale mehr zu benötigen, wie die Goldman Sachs-Studie «Future of Finance» schreibt.

Diesen Trend bestätigt auch Marco Abele, Head Digital Private Banking bei Credit Suisse: «Dieser neuen Kundschaft der jungen Vermögenden dauert der persönliche Beratungsprozess zu lange und die Eintrittshürden sind zu hoch.» Gemäss einer Studie von Wells Fargo setzen nur 16 Prozent der Millennials auf einen Bankberater. Doch auch wenn die Kunden mit ihren geringen Vermögen für die Banken wenig gewinnbringend sind, so büssen diese durch Robo Advisor neue Kunden ein. «Zwar wird der Grossteil der bestehenden Kunden nicht abwandern, aber die neuen Anbieter gehen gezielt jene Kunden der Zukunft an, die nicht mehr vom Bankberater betreut werden wollen», sagt Abele.

Die aufgeklärten Selbstentscheider suchen nach digitalen und gleichzeitig sicheren Finanzlösungen. Darüber hinaus wollen sie detailliert und vollumfänglich informiert werden. Sie verlangen berechenbare Lösungen, die klar definierten Regeln folgen. Mit diesen Anliegen sind sie nicht alleine. Auch die Generation 60+ wendet sich vermehrt digitalen Inhalten zu. Senioren haben Zeit, sich mit den Technologien auseinanderzusetzen, und bevorzugen ebenfalls vermehrt den digitalen Kontakt. So wächst der Druck auf die Banken, ihre Dienstleistungen an die neue digitale Realität anzupassen, gleichzeitig von mehreren Seiten.

Neben der Digitalisierung gibt es einen weiteren wichtigen Treiber des Wandels: die Regulierung. Seit der Finanzkrise wurden zahlreiche neue Richtlinien und Verordnungen beschlossen, die die Finanzmärkte grundlegend verändert haben. Besonders verschärft wurden die Vorgaben zum Anlegerschutz, was auch die Beratungstätigkeit der Banken verändert. Der Trend geht hin zu einer Standardisierung der Produkte und Verfahren, die durchaus auch von Algorithmen übernommen werden kann. Gemäss Andreas Dietrich, Professor für Bankmanagement an der Hochschule Luzern, gilt das vor allem fürs Anlagegeschäft. Dort gebe es «enorm viel Optimierungspotenzial für eine Prozessautomatisierung», sagte er gegenüber AWP.

Wie in zahlreichen anderen Bereichen der Digitalisierung sind die USA auch in Sachen Robo Advisor Vorreiter. Die führenden Unternehmen sind Wealthfront, Betterment und der britische Anbieter Nutmeg. Wealthfront verwaltete gemäss eigenen Angaben Ende Juni bereits 2,6 Milliarden Dollar. Dabei sind 60 Prozent der insgesamt 37 500 Kunden jünger als 35 Jahre. Betterment kommt ebenfalls auf 2,6 Milliarden Dollar. Auch in der Schweiz haben erste Robo Advisor ihre Tätigkeit aufgenommen. Vorreiter und bislang einziger bankenunabhängiger Anbieter ist TrueWealth. Das Schweizer Start-up hat seit 2014 zirka 14 Millionen Franken eingesammelt. Um rentabel zu sein, reicht das natürlich nicht, aber TrueWealth befindet sich immer noch in der Anfangsphase.

Mittlerweile ist mit der Glarner Kantonalbank auch ein etablierter Bankenplayer eingestiegen und hat vor wenigen Monaten den Investomat lanciert. Das Vorgehen ist bei beiden Anbietern ähnlich, beim Investomat der Glarner KB können jedoch zusätzlich Satellitenanlagen eingesetzt werden. Mögliche Themen sind beispielsweise Dividenden und Immobilien Schweiz, Gold, Öl oder Wasser. Nachdem in einem ersten Schritt ein Anlagevorschlag erstellt wurde, wird die Gewichtung zwischen Basisanlagen und Themen anhand einer Risiko-/Rendite-Optimierung berechnet. Zudem hat der Kunde jederzeit die Möglichkeit, seine individuellen Bedürfnisse einzubringen. Klumpenrisiken werden nach Möglichkeit vermieden, die Gewichtungen werden dank eines regelmässigen Rebalancings an die Marktverhältnisse angepasst.

Bedeutung der Intuition

Trotz rasanter Fortschritte sind Robo Advisor nicht perfekt. Vor allem in Spezialfällen stossen sie mit ihren standardisierten Fragebögen an Grenzen. Familiäre, berufliche, persönliche Situationen sowie andere entscheidende Lebensabschnitte bleiben unberücksichtigt. Abele zufolge könnten solche Aspekte allerdings bald folgen. Wealthfront beispielsweise hat sich auf Steueroptimierung spezialisiert. Andere würden sich auf das Cash-Management konzentrieren. Für die Technologie sei so etwas keine Herausforderung. Kritischer sieht der Experte der Credit Suisse allerdings, dass die Robo Advisor die Portfolios nach neuester Finanzmarkttheorie konstruieren, diese aber noch nie in wilden Märkten getestet wurden. Gerade in solchen Phasen kann die menschliche Intuition von Bedeutung sein.

Kritiker bemängeln zudem, dass aus den wenigen Fragen kein fundiertes Rendite-/Risikoprofil abgeleitet werden könne. Die Anbieter müssen eine Abwägung vornehmen: Zu viele Fragen verkomplizieren den Anmeldeprozess und wirken abschreckend, zu wenige Fragen führen zu einem unzureichenden Rendite-/Risikoprofil, das die Situation des Anlegers falsch einschätzt. Für Abele wird es interessant zu beobachten sein, ob die Technologie jemals eine umfassende Beratung ermöglichen wird. Eine besondere Herausforderung sei zudem, dass die Robo Advisor das Rebalancing und alle Anpassungen ihren Kunden vermitteln müssen – und das ohne ein persönliches Gespräch. Wenn sie über Änderungen unzureichend informiert werden, entsteht das Gefühl, in eine Blackbox investiert zu sein.

Noch sind die Volumina der Robo Advisor gering, doch Abele ist überzeugt, dass das klassische Vermögensverwaltungsgeschäft durch die neuen Angebote langfristig unter starken Druck gerät. Ab 2020 seien die Digital Natives in der Mehrheit und spätestens dann werde das Wachstum stark zunehmen. Daher sei es für die Bankinstitute entscheidend, sich rechtzeitig in dem Bereich zu engagieren. «Wir bauen ebenfalls an einem internen Robo Advisor, der aber nicht voll elektronisch sein wird, sondern auch die persönliche Komponente einbaut. Ich bin überzeugt, dass in der DNA unserer Kunden immer noch der Bedarf nach menschlicher Interaktion besteht», sagt Abele. Eine solche Kombination wird als hybrides Modell bezeichnet. Wie die Hochschule Luzern (HSLU) in der Publikation «Status quo: Marktübersicht & Geschäftsmodelle» schreibt, «verläuft der Anlageprozess vollständig automatisiert und basiert auf vergangenheitsorientierten Algorithmen. Sofern der Kunde es wünscht, besteht jedoch die Möglichkeit zur punktuellen Beratungsunterstützung.» Bislang sind Angebote dieser Art selten.

Hybride Modelle

Ein solches Modell könnte künftig eine Ergänzung des Produktangebots von Retail-Banken sein. Dadurch hätten sie die Möglichkeit, bei geringeren Anlagesummen automatisierte Modelle einzusetzen. Zudem können so die Bedürfnisse von Anlegern gestillt werden, die auf keine Vermögensverwaltung vertrauen. Sie würden von tieferen Kosten profitieren und hätten den Vorteil einer Art Beratung auf Honorarbasis. Letztlich soll sich die Kundenzufriedenheit insgesamt erhöhen.

Für Abele hat ein solches hybrides Modell die besten Zukunftsaussichten. Denn es kombiniert die Effizienz, Einfachheit und Skalierbarkeit der Robo Advisor mit der menschlichen Komponente. Der Vorteil für den Anleger ist, dass seine persönlichen Präferenzen mehr Berücksichtigung finden bei der Portfoliokonstruktion und somit sein Vertrauen in die Lösung gestärkt wird.

Die Chancen für Robo Advisor, sich künftig einen Teil vom Vermögensverwaltungskuchen abzuschneiden, stehen gut. Auch weil der Kuchen grösser wird. Die Boston Consulting Group geht davon aus, dass die verwalteten Vermögen von derzeit etwas über 164 Billionen Dollar bis 2019 auf 222 Billionen Dollar wachsen. Die Studie rät den Vermögensverwaltern, mehr in digitale Dienstleistungen zu investieren.

Das theoretische Marktpotenzial, das durch digitale Anlageprodukte in der Schweiz abgedeckt werden könnte, beziffert die HSLU auf rund 587 Milliarden Franken – so viel Vermögen hielten Schweizer Privathaushalte Ende 2013 in Form von Wertschriften. Sie umfassen Anlagen in Aktien, Schuldentitel, Anteile an kollektiven Kapitalanlagen und strukturierte Produkte. In der Praxis traut die HSLU den Robo-Advisor-Unternehmen im besten Fall 7,8 Milliarden Franken zu. Im Basisszenario sind es 3,2 Milliarden. Für hybride Lösungen sehen sie Vermögen in Höhe von 4,4 Milliarden im Basis- beziehungsweise 8,1 Milliarden im progressiven Szenario.

Der Weg hin zur automatisierten Vermögensverwaltung ist geebnet. In den nächsten Jahren werden weitere Anbieter auf den Zug aufspringen, die Lösungen werden weiterentwickelt und verfeinert. Für Banken, die weiterhin vor allem mit dem herkömmlichen Modell arbeiten, bedeutet dies: Sie werden noch härter um die Kunden, vor allem Neukunden, kämpfen müssen.

Auch für Robo Advisor ist das Geschäft hart, denn die geringen Kosten haben zur Folge, dass die Anbieter nur tiefe Margen einfahren. Kompensieren können sie dies nur durch Grösse, sprich: Milliarden statt Millionen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

  1. Nina sagt:

    Zusätzlich Informationen aus der Schweiz zu Robo-Advisor: http://robo-investing.ch/

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Cryptocurrencies & Blockchain – The Start of a Revolution?

Finance 2.0, the leading industry forum in Switzerland, organizes «Cryptocurrency». This is the first conference about Cryptocurrencies & Blockchain in Switzerland. The conference will take place in the EWZ-Unterwerk Selnau on 23rd of September, 2015.

Crypto_Ticket

Finance 2.0 and Fintech are crucial current topics. The industry has a lot of potential. There are more than 120 Fintech companies in Switzerland. However, the local financial industry continues to lag behind. Finance 2.0 as well as shifting consumer needs are going to affect banks, insurance companies and other businesses. Switzerland should not drop back and utilize such new opportunities. Does Switzerland even have the potential to obtain a leading position in terms of Cryptocurrencies & Blockchain?

Nevertheless, Finance 2.0 is the most influential Swiss platform for these topics. «Crypto» is going to be the perfect conference for opinion leaders of banks, insurance companies and other related businesses.

Finance 2.0: Crypto

The main topics of Finance 2.0, Crypto are:

  • What is the long term potential of cryptocurrencies such as the Bitcoin?
  • Are cryptocurrencies able to transform the financial system fundamentally?
  • Information about the technologies behind.
  • Will Blockchain transform the financial industry in the future?
  • Information about the first Bitcoin-Bank in Switzerland.

Speakers and further information: www.finance20.ch/crypto2015

Social Media

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Digital Banking: Auf allen Kanälen

Die Digitalisierung macht auch vor dem Beruf des Bankberaters nicht Halt. In Zukunft wird er den Bedürfnissen der Kunden jederzeit und auf allen Kanälen gerecht werden müssen.

Text: Barbara Kalhammer

Nachdem die Digitalisierung in den vergangenen Jahren bereits die Musikindustrie, den Detailhandel und so gut wie jede andere Branche auf den Kopf gestellt hat, macht sich der technologische Wandel auch in der Finanzbranche immer stärker bemerkbar. «Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Windmühlen und die anderen Mauern», sagt ein Sprichwort aus China. Treffend beschreibt es die verschiedenen Arten, wie die einzelnen Finanzinstitute mit der Digitalisierung umgehen.

Während die einen Unternehmen die neuen technologischen Möglichkeiten zeitnah (aber nicht immer durchdacht) zu implementieren versuchen, schotten sich andere komplett ab. Dabei haben sie, zumindest längerfristig, gar keine Wahl. «Die Digitalisierung zwingt Banken zur grössten Transformation ihrer Geschichte», sagt Holger Spielberg, Chefinnovator der jüngst lancierten digitalen Privatbank der Credit Suisse.

In vielen Bereichen ist die Zukunft längst Gegenwart: Immer mehr Überweisungen und Kontoabfragen werden online oder mobil erledigt, auch das Bezahlen per Smartphone kommt in die Gänge. Eine Untersuchung des Beratungsunternehmens Roland Berger und Visa Europe zeigt, dass drei Viertel der befragten Bankkunden in der Schweiz ihre alltäglichen Bankgeschäfte online erledigen. Wer sich diesem Wandel verschliesse, werde zukünftig keinen Zugang zu neuen Kundensegmenten haben, erklärt Michael Carl vom 2b Ahead ThinkTank.

Die Veränderungen bleiben nicht ohne Auswirkungen auf die Zahl der analogen, also physischen Bankfilialen: Diese nimmt laufend ab. Auch dafür ist die Digitalisierung verantwortlich. Bankkunden seien nicht gewillt, für eine einfache Geldüberweisung am Schalter anzustehen, heisst es beispielsweise  bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). «Der Kunde entscheidet, wann und wie er unsere Services nutzt: digital, mobil, online oder im direkten Gespräch mit dem Bankberater», fasst Daniel Heinzmann, Leiter IT-Strategie der Bank, zusammen.

WasDerKundeWill

Präsenz auf allen Kanälen

Die Banken sind unter Zugzwang, sie müssen den veränderten Kundenbedürfnissen nachkommen. Diese betreffen primär Kommunikation und Erreichbarkeit. Banken müssen dem Kunden fortan auf allen Kanälen und rund um die Uhr zur Verfügung stehen, sei es per E-Mail, Video, Chat oder soziale Medien. «Ein zentraler Erfolgs- und Differenzierungsfaktor ist das Omnikanal-Management», betont auch Luc Schuurmans, der bei der Bank Linth für das Anlagegeschäft verantwortlich ist. Einer der wichtigsten Kanäle sind Videochats, wo sich Kunden jederzeit mit einem Berater kurzschliessen können. Die UBS pilotiert die Videokollaboration bereits in ausgewählten Geschäftsstellen, auch Live-Chats sollen noch in diesem Jahr möglich werden. Auch die Credit Suisse arbeitet zurzeit an der Einführung eines Video-Chats.

Doch das ist erst der Anfang. Ziel ist, dass der Kunde jederzeit und von jedem beliebigen Ort auf die gesamte Produktpalette und alle Dienstleistungen zugreifen kann. Gemäss der Studie «Das Omnichannel-Management der Zukunft» von 2b Ahead gilt es zu beachten, dass Kundenerlebnis und Servicelevel darunter nicht leiden. Gelingt dies, entsteht zwischen Kunde und Bankberater ein geringeres Abhängigkeitsverhältnis, als es in der Vergangenheit der Fall war.  Mit der Möglichkeit zur Kontaktaufnahme per Videotelefonie oder Chat und Präsenz in sozialen Netzwerken ist es aber nicht getan. Wichtig ist auch, dass von technischer Seite eine kontinuierliche Integration weiterer Kanäle ermöglicht wird.

«Die Bank muss über alle Kanäle stimmig erscheinen und durchgängig kommunizieren. Sie muss ein stimmiges Markengesicht transportieren», erklärt Carl. Keine leichte Aufgabe. Schuurmans sieht – nebst  der geschickten Integration der Kanäle – in der Benutzerfreundlichkeit der Zugangswege das grösste Differenzierungspotenzial. Die UBS hat eine konzise Multichannel-Strategie bereits in Angriff genommen. Die Zahlen bestätigten den eingeschlagenen Weg, sagte Andreas Kubli, Leiter Multichannel Management & Digitization in der UBS

Schweiz, im März gegenüber Medien. Das Nettowachstum des Geschäftsvolumens der digitalen UBS-Kunden liegt um 244 Prozent höher als das der nicht-digitalen. Kunden, die über digitale Kanäle mit der UBS in Beziehung stehen, generierten 24 Prozent mehr Ertrag als die traditionelle Kundschaft. Die Zahlen beziehen sich zwar auf das Retailbanking, doch im Wealth Management sieht es gemäss Kubli ähnlich aus.

Für die Banken sind diese Entwicklungen mit einer enormen Umstrukturierung verbunden. In erster Linie müssen sie eine technische Infrastruktur schaffen, um die verschiedenen Kanäle bedienen zu können. Dies bedingt eine exakte Struktur der Kommunikationswege und eine Echtzeit-Synchronisation der Plattformen. So können Berater jederzeit einsehen, wie der Kunde Kontakt aufgenommen hat und ob Fragen unbeantwortet blieben oder Informationen fehlten.

Das über alle Kanäle erstellte Kundenprofil erlaubt es den Beratern zudem, besser auf die Anliegen der Kunden einzugehen und ihnen massgeschneiderte Lösungen anzubieten. Diese Entwicklungen führen gemäss Michael Carl zu einem neuen Anforderungsprofil: Beim modernen Berater stehen nicht Produkt- oder Marktkenntnisse im Vordergrund – dafür gibt es die technologischen Hilfsmittel –, sondern psychologische Kompetenzen.

Wissen dank Big Data

Im Beratungsprozess gibt der Kunde eine Vielzahl an Daten preis, die für das Unternehmen von enormer Wichtigkeit sind. Eine umfangreiche Big-Data-Analyse ist gemäss Carl Pflicht. Durch die Datenanalyse und -interpretation lernt die Bank die Kunden besser kennen und kann ihre Bedürfnisse identifizieren. Auf Seiten des Beraters bedingt das ein Umdenken. Er sollte nicht mehr «auf seinem Kunden» beharren, sondern nur daran interessiert sein, diesen zufriedenzustellen. Wer sich des Anliegens des Kunden annimmt, ist dabei nebensächlich.

Während früher Diskretion, Sympathie und Fachwissen ausreichten, sind gemäss Schuurmans heute zusätzliche Fähigkeiten wie Beziehungsmanagement oder Technologieflair erforderlich.  In diesem neuen Umfeld fungiert der Berater als eine Art Coach, der den Kunden je nach Anliegen an Experten aus dem bankinternen Netzwerk weiterleitet. Mit der Einführung solcher Netzwerke könnte eine Veränderung der Bankenstruktur einhergehen. «An die Stelle der heute klar abgegrenzten Bereiche Account Management, Produktmanagement, Vertrieb und Marketing werden neue, netzartige Strukturen treten, die die Expertise aller Bereiche zusammenfassen und einen wirklichen Dialog mit dem Kunden erst ermöglichen», heisst es in der Studie von 2b Ahead ThinkTank.

Für Luc Schuurmans ist die Analyse der Bedürfnisse ein zentrales Element in der Beratung, denn sie steht am Anfang der Wertschöpfungskette. Werden hier Fehler gemacht, können sich diese folgenschwer auswirken. Ebenso entscheidend ist, dass dem Kunden Transparenz gewährt wird. Diese bildet die Basis für ein langfristiges Vertrauensverhältnis.

Zunehmende Transparenz heisst natürlich auch, dass der Kunde verstärkt Einblick in die Performance und die Kosten seines Geschäfts erhält. Bei einigen Banken habe in der Vergangenheit eine Verkaufskultur geherrscht, die primär auf den Vertragsabschluss abzielte, so Schuurmans. Heute haben die Zufriedenheit des Kunden, seine Bindung an das Institut sowie seine Weiterempfehlungen ein grösseres Gewicht erhalten.  Ein mögliches Vorgehen ist das Empfehlen von externen Produkten, wenn diese besser sind als die internen.

Für jede Situation das passende Produkt, ob die Bank nun daran verdient oder nicht, schafft gemäss Carl grosses Vertrauen: «Das Kundenvertrauen ist das höhere Gut – aber das ist ein tiefgreifender Lernprozess.»  Natürlich beinhaltet die Digitalisierung auch Risiken. Sie ermögliche zwar einen schnellen Zugang, einen besseren Überblick und individuellere Lösungen für die Kunden, schaffe jedoch eine gewisse Distanz und Anonymisierung, gibt Schuurmans zu bedenken.

Dieser Wandel geschieht nicht von heute auf morgen, sondern ist ein fortlaufender Prozess. Ob Kunden den Kontakt per Smartphone oder Tablet wirklich als Distanz empfinden, wird sich weisen. Gemäss Carl gibt es aber durchaus noch Kunden, für die der menschliche Mehrwert eine entscheidende Rolle spiele. Doch sie würden weniger.

DigitalPrivatBanking

Quelle: Luc Schuurmans, Bank Linth LLB AG

Trigger identifizieren

Die weitverbreitete Angst der Bankberater, durch die Digitalisierung überflüssig zu werden, ist aber übertrieben. Was sich verändert, ist ihre Funktion und damit einhergehend ihr Auftreten gegenüber den Kunden. Sie können ihnen keine Ammenmärchen mehr erzählen, sondern müssen für einen Dialog auf Augenhöhe gewappnet sein.

Heutige Kunden informieren sich per Internet über Angebote der Konkurrenz, sie sind nicht mehr so ahnungslos, wie sie es früher oft waren. Spätestens wenn der Kunde mehr weiss als der Berater, stimmt etwas grundsätzlich nicht mehr. Präsenz auf allen Kanälen, Kontakt zu internen Netzwerken und Dialog auf Augenhöhe markieren aber längst nicht das Ende der Innovation. Vorausdenkende Institute beschäftigen sich bereits damit, wie sie Kundenwünsche erfüllen können, noch bevor sie ausgesprochen werden. Ähnlich wie der Onlinehändler Amazon, der beispielsweise Kunden, die schon länger keine Druckerpatrone mehr gekauft haben, automatisch eine neue schicken will.

Laut Studie wird es zukünftig darum gehen, die Trigger zu identifizieren, die beim Kunden eine unbewusste Beschäftigung mit Finanzthemen auslösen. In diesen Alltagssituationen kann ihn der Finanzdienstleister an sich erinnern oder mit einem abgestimmten Angebot versorgen.  Die Banken und ihre Mitarbeiter werden in den nächsten Jahren stark gefordert sein, der Druck seitens der Kunden wird weiter zunehmen.

Dazu kommt der Umstand, dass laufend neue Anbieter, sogenannte FinTechs, aus dem Boden schiessen und versuchen, ihnen in spezifischen Bereichen den Rang abzulaufen. Das zwingt die Finanzinstitute dazu, selber innovative Lösungen zu entwickeln – oder mit FinTechs zusammenzuarbeiten. Wer dagegen weiterhin Mauern statt Windmühlen baut, hat längst verloren.

Der Beitrag ist im Wirtschaftsmagazin PUNKT in der Ausgabe «Kommunikation» erschienen. Das Magazin wird ebenfalls vom Medienhaus financialmedia AG herausgegeben.

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Warum Digitalisierung für Banken wichtig ist – Stimmen zur Finance 2.0 Konferenz

Die Digitalisierung krempelt ganze Geschäftsmodelle um, so auch das der Finanzindustrie. Obwohl die Schweiz eine jahrzehnte Tradition im Banking hat, bewegt sie sich zuwenig agil. Es ist höchste Zeit, dass die Schweiz international eine Stimme erhält.

Vorschaubild

Die Schweiz ist bezüglich Digitalisierung von Banken und Versicherungen im Hintertreffen (siehe auch Finanzplatz Schweiz im Niemandsland). Das ist schade, denn grundsätzlich verfügt die Schweiz über alle nötigen Zutaten: hoher Wissensstand, zahlreiche erstklassige Hochschulen, führende globale Banken und insbesondere Kapital. Mittlerweile sind die Banken zwar aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht, doch es gibt Einiges zu tun, um die ausländischen Finanzplätze wie New York oder London zu überholen.

Sichtbar gemacht wurde dieser Umstand mit dem Einleitungsvideo, das an der diesjährigen Finance 2.0 gezeigt wurde:

An der Finance 2.0 Konferenz vom 5. Mai 2015 haben sich über 350 Teilnehmer unter anderem genau darüber unterhalten. Wie die Stimmen der Akteuere aus der Branche zeigen: Es geht etwas! Doch es darf noch mehr sein.

  1. Coooooooooooooooooool

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Finance 2.0 Konferenz 2015: Ein Rückblick in Bildern und Tweets

Die Finance 2.0 Konferenz ging in diesem Jahr bereits in die dritte Runde. Vor 350 Teilnehmern wurde erneut über die Zukunft der Bankenbranche diskutiert.

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Die Finance 2.0 Konferenz 2015 war ein voller Erfolg. Mitten in Zürichs Bankenherz, im Festsaal Aura beim Paradeplatz, trafen sich am 5. Mai 2015 rund 350 Interessierte aus den Bereichen Banking, Versicherung, Beratungs- sowie IT-Unternehmen und vor allem die jungen Wilden, die FinTechs. Das Thema lautete: «The Future of Banking»

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Rino Borini (Co-Initiant und CEO financialmedia AG) moderierte gemeinsam mit Brigitte Kaps die Konferenz.

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Olof Pripp, Vice-Chairman EMEA von Korn Ferry, ein führender globaler Headhunter, zeigte in seinem Referat, wie wichtig es ist, dass das Verständnis der Digitialisierung auch in der obersten Führungsetage präsent ist. Seine Präsentation finden Sie hier.

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Stimmen aus dem Publikum:

 

 

Auch der hiesige Finanzinfrastrukturanbieter SIX ist gefordert. Damit er, beispielsweise durch die Technologie Blockchain, nicht obsolet wird, hat SIX ein Innovationsprogramm lanciert. Im März 2015 wurde der erste FinTech Hackathon (Ein Video dazu hier) der Schweiz durchgeführt, im Frühsommer 2016 wird ein Inkubator lanciert. Das Motto von Andreas Iten, CIO Financial Services: «Less talk, more do». Hier gehts zur Präsentation.

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Stimmen aus dem Publikum:

 

 

Hans-Joachim Steinbock, CEO e-Banking Switzerland bei Crealogix AG, präsentierte eine kreative Shortlist für die digitale Bank. Seine Präsentation als Download finden Sie hier.

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Was sagten die Konferenzteilnehmer?

 

 

Seit der ersten Finance 2.0 ist die UBS als Partner dabei und präsentiert jeweils eine Neuheit – so auch in diesem Jahr. Andreas Kubli, Chef Multichannel + Digitalisierung UBS Schweiz stellte die Geld-senden-und-anfordern-App Paymit, vor. Dazu holte er sich starke Verstärkung: Schwingerkönig Sempach Matthias unterstützte ihn bei der Präsentation. Das Video zur App gibts hier.

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Wie reagierte das Publikum?

 

 

Die Schweiz ist führend in der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung. Doch was bringt die Zukunft? Übernehmen Robo-advice-Plattformen das Zepter? Darüber diskutierte Mirjam Staub-Bisang mit Felix Niederer (True Wealth AG), Thomas Stokes (UBS AG), Richard Dratva (Crealogix AG) und Anthony Cagiati (Sound Capital AG).

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Einige Stimmen aus dem Saal:

 

 

Gehard Meier von Bank Vontobel zeigte am Beispiel der Plattform Deritrade, wie künftig Finanzproduktkosten sinken werden und wie davon letztlich auch die Kunden profitieren. Seine Präsentation finden Sie hier.

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Stimmen aus dem Publikum:

 

 

Gamification im Banking? Daniel Diemers und Tor Gisvold von PwC sagen: «unbedingt!» Wie sie aufzeigten, können Banken Einiges von der Online-Game-Industrie lernen.

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Übrigens: Tor Gisvold fühlt sich in Socken am wohlsten.

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Was sagte die Crowd?

 

 

Luca Graf, Head of Online & Direct Sales bei Swiss International Air Lines, zeigte am Beispiel der SWISS wie digitale Kundenerlebnisse gefördert werden können (mehr dazu hier im Video). Die Präsentation von Luca Graf finden Sie hier.

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Das Publikum stimmte seinen Aussagen zu:

 

 

Auch die Themen Bitcoin und Blockchain waren an der Finance 2.0 Thema. Adrien Treccani von Verso Solution referierte über das Potenzial von Kryptowährungen und insbesondere auch der dahinterstehenden Technologie Blockchain. Mit einem Klick zu Adriens Präsentation.

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Das Publikum meinte:

 

 

Digitalisierung betrifft auch das Private Banking – die Schnittstelle Bank-Kunde wird neu definiert. Doch wie? Michael Stemmle, Chef von additv AG, zeigte konkrete Ideen. Seine Präsentation finden Sie hier.

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Stemmle überzeugte das Publikum.

 

 

Wie verändern FinTech die (Finanz-)Welt? Marc P. Bernegger (Unternehmer und FinTech-Investor) diskutierte diese Frage mit Daniel S. Aegerter (Chef von Armada Investment AG), Falk Kohlmann (Swisscom AG), Andreas Dietrich (Professor Hochschule Luzern) und Susanne Chishti (CEO FinTech Circle).

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Die Diskussion eckte an – hier ausgewählte Stimmen aus dem Publikum:

 

 

Am Ende der Veranstaltung durften sechs ausgewählte FinTech-Unternehmen ihren Business Case präsentieren – sie erhielten dafür genau 7 Minuten Zeit.

Den Start machte Lars Markull, Head Business Development bei Figo

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Krzysztof Gogol, Co-Founder von WealthArc

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François Briod, CEO von TawiPay

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Andrei Martchouk, CEO von Yacuna

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Klaus Fuchs, Student an der ETH Zürich / HSG St. Gallen (und Teilnehmer am SIX Hackathon 2015)

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Alexey Mazarov, CEO von silbery.com

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Die Finance 2.0 Konferenz ist auch ein Stelldichein der Industrie, Netzwerken war angesagt.

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Wie bereits in den Vorjahren war die Finance 2.0 mit dem Hashtag #finance20 am Veranstaltungstag die Nummer 1 bei Twitter. Nebst fachlichen Diskussionen gab es auch Anlass zum Schmunzeln:

 

 

 

 

 

Mehr Bilder der Verantaltung finden Sie auf Facebook. Sämtliche Pressestimmen und Referate auf einem Blick sind hier zu finden.

  1. […] Rückblick mit Bildern und Tweets zur Finance20 Konferenz in Zürich, Finance20.ch […]

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To Digitize or not to Digitize

European retail banks have digitized only 20–40% of their processes and most invest only 0.5% of their total spending on digital. However, by developing new digital business models, financial services are able to tackle many of today’s challenges pro-actively. An overview on the status quo of digital business.

Text: Olof Pripp

Many Financial Services institutions have embarked on a similar avenue and have spent the last decade off-shoring back-office activities to regions with significantly lower labour costs as a way to address cost pressures rather than aggressively pursuing the opportunities that ‘digital’ provides.

At the same time that many traditional Financial Services institutions have been slow embracing the digital opportunity at scale, many organizations from outside the Financial Services sector have demonstrated a strong interest in the sector cherry picking the more profitable opportunities.

Financial Services today

We have already seen a strong fragmentation of services provided for by traditional banks. A number of small and large specialized payment businesses have surfaced and provide simpler, cheaper and faster digital payment platforms (e.g., Tink, Toborrow, Klarna, iZettée, SEQR, Apply Pay, MCX, etc). Direct payments providers such as the Merchant Customer Exchange is another example of a mobile payment solution that does not require the use of credit cards and which significantly lower the transaction fees.

Although such companies have not yet penetrated the market of savings and lending to the same extent, we have already seen the beginning of such a wave. As an example, a number of non-financial services eCommerce vendors such as Alibaba with almost 100 million registered users are today providing customers an ability to deposit money with significantly higher interest than traditional banks.

On the lending side we have seen the rapid raise of non-banking peer-to-peer lenders (e.g., Lending Club, Curreny Cloud, Lending Tree, Fixura, Trust Buddy, etc.) and crowd funding organizations (e.g., Kickstarter, Indiegogo, Fundedbyme, etc.) providing loans with no involvement of a bank.

The development of new digital-based business models have also spread far beyond traditional retail banking, and we can today find good examples in areas such as online trading platforms (e.g., Avanza Bank, Saxo Bank, Robinhood, etc.). Many alternative and technology driven exchanges have surfaced and are rapidly taking market share from traditional exchanges and it is fair to conclude that also the wealth sector is around the corner for such digital developments.

The three misperceptions about Digital

1. Digital is a separate industry sector. It is true that a number of pure play digital businesses were pioneers in launching ‘new economy’ business models given their passion for innovation and lack of legacy constraints. Going forward, however, the real scale of growth of digital business models will come out of the convergence of pure play digital business and legacy business.

Such digital business models are about to cut across all industry sectors.Although it can be beneficial for traditional legacy business to leverage concepts such a digital ‘lab’ or ‘garage’ as a catalyst to experiment with new ways of doing business, such approach can also become a significant trap and hinder to deploy digital across the entire enterprise.

2. Digital is only mobile and web. One of the most profound misunderstandings is that digital is primarily applicable for front-office activities. Most organizations have accordingly focused most of their digital initiatives to date on stand-alone front end mobile applications and features. According to a white paper by McKinsey, European retail banks have digitized only 20–40% of their processes and most invest only 0.5% of their total spending on digital. The same white paper suggests that two-thirds of the potential value of digital relates to a significantly lower cost base. A similar conclusion in a white paper by Accenture which suggest that banks can slash back-office effort with up to 80%.

As a result, digital concepts such as Straight Through Processing (STP) means today often ‘Straight To the Printer’ in most traditional organizations which rely heavily on off-shored operations.We can also see some interesting regional differences with US-based banks typically having some 40+% of total staff in Technology & Operations largely due to availability of near-shore operations capabilities and an average internet penetration, which is slightly lower than the rest of the western world.

Most European organizations scores slightly better in this respect as European banks have been more exposed to tighter labour regulations which have driven a higher degree of automation. In contrast, Northern European institutions in the Netherlands and Scandinavia have achieved rates of some 20% of total staff in Technology & Operations largely driven by exceptionally high internet penetration and maturity in these countries. While US institutions still processes checks and distributes paper statements, checks have not been available in Scandinavia for a long period of time and statements are typically online only.

3. Digital is only Silicon Valley. It is true that a number hubs such as the Silicon Valley, Israel and South Korea are still leaders in development of core technology. That should not, however, be confused with the ability to leverage technology to re-think ways of doing business.

As an example, the Silicon Valley Bank’s website still features a new mobile application to schedule wires and deposit checks whilst the Rakuten bank in Japan features money transfers using Facebook. It is therefore important to search globally for innovative concepts and ideas. In such pursuit specific attention should also be given to emerging markets who often are on the forefront of simple and innovative solutions given their lack of constrains from ‘old econolmy’ legacy solutions.

The shaping of new ways of doing business

The ‘Millenium Disruption Index’ survey undertaken by Viacom in 2013 showed that almost 70% of the ‘Digital Native’ generation believe that they will manage their financial assets in a completely different way and some 33% concluded that they are unlikely to need a bank at all. Probably not a surprise as few individuals from this generation have ever visited a bank branch office and have only booked flights, bought books and music online.

One of the key concepts going forward will be to put the customer in the centrum. While most banks traditionally have developed and pushed solutions to its customers the future will be much more focused on fully understanding individual customer’s behaviours, preferences and needs. In this context, Big Data technologies will be leveraged much further and will also provide the organizations opportunities to expand offerings to the enlarged digital echo system (e.g., combining a car loan with preferential car discounts and competitive insurance schemes).

Big Data technologies will also be leveraged to quickly optimize insight on customer perceptions in social media forums including blogs to ensure agile responses to optimize the P&L. We will also see an increased sophistication as it relates to digital delivery models. Much of that will be driven by enhancing the advisory function (e.g., 24/7 video connectivity with relationship managers, enhanced bill-management services, provide peer opinions for decision making, provide synchronous trading applications with star traders, etc.).

Lack of traditional infrastructure will no longer be an obstacle. On the contrary, simplicity is likely to fuel growth. A good example is the M-Pesa payment services developed in Kenya in which a major portion of the population have no access to banks, credit cards and traditional infrastructure and instead relies on mobile. M-Peas is today used by 50% of the country’s adult population and transactions 40% of the country’s BNP. Conceptually a solution which could be deployed to not only other emerging markets, but also to large portions of people in the developed world with rather simple banking needs. Simplicity, like Uber for the taxi market, is likely to gain support going forward.

Cost of doing business, largely gained from a radically different approach to the set-up of the back-office will be reduced significantly. Digital banks without branch networks provides already today a significantly cheaper cost base. As an example, The Japanese digital bank Rakuten has almost 13,000 clients per employee compared to a traditional western retail bank with some 3–400 customers per employee.

Although cyber security will continue to be an issue, it is clear that a more holistic approach (versus a fragmented approach) to digital business models will be an advantage while addressing such an issue.

The importance of aligning the business and talent strategies to drive value

Sustainable digital leadership must come from the top of the organization. Therefore it will be even more important for the board to step up from a ‘compliance only’ board to a ‘strategic’ board as digital transforms the way we conduct business. The board will need to take a very comprehensive and strategic view on the full digital value chain including opportunities and constrains of digital business models, impact on legacy, agility and readiness to change, technology framework, implementation effort, silent running, risk mitigation and continuous innovation. This will impact the composition of the members on the board and its members need to be confident in asking the right questions.

The board will also be responsible for the oversight of CEO appointment and succession planning. Of particular short-term importance is to have a CEO which can provide the strategic insight and vision of  ‘new economy’ business models. The CEO must also be able to provide the visionary leadership and build the case for change.

The rethinking of the way you do business requires a rethinking of the organization model as well. In the Silicon Valley some 50+% of graduates are today joining a project rather than a function and we are likely to see such patterns more widely. Ultimately digital is a mind-set and will need to be fully integrated in the cultural DNA of any organization.

Conclusion

Although we will continue to see a number of highly successful start-ups, most of them will fail. The largest opportunity for sustained success is therefore more likely to come from traditional organizations who are open to change and rapidly adopt to a digital world.

Although success will vary from company to company rather from region to region, Switzerland as a country is well positioned for success. A well educated workforce, solid infrastructure and a past requiring innovation given a high cost environment are important factors going forward.

Portraits-gross-OlofOlof Pripp is Vice Chairman, Board & CEO Services EMEA at Korn Ferry, a single source of leadership and talent consulting services.

 

 

 

  1. Dear Mr Pripp, your CONCLUSION is exactly what we believe in too and why we are aiming not to disrupt the financial sector but strenghten it’s «foot soldiers», the advisors, with a useful, a senceful and enjoyable solution.

    Great read, thanks.

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Bitcoin erhält mehr Zuspruch

Die digitale Währung hat zahlreiche Rückschläge hinter sich. Doch nun interessieren sich Bösenbetreiber und Online-Händler für Bitcoin. Und auch die Technologie dahinter stösst zunehmend auf Interesse.

Text: Barbara Kalhammer

Bitcoin hat sich als erstes öffentich gehandeltes Kryptogeld einen Namen gemacht. Bereits seit 2009 können mit der digitalen Währung Transaktionen durchgeführt werden.

Ein Video zu Geschichte und Entstehung:

Bitcoin ist ein dezentralisiertes Peer-to-Peer-Zahlungsnetzwerk (Datenbank). Die Transaktionen sind dabei anonym. Da die Währung digital ist, wird sie vor allem für Transaktionen im Internet verwendet. In der Regel fallen kaum Transaktionskosten an, die Währung ist quasi grenzenlos. Zudem ist sie fälschungssicher.

In den vergangenen Jahren ist der Kurs stark gestiegen. Im Dezember 2013 war ein Bitcoin über 1000 Dollar wert. Doch die Währung ist sehr volatil und im vergangenen Jahr verzeichnete sie einen starken Einbruch. Aktuell liegt der Kurs unter 240 Dollar. Grund dafür war, dass aus der grössten Handelsplattform der Währung, Mt. Gox, Hundetausende Bitcoins verschwanden. Das Unternehmen musste Insolvenz anmelden und der Chef Mark Karpeles verschwand. Wie ZDNet berichtet, können ehemalige Nutzer der Börse nun Ansprüche gegen verloren gegangene Einlagen erheben.

Darum, und auch weil Börsen immer wieder Opfer von Cyber-Attacken werden, ist die Frage der Sicherheit der Währung in den Fokus gerückt – gerade im Hinblick auf das Ziel,  die Währung massentauglich zu machen. So gibt es beispielsweise bereits Bitcoin-Automaten. Und auch die grössten Börsenbetreiber in den USA interessieren sich für die Währung.

Nasdaq OMX Group Inc. gab kürzlich bekannt, dass die Bitcoin-Handelsplattform von Noble Markets aus New York auf der X-Stream-Technologie von Nasdaq basieren wird. Die Betreiber der New York Stock Exchange hatte zu Jahresbeginn in Coinbase, eine andere Plattform für den Handel mit Bitcoins und Anbieter digitaler Wallets, investiert.

Auch Ebay und Paypal planen scheinbar die Einführung von Bitcoins als Zahlungsmittel.

Auf Interesse stösst aber nicht nur die Währung selbst, sondern auch die Technologie dahinter. Andreas Dietrich schreibt in «Blockchain – die nächste grosse Revolution im Bankensektor?»: «Zentrales Konzept dahinter ist die sogenannte Blockchain, eine Aneinanderreihung von Datenpaketen, welche eine dezentrale und doch transparente Verwaltung der Währung ohne ‹zentrales Clearinghaus› zulässt.»

Diese Blockchain-Technologie ist nicht nur auf Bitcoin beschränkt. So will beispielsweise die Schweizer Grossbank UBS in London ein Zentrum einrichten, das sich mit dieser Technologie auseinandersetzt. Wie das Wall Street Journal schreibt, sollen vor allem die Einsatzszenarien im konventionellen Finanzsystem ausgelotet werden.

Ein kleiner Blick auf die Technologie:

 

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Digitale Vermögensverwaltung mit ETF – Robo-adivce

Der grosse Erfolg der ETF und die fortschreitende Digitalisierung verändern die Vermögensverwaltung grundlegend und schaffen einen Markt für automatisierte Vermögensverwalter – Robo-advice. Auch in der Schweiz gibt es bereits solche Anbieter.

Vermoegensverwaltung
Text: Rino Borini

Die Durchdringung von ETF ist bei Privatanlegern in der Schweiz gering. Das Wachstum in diesem Produktsegment ist primär von professionellen Anlegern getrieben. Sie, die Privaten, haben die Vorzüge bisher leider nur zum Teil entdeckt. Die USA sind diesbezüglich wesentlich weiter: Über dem Atlantik machen Privatinvestoren über 65 Prozent des in ETF verwalteten Vermögens aus.

Dass dieser Boom auch auf die Schweiz überschwappen wird, ist so sicher wie das Amen im Gebet. Drei wichtige Treiber sind dafür verantwortlich: Erstens profitiert durch das absehbare Ende der Retrozessionen die Industrie der börsengehandelten Indexfonds, denn diese zahlen keine Kickbacks. Zweitens verlangt das Tiefzinsumfeld ein Umdenken: Marktrenditen sind nicht zu steuern, Kosten hingegen schon.

Und drittens spielt der Digitalisierungstrend den ETF-Anbietern in die Hände. Denn derzeit passiert das, was in anderen Industrien wie der Reise- oder Konsumgüterbranche bereits Realität ist: Der Endkonsument agiert digital und ist dank den schier unendlichen Möglichkeiten des -Internets bestens informiert.

Digitalisierung krempelt um

Ob Credit Suisse, Julius Bär, Bank Vontobel, UBS, Raiffeisen oder die Kantonalbanken: Alle sind gefordert, ihre Dienstleistungen an die digitale Realität anzupassen, die auch das margenträchtige Geschäft der Vermögensverwaltung betreffen und die Asset-Management-Industrie umkrempeln wird. Dabei geht es um mehr als hochmoderne und schön gestaltete Apps für das Smartphone – es geht um einen stattfindenden Paradigmenwechsel.

Erste Anzeichen sind derzeit in den USA zu beobachten, etwa das starke Wachstum, das Online-Vermögensverwalter in den drei Jahren ihres Bestehens verzeichnen konnten. Bei Robo-Advice wird der klassische Vermögensberater ausgeschaltet, der Endinvestor verwaltet sein Vermögen, mit digitaler Unterstützung, alleine.

Die Robo-Advicers unterscheiden sich gegenüber den traditionellen Vermögensverwaltern in drei Punkten: Sie arbeiten mit automatisierter Software, sind bedeutend günstiger, und der Kunde verwaltet sein effizientes Portfolio selber. Das Vorgehen ist ziemlich simpel: Der Kunde bestimmt mittels eines Online-Frage-katalogs, der Elemente der Verhaltensökonomie (Behavioral Finance) berücksichtigt, sein persönliches Chancen-/Risikoprofil.

Darauf basierend berechnet ein Algorithmus eine Vermögensallokation, die auf die Erkenntnisse der modernen Portfoliotheorie (effizientes Portfolio) abstützt. Die praktische Umsetzung der Strategie erfolgt mit kostengünstigen Indexvehikeln.

Bei diesem Prozess werden menschliche Eingriffe auf das Minimum reduziert, was dazu führt, dass Anbieter solcher Plattformen bedeutend tiefere- Vermögensverwaltungskosten aufweisen.

Etablierte steigen ein

Die bekannten US-Anbieter heissen Wealthfront und Betterment. Beide sind bankenunabhängig. Seit dem Start haben die beiden Vorreiter über vier Milliarden Dollar eingesammelt. Das ist angesichts der gesamten Vermögen natürlich ein Klacks, aber vor dem Hintergrund, dass sie zu Beginn über keine Kunden verfügten, ist es ein beeindruckender Wert. Und vor allem: Es sind Startup-Unternehmen.

Nun setzen auch die ersten etablierten Finanzdienstleister auf diese Art der Vermögensverwaltung. Mit Charles Schwab ist ein grosser US-Anbieter erfolgreich in dieses Geschäft eingestiegen. Innerhalb von nur drei Wochen sammelte das Haus eine halbe Milliarde Dollar ein.

Das neue Buzzword in der Vermögensverwaltung heisst also «Robo-Advice». Der Begriff ist aber verwirrend, denn hinter diesen Plattformen stecken nicht eigentliche Roboter, lediglich der Berater wird ausgeschaltet. Dahinter stehen Menschen, welche die Produkte untersuchen, die Software programmieren oder schauen, dass die Online-Portfolios richtig und effizient geführt werden.

Bei der automatisierten Vermögensverwaltung können ETF alle ihre Stärken ausspielen. Denn erstens lassen sie sich leicht in den finanzmathematischen Berechnungsprozess einbinden, da sie letztlich einfach den Markt abbilden. Zweiter Vorteil: Mit einer Transaktion in einen bestimmten Markt ist der Investor breit diversifiziert. Drittens können ETF wie Aktien an der Börse gehandelt werden, und letztlich sind die Produktgebühren bedeutend tiefer als bei anderen Kollektivierungsformen.

Chance statt Gefahr

Durch den Einsatz von börsengehandelten Indexfonds können die jährlichen Pauschalgebühren auf rund 50 bis 70 Basispunkte reduziert werden. Bei einer klassischen Bankenlösung müssten Anleger rasch mal 100 bis 150 oder noch mehr Basispunkte bezahlen.

Banken, die durch diese Plattformen nun eine Gefahr sehen, sind auf dem Holzweg, sofern sie sich nicht selber mit der Digitalisierung auseinandersetzen. Denn es gibt viele Kunden, insbesondere solche mit Vermögen unter einer halben Million, die für ein Institut kaum mehr rentabel sind. Ebenso decken diese Plattformen ein Bedürfnis ab für Anleger, die eben keine Vermögensverwaltung brauchen, wie sie bisher angeboten wurde. Mit diesen digitalen Unterstützern kann ein Bankhaus also sowohl seine Grenzkosten senken wie auch die Kundenzufriedenheit erhöhen.

In der Schweiz wagen sich zurzeit erste Anbieter an die automatisierte Vermögensverwaltung. Mit True Wealth ist der erste und bislang einzige bankenunabhängige automatisierte Vermögensverwalter entstanden. Das Schweizer Start-up konnte in knapp sechs Monaten über zehn Millionen Franken einsammeln. Um rentabel zu werden, reicht das natürlich nicht, doch das Jungunternehmen steht ja erst am Start.

Als erstes Bankenhaus ist die Glarner Kantonalbank (GLKB) auf den Trend aufgesprungen, vor drei Monaten lancierte sie den Investomat. Bei dieser Online-Plattform werde der ganze Prozess stark automatisiert, sagt Ivan Büchi, Leiter Multikanal bei der GLKB: «Es wird ein system-unterstütztes Risikoprofil erstellt und dementsprechend ein automatischer Anlagevorschlag generiert.» Dem Digitalverantwortlichen ist es aber wichtig, dass Anleger verstehen, was ein ETF ist: «Denn auch diese, obwohl in sich selber bereits -diversifiziert, unterliegen Wertschwankungen.»

Im Unterschied zu anderen Robo-Advice-Plattformen geht die Glarner Kantonalbank noch einen Schritt weiter – Innovation «Made in Glarus» sozusagen. Wie bei allen Plattformen geht es zwar primär um die Kernanlage, also das Vermögen, das auf lange Frist intelligent angelegt werden soll. Doch bei den Glarnern können Anleger freiwillig auch gleich -Satellitenanlagen bestimmen.

Innovation aus Glarus

In der ersten Version bietet investomat.ch neun Themen an, beispielsweise Dividenden und Immobilien Schweiz, Gold, Öl oder Wasser. Der Prozess verläuft zweistufig. «In einem ersten Schritt wird ein Anlagevorschlag passend auf das Anlegerprofil berechnet. In einem zweiten Schritt wird die Gewichtung zwischen- Basisanlagen- und Themen anhand einer Rendite-Risiko-Optimierung berechnet.

Um Klumpenrisiken zu vermeiden, wird der Anteil eines Themas am Gesamtportfolio je nach Anlagestrategie unterschiedlich hoch limitiert. Der Kunde hat jederzeit die Möglichkeit, den berechneten Anlagevorschlag seinen individuellen Bedürfnissen anzupassen», so der Digitalchef weiter.

Wie bei der professionellen Vermögensverwaltung passen auch automatisierte Vermögensverwalter die Gewichtung der Anlageklassen regelmässig an die neuen Marktverhältnisse an. Bei der GLKB geschieht dies alle sechs Monate. Der Investomat lässt es den Kunden frei, ob und wann ein Rebalancing getätigt werden soll, «dazu hat der Kunde im Cockpit die Möglichkeit, diesen Automatismus auszuschalten», sagt Büchi.

Wegschauen bringt nichts, die Banken werden sich den neuen Realitäten früher oder später stellen müssen. Das heisst aber nicht, dass das Element Mensch in der Vermögensverwaltung komplett ersetzt wird. Denn in der gesamtheitlichen Vermögensbetrachtung inklusive Vorsorge- oder Immobilienthemen kann kein Computer den Finanzberater ersetzen.

Einzig bei der Bezeichnung könnte sich etwas ändern: Statt vom Vermögensberater könnte künftig vom Vermögenscoach gesprochen werden. Darüber wird auch an der Finance 2.0 Konferenz diskutiert: «Does robo-advice spell the end of the human adviser?»

Ausgwiesene Experten, wie Anthony Cagiati, Chef von Sound Capital, Richard Dratva (Mitgründer Crealogix), Felix Niederer, Gründer von True Wealth und Thomas Stokes (UBS) diskutieren unter der Leitung von Mirjam Staub-Bisang wie sich die Vermögensverwaltung verändern wird.

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FinTech Hackathon: Tinder für Aktientrading

Über 100 Programmierwillige, 23 Teams, 30 Stunden, eine Aufgabe und wenig Schlaf: So sah der erste FinTech Hackathon aus, der jemals in der Schweiz stattgefunden hat.

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Text: Rino Borini

Beim ersten Schweizer FinTech-Hackathon, organisiert vom Infrastrukturanbieter SIX, trafen sich begeisterte Programmierer und hackten während 30 Stunden, was das Zeug hielt. Bevor sie starteten, schlossen sie sich zu Zweier- bis Vierergruppen zusammen und formulierten das Ziel für ihre App, die in der vorgegebenen Zeit programmiert werden sollte.

Bei der Wahl des Themas wurden den Teilnehmern freie Hand gelassen. Zusätzlich schlug SIX vier Themen vor, für die Prototypen entwickelt werden konnten. Von den über 100 vorwiegend männlichen Teilnehmern stammte die Mehrheit aus der Schweiz, aber auch Computerfreaks aus London, Warschau oder Stanford (USA) nahmen teil.

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Veranstalterin SIX verfolgt mit dem FinTech-Hack verschiedene Ziele. «SIX ist nicht Google», sagte Andreas Iten, Managing Director bei der SIX und Initiator des Hackathons, gegenüber Computerworld (Hackathon: Six sammelt Ideen für Finanz-Apps). Für SIX sei es nicht einfach, neue Talente für sich zu gewinnen. Neben dem Aufspüren neuer Talente ging es auch darum, kreative Ideen zu finden. Denn letztlich entsteht Innovation selten innerhalb von Grosskonzernen, das gilt auch für den Bereich der Finanzdienstleistungen.

Das Resultat nach 30 Stunden konnte sich sehen lassen: Dank der verschiedenen Hintergründe der Teams entstanden 23 Prototypen, von denen einige ausgesprochen innovativ und clever umgesetzt waren. Umso schwerer war die Aufgabe für die sechsköpfige Jury, die drei Sieger zu bestimmen.

Das drittplatzierte Team Veezoo präsentierte eine App, die die Konsumgewohnheiten von Touristen in der Schweiz visualisiert, basierend auf Kreditkartendaten. Die Software von Roses for Peny ermöglicht den Plausibilitäts-Check von Daten unter Zeitdruck. Das Viererteam hat damit den zweiten Platz erreicht.

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Gewonnen hat das Team Easy Invest, das einen Prototyp für den mobilen Aktienhandel entwickelte. Basierend auf ihrem Rendite-/Risikoprofil können Aktienanleger auf einfache Art und Weise neue Aktienideen finden. Die Aktienvorschläge, die dem User nach finanzmathematischen Algorithmen gemacht werden – analog der Dating-App Tinder –, können nach links geschoben werden (gefällt mir nicht) oder nach rechts (gefällt mir). Anschliessend können die bevorzugten Aktien gekauft werden und finden somit Eingang ins Portfolio.

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«Der Event war ein voller Erfolg» resümierte Andreas Iten. Bei der Schlusszeremonie kündigte Robert Bornträger, Division CEO Global IT von SIX, dann auch bereits den Hackathon 2016 an.

Die Gewinner haben nicht nur einen Sachpreis gewonnen, sondern erhalten die Möglichkeit ihren Prototypen vor dem SIX Management zu präsentieren. Und Easy Invest darf zudem ihre Idee an der führenden Konferenz für Digitalisierung im Banking, Finance 2.0, vorstellen. Gespannt darf man ebenso sein, wie die SIX nun aus den 102 Teilnehmer neue Talente gewinnen wird.

Fakten zum Hackathon

– 165 Besucher bei der Eröffnungszeremonie
– 102 Teilnehmer in 23 Teams
– Jüngster Teilnehmer: 17 Jahre
– Ältester Teilnehmer: 56 Jahre
– Durchschnittsalter: 31,7 Jahre
– 4 Workshops
– 244 GB Internet-Traffic
– 64’263 Zeilen Code
– über 123’000 gelöschte Zeilen
– 282 Kg Essen
– 1062 Liter Getränke

Stimmen zum Hackathon

 

 

 

  1. […] nicht zu kurz). Gespannt bin ich insbesondere auf die Vorstellung des SIX Hackathon Gewinners Easy Invest sowie der Fintech Show im Stile von […]

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SIX bringt FinTech Inkubator

Besser spät als nie. Der Betreiber der schweizerischen Finanzplatzinfrastruktur – SIX – hat FinTech entdeckt und lanciert zwei Neuheiten für den Finanzplatz Schweiz.

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Text: Rino Borini

Lange Zeit wurde in der Schweiz das Thema «Finance 2.0» und «FinTech» stiefmütterlich behandelt. Es schien fast so, als würde dieser Zug an der Schweiz vorbeirauschen. Das wäre insofern gefährlich, weil der hiesige Finanzplatz für das Land eine enorme Bedeutung hat. Er steuert einen substanziellen Teil der Wertschöpfung bei (Die Schweiz im Niemandsland).

Im Bereich FinTech haben andere Länder die Nase vorn. Ganz besonders bemühen sich die Engländer. Sie bauen am globalen FinTech-Hub. Aber auch in Tel Aviv oder in den nordischen Hauptstädte werden mehr Innovationen lanciert, als hierzulande.

Doch die Zeiten scheinen sich geändert zu haben. So hat der hiesige Infrastukturanbieter SIX die Zeichen (endlich) erkannt. SIX organisierte den ersten Schweizer FinTech-Hackathon, der in Zürich durchgeführt wird.

Anlässlich der Eröffnung informierte Andreas Iten, Managing Director bei der SIX, über eine weitere Neuheit: Die SIX baut einen FinTech Technology Inkubator. Dieser soll im Mai an den Start gehen. Damit sind in der Schweiz zwei FinTech Inkubators vorhanden (der Erste wurde kürzlich in der Westschweiz lanciert).

Die Kraft von Hackathons

Hackathons bieten die Möglichkeit, innovationsorientierte Ziele mit begrenzten Ressourcen zu erzielen.Während zwei Tagen «hacken» 110 Programmierer aus der ganzen Schweiz an künftigen digitalen Finanzdienstleistungslösungen. Das Ziel: Am Ende des Hackmarathons sollen fertige Prototypen vorgestellt werden.

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Warum SIX diesen Hackathon lancierte, erklärt Andreas Iten bei seiner Begrüssungsansprache im Zürcher Schiffbau (Video = iPhone Qualität).

SIX ist übrigens auch Premium-Partner an der Finance 2.0 Konferenz 2015 und wird das Siegerprojekt aus dem Hackathon an der Veranstaltung vorstellen.

  1. Marc sagt:

    Wirklich der erste FinTech Technology Inkubator? Wie in Februar angekündigt, Genf hat auch sein FinTech Inkubator #Fusion http://blog.alpict.com/2015/02/05/geneve-aura-son-incubateur-fintech/

    Spielt schliesslich keine Rolle … Das wichtigste ist dass es endlich vorwärtz geht.

    • fi20 sagt:

      Korrekt. Titel war falsch. Die Westschweiz war ein Schritt voraus – und ist entsprechend festzuhalten. Wir haben den Titel korrigiert.

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Startschuss für wikifolio in der Schweiz

Europas führende Online-Plattform wikifolio hat nach Österreich und Deutschland nun die Schweiz auf dem Radar. Ganz nach dem Motto «Gemeinsam besser investieren» bietet sie nun auch hierzulande ihre neuartige Anlageform an.

Blog-Wikifolio
Text: Barbara Kalhammer

Nachdem sich die Social-Trading-Plattform wikifolio in Deutschland und Österreich einer enormen Beliebtheit erfreut, erfolgte nun auch der Markteintritt in der Schweiz. Auf wikifolio veröffentlichen private Trader und professionelle Vermögensverwalter ihre Anlagestrategien.

Jedermann kann kostenlos ein Musterportfolio erstellen und dies dann mit der Community teilen. Dabei haben Interessierte und jene die den Tradern folgen möchten, einen genauen Überblick über die Handelsstrategie, sie sehen in Echtzeit jede Aktion im Portfolio.

Kann ein Trader mit seiner Strategie überzeugen und hat mehr als zehn potenzielle Anleger, die gemeinsam zumindest 2500 Euro investieren würden, dann kann daraus ein Zertifikat kreiiert werden. Dazu müssen natürlich auch mehrere Kriterien in einem Prüfverfahren erfüllt sein. Hat er Erfolg, so wird seine gute Performance mit einer Prämie belohnt.

Derzeit werden diese Zertifikate an der in Deutschland ansässigen Börse Euwax gehandelt. Ob ein Listing in der Schweiz erfolgen wird, liessen dic Verantwortlichen von wikifolio noch offen, das hänge davon ab, ob das Bedürfnis vorhanden sei. Denn immerhin können die Investoren beispielsweise bei ihrem Medienpartner cash.ch zu den selben Konditionen an der Euwax handeln, wie an der Schweizer Börse. Der Handel findet allerdings nur in Euro statt, womit Schweizer Anleger ein Währungsrisiko eingehen.

Für den Käufer der Wikifolio-Zertifikate fällt eine jährliche Zertifikategebühr von 0,95 Prozent und eine Performancegebühr zwischen fünf und 30 Prozent der Performance an. Insgesamt sind in der Schweiz bereits 350 wikifolio-Zertifikate zugelassen, bislang beschränkt sich das Universum jedoch auf Aktien.

Schweizer Anleger können nun die Faszination Börse neu erleben, sich austauschen und vor allem, sich messen lassen.

Einige Faktein zu wikifolio

– 2,5 Millionen Transaktionen in 8300 wikifolios
– Handelsvolumen von über 5,3 Milliarden Euro
– Mehr als 340 Millionen Euro investiertes Kapital
– 2400 wikifolio-Zertifikate
– 4% der Trader sind Frauen
– 5% der Vermögen sind in Hebelprodukte investiert
– Grösste Nutzergruppe ist zwischen 30 und 40 Jahren

Erfolgreiche Trader

Im Vergleich zu Fondsmanagern schneiden die wikifolio-Zertifikate deutlich besser ab. In der Regel schaffen es 4 von 5 Fondsmanagern nicht ihren Vergleichsindex zu schlagen, bei wikifolio schaffen es hingegen mehr als die Hälfte (Analyse basiert auf Portfolios, die in deutsche Aktie investieren).

Wikifolio_Ertrag

Hintergründe

Andreas Kern ist Gründer und Geschäftsführer von wikifolio. Gegenüber cash.ch erläuterte Kern im Interview, wie er zu der Idee kam: «Damals wollte mir meine Hausbank ein Finanzprodukt verkaufen, als ich aber nachrechnete, wie rentabel das besagte Produkt sein wird, fiel mir auf, dass es im Zeitraum der letzten 70 Jahre nur Gebühren verursacht und praktisch null Rendite abgeworfen hätte.»

Als bedeutende Investoren haben sich VHB ventures GmbH, Speed Invest GmbH und Lang & Schwarz AG beteiligt. Noch schreibt das Unternehmen Verluste, ganz bewusst. Denn Kern will stark in die Weiterentwicklung investieren. Würde wikifolio hingegen ab sofort keine Investitionen tätigen, wäre die Firma bereits rentabel. Der Umsatz betrug im letzten Jahr 2,5 Millionen Euro.

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Wie Robinhood mit seiner Mobile-App den Millenials die Finanzmärkte erschliesst

Robinhood gehört derzeit zu den interessantesten Fintech-Unternehmen weltweit. Im 2013 in Palo Alto in Kalifornien gegründet, bietet Robinhood eine App an (derzeit nur für iOs, Android folgt in Kürze), mit der man völlig kostenlos Aktien über das Smartphone handeln kann.

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Text: Marc P. Bernegger

Robinhood möchte mit seinem Service nichts Geringeres als den Aktienhandel demokratisieren und diesen einer jungen und neuen Generation einfacher zugänglich machen. Die App ermöglicht das Handeln von Aktien per Smartphone ohne Zusatzkosten.

Das Unternehmen hat bisher rund 16 Millionen Dollar an Risikokapital eingesammelt. Unter den Investoren sind auch Celebrities wie die beiden Rapper Snoop Dogg und Nas sowie der Academy Award Gewinner Jared Leto. Mit Google Ventures, Index Ventures und Andreessen Horowitz sind zudem drei der renommiertesten und erfolgreichsten Venture Capitalists bei Robinhood investiert.

Die beiden noch nicht einmal 30jährigen Gründer von Robinhood, Baiju Bhatt und Vladimir Tenev, haben sich als Klassenkameraden an der Universität Stanford kennengelernt. Beide studierten Mathematik und Physik. Erste Erfahrungen in der Finanzbranche sammelten sie durch den Bau von High Frequency Trading-Plattformen (HFT) für Kunden an der Wallstreet.

Tenev and Bhatt realisierten dabei, dass High Frequency Trader effektiv keine Gebühren für Ihre Trades auf elektronischen Handelsplätzen bezahlten. Dieser Umstand inspirierte die beiden, diese Technologie dem Endkonsumenten zugänglich zu machen. Für Temev «sollte das Handeln von Aktien genauso unkompliziert sein, wie einen Taxi via Uber zu bestellen oder ein Foto auf Instagram zu publizieren».
.

Die aktuellen Zahlen von Robinhood zeigen, dass der Service bereits eine grosse Anzahl von Interessenten angezogen hat, obwohl dieser erst seit dem 12. März 2015 für die Öffentlichkeit zugänglich ist:

– 800’000 User stehen auf der Warteliste
– Durchschnittlich ist ein Robinhood-User 26,5 Jahre alt
– 90% der Kunden sind unter 40
– 25% der Nutzer sind zum ersten Mal auf einer Handelsplattform angemeldet
– Es gibt keine Mindestgrösse für die Depots, das kleinste Depot beträgt derzeit 400 Dollar

Es versteht sich von selbst, dass Robinhood mit einem kostenlosen Service kein Geld verdienen kann. Daher wird es interessant sein zu sehen, wie das Team um Bhatt und Tenev in Zukunft einen nachhaltigen und profitablen Business-Case aufbauen möchte.

Mit 86 Millionen Millenials alleine in den USA ist auf alle Fälle ein interessanter Markt vorhanden und bestehende Player wie Charles Schwab und eTrade werden den neuen Mitbewerber sicher sehr genau im Auge behalten…

Corporate Video von Robinhood

Robinhood from Robinhood on Vimeo.

Marc P. Bernegger hat mehrere Web-Unternehmen gegründet und verkauft (usgang.ch, amiando) und ist seit fünf Jahren als Fintech-Investor aktiv (Next Generation Finance Invest, Orange Growth Capital). Er hat im 2013 zusammen mit Rino Borini die Finance 2.0-Konferenz initiiert. Marc P. Bernegger auf Linkedin // Marc P. Bernegger auf Twitter

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FinTech – Call 4 Innovation

An increasing number of FinTechs are offering innovative banking and insurance solutions, in alignment to the chain of economic value added; in some extent these solutions are disruptive, but as well supplementary.

Call4Innovation

If you are a fintech and offering exciting and very innovative banking and finance ideas, keep on reading.

Finance 2.0, the leading conference (in Switzerland) about innovation and digitization in the area of finance and banking is looking for smart heads and smart fintechs, who are offering impressing and revolutionary digitization products and services for the finance industry.

Apply 4 the Finance 2.0 Stage!

Switzerland is one of the world’s leading financial centers and Finance 2.0, its leading conference on digitization and innovation in finance, is offering you a great opportunity! Please sign in and apply for the opportunity to present your fintech company and business idea.

You will not only present to, but meet as well innovation-oriented bankers, investors and other important multipliers. We are looking for innovative business models for investment management, asset management, retail banking, finance and insurance. But as well business models, which support existing products and services like Big Data/algorithms, customer experience etc. are very much welcome.

An independent jury will select out of all applications the top 6 fintechs. Your participance will offer you the great opportunity to present within seven minutes in an innovative manner (no powerpoints please!) in front of an audience of 250-300 guests. Please sign in here.

 

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Schutz für die Crowd

Crowdinvesting wird erwachsen. Dabei kommt der Anlegerschutz jedoch zu kurz. In Deutschland soll nun ein neues Gesetz Abhilfe schaffen, schiesst aber weit übers Ziel hinaus. In der Schweiz sind keine Regulierungen geplant – noch.

Text: Barbara Kalhammer

Crowdinvesting bringt Jungunternehmer ohne Geld und Investoren auf Renditesuche zusammen. In den vergangenen Jahren hat sich diese Finanzierungsform zum Hoffnungsträger der Start-up-Szene entwickelt. Bereits mit kleinen Beträgen kann die Anlegermasse, die sogenannte Crowd, Unternehmen in der Wachstumsphase unterstützen. Dafür partizipiert sie an künftigen Zahlungsströmen sowie an der Entwicklung des Unternehmenswertes. Crowdinvesting ist nicht zu verwechseln mit Crowdfunding, das vor allem für künstlerische Projekte eingesetzt und mit Goodies entlohnt wird.

Bei dieser alternativen Finanzierungsform winken, im besten Fall, hohe Renditen. Im schlechtesten droht der Totalverlust. Im kleinen Schweizer Markt ist der Ernstfall bislang nur Theorie, in Deutschland dagegen haben sieben Pleiten bereits mehr als 1,1 Millionen Euro Anlegerkapital vernichtet. «Wenn die Masse in ein Start-up investiert, ist es wesentlich wahrscheinlicher, dass sie ihr investiertes Kapital verliert, als dass sie eine Rendite auf das eingesetzte Kapital erzielt», schreibt die Plattform Seedmatch. Wie hoch die Ausfallraten wirklich sind, ist unklar. Schätzungen zufolge überleben weniger als zehn Prozent der Firmen.

Anders sieht es beim Seed Capital aus, also jenen Geldern, die in der Frühphase der Unternehmensentwicklung investiert werden. «In der Regel überleben die Firmen die ersten drei Jahre, dann kommt die kritische Phase», sagt Andreas Dietrich, Dozent am Institut für Finanzdienstleistungen Zug. Er geht davon aus, dass 50 bis 80 Prozent des Seed Capital nicht zurückgezahlt werden kann.

Weniger risikoreich sind Investitionen in Firmen, die schon länger im Markt agieren, oder Finanzierungen durch Crowdlending. Dabei vergeben Unternehmen oder Private Kredite für die Realisierung eines bestimmten Projekts oder eine Anschaffung, beispielsweise ein Fahrzeug. In der Regel ist hier die Transparenz grösser, da die Anleger genau wissen, wofür ihre Gelder verwendet werden. Mit fünf bis sieben Prozent ist die Rendite des Crowdlendings in etwa gleich hoch wie die Ausfallquote.

Für junge Start-ups hingegen bleibt das Crowdinvesting entscheidend. Doch genau in diesem Bereich zeichnen sich erste dunkle Wolken ab. Etwa in Deutschland, wo das Bundeskabinett Ende 2014 den Entwurf für das Kleinanlegerschutzgesetz verabschiedet hat, das im Sommer in Kraft treten soll. «Der Gesetzentwurf bedroht das Fortbestehen von Crowdinvesting in Deutschland erheblich», schreibt die auch in der Schweiz aktive Vermittlungsplattform Companisto.

Die Regeln wiegen schwer: So sollen Finanzierungen in Höhe von mehr als einer Million Euro sowie Einzelinvestments über 10 000 Euro unter die Prospektpflicht fallen. Darüber hinaus müssen Anleger ein sogenanntes Vermögensanlagen-Informationsblatt ausdrucken, von Hand unterschreiben und an die Crowdinvesting-Plattform zurücksenden. Der bisher schnelle, einfache und rein digitale Beteiligungsprozess wäre damit Geschichte. «Eine Regulierung ist wichtig, da viele Anleger das Risiko unterschätzen. Es reicht nicht aus, in den Geschäftsbedingungen die Gefahren aufzuführen», betont Dietrich.

Wünschenswert wäre ein Mittelweg, der dem Anlegerschutz genüge tut, aber die Vorteile der Finanzierungsform nicht beschneidet. Über die Risiken könnten die Anleger beispielsweise in Form von Fragebögen informiert werden. Vorstösse in diese Richtung gibt es bislang aber nur von Seiten der Anbieter, die Finanzmarktaufsicht (Finma) hält sich noch bedeckt. Wie in Deutschland muss wohl auch hierzulande erst der Ernstfall eintreten, damit das Thema Anlegerschutz aufgegriffen wird. «Sobald es den ersten Skandal gibt, wird die Finma schnell reagieren», ist Dietrich überzeugt.

Bleibt zu hoffen, dass der Schuss dann nicht, so wie es in Deutschland geschehen ist, nach hinten losgeht. Hierzulande sollte das Ziel einer Regulierung sein, den Anlegerschutz zu gewährleisten, ohne die junge Branche in ihrem Wachstum zu bremsen.

Erstveröffentlichung 16. Februar 2015 im Wirtschaftsmagazin PUNKT

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Robo-Advice – die automatisierte Vermögensverwaltung

Neue Anbieter machen sich daran, die Vermögensverwaltung komplett zu digitalisieren. Solche neuen Tools sind zwar günstiger und einfacher als die herkömmliche Vermögensverwaltung – obsolet ist diese aber deswegen noch lange nicht.

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Text: Rino Borini

Sein Vermögen am Sonntagabend auf dem Sofa am Tablet verwalten, das Portfolio automatisch überwachen und optimieren – 7 Tage die Woche während 24 Stunden. Das ist keine Zukunftsmusik, sondern bereits Realität, zumindest in den USA und im Vereinigten Königreich. Die bankenunabhängigen Anbieter, die der herkömmlichen Vermögensverwaltung das Fürchten lehren wollen, heissen Betterment, Wealthfront oder Nutmeg. Auch hierzulande sind erste Anbieter mit rein digitalen Angeboten am Start. So zum Beispiel Swissquote, die Glarner Kantonalbank mit ihrem kürzlich lancierten Investomat oder das unabhängige FinTech Unternehmen True Wealth. Und weitere stehen in den Startlöchern.

Gemäss Corporate Insight verwalten die automatisierten Vermögensverwaltungsplattformen weltweit bereits rund 19 Milliarden Dollar. Das klingt nach viel – ist es aber nicht, wenn man sie die Summen der traditionellen Vermögensverwalter vor Augen führt. Sie liegen – inklusive der Vermögen der institutionellen Kunden – bei geschätzten 65 Billionen Dollar.

Die neuen Robo-Advice-Plattformen richten sich an Selbstentscheider mit grosser Technologieaffinität. Im Klartext: Millenniums, also die Jahrgänge 1977 bis 1998. Doch nicht nur für diese Zielgruppe sind diese Plattformen attraktiv. Die Gruppe, die derzeit am stärkten digitalisiert wird, ist die Generation 55+. Das heisst: Viele dieser Menschen erwerben derzeit ein Smartphone oder ein Tablet und wagen die ersten Schritte in der digitalen Welt.

Doch die aktivsten Nutzer dieser Plattformen sind jünger, wie Zahlen von Wealthfront zeigen. Gemäss dem laut Eigenaussage grössten US-Anbieter sind 60 Prozent der Kunden unter 35Jährig, 90 Prozent sind jünger als 50 Jahre. Insgesamt verwaltet Wealthfront 1,8 Milliarden Dollar. Die durchschnittliche Portfoliogrösse der 24‘000 betreuten Kunden liegt bei 90’000 Dollar.

Die demografischen Daten von Konkurrent Betterment, der sich bereits für 1,35 Milliarden Dollar verantwortlich zeigt, bestätigen das Bild. Das durchschnittliche Alter der Kunden beträgt dort 36 Jahre. Der grösste Anleger auf der Plattform verwaltet übrigens ein Portfolio von zehn Millionen Dollar.

Kosteneffiziente Anlageprodukte

Der entscheidende Vorteil solcher Plattformen ist ihre Einfachheit. Mit wenigen Klicks kann der Nutzer sein persönliches Chancen-/Risikoprofil erstellen lassen. Dabei werden nicht nur Fragen zur persönlichen Lebens-und Finanzsituation gestellt, sondern auch Verhaltensfragen aus dem Bereich Behavioural Finance. Aufgrund der Ergebnisse schlägt die Plattform anschliessend ein auf die Risikofähigkeit abgestimmtes Wertschriftenportfolio vor.

Bei der Zusammensetzung der Portfolios setzten sämtliche Anbieter auf die kostengünstigen Exchange Traded Funds (ETF) – das wohl erfolgreichste Finanzprodukt der letzten zwei Dekaden. ETF haben den Vorteil, dass sie einen Wertpapiermarkt (Aktien, Obligationen et cetera) präzise abbilden und einfach über eine Börse gehandelt werden können. Die Kosten sind 0,75 bis 1,5 Prozent tiefer als bei traditionellen Anlagefonds («Was sind ETF?»).

Etwas verwirrend ist der Begriff «Robo-Advice», denn er suggeriert, dass der Faktor Mensch komplett ausgeschaltet wird. Dem ist aber nicht so. Die Anbieter müssen beispielsweise bei der Wahl der geeigneten ETF – es gibt weltweit knapp 5500 Produkte – eine Selektion vornehmen. Die zentrale Frage ist, welcher ETF bildet einen bestimmten Markt am besten ab. Und hier sind Menschen am Werk.

Positives Kundenerlebnis

Der standardisierte Beratungsteil hingegen ist komplett digitalisiert. Dadurch ist es diesen Online-Vermögensverwaltern möglich mit entsprechend tiefen Verwaltungsgebühren zu operieren. Bei Wealthfront kostet ein Mandat gerade mal 0,25 Prozent pro Jahr. Aufgrund der tiefen Margen können solche Plattformen aber nur durchstarten, wenn sie ein entsprechend grosse Volumen einsammeln können.

Zentral für den Erfolg sind die Benutzerführung und das Benutzererlebnis. In wenigen Minuten erhält ein geübter Anleger einen ersten Investitionsvorschlag. Anschliessend kann er auf spielerische Weise die Positionen verändern, das Risiko erhöhen oder verkleinern, bis er mit der Zusammenstellung zufrieden ist.

Die Reduzierung aufs Wesentliche hat jedoch nicht nur Vorteile. Denn bei einer gesamtheitlichen und langfristigen Vermögensverwaltung sollten alle Vermögenswerte berücksichtigt werden, dazu zählen auch Immobilien und Vorsorgepläne. Zudem gibt es in menschlichen Biografien entscheidende Lebensabschnitte wie die Geburt des ersten Kindes, den Kauf einer Immobilie, den Gang in die Selbständigkeit, eine Scheidung oder die Pensionierung. Diese Ereignisse sorgen für einen erheblichen Beratungsbedarf, den diese Tools nicht befriedigen können.

Die Unzulänglichkeiten der automatisierten Vermögensverwaltung spielen den Banken in die Hände. Schliesslich sind umfassende Beratungen ihr Kerngeschäft, das sie bereits seit Jahrzehnten betreiben. Doch auch bei traditionellen Geldhäusern sind Bestrebungen im Gange das Wealth Management zu digitalisieren.

Beide Modelle haben ihre Daseinsberechtigung. Letztlich entscheidet der mündige Kunde, was er will. Die Robo-Advice-Plattformen haben eine junge Vergangenheit und stehen mit ihrem Angebot erst am Anfang. Das Wachstum beginnt erst und Weiterentwicklungen, wie beispielsweise individuelle Produktselektion und virtuelle Anlageberatung könnten das Geschäftsmodell ergänzen.

Über diese Entwicklungen und einen Vergleich der in der Schweiz angebotenen e-Private-Banking-Lösungen berichten wird demnächst in diesem Blog.

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Meinungsmacher der Schweizer Fintech-Branche

Marc P. Bernegger ist ein Vorreiter in der Finance 2.0 Szene der Schweiz. Er hat die wichtigsten Meinungsmacher und Macher der Fintech-Industrie zusammengefasst.

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Marc P. Bernegger ist einer der wichtigsten und bekanntesten Pioniere der Schweizer Finance 2.0 Szene. Er wurde als Mitgründer von amiando und usgang.ch bekannt, war Partner der Beteiligungsgesellschaft NextGFI und ist heute als Venture Partner beim Fintech-Fonds Orange Growth Capital aktiv. In einer kurzen Auflistung hat er die führenden Köpfe der Deutschschweizer Fintech-Industrie zusammengefasst:

Andreas Dietrich / @DietrichAndi Professor für Banking an der HSLU

Andreas Kubli / @Andreas Kubli Head Multichannel Management & Digitization @UBSSchweiz. Former @McKinsey Partner

Christian König / @finanzprodukt Finanzprodukt-Profi (ETF, Strukturierte Produkte, Fonds & CFDs) mit Social Media und Online Marketing Spezialkenntnissen. #Finance20 #Fintech Speaker

finnovationCH / @finnovationCH Representing finteCH meetup zurich and promoting #finteCH to the world

Fintech Switzerland / @FintechCH #Fintech News from Switzerland #Finance20

Marc Lussy / @MarcLussy Managing Director Swiss Representation Dinar Finance Holding / Consultant Banking & Social Media / GLP Member

NextGFI / @NextGFI Next Generation Finance invests in companies which are well positioned to benefit from new megatrends in internet and finance: FinTech, Finance 2.0, Banking 2.0

Richard Dratva / @RichardDratva Digital Banking Specialist, Chief Strategy Officer and co-founder at CREALOGIX

Rino Borini / @rinoborini Co-Founder financialmedia / Chefredaktor Wirtschaftsmagazin PUNKT. Entrepreneur, Publisher

Swiss Finance Startups / @SFS_CH At the forefront of Swiss Finance digitalisation and innovation!

Natürlich darf auch Marc P. Bernegger in der Liste nicht fehlen:
Marc P. Bernegger / @marcpbernegger Serial Entrepreneur, Fintech Investor at OGC and NextGFI, Co-Founder of amiando (WEF Global Technology Pioneer, exit to Xing) and usgang.ch (exit to Springer)

Neben der Deutschschweiz hat er auch die wichtigsten Meinungsmacher der Romandie aufgelistet:

Anthemis Group / @anthemis digitally native finance

Ben Robinson / @robinsonbenp Heading up strategy, marketing & innovation for @Temenos | Chair of Swiss Technology Industry group http://linkd.in/1hVryB8 | bon vivant. All views are my own

François Briod @BriodF Tech enthusiast & social entrepreneur at heart. Co-founder & CEO @TawiPay #remittances #fintech

Guillaume Dubray / @GuillaumeDubray VC with a strong interest in FinTech & Digital Banking

Alexandra Gaillard / @investglass Customised financial markets information platform made in Switzerland

Laurent Haug / @laurenthaug I help people find ideas and ideas find people. Entrepreneur, consultant, speaker, lecturer, investor, curator, coach. And sleepless dad

LE DECODEUR / @b3b Pour décoder l’actualité et les nouvelles tendances #Sécurité et #FinTech. Par Marc Barbezat

Sean Park / @parkparadigm Skating to where the puck will be. Also @anthemis

Swiss Finance Startups / @SFS_CH At the forefront of Swiss Finance digitalisation and innovation!

Yann Ranchere / @tekfin I am passionate about startups and innovations related to financial services. Work with @anthemis to change financial services for the 21st century.

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Finanzplatz Schweiz im Niemandsland

Die Schweiz als führender Finanzplatz steht im Bereich Digitalisierung – im Vergleich zu anderen Nationen – in keiner Spitzenposition. Anders sieht es in Vereinigten Königreich aus: Die Cameron-Regierung hat sich ambitiöse Ziele gesetzt. Ein Vorbild für die Schweiz? Ja.

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Text: Rino Borini

Haben Sie schon einmal von Betterment, Wealthfront, Nutmeg, Lending Club oder Zopa gehört? Selbstverständlich, oder? Denn diese Firmen gehören inzwischen genauso zum (Banken-)Alphabet wie Cembra Moneybank, Postfinance, Swissquote oder UBS.

Die aufgeführten Unternehmen sind gekommen, um der Finanzbranche Kunden und Marktanteile wegzuschnappen. Sie sind branchenfremd, es sind sogenannte FinTechs (Finanztechnologie-Firmen), die an der Wertschöpfungskette der Finanzdienstleister nagen.

Aber nicht nur Startups wollen den Banken lukrative Geschäftsfelder wegnehmen, sondern auch etablierte Firmen wie beispielsweise Apple. Das US-Unternehmen lancierte im letzten Jahr Apple Pay, eine digitale Geldbörse (Hintergründe zum Mobile-Payment hier). Mit dieser will der Konzern letztlich an den Endkunden gelangen, ganz einfach. Ob das gelingen wird, steht derzeit in den Sternen. Aber die Geschichte zeigt uns, dass Apple etwas Ähnliches bereits geschafft hat, als der Konzern die ganze Musikindustrie in die Knie zwang und die Branche revolutionierte.

Disruption – jetzt Finanzbereich?

Bei der Digitalisierung vermischen sich reale und digitale Welten, ganze Geschäftsmodelle werden massiv umgekrempelt – und davon bleibt eben auch die Finanzbranche nicht verschont. Digitale Services bieten der Branche einerseits enorm viele Chancen, etwa durch kostengünstige Lösungen und technische Innovationen. Andererseits entstehen neue Konkurrenten, die disruptive Finanzgeschäftsmodelle günstiger und schneller erschliessen als die etablierten Player.

Diese Veränderungen betreffen auch den gesamten Finanzplatz Schweiz. Doch weder Politiker noch Standortförderer haben das Thema Finanzinnovation und -technologie wirklich ernsthaft auf dem Radar. Es gibt bis heute von Bundesbern keine klaren Antworten, wie der helvetische Finanzplatz langfristig ausgestaltet werden soll. Vor allem unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Wandel hin zu einer digitalen Gesellschaft Realität ist.

Dabei steuert die hiesige Finanzbranche einen substanziellen Teil der Wertschöpfung bei. Der Finanzsektor beschäftigt direkt und indirekt gemäss SwissBanking 491 000 Personen und generiert – unter Berücksichtigung der indirekten Effekte (wie Zulieferer) – rund 15% der gesamten Wertschöpfung. Die Schweiz ist nach wie vor eines der wichtigsten Private-Banking-Zentren der Welt und mit einem 26%-Marktanteil des grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäfts die Nummer 1. Weltweit.

London übernimmt die FinTech-Führung

Während die Schweiz bezüglich FinTech-Strategie schläft, machen andere führende Finanzplätze – notabene unsere Konkurrenten – vorwärts. Etwa London, die weltweite Nummer zwei, wo man die Zeichen der Zeit erkannt hat. In der «City» ist mit «Level39» der grösste FinTech-Accelerator Europas angesiedelt. Auch die britische Regierung ist auf den Expresszug aufgesprungen. Im August letzten Jahres deponierte der Schatzminister von England, George Osborne, vor Bankern, Investoren und FinTech-Unternehmer in einer Rede vier Kernaussagen (seine Rede im Wortlaut).

Die erste zeigt die Überzeugung der Regierung Camerons, dass ein Finanzplatz dank Innovation und Technologie prosperieren kann. Der Wortlaut: «I am here today because the technologies that you are developing have a huge economic potential for our country, and for the world.» Zu Deutsch: Die Digitalisierung der Finanzdienstleister biete enormes Wachstumspotenzial, das letztlich der ganzen Volkswirtschaft zu Gute komme.

Innovation verhilft einer Wirtschaft zu Prosperität, das war schon immer so. George Osborne weiter: «I’m here today because I want the United Kingdom to lead the world in developing Fin Tech. That’s my ambition – short and sweet.» Die Regierung Cameron hat also erkannt, dass intelligente Technologien keinen Kostenfaktor darstellen, sondern die Zukunft bestimmen und dem Londoner Finanzplatz helfen, sich den neuen Realitäten anzupassen.

Mit der dritten Aussage untermauerte der Finanzminister die Ernsthaftigkeit der Absichten. «So today I can announce I am extending the scheme with another £100 million.» Die Regierung investiert also aktiv in die Zukunft des Finanzplatzes und macht ihn damit zum führenden Hub für Finanztechnologie. Doch allein mit monetären Mitteln ist es nicht getan. Die Regierung unterstützt konkrete Hilfsangebote wie beispielsweise den FCA Innovation Hub, wo FinTechs regulatorische Beratungen erhalten, kostenlos.

Die Schlussbemerkung des Schatzminister trifft mitten ins Herz jedes Schweizer Bankers. «We have all the ingredients we need.»

Wo steht der Finanzplatz Schweiz?

Über die nötigen Zutaten verfügt eigentlich auch die Schweiz. Vielleicht hat die Eidgenossenschaft sogar eine noch bessere Ausgangslage als London. Kein anderes Land könnte Finanzinnovationen vorantreiben wie die Eidgenossenschaft. Hilfreich ist dabei die hohe politische Stabilität, eine zentrale Anforderung an jeden Finanzplatz. Diese ist weltweit einmalig. Eine liberale Wirtschaftspolitik ist eine weitere Basis, um ein Ökosystem FinTech aufzubauen. Auch die Schweizer Wissensmühlen müssen die internationale Konkurrenz nicht fürchten. Und von fehlendem Kapital kann schon gar nicht die Rede sein.

Doch wo stehen Schweizer Banken in Bezug auf die Digitalisierung? Mit Blick auf die «Digital Banking Readiness»-Rangliste des Unternehmensberaters ATKearney muss man sagen: im Niemandsland. Die Analysten sehen die Schweiz lediglich an 11. Stelle. United Kingdom, Singapur und die USA führen die Tabelle an. Aber auch Nationen, die über keine Bankentradition verfügen, wie Dänemark, Norwegen, Österreich oder Belgien, winken von oben auf die Schweiz.

Auf diesen Umstand haben einzelne Schweizer Banken reagiert – aber längst nicht alle. Aber letztlich kann der Aufstieg nur gelingen, wenn der Finanzplatz Schweiz eine gesamtheitliche Vision und Strategie verfolgt. Eine Vorreiterrolle im Bereich der Digitalisierung böte den Schweizer Banken eine grosse Chance: Sie könnten den Weg zurück in die Gesellschaft finden. Nach all den Milliardenbussen und Skandalen haben sie sich, gewollt oder ungewollt, vom Volk entfernt.

Innovative Technologien helfen aber nicht nur den inländischen Banken, sondern können als Exportgut in die ganze Welt verkauft werden. Die Schweiz hat eine einmalige Chance, ihre Reputation als traditionsreicher, stabiler und innovativer Finanzplatz auf alle Kontinente hinauszutragen. Und letztlich könnten die Schweizer Banken ihre internationale Expertise stärken und die Nummer 1 in der Vermögensverwaltung bleiben.

Vorwärtsstrategie nötig

Doch was tun die Verantwortlichen der Banken und der Politik? Nachdem schon niemand das Schlamassel um Liborskandal, Devisenmanipulation oder dem systematischen Brechen von ausländischem Recht erklären konnte, sollten Banker jetzt die Zukunft (mit-)bestimmen, gemeinsam mit Politik und Standortförderung. Die Schweiz muss den Anspruch haben, langfristig in den Top-5 der Finanzplätze zu rangieren.

Immerhin gibt es erste Projekte, von Privaten initiiert. Seit Herbst 2013 wird die Finance 2.0-Konferenz (Der Autor ist Mitinitiator dieses Anlasses) durchgeführt, wo sich FinTechs und Banken treffen und austauschen. Im letzten Jahr haben sich zudem erste Schweizer FinTech-Firmen zur Vereinigung Swiss Finance Startups zusammengetan, um sich gemeinsam Gehör zu verschaffen.

Doch das reicht nicht. Jetzt sind Taten gefragt und keine leeren Worte. Wir haben alle Ingredienzen – jetzt muss es heissen: «Allez la Suisse!»

Erstveröffentlichung am 21.01.2015 auf Inside-Paradeplatz

  1. […] Lange Zeit wurde in der Schweiz das Thema «Finance 2.0» und «FinTech» stiefmütterlich behandelt. Es schien fast ao, als würde dieser Zug an der Schweiz vorbeirauschen. Das wäre insofern gefährlich, weil der hiesige Finanzplatz für das Land eine enorme Bedeutung hat. Er steuert einen substanziellen Teil der Wertschöpfung bei (Die Schweiz im Niemandsland). […]

  2. […] Schweiz ist bezüglich Digitalisierung von Banken und Versicherungen im Hintertreffen (siehe auch Finanzplatz Schweiz im Niemandsland). Das ist schade, denn grundsätzlich verfügt die Schweiz über alle nötigen Zutaten: hoher […]

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Mobile Payment – Adieu Portemonnaie?

Obwohl mobile Bezahlsysteme in der Schweiz noch in den Kinderschuhen stecken, gibt es bereits eine Vielzahl an Lösungen und Anbietern. Falk Kohlmann von der Swisscom zeigt auf, welche sich durchsetzen werden.

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Text: Barbara Kalhammer

Herr Kohlmann*, Mobile Bezahlsysteme haben in der Schweiz einen schweren Stand. Wir befinden uns noch nicht einmal in der embryonalen Phase. Wo sehen Sie die Gründe dafür?
Falk Kohlmann_  Ich denke durchaus, dass wir die embryonale Phase bereits hinter uns gelassen haben. Schauen Sie in die USA. Dort hat der kürzlich lancierte Dienst Apple Pay zwar die wichtigsten Banken und Kreditkartenanbieter an Bord, aber die Verbreitung von NFC-Akzeptanzstellen (Near Field Communication) ist geringer als hierzulande. Auch der Bereich des Geldtransfers von Person zu Person (Peer-to-Peer/P2P) hat sich in der Schweiz in den letzten Monaten stark entwickelt.

Welche Anbieter gibt es im Bereich P2P?
Neue Aargauische Bank (NAB), Credit Suisse, Migros Bank und ZKB bieten P2P bereits an. Daneben offerieren die beiden FinTech-Startups Klimpr und Mobino solche Zahlmöglichkeiten. Auch der Infrastrukturbetreiber SIX Payment Services plant eine Lösung. Doch es mangelt an der Akzeptanz der Kunden.

Warum?
Bei Drittanbietern wie Klimpr und Mobino ist die Integration mit dem Bankkonto noch nicht wirklich nahtlos. Bei den Banken funktioniert ein solches System derzeit teilweise nur zwischen Kunden des gleichen Instituts.

Erschwert die Vielzahl an Möglichkeiten den Überblick?
Es ist durchaus so, dass der fehlende Standard die Akzeptanz hindert. In anderen Ländern sieht dies besser aus. Beispielsweise in Kenia, wo das mobile Geldtransfersystem M-Pesa ein Quasi-Standard ist. Auch Grossbritannien hat es geschafft, bei P2P mit Paym einen nationalen Standard zu etablieren.

Hierzulande muss sich der Nutzer für ein bestimmtes System beziehungsweise einen bestimmten Anbieter entscheiden.
Ja, denn bislang ist es nicht möglich, beispielsweise zwischen den beiden unabhängigen Anbietern Mobino und Klimpr Geld zu transferieren. Die Zukunft wird zeigen, ob diese Start-ups auf der Endkundenseite überleben können, wenn sie so isoliert sind.

Bei mobilen Bezahlmöglichkeiten mischen aber auch andere Player mit.
Natürlich. Nehmen wir Paypal, die bieten weit mehr an als nur Online-Zahlungsverkehr. Derzeit werden in Deutschland Zahlmöglichkeiten in Restaurants getestet.

Laufen die beiden Entwicklungen P2P und mobiles Portemonnaie parallel ab?
Derzeit ja. Das Ziel ist aber, dass mit der Entwicklung und Etablierung von Mobile Wallets dort auch P2P als Funktion integriert wird.

Wird es beim Wallet anders als bei P2P eine Standardisierung geben?
Ein Schritt in diese Richtung ist die sogenannte Swiss-ALPS-Initiative (ALPS = Access Loyalty Payment Solution) der Schweizer Kartenindustrie, welche sich zum Ziel gesetzt hat, eine nationale digitale Brieftasche für die Schweiz zu lancieren. Es soll eine neutrale, standardisierte Infrastruktur und ein Regelwerk für die digitale Geldbörse der Schweiz aufgebaut werden. Swiss-ALPS versteht sich als nationales Standardisierungsgremium und Kompetenzzentrum für die Themen Mobile Payment, Loyalty und Mobile Access. Es wird sich zeigen, wie schnell man hier vorankommt. Ich glaube, die Entwicklung wird in einem ersten Schritt zu einer einheitlichen Infrastruktur gehen. Der nächste wäre dann, dass jede Bank ihr eigenes Wallet lanciert.

Gibt es im Ausland bereits funktionierende digitale Wallets?
Durchaus, sie zielen jedoch meist auf spezifische Zielgruppen ab. Dazu zählt beispielsweise der deutsche Anbieter Cashcloud, der bewusst auf eine junge Zielgruppe setzt. Das System ermöglicht neben der NFC-Bezahlung innerhalb des Wallets gezielte Werbung und Angebote von Drittanbietern. Das bedeutet, die Nutzer werden für diesen Dienst mit ihren Daten bezahlen.

Wird sich NFC als Standard durchsetzen?
Ja, ich denke der NFC-Standard wird das tragende Element sein und nicht beispielsweise Bluetooth oder QR Codes.

Sicherheit ist ein wichtiges Thema. Da gibt es auch unterschiedliche Ansätze.
Stimmt. Das Sicherheitselement kann nämlich entweder auf der SIM-Karte gelöst werden wie bei der Swisscom-App Tapit, in der Cloud oder auf dem Gerät, wie Apple es tut.

Welches System hat die grössten Zukunftschancen?
Ich gehe davon aus, dass sich Tokenbasierte Bezahlsysteme durchsetzen werden. Bei Tokenisierung wird ein sicherheitssensitives Datenelement (hier zum Beispiel eine Kreditkartennummer) einmalig durch ein nicht sensitives Element (die Zahlenfolge, die als «Token» bezeichnet wird) ersetzt. Hacker, die in Besitz des Tokens kommen, können mit dieser Zahl nichts anfangen, denn der Verbindungsschlüssel ist auf einem besonders sicher geschützten speziellen Server, dem «Vault», gespeichert.

Die Frage der Weitergabe von Daten spielt in diesem Bereich prinzipiell eine wichtige Rolle. Wie sieht das im Detail aus?
Es hängt vom System ab, wie und warum die Daten genutzt werden. Das erwähnte Modell von Cashcloud lebt davon, die Daten der Transaktionen zu nutzen und sie mit Angeboten von Drittanbietern zu verknüpfen. Dem Kunden ist dabei natürlich bewusst, dass er mit den Daten für die erhaltene Leistung bezahlt. Ich denke nicht, dass sich dieses Modell in der breiten Masse durchsetzen wird. Aber Banken und Drittanbieter werden Transaktionsdaten ebenfalls intern nutzen, um Kundenbedürfnisse abzuleiten, diese allerdings nicht mit Drittangeboten verknüpfen, ausser der Kunde gibt hierfür explizit sein Einverständnis.

Bemängelt wird auch die Sicherheit. Ist das eine übertriebene Angst?
Aus meiner Sicht ja. Die Sicherheit ist bei mobilen Zahlmöglichkeiten deutlich höher. Bei der Bezahlung mit einer Kreditkarte reichte früher die Unterschrift. Mittlerweile gibt es sogar eine biometrische Kreditkarte in Norwegen. Dabei sind die biometrischen Daten des Fingerabdrucks auf der Karte gespeichert und der Kunde muss sich keinen Pin-Code mehr merken.

Letztlich entscheidend wird aber die Nutzerfreundlichkeit sein.
Ja, das ist so. Diese ist erst erreicht, wenn die Nutzer im Wallet alle relevanten Karten, die täglich eingesetzt werden, integrieren können. Und erst dann erwarte ich einen grossen Schub.

Sie attestieren NFC die grössten Chancen. Ist dort nicht hinderlich, dass der Anwender online sein muss?
Das ist nur dann der Fall, wenn das Sicherheitselement in der Cloud ist. Ansonsten muss ein Nutzer für die Verifikation nicht online sein. Wir haben in der Schweiz aber eine relativ gute Abdeckung und dank Datenpaketen ist man quasi immer online. Von Nachteil wäre eine solche Lösung allerdings bei Reisen ins Ausland, wo es sinnvoller wäre, die Informationen auf dem Gerät zu haben. Die Hürde wird sein, dass wir uns in der Schweiz in diesem Bereich zwar schnell entwickeln, aber es Länder geben wird, die keine NFC-Abdeckung haben.

Bislang sind NFC-Transaktionen bei Anbietern wie Migros und Coop auf 40 Franken beschränkt.
Genau. Wenn wir uns in Richtung Wallet bewegen, können die Konsumenten auch höhere Summen ausgeben. Ab dann wird eine Authentifizierung unverzichtbar.

Gibt es Länder, in denen solche Bezahlungen schon zum Alltag gehören?
Ja, in einigen asiatischen Nationen. Die grösste Akzeptanz von mobiler Bezahlung in Europa zeigt sich gemäss Umfragen in den osteuropäischen Ländern.

Der Technologiekonzern Apple setzt ebenfalls auf NFC-Technologie. Wird dies zu einer schnelleren Verbreitung beitragen?
Apple hat mit Apple Pay für eine gute Marktwirkung gesorgt, da die Kunden das Thema nun vermehrt wahrnehmen.

Eine Durchsetzungskraft wie sie der Konzern mit iTunes erreicht hat, erwarten Sie aber nicht?
Apple wird sicherlich zur Verbreitung beitragen. Nun zu sagen, dass durch Apple Pay alle anderen mobilen Bezahllösungen tot sind, wäre verfrüht.

Ist die Vorstellung einer Welt, in der es gar kein Bargeld mehr gibt, realistisch?
Die Vision ist valabel, aber es ist fraglich, wie schnell das passieren wird. Auf Sicht der nächsten drei bis vier Jahre ist es utopisch. Man muss nur einmal überlegen, wo man überall noch Münzen benötigt. Das ist also ein sehr langer Prozess. Sicher wird zukünftig aber weniger Bargeld benötigt.

Welcher entscheidende Schritt fehlt für die praktische Realisierung der Wallet-Vision?
Es müssten für alle Smartphones eine Wallet-Lösung etabliert und eine einheitliche Infrastruktur aufgebaut werden. Aktuell sind sich alle bewusst, dass es in diese Richtung gehen wird. Erste Start-ups melden sich zu Wort und auch die grossen Anbieter beschäftigen sich mit dem Thema. Deswegen glaube ich, dass wir 2015 eine deutliche Entwicklung in Richtung Wallet sehen werden.

Falk Kohlmann *Falk Kohlmann ist Head of Banking Trends and Innovation bei Swisscom.

 

 

Interview ist in der Ausgabe #6 des Wirtschaftsmagazins PUNKT erschienen.

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Fintech Schweiz – Die jungen Wilden

In einer digitalen Welt verlangen Kunden digitale Lösungen, das gilt auch für Finanzdienstleistungen. Technologiefirmen haben das erkannt und bedrohen Banken in ihren einträglichsten Geschäftszweigen.

JungeWilde
Text: Rino Borini

Mit dem iTunes Store veränderte Apple 2003 den Musikmarkt für immer. Das Besondere daran war, dass einem branchenfremden Unternehmen das gelang, woran die Musikindustrie zuvor jahrelang gescheitert war: ein funktionierendes Geschäftsmodell für den digitalen Musikvertrieb auf die Beine zu stellen, das die Hörer von den illegalen Tauschbörsen weglockte.

Technologien, die bisherige Arbeitsweisen grundlegend in Frage stellen und ganze Branchen zu einer Neuausrichtung zwingen, nennt man disruptive Innovationen. Diese führen zu neuen Produkten, neuen Vermarktungswegen und vor allem zu neuem Kundenverständnis. Letzteres ist heute die treibende Kraft: Die digitalen Natives werden ab dem Jahr 2017 erstmals in der Mehrheit sein. Derzeit trifft die digitale Revolution mit voller Wucht den Finanzsektor. Anfang September verkündete Apple, in den mobilen Zahlungsverkehr einzusteigen.

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Der Konzern aus Cupertino ist damit nicht allein: Entlang der Wertschöpfungskette von Finanzdienstleistungen haben sich mittlerweile weit über 3000 FinTech-Firmen eingenistet, vor vier Jahren waren es noch 60. Sie alle haben ein Ziel: Geschäftsfelder finden, in denen mit Innovation hohe Profite erzielt werden können. Das können Zahlungsverkehr, Konsum- und Firmenkredite oder die Vermögensverwaltung sein – das Kerngeschäft vieler Banken.

FinTechs wachsen rasant

Die neuen Player sind gut aufgestellt. Etwa das junge US-Unternehmen Lendingclub, das Konsumkredite zu bedeutend attraktiveren Konditionen als Banken vermittelt. In nur einem Quartal konnte die Firma ihr Kreditvolumen um eine Milliarde Dollar auf insgesamt fünf Milliarden erhöhen. Die Banken werden in diesem Modell ihrer ältesten Funktion beraubt und zum reinen Zahlungsabwickler degradiert. Inzwischen plant das auf vier Milliarden Dollar bewertete Unternehmen den Börsengang.

Ein weiteres erfolgreiches Startup ist der Online- Vermögensverwalter Wealthfront. Das 2011 gegründete Unternehmen bietet eine einfache, höchst professionelle digitale Vermögensverwaltung an, aber zu extrem günstigen Konditionen. In nur knapp drei Jahren schaffte es Wealthfront mit seinen 40 Mitarbeitern, eine Milliarde Dollar an verwaltetem Vermögen einzusammeln. Hierzulande sucht man solche Erfolgsgeschichten (noch) vergebens.

FinTech-Unternehmen sind rar gesät, obwohl die Schweiz über ausgezeichnete Hochschulen verfügt und Kapital vorhanden ist. Die Schweizer Start-ups, die das verstanden haben, schlossen sich kürzlich im Verein Swiss Finance Startups zusammen, um ihre Kräfte zu bündeln und mehr Gehör zu finden. Dass die Schweizer FinTech-Branche klein ist, ist für die hiesigen Bankenmammuts nicht zwingend eine gute Nachricht. Denn die internationalen Geschäftsmodelle sind skalier- und auch für den Schweizer Markt anwendbar.

Aufholbedarf Schweiz

Wenn die Banken nicht gegensteuern, könnten sie auf lange Sicht auf den unprofitablen Geschäftsbereichen sitzen bleiben und zu einem besseren Backoffice mutieren. Der Londoner Finanzplatz hat erkannt, dass die Regeln der Finanzbranche nach solchen Durchbruchinnovationen neu geschrieben werden. Die logische Folge: Den Londoner Finanzplatz im Bereich FinTech weltweit in eine führende Position zu hieven, ist eine der Prioritäten der Regierung Cameron (hier nachzulesen: Speech Chancellor on developing FinTech)

In der Schweiz sind solche Vorsätze nicht zu vernehmen. Dabei ist hierzulande jeder 17. Job in der Finanzindustrie angesiedelt, elf Prozent der nationalen Wertschöpfung werden hier erzielt. Innovation und nicht Bankgeheimnis sollte auf der To-do-Liste aller Bankmanager weit oben stehen. Ansonsten könnte das geschehen, was der analogen Uhrenindustrie in den 1980er-Jahren passierte: Durch die neue Konkurrenz in Form digitaler Quarzuhren brachen die Verkäufe dramatisch ein, es herrschte Panik. Erst Nicolas Hayek konnte den Abwärtstrend stoppen. Auch er war ein Branchenfremder.

  1. […] von (noch) etablierten Banken ist zwar bedauerlich, bedeutet aber auch Chancen für die neuen FinTech-Unternehmen in der Schweiz … ein Beispiel dafür ist True Wealth, das in meiner Wahrnehmung schon auf den ersten Blick […]

  2. S.Hansen sagt:

    Ein sehr interessanter Beitrag. So ist es! Kunden verlangen optimalen Service, Zuverlässigkeit, Erreichbarkeit und Schnelligkeit. Dank der Digitalisierung ist das heutzutage für jedes Unternehmen möglich und auch notwendig. Ohne Digitalisierung keine Wettbewerbsfähigkeit. Doch wie alles hat auch die Digitalisierung zwei Seiten: Arbeitnehmer müssen auch mit den Informationsfluten und der Schnelllebigkeit zurecht kommen.

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Die Bankfiliale von morgen

Die Schwerpunkte in der Bankbeziehung haben sich aufgrund der Digitalisierung verschoben. Um den Anschluss nicht zu verpassen, müssen die Institute die Kluft zwischen Bank und Kunde schliessen, sagt Hans-Joachim Steinbock von Crealogix.

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Text: Barbara Kalhammer

Herr Steinbock, die Digitalisierung verändert das Banking stark. Ist allein die Technologie dafür verantwortlich?
Hans-Joachim Steinbock_  Technologien sind eine wichtige und treibende Kraft. Entscheidend für die aktuelle Entwicklung ist allerdings, dass es diesmal nicht nur einen Treiber, sondern mehrere gibt, die zusammenwirken. Wir sehen momentan eine Konvergenz der treibenden Kräfte, die den Wandel des Bankings vorantreiben. Dazu zählen neben der Technologie das veränderte Kundenverhalten, der Generationenwechsel insbesondere im Private Banking sowie der regulatorische Druck.

Ist nicht auch ein starker Druck seitens der Bankkunden zu spüren?
Natürlich treiben die Kunden die Entwicklungen voran. Die neue Kundengeneration setzt andere Schwerpunkte in ihrer Bankbeziehung. Sie werden nicht nur einzelne Bankprozesse verändern, sondern das gesamte Geschäftsmodell.

Welche Veränderungen werden die Technologien mit sich bringen?
Früher verstand man unter Digitalisierung vor allem einen transaktionalen «Digital only»-Ansatz, im Vordergrund standen Selbstbedienungs-Services. Die neuen Technologien jedoch sind in der Lage, die Bankbeziehung zwischen Kundenberater und Kunde nachhaltig zu unterstützen. Die Technologien werden zu einem Bestandteil der Kunde-Bank-Interaktion und haben somit auch relevanten Einfluss auf die Servicequalität.

Was bedeutet das für den Kunden?
In den letzten Jahren wurde beispielsweise das Thema Bezahlen immer wieder stark thematisiert, passiert ist aber relativ wenig. Cash ist immer noch King – die neuen technologischen Möglichkeiten änderten bislang nichts daran. Statistiken zeigen, dass der Grossteil immer noch bar bezahlt wird. Die Mühlen haben sehr langsam gemahlen. Doch seit kurzem ist Bewegung in das Thema gekommen.

Werden zukünftig mehr bargeldlose Zahlungen stattfinden?
Ja, das bargeldlose Bezahlen über Mobiltelefon oder Debit- und Kreditkarten wird in den nächsten Jahren stark an Bedeutung gewinnen. Diese Anwendungen werden in Kombination mit benutzerfreundlichen Finanzmanagement-Apps genutzt werden. Dadurch weiss der Kunde sofort, wofür er sein Geld ausgegeben hat.

Welche weiteren Änderungen wird es geben?
Beispielsweise Peer-to-Peer-Payment, also Zahlungen zwischen Privaten. Kleinere Beträge werden vermehrt nicht mehr Cash den Eigentümer wechseln, sondern über mobile Geräte. Für mich ist noch nicht ganz entschieden, ob bargeldlos vor allem über das Smartphone oder über die Karte laufen wird. Sicher ist, dass auch Kartenzahlungen vermehrt kontaktlos ablaufen werden, und zwar über Near Field Communication (NFC). Bislang war dies nur in wenigen Bereichen möglich, es fehlte die kritische Masse. Doch nun sind auch Grossverteiler wie Coop und Migros auf den Zug aufgesprungen.

Für ältere Generationen ist das unvorstellbar. Welche Bedeutung hat das Alter?
In diesem Bereich spielt es immer noch eine grosse Rolle. Hier sind vor allem die Frage des Vertrauens in ein Zahlungsmittel und die gewohnte Kontrolle über die Barausgaben wichtige Argumente.

Was ist zur weiteren Verbreitung wichtig?
Mobile Geräte wie auch Karten werden standardmässig mit NFC ausgestattet. Wenn sich dann auch Apple dahingehend nicht mehr zurückhalten wird, werden kontaktlose Bezahlungen mehr und mehr Verbreitung finden. Mit dem iPhone 6 könnte das bereits der Fall sein.

Gibt es eine Vision, in der Bargeld überflüssig ist?
Ich glaube nicht, dass dies sehr bald der Fall sein wird. Langfristig wird es aber darauf hinauslaufen.

Wie wird sich der Kontakt von Bank und Kunde verändern?
Für den durchschnittlichen Kunden hat die Bankfiliale nicht mehr die Bedeutung, die sie früher hatte. Wir sehen, dass die Banken zunehmend das Digital Banking als ihre wichtigste und grösste «Filiale» ansehen. Die Institute werden auch weiterhin physische Filialen haben, diese werden jedoch weniger für Transaktionen genutzt, sondern für Beratungsgeschäfte.

Wie werden die Filialen der Zukunft aussehen?
Bisher haben sich die Filialen den neuen Trends immer angepasst. Das wird auch in Zukunft so sein, sie werden nicht einfach vom Erdboden verschwinden. Vielfach werden heute bereits Tablets und Screens eingesetzt, Lounge-Ecken eingebaut und Begegnungsstätten geschaffen. Das Filialkonzept wird sich noch weiter verändern. Ich denke, dass sich die Konzepte der hybriden Situation anpassen werden, eben weil die Kunden auf mehreren Kanälen unterwegs sind.

Wie könnte das konkret aussehen?
Beispielsweise wickelt man abends zu Hause auf dem Tablet eine Transaktion ab, löst aber gleichzeitig noch ein Beratungsgespräch aus, das dann in der Filiale stattfinden kann. Die Multikanalwelt wird sich auch im physischen Design der Filialen widerspiegeln.

Macht es das grössere Angebot für Kunden nicht noch schwieriger sich zurechtzufinden?
Die Frage lautet, ob das ein allgemeiner Trend ist oder nur spezifisch für das Banking gilt. Für die Kunden ist es ganz normal, sich in dieser digitalen Welt zu bewegen. Institute, die das nicht erkannt haben, laufen Gefahr, den Kunden zu verlieren. Das sehe ich als grössere Gefahr. Entscheidend ist, sich in dieser Vielfalt gut zu positionieren.

Der Kunde ist also durchaus in der Lage, mit der Angebotsvielfalt umzugehen?
Ja, er wird sich den Weg suchen, der für ihn am bequemsten ist und den grössen Mehrwert bietet. Für viele Kunden ist es wichtig geworden, sich zu informieren, bevor ein Geschäft mit einem Institut abgeschlossen wird. Wenn ein Kunde beispielsweise Informationen zu Hypothekargeschäften oder Anlageentscheidungen sucht, diese auf der Webseite seiner Bank aber nicht findet, wird er zu einem Institut wechseln, das diese Information veröffentlicht.

Haben einzelne Banken den Zug schon verpasst?
Nein. Im Retail Banking hat die Digitalisierung bereits stattgefunden, die technologischen Entwicklungen haben sich aus Effizienzgründen eingenistet. Das Private Banking hingegen war von diesen Entwicklungen nahezu ausgenommen. Der Bereich entwickelt sich von einem Blinden Fleck, einem White Spot, zum Sweet Spot der Digitalisierung. Mit all den neuen Möglichkeiten, die unter «Social» und «Hybrid» zusammenzufassen sind, konzentriert man sich nun auf die Kunde-Bank-Interaktion und versucht, diese neu zu gestalten.

Wie gehen die Banken mit dem Bereich Social um?
Viele werden davon abgeschreckt und beteuern, Facebook und Twitter würden nicht zum Banking passen. Social meint allerdings nicht nur Soziale Medien. Vielmehr geht es um den natürlichen Austausch vor einem Anlageentscheid mit Freunden, Bekannten und Experten, der durch die Digitalisierung unterstützt wird.

Welche Möglichkeit haben Banken, um an dieser Interaktion verstärkt teilzuhaben?
Viele Banken haben sich bereits zu weit vom Kunden entfernt. Momentan klafft eine grosse Lücke zwischen dem, was Kunden im Netz tun, also sich informieren und austauschen, und dem, was der Berater für den Kundenkontakt zur Verfügung hat. Es besteht das Risiko, dass die Distanz zwischen Bank und Kunde noch grösser wird.

Was müsste getan werden, um das zu ändern?
Die Bank muss versuchen, diese Lücke zu schliessen. Sie sollte Plattformen bieten, die es dem Kunden ermöglichen, sich direkt zu informieren. Die Daten sollten jedoch nicht nur von einer Bank stammen, sondern auch von Dritten. Durch eine solche Öffnung könnten Banken verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen.

Wie könnte eine solche Plattform aussehen?
Beispielsweise könnten vertraute Personen eingebunden und um Rat gefragt werden. Diese Unterhaltung würde in geschlossenen Bereichen stattfinden. Aber auch Experten der Bank würden ihre Empfehlungen zu Anlagethemen abgeben. Weiter könnten sie komplementären Inhalt zu den bisherigen Kompetenzen der Banken hinzufügen.

Was heisst das im Detail?
Dass die Banken nicht nur ihre eigenen Studien und Meinungen weitergeben, sondern auch darüber informieren, wie die Einschätzungen anderer Experten aussehen, oder welche Anlageentscheide andere Kunden gefällt haben. So würden die Bank-Plattformen dem Kunden wieder einen Mehrwert bieten und er würde sich öfter darauf bewegen.

Wird dieses Schliessen der Lücke also in nächster Zukunft Realität?
Ich fasse das unter «Close the Gap» zusammen. Immer mehr Institute haben gemerkt, dass sie nicht darum herum kommen, sich auf irgendeine Weise in die Community einzubringen. Dazu müssen sie die Digitalisierung als Teil der Geschäftsstrategie verstehen und ihre Kundenberater bei diesem Wandel unterstützen. Die Kunden werden es ihnen danken.

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Hans-Joachim Steinbock ist CEO E-Banking Schweiz bei Crealogix.

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Kreditkartenterminals für Kleinunternehmer: SumUp im Praxistest

Die Annahme von Debit- und Kreditkarten ist für kleinere Händler mit unverhältnismässig viel Aufwand und hohen Kosten verbunden. Mit SumUp bringt UBS eine unkomplizierte und günstige Alternative fürs Smartphone. Was kann das Teil wirklich?

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Text: David Fehr

Wer seinen Kunden die Möglichkeit zur Bezahlung mit Debit- und Kreditkarten bieten will, tut das hierzulande meist mit einem Vertrag bei Aduno oder SIX Payment Services. Während sich die SIX bezüglich exakten Preisen bedeckt hält, erfährt man bei Aduno mehr. Die kostengünstigste Variante ist die «Ingenico Compact» mit einem Kaufpreis von 1490 Franken (monatliche Miete: 53 Franken), das dazugehörige Serviceabo kostet 168 Franken jährlich – monatliche Fixkosten von etwa 70 Franken also.

Über die Höhe der Kommissionsgebühren, die bei jeder Zahlung fällig werden, schweigt sich Aduno aus. Sie variieren je nach «Volumen, Risikoindex und weiteren Abhängigkeiten». Branchenüblich sind um die 2,5 Prozent für Kreditkarten und 0,5 Prozent für Debitkarten.

Für mobile Marktstandbetreiber, Handwerker, Modedesigner und alle anderen «sporadischen» Händler, die nur unregelmässig Kartenzahlungen entgegennehmen, fallen 70 Franken monatlich durchaus ins Gewicht. Sie sind die Zielgruppe, die UBS durch die Kooperation mit deutschen Anbieter SumUp primär im Auge hat.

Hält, was es verspricht
Bei SumUp gibt es weder Vertragslaufzeiten noch monatliche Gebühren. Benötigt wird einzig das 99 Franken teure Gerät (für UBS-Kunden 69 Franken) und ein Smartphone, auf dem die dazugehörige App installiert wird. Ebenfalls nicht nötig ist eine Bankverbindung zur UBS: Auszahlungen sind auf sämtliche Schweizer Bankkonten möglich.

SumUp wird in einer weissen Schachtel ausgeliefert. Das Gerät selber ist nur gerade 5×5 Zentimeter gross und ebenfalls weiss. Die Registrierung auf dem Online-Portal ist schnell erledigt, dasselbe gilt für die Installation der App (erhältlich für iOS und Android), die Inbetriebnahme des Geräts und eine erste Testtransaktion. Nach ein paar Minuten ist man startklar.

Um eine Karte zu belasten, wird das Gerät per Kabel oder Bluetooth mit dem Smartphone verbunden. Der Händler gibt den zu belastenden Betrag ein, der Kunde schiebt seine Karte ins Gerät und gibt seinen Pin ein. Nicht pinfähige Karten können per Magnetstreifen mit dazugehöriger Unterschrift belastet werden. Nach erfolgter Belastung kann der Zahlungsbeleg entweder mit einem verbundenen Printer ausgedruckt oder dem Kunden per SMS oder Email geschickt werden.

Die Beträge werden innert drei bis sechs Tagen auf dem Bankkonto gutgeschrieben. Die Kommissionsgebühren sind fix: Sie betragen: 2,5 Prozent bei Kreditkarten und 1,5 Prozent bei Debitkarten. Die Kontoverwaltung erfolgt per App oder SumUp-Webseite, wo Transaktionen im Excel- oder CSV-Format exportiert werden können. Nachträgliches Versenden von Quittungen ist ebenfalls jederzeit möglich.

Erstes Fazit: UBS hält mit SumUp PIN+, was sie verspricht. Es ist eine einfache und vor allem kostengünstige Möglichkeit, um Kartenzahlungen anzunehmen.

Updates sind geplant
SumUp kann jedoch (noch) nicht alles. So können derzeit keine Stornos und Rückbuchungen gemacht werden. Wer dem Kunden einen falschen Betrag belastet, muss sich mit dem SumUp-Kundendienst in Verbindung setzen – und der ist nur zu Bürozeiten erreichbar. Gemäss Andreas Kubli, Leiter Multichannel Management & Digitization bei der UBS, wird daran gearbeitet: «In Zukunft wird es für beide Fälle die Möglichkeit geben, dies aus der App heraus eigenständig auszulösen.»

Ebenfalls nicht möglich ist das Führen eines übergeordneten Accounts mit mehreren Unter-Accounts. «Derzeit ist dies nur möglich, indem man mehrere Accounts mit denselben Kontaktdaten anlegt. Im SumUp-System wird dies dann automatisch zu einem Kontakt zusammengeführt», sagt Kubli. Wer mehr als eine Zahlstation anbieten möchte, muss also einen Mehraufwand bei der Abrechnung auf sich nehmen. Aber auch hier: Ein Feature für ein Reporting mit mehreren Zahlstationen ist in Planung. Bereits jetzt bietet SumUp grösseren Kunden auf Anfrage ein detailliertes Reporting an.

Nicht möglich – und vorerst auch nicht geplant – ist dagegen das Abrechnen in verschiedenen Währungen. Das ist insofern ein Nachteil, als dass Händler bei anderen Anbietern mittlerweile an der Währungsumrechnung mitverdienen können – was jedoch selten zum Vorteil des Kunden geschieht. Die meisten Kreditkartenfirmen empfehlen ihren eigenen Kunden, im Ausland immer in der Lokalwährung zu bezahlen.

Ein Wermutstropfen ist die mit 1,5 Prozent hohe Kommissionsgebühr für Debitkarten. Wenn ein Händler zwar nur wenige, aber sehr grosse Transaktionen annimmt, wird dadurch die Ersparnis bei den Fixkosten zunichte gemacht. Ab 84 000 Franken Debitkarten-Jahresumsatz schlägt es um – doch Umsätze in dieser Grössenordnung sind nicht die Zielgruppe.

Für wen ist SumUp nun geeignet?
Für wen sich SumUp von UBS tatsächlich lohnt, muss im Einzelfall beurteilt werden.

Für diejenigen, die bis anhin gar keine Kartenzahlungen annahmen, lautet die Antwort: auf jeden Fall. Die einmaligen Kosten von 99 Franken sind überschaubar, der Aufwand ist praktisch gleich null. Dafür haben sie danach bis in alle Ewigkeit die Möglichkeit, Kartenzahlungen anzunehmen.

Am anderen Ende der Skala ist der Einsatz von SumUp natürlich beschränkt: Für grössere Händler mit viel Transaktionen und mehreren Zahlstationen ist das System nicht geeignet.

Spannend wird sein, wie sich Händler entscheiden, die bis anhin nicht ganz auf Kartenzahlungen verzichten wollten, aber eigentlich «übermotorisiert» waren. De facto bezahlen sie monatlich 70 Franken oder mehr für einen Service, den sie nur zu einem Bruchteil benötigen. Für diese Gruppe hat UBS mit SumUp – erst recht wenn dann die angekündigten Updates da sind – mehr als eine valable Alternative im Angebot.

  1. sabine sagt:

    Darin liegt ja auch genau der Haken, dass sich Aduno über die Höhe der Kommissionsgebühren, die bei jeder Zahlung fällig werden, ausschweigt. ich kenn den Anbieter sehr gut und da sollt man sich mal wirklich genauer informieren bevor man sich hier bindet. nur mein Tipp!

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Der steinige Weg des digitalen Banking

Die Digitalisierung verändert unseren Alltag – auch das Banking. Während Konsumenten bereits in der Welt der Finance 2.0 angekommen sind, fehlt den meisten Banken der Mut, das neue Zeitalter einzuläuten.

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Text: Barbara Kalhammer

«Mutig in die neuen Zeiten, frei und gläubig sieh uns schreiten, arbeitsfroh und hoffnungsreich.» Die Zeilen der Österreichischen Bundeshymne wurden zwar zu einer Zeit geschrieben, als die Digitalisierung noch in weiter Ferne lag, dennoch beschreiben sie eindrücklich die Aufbruchsstimmung, die zurzeit immer mehr Gebiete erfasst.

Klammheimlich hat die Digitalisierung unterschiedlichste Bereiche unseres Alltags erobert und damit ein neues Zeitalter eingeläutet. Immer mehr Akteure springen auf den Zug auf. Mit dem Smartphone in der Hand verzichten immer mehr Menschen auf Zeitung, Stadt- und Restaurantführer, Reisebüro, Navigationsgerät – und immer häufiger auch auf das Portemonnaie.

Gemäss dem Media Use Index 2013 nutzten im vergangenen Jahr bereits 70 Prozent der Schweizer mit dem Smartphone Online-Dienste. Neben dem Konsum verschiedener Medien wird das mobile Internet auch genutzt, um sich über neue Produkte zu informieren. 35 Prozent der Nutzer kaufen danach auch gleich online ein. Ganz oben auf der Beliebtheitsskala der mobilen Nutzer stehen neben Ricardo, SBB und Ticketcorner internationale Shopping-Portale wie Amazon oder Zalando.

Branchen wie den Buchhandel und Reisen hat die Digitalisierung bereits auf den Kopf gestellt, aber auch die Suche nach Job, Haus oder Auto hat sie fundamental verändert. Weitere Lebensbereiche werden folgen.

Menschen klammern sich an Sicherheit
Während der Griff zum Smartphone oder Tablet in vielen Bereichen selbstverständlich geworden ist, fehlt in einem anderen Segment der Mut: Mobile Banking ist auch heute noch eine Seltenheit. Experten warnen davor, dass Begriffe wie Phishing, Skimming und Konsorten zu einer enormen Verunsicherung der Konsumenten führen und eine Verweigerung der digitalen Revolution drohen könnte. Dies belegt auch eine Untersuchung des medienwissenschaftlichen Instituts IPMZ der Universität Zürich.

Sie bestätigt, dass sich Kunden bereits gegenüber dem Online-Banking skeptisch zeigten – beim Mobile Banking sind die Vorbehalte noch grösser. Demnach äusserten 40 Prozent der Befragten Bedenken gegenüber den beiden Diensten. Fünf Prozent wurden nach eigenen Angaben bereits Opfer von Kreditkartenbetrug im Internet. «Es fehlt bislang noch die Gewöhnung. Die Kunden kennen die Risiken nicht und können die Gefahren nur schwer abschätzen», sagt Marc Lussy, Managing Director bei DINAR Finance Group und Dozent im Bereich Social Finance. Doch bei den Instituten, die Mobile Banking aktiv unterstützen, kommt es auch zum Einsatz. So nutzt jeder fünfte aktive E-Banking-Kunde der UBS auch die Mobile Banking-App.

Asiaten sind technologieaffin
Dass Sicherheit beim E-Banking eine zentrale Rolle spielt, bestätigt auch Andreas Kubli, Leiter Multichannel Management & Digitalization der UBS. «Bei Neuem sind Menschen zu Beginn oftmals etwas irrational, das war auch bei der Einführung der Eisenbahn so.» Neue Entwicklungen bräuchten eben ihre Zeit und vor allem Schweizer wollten es ganz genau wissen und die Innovationen auch verstehen. Interessant sei auch, dass die Sicherheit beim Mobile Banking viel stärker hinterfragt werde als beim E-Banking, obwohl beispielsweise die UBS für beide Dienste die gleichen Sicherheitsstandards verwendet.

Andere Länder sind weniger skeptisch. In Deutschland beispielsweise haben 35 Prozent der befragten Bankkunden in den vergangenen drei Monaten zumindest eine Zahlung per Smartphone abgewickelt, wie eine Studie der Beratungsfirma Bain zeigt. In den USA waren es 45, in China sogar 60 Prozent. Asien, aber auch Afrika und Brasilien, schreiten im Vergleich zur Schweiz mit Siebenmeilenstiefeln voran. Grund dafür seien kulturelle Unterschiede, betont Jörn Basel, Wirtschaftspsychologe in der Forschungsabteilung der Kalaidos FH Schweiz.

Da Asiaten tendenziell eine grössere Bereitschaft für neue Technologien hätten, könnten sich neue Entwicklungen dort viel schneller etablieren, meint er. In Afrika wiederum verfügten viele Menschen über kein Bankkonto, was einen neuen Markt – Bezahlung per SMS – ermöglicht habe. 2001 gab es in Afrika nur 25 Millionen Handys, 2012 erreichte die Zahl bereits 720 Millionen, wie eine Studie der deutschen Fondsgesellschaft DWS zeigt.

In ständigem Dialog mit dem Kunden
In der Schweiz liegt eine flächendeckende Nutzung mobiler Banking-Dienste in weiter Ferne. Doch Kubli rechnet damit, dass die Verbreitung auch hierzulande mit grossen Schritten vorankommen wird: «Es dauert einige Zeit, bis sich etwas etabliert. Aber insgesamt nimmt die Geschwindigkeit für die Durchsetzung von Innovationen zu.» Das zeigte sich auch in Hongkong, wo die Citigroup ihre Anwendung «Citi Mobile» bereits vor fünf Jahren eingeführt hat. Die aktuelle Nutzerzahl wird zwar nur auf etwa 1,7 Millionen geschätzt, doch sie wächst monatlich um 60 000 bis 70 000 User.

Die Digitalisierung verleiht den Kunden, die von den Instituten schon lange mehr Transparenz, einfachere Interaktion und bessere Erreichbarkeit erwarten, eine neue Mündigkeit. Um mit der Bank in Kontakt zu treten, müssen sie nicht mehr in Warteschlangen versauern, sondern können die Fragen online stellen, etwa per Twitter. Als kleiner Test hat PUNKTmagazin einige Schweizer Institute über den Kurznachrichtendienst gefragt, wie ein Geschenkkonto eröffnet werden kann.

Während die UBS, Glarner Kantonalbank und Basler Kantonalbank innert Tagesfrist antworteten, benötigte die Credit Suisse dafür über eine Woche. Auf eine Antwort der Zürcher Kantonalbank wartet die Redaktion noch heute. Wozu überhaupt einen Account führen, wenn dieser nicht gepflegt wird? Da kann man sich gleich, wie etwa die Migrosbank, ganz von Twitter fernhalten.

Schweiz im Niemandsland
Die Banken sind gefordert, diese Kommunikationswege weiterzuentwickeln, immerhin haben sie sich nach den Turbulenzen der vergangenen Jahre auf die Flaggen geschrieben, die Kunden wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Voraussetzung dafür ist allerdings die Umwandlung der ursprünglichen Sender-Empfänger-Kommunikation in einen Dialog. «Das ist der einzige Weg», hält Wirtschaftspsychologe Basel fest. In vielen Branchen sind die Prozesse bereits umgesetzt. Als Beispiel nennt Kubli den Kundenservice von Nespresso. Solche Dienste würden Erwartungen schüren, auch in anderen Branchen wie dem Bankenwesen.

Auch diesbezüglich ist Deutschland der Schweiz einen Schritt voraus. Verschiedene Banken, sogar regional orientierte Sparkassen, arbeiten mit Web-Chats. Für Kunden sind Echtzeitdialoge eine schnelle und direkte Möglichkeit, mit dem Bankinstitut in Kontakt zu treten. Gemäss Marc Lussy wird man darauf in der Schweiz noch warten müssen, da die Compliance aktuell noch die Oberhand hat. Für die Einführung solcher Kommunikationskanäle müsste die Regulierung mehr Kenntnis von Social Media haben. Kubli lässt sich davon nicht abschrecken: «Die regulatorischen Hürden für neue Dialogformen sind überwindbar.» Die UBS stellt ihren Kunden im E-Banking bereits eine Secure Mailbox zur Verfügung.

Blog-digitalisierungsgradSelbstgeschaffene Transparenz
Ein anderer Wunsch der Kunden ist mehr Transparenz. Sie sei zu einer Grundnorm der Netzwerkgesellschaft geworden, schreibt Andrea Belliger von der Pädagogischen Hochschule Luzern im Wirtschaftsmagazin. Unternehmen oder Personen ohne Transparenz seien suspekt. Dass viele Wünsche der Kunden ungehört bleiben, ist zum Teil ihre eigene Schuld. «Der Mensch bleibt lieber im Status Quo. Es liegt nicht in der Natur der Schweizer zu fordern.

Der Weg vom Lamentieren bis zum Handeln ist weit», erklärt Jörn Basel. Zudem tun sich Schweizer Kunden schwer mit einem Wechsel der Bank. In den USA sieht es anders aus, berichtet die Beratungsfirma Alix Partners. Rund 60 Prozent der Smartphone- oder Tablet-Nutzer, die im vierten Quartal 2013 ihr Institut wechselten, nannten mobile Banking als wichtigen Faktor. Im zweiten Quartal 2010 lag der Wert bei nur sieben Prozent.

Gänzlich inaktiv bleiben die Kunden auch in der Schweiz nicht. Sie lassen sich längst nicht mehr jeden Bären aufbinden, sondern werden mutiger. Sie forschen selbst nach, überprüfen Aussagen und schliessen sich im Internet mit der bankaffinen Community kurz, um Informationen auszutauschen und Rat zu suchen. Noch nicht dabei in diesem Zirkel sind die Banken.

Den (Kunden-)Dialog suchen
Dabei wäre ihr Erkenntnisgewinn riesig: Sie könnten die Anliegen, Wünsche und Ängste ihrer Kunden erfahren und ihnen spezifische Hilfe – oder passende Produkte anbieten. Auch in Zeiten der Digitalisierung wollen Kunden nicht anonym abgefertigt werden, sondern schätzen persönliche Betreuung und massgeschneiderte Lösungen. Massenmails und ungerichtete Mitteilungen in sozialen Medien finden wenig Beachtung.

Je mündiger die Kunden werden, desto weniger sind sie bereit, für einen schlechten und nutzlosen Service zu bezahlen. Ist der Kunde dagegen glücklich, wird es auch die Bank sein. Denn einerseits eröffnet Kundenzufriedenheit zusätzliche Geschäftsfelder, anderseits verbreiten sich die guten Erfahrungen rasch, wenn sie publik gemacht wurden.

Warum nicht ein Online-Bewertungssystem für Banken einführen, wie es bei Hotels, Restaurants und anderen Dienstleistungen üblich ist? «Eine Bewertung als Kundenfeedback ist auch im Bankbereich durchaus denkbar und in Teilbereichen bereits Realität, etwa bei den Mobile Banking Apps», sagt Kubli.

Filialen im Umbruch
Der informierte Kunde ist jedoch auch eine Herausforderung, der viele Institute noch nicht gewachsen sind. «Das ist wie mit den Ärzten», holt Kubli aus, «denen früher wenig informierte Kranke gegenüberstanden, die sich voll und ganz auf ihr Urteil verliessen. Heute wird der Weg in die Praxis nach umfangreicher Recherche im Internet angetreten, so dass sich die Ärzte mit völlig neuem Wissen und spezialisierten Fragen konfrontiert sehen.

Ähnlich ergeht es auch den Bankern.» Unterdessen zertifiziert beispielsweise UBS alle ihre Kundenberater und stellt ihnen für Beratungsgespräche elektronische Hilfsmittel wie iPads zur Verfügung. Mobile und E-Banking sowie der vermehrte Einsatz von Bank- und Kreditkarten bringen die ursprünglichen Geschäftsmodelle der Banken zusehends ins Wanken. Besonders im Fokus stehen die Filialnetze, die in den letzten Jahren weniger engmaschig wurden. Ganz verschwinden werden Bankfilialen jedoch nie, prognostiziert Basel. Zwar werden Alltagsgeschäfte künftig vor allem digital abgewickelt, doch bei entscheidenden Transaktionen wie etwa Hypothekarkrediten und langfristigen Finanzplanungen werde der persönliche Kontakt weiterhin bestehen.

Lussy zufolge müsse den Kunden in den Filialen künftig mehr geboten werden, so wie bei Apple. Ein Beispiel ist auch die im Testlauf befindliche Filiale der Erste Bank in Wien, die über eine Bar, eine Kinderecke sowie einen Radständer im Eingangsbereich verfügt. Überflüssige Barrieren wurden entfernt, das Selbstbedienungsfoyer abgeschafft und mit einem offenen Raum und einem speziellen Soundkonzept ersetzt.

In Deutschland wiederum beschreitet die Commerzbank mit ihren Flagship Stores neue Wege. Diese erinnern nicht umsonst an ein Wohnzimmer: Die Kunden sollen sich schliesslich wie zuhause fühlen. Neben Vermittlung von technischem Knowhow erhalten die Mitarbeiter Schulungen im Bereich Kundenservice von Angestellten der Steakhouse-Kette Block House oder der Fluglinie Lufthansa. Es gibt also durchaus Institute, die die Zeichen der Zeit erkannt haben und die Entwicklungen mit Investitionen aktiv vorantreiben.

Harter Wettbewerb
Das müssen sie auch, denn die Mitbewerber schlafen nicht. Etwa Paypal und Google, die seit 2009 mehr als eine Milliarde Dollar in Bezahllösungen investiert haben. Auch Start-ups mischen kräftig mit. «In diesem Bereich tut sich sehr viel. Die Banken müssen jetzt den Mut für entsprechende Investitionen haben, das ist überlebenswichtig», erklärt Kubli. Wie ein Bericht von McKinsey zeigt, werden digitale Entwicklungen von den meisten Instituten noch sehr stiefmütterlich behandelt. Nur 20 bis 40 Prozent der europäischen Retailbanken hätten bisher ihre Prozesse digitalisiert. Zudem würden 90 Prozent der europäischen Banken weniger als 0,5 Prozent ihrer gesamten Ausgaben in den digitalen Umbau investieren.

Das birgt Gefahren: Wer dem Fortschritt nicht Rechnung trägt, wird auf der Strecke bleiben. Auch Lussy sieht die Gefahr, dass die Institute an ihren antiquierten Geschäftsmodellen festhalten. Um eine Finance-2.0-Kultur zu erzeugen, müssten Prozesse grundlegend verändert werden. «Dafür gibt es verschiedene Wege: Entweder das Top-Management verändert sich, treibt den nötigen Kulturwandel aktiv voran und schafft es auf diese Weise, dass sich auch die Unterstellten verändern. Oder die Banken tauschen Top-Management und Mitarbeiter aus», erklärt er. «Die Banken müssen flexibler und anpassungsfähiger werden.»

Innovation als Antwort
Eine fortschreitende Digitalisierung wäre nicht nur für Banken und Kunden wünschenswert. Eine Vorreiterrolle bei Finance 2.0 könnte den Schweizer Bankenplatz, der aufgrund dubioser Geschäftspraktiken in den vergangenen Jahren stark unter Beschuss geraten ist, zurück zu seiner alten Grösse führen. «Das Land hat das Potenzial, Finance 2.0 besser zu nutzen und so vom reputationsfördernden Effekt von Innovationen zu profitieren», führt Kubli aus.

Das Fundament für diesen Schritt ist gelegt: Der Wissensstand der Schweiz ist hoch, dazu kommen eine hohe Sicherheit und die politische Neutralität. Diese Vorteile sieht auch Lussy: «Technologie, Wissen und gute Leute sind vorhanden. Es wäre eine Möglichkeit, dem Teufelskreis zu entkommen». Höchste Zeit also, die österreichische Hymne zu beherzen, das Wissen in Innovationen umzusetzen und mutig in die neuen Zeiten aufzubrechen, damit «Swiss Banking» ein Qualitätsstandard bleibt, auch ohne Bankgeheimnis.

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Die Zukunft des digitalen Bankings

An der zweiten Finance 2.0 Konferenz diskutierten rund Experten über die Zukunft des digitalen Banking. Denn eines ist klar: Banking wird digital. Über 270 Teilnehmer besuchten die Veranstaltung: Konferenz-Impressionen und Expertenstimmen im Video.

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Chris Skinner – live on stage in Zurich

Chris Skinner sieht eine radikale Veränderung der Rolle und Funktion des Bankings voraus. Anlässlich der zweiten Finance 2.0 Konferenz hielt der international renommierte Experte und Finanzblogger die Keynote und scheute sich nicht davor, Klartext zu reden.

Chris Skinner: Vision on Banking 2020
Text: Rino Borini

Chris Skinner – Autor von «Digital Bank» – lieferte Einsichten in die künftige Entwicklung im Kampf um das Banking und legt dar welche Herausforderungen auf die Finanzinstitute noch zukommen. Für ihn ist klar: Die Zukunft der Banken ist digital. Chris Skinner ist Chairman des Financial Services Club, und bekannt für sein Blog «The Finanser».

Gesammelte Tweets aus der Konferenz (zusammengetragen von Bernadette Bisculm).

  1. Urs Bolt sagt:

    Tolle Zusammenfassung einer gelungenen Konferenz! Die Steine rollen!

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Private Banking 2.0 – Wealthfront mit einer Milliarde Anlagevermögen

Diese Neuigkeit ist ein weiterer Meilenstein für neue und innovative Business-Modelle im Bereich Finanzdienstleistungen (sogenannt «Finance 2.0» oder «Fintech»): Der Investment-Service Wealthfront hat die magische Marke von einer Milliarde US-Dollar an Assets-Under-Management erreicht.

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Text: Marc P. Bernegger

Die Kunden von Wealthfront sind zwischen 19 und 93 Jahren alt und 55 Prozent unter 35-jährig. Durchschnittlich investieren diese zwischen 80 000 bis 100 000 Dollar bei Wealthfront. Interessant ist auch die Tatsache, dass 16 Prozent der Kunden ein Netto-Vermögen von mehr als 1 Million Dollar haben und somit zu den klassischen Private Banking-Kunden gehören.

Wealthfront wurde im Jahre 2011 gegründet und beschäftigt derzeit rund 40 Mitarbeiter. Initiiert wurde der Service von Andy Rachleff, dem ehemaligen Gründer des Venture Capitalists Benchmark Capital. Zu den Investoren, welche bisher 65 Millionen Dollar investiert haben, gehören unter anderem die VCs Index VenturesRibbit CapitalGreylock PartnersDAG Ventures und Privatpersonen wie Marissa Meyer (CEO bei Yahoo), Kevin Rose (Venture Partner bei Google Ventures) und Mark Pincus (Mitgründer von Zynga).

wealthfrontHeute ist Wealtfront der am schnellsten wachsende Software-basierte Finanzdienstleister der Welt und ist alleine im 2013 um 450 Prozent gewachsen. Weitere Player aus den USA mit ähnlichen Services sind unter anderem Betterment (verwalten rund 500 Millionen Dollar), Personal Capital (gegründet von Bill Harris, dem ehemaligen CEO von Paypal), SigFigCo-VestorMotif (haben weitere 35 Mio USD aufgenommen und sind nun total bei 86 Millionen Dollar), FutureAdvisor (haben soeben einen Finanzspritze von 15.5 Millionen Dollar erhalten) und LearnVest.

Auch in Europa tut sich auf dem Gebiet mittlerweile einiges und mehr dazu folgt an dieser Stelle.

* von Marc P. Bernegger, Mehrfach-Unternehmer mit Fokus auf Finance 2.0 / Fintech 

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Innovation ist das Bankgeheimnis der Zukunft

Die Schweiz als führender Finanzplatz steht im Bereich Digitalisierung beinahe im Niemandsland. Doch die Finance 2.0 Konferenz am 21. Mai 2014 hat gezeigt, dass der Zug für die Schweiz noch nicht abgefahren ist.

Text: Oliver Steeg - additiv AG

Es sind grosse Kräfte am Werk. Ein schöner Teil der Kunden unserer Banken und Vermögensverwalter ändern sich rasant: Diskretion und Bankgeheimnis zählen weniger, gefragt ist Service, Service und nochmals Service. Service auf die spezifischen Kundenbedürfnisse zugeschnitten. Service, welcher Banking aus Kundensicht einfach macht und die Kundschaft auf die Flughöhe der Berater bringt. Service, wo immer sich der Kunde befindet und wann der Kunde gerade Zeit und Lust hat, sich über seine Anlagen zu informieren und Anlageideen anzusehen.

Finanzplätze ohne Bankgeheimnis hatten nie den künstlichen Schutz vor Innovation. Sie konnten sich nicht darauf verlassen, dass die Kunden möglichst wenig Kontakt zum Berater wollten. ‚Da draussen‘ in der weiten Welt ohne Bankgeheimnis tobte der Kampf um Ressourcen: Gute Bedingungen für Startup-Firmen sowie kluge und innovative Köpfe. Dies sorgte in Ländern wie dem Vereinigten Königreich, den USA oder Singapur für dynamische und innovative Ökosysteme.

Die Schweiz befindet sich gemäss der Studie «Banking in a Digital World» von ATKearney im Bereich «Digital Banking Readiness» auf Platz 11 – weit abgeschlagen von den anderen wichtigen Finanzplätzen und noch hinter Dänemark, Australien und Belgien. Wenn man nun bedenkt dass Innovation der Haupttreiber für neue Geschäftsmodelle und Dienstleistungen (sprich Service) ist, kann einem angst und bange werden. Die Schweizer Einkäufer gehen ins Ausland, die weltweit wichtigste Fintech-Messe Finovate lässt die Schweiz links liegen.

Nun, warum ist das so? Weil Banken in der Vergangenheit nicht innovativ sein mussten, kauften sie wenig Innovation ein. Und wo kein Käufer ist, da…. Sie wissen schon.

Da die Kunden des Schweizer Finanzplatzes nicht nur weniger auf das Bankgeheimnis zählen, sondern über den ganzen Globus verteilt sind, hilft Technologie guten Service zu erbringen. Über Kontinente hinweg innovative Lösungen anbieten und kundengerecht kommunizieren: So sieht die Zukunft des Schweizer Finanzplatzes aus.

Da kommt uns entgegen, dass technologisch just in letzter Zeit so vieles möglich wurde. Und übrigens: 34 Prozent der Bankkunden würden die Bank wechseln, wenn diese besseren Service unter Einsatz von innovativer Technologie bieten würde (Studie ‚Technologische Innovationen als deutlicher Mehrwert für den Bankkunden von Accenture). Damit es keine Ausreden gibt: Ältere Kunden sind viel technologieaffiner als mehrheitlich angenommen.

Will der Schweizer Finanzplatz auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, so ist der Fall eigentlich klar: Wir brauchen Innovation, und zwar viel davon. Wenn alle Stakeholder des Schweizer Finanzplatzes zusammenarbeiten, können wir es schaffen.

An der Finance 2.0 vom Mittwoch, 21.5.14, in Zürich wurde mit der Initiative «Prototyping the Future» der Anfang gemacht. Werden Sie ein Teil davon.

*Oliver Steeg ist Head Private Banking bei additiv AG

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Banking Innovation «Swiss made»

Die Schweiz als führender Finanzplatz steht im Bereich Digitalisierung beinahe im Niemandsland. Doch die Finance 2.0 Konferenz am 21. Mai 2014 hat gezeigt, dass der Zug für die Schweiz noch nicht abgefahren ist. Inzwischen sind aber zahlreiche Initiativen und Projekte am Start.

Text: Patrick M. Widmer

Die zweite Finance 2.0 Konferenz kann als voller Erfolg gewertet werden. Knapp 270 Teilnehmer aus Finanzinstituten und Lösungsanbieter fanden sich am 21. Mai im Zürcher Eventsaal Aura ein und diskutierten über die Zukunft des Bankings und deren Digitalisierung. Der Teilnehmerzuwachs zur Erstdurchführung um beinahe 30 Prozent und enorm hohen Twitter-Aktivitäten zeigen die Brisanz des Themas – es herrscht Aufbruchstimmung.

Diese spiegelte sich auch in dem Referat von Andreas Kubli von der UBS wieder. Die Schweizer Grossbank wartete mit einer Neuheit auf und gab in der breiten Öffentlichkeit erstmals Einblicke in das künftige digitale Wealth Management Angebot, das ab 2015 offiziell live gehen soll.

Ein weiterer Meilenstein ist die Lancierung der Initiative «Prototyping the Future». Michael Stemmle (Gründer von additiv AG), Marc P. Bernegger (Fintech-Unternehmer) und Rino Borini (Veranstalter Finance 2. 0 Konferenz) zielen damit auf mehr Innovation «Swiss made» ab. Zukünftig soll das Land im Bereich der Digitalisierung von Finanzdienstleistungen an vorderster Stelle mitmischen. Denn gemäss einer Rangliste des Beratungsunternehmen AT Kearney liegt die Schweiz nur im Mittelfeld.

digital-rankingAuf folgendem Link (Prototyping) können sich die verschiedenen Akteure der Finanzbranche registrieren. Ziel soll sein, dass mit vereinten Kräften (Finanz-)Digitalisierung erlebbar, greifbar und umsetzbar zu machen und die Schweiz im internationalen Umfeld sichtbar zu positionieren.

Das Fazit der Konferenz: Banking wird digital. Doch die Schweiz liegt im internationalen Wettbewerb bislang noch im unteren Mittelfeld. Es ist höchste Zeit die Weichen für eine digitale Zukunft zu stellen, um den Anschluss nicht zu verpassen.

Denn, «Banking is not about Banking. It’s about Relationsships, Connectivity, Accessibility, Mobility, Social Engagement, Change, People, Technology, Platform … ».

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Impressionen 2. Finance 2.0 Konferenz 2014

Das Thema Digitalisierung und Banking ist auch in der Schweiz angekommen. Die zweite Ausführung der finance 2.0 Konferenz war ein voller Erfolg. Einige Eindrücke.

Die zweite Finance 2.0 Konferenz vom 21.5.2014

Die Finance 2.0 Konferenz 2014 fand im Aura Festsaal in Zürich statt. Knapp 270 Personen – eine Steigerung von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr – nahmen teil. Nebst spannenden Referaten und Diskussionen, bot die Konferenz auch eine gute Plattform um das Netzwerk zu pflegen und insbesondere auch zu erweitern.

Aura Eventsaal Zürich

Finance 2.0 Konferenz 2014 im Aura Eventsaal Zürich

Aura Eventsaal Zürich

Finance 2.0 Konferenz mobilisierte knapp 270 Teilnehmer

Rino Borini und Mark Baer begrüssen die Gäste

Rino Borini und Mark Baer begrüssen die Gäste

Das Video hier: http://www.youtube.com/watch?v=zNrxfhzd3Mk

Das Video hier: http://www.youtube.com/watch?v=zNrxfhzd3Mk

Die zweite Finance 2.0 Konferenz vom 21.5.2014

Die 360-Grad Leinwand: Einfach hot

Marc Paul Henauer, Chef Melanie (VBS)

Erster Referent: Marc Paul Henauer, Chef Melani (VBS), über die Cyber-Bedrohung für die  Schweiz

Marc Paul Henauer, Chef Melanie (VBS)

Marc Paul Henauer, Chef Melani (VBS)

Finance 2.0 überzeugte mit einer 360 Grad Leinwand

Finance 2.0 überzeugte mit einer 360 Grad Leinwand

Sarah Brylewski, Ayondo

Sarah Brylewski, Ayondo

Dr. Jochen Steinbock, Crealogix

Dr. Jochen Steinbock, Crealogix, referierte über Digital Wealth Management

Andreas Kubli, UBS (links), zeigte Einblicke in das digitale Wealth Management Projekt der UBS

Andreas Kubli, UBS (links), zeigte Einblicke in das digitale Wealth Management Projekt der UBS

270 Gäste besuchten die Finance 2.0 Konferenz

Gute Stimmung und viele Twitter-Aktivitäten

Marc Baer und Rino Borini führten durch die Konferenz

Marc Baer und Rino Borini führten durch die Konferenz

Frank-Rainer Nitschke, NZZ Mediengruppe

Frank-Rainer Nitschke, NZZ Mediengruppe, zum Thema: Was Banken von Medien lernen können.

Keynote: Chris Skinner

Keynote Speaker: Chris Skinner

Richard Dratva: Vision on Banking 2020

Richard Dratva präsentierte seine Vision, wie das Banking 2020 aussehen könnte.

Andreas Kubli: Vision on Banking 2020

Andreas Kubli präsentierte seine Vision, wie das Banking 2020 aussehen könnte.

Chris Skinner: Vision on Banking 2020

Auch Chris Skinner zeigte seine Vision on Banking 2020

Richard Dratva, Zoé Baches, Andreas Kubli, Chris Skinner

Unter der Leitung von Zoé Baches diskutierten Richard Dratva, Andreas Kubli und Chris Skinner

Dr. Thomas Puschmann, Uni St. Gallen

Dr. Thomas Puschmann, Universität St. Gallen, zeigte den Status Quo von Bankinnovationen.

Marc P. Bernegger, Michael Stemmle, Christina Kehl, Andreas Dietrich und Gian Reto à Porta

Marc P. Bernegger moderierte den Panel: FinTech. Mit dabei: Michael Stemmle, Christina Kehl, Andreas Dietrich und Gian Reto à Porta

Crealogix

Marc-André Dumont, Ivan Interbitzin (beide Crealogix) präsentieren eine Europapremiere

Maximilian Tayenthal, number26.de

Maximilian Tayenthal zeigt was hinter „number26.de“ steckt.

Anders Bally, Sentif AG (Mitte)

Anders Bally, Sentifi AG, zeigt welche Informationen aus der Financial Crowd gewonnen werden können.

Noel Blessing, mylibary.ch, im Gespräch mit Mark Baer

Noel Blessing, mylibary.ch, stillte die Neugier von Mark Baer

Denis Just von Kipp AG

Denis Just von Knipp zeigt, dass im Versicherungsbereich noch viel zu tun ist. Er hat eine Lösung.

Jean-Francois Groff, Mobino

Jean-Francois Groff, Mobino, zeigt wie einfach eigentlich Mobile Payment sein kann.

Rino Borini, Marc P. Bernegger, Michael Stemmle lancierten "Prototyping the Future"

Rino Borini, Marc P. Bernegger, Michael Stemmle lancierten „Prototyping the Future“

  1. […] Herzlichen Dank dem Punktmagazin für die kostenlose Verwendung ihrer Bilder. […]

  2. […] Herzlichen Dank dem Punktmagazin für die kostenlose Verwendung ihrer Bilder. […]

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Kredite von der Crowd – Peer-to-Peer Lending

Privatpersonen investieren in Privatpersonen. Investoren stellen Geld für Privatkredite zur Verfügung. So einfach ist das Modell für Peer-to-Peer Lending. Handelt es sich um ein Nischenangebot oder müssen die Banken nun zittern?

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Text: Rino Borini

Auf der Internetplattform cashare.ch nennt er sich «Earthwindandfire». Im richtigen Leben ist der 51-jährige Basler Verkaufsleiter, sein monatliches Einkommen beträgt stattliche 10 500 Franken, netto. 2013 entschloss sich der in Basel-Stadt Ansässige, in den landschaftlichen Nachbarkanton zu ziehen. Der Umzug brachte nicht nur einen Tapetenwechsel mit sich, sondern auch eine Änderung seiner Steuerrechnung. Earthwindandfire stand vor einem finanziellen Engpass: Da er die Steuernachforderung von Basel-Stadt begleichen und gleichzeitig eine Vorausfinanzierung für Baselland leisten musste, klaffte in seinem Budget ein Loch von 27 500 Franken.

Um sich das Geld zu beschaffen, wählte Earthwindandfire nicht den traditionellen Weg über die Bank oder einen Privatkreditanbieter, sondern registrierte sich bei der Online-Kreditplattform cashare.ch und unterbreitete den Mitgliedern sein Angebot. Solche Aktivitäten nennt man Peer-to-Peer (P2P) Lending, wobei mit Peers in diesem Fall Menschen gemeint sind. Private, die anderen Privaten Kredite gewähren, Banken und andere Finanzinstitute spielen keine oder lediglich eine untergeordnete Rolle.

In der Schweiz steckt diese Art der Geldbeschaffung – beziehungsweise Geldanlage für die Gegenseite – noch in den Kinderschuhen. In den USA und Grossbritannien boomt das Geschäft bereits. Zwar ist diese Art der Kreditfinanzierung auch dort immer noch ein Nischenmarkt, doch die Wachstumsraten sind riesig. In Grossbritannien verdoppelt sich der Markt alle sechs Monate, mittlerweile beträgt er 1,7 Milliarden Dollar. In den USA wird das Geschäft von den Anbietern Lending Club und Prosper beherrscht, die zusammen einen Marktanteil von 98 Prozent haben. 2013 haben die beiden Unternehmen gemeinsam Kredite in Höhe von über 2,4 Milliarden Dollar vermittelt.

Die Funktionsweisen der Plattformen ähneln sich. Der Kreditnehmer bestimmt Summe und Laufzeit des Kredits und hat eine gewisse Anzahl Tage Zeit, die Kreditsumme zu erreichen. Ausserdem muss er verschiedene Dokumente einreichen, um sich zu identifizieren und seine Einkommensverhältnisse zu belegen. Wird der Kreditbetrag innerhalb der Frist erreicht, kommen die Verträge zustande. Andernfalls wird das Projekt von der Plattform entfernt. Grundsätzlich tun P2P-Plattformen dasselbe wie Banken, sie vermitteln Fremdkapital. Der grosse Unterschied liegt im Zinsniveau. Zwar notieren die Zinsen in der westlichen Welt sozusagen auf dem Nullpunkt, doch das gilt nicht für das Zinsniveau von Privatkrediten von Banken.

Dieses ist meist noch so hoch wie eh und je – das Gesetz von Angebot und Nachfrage spielt überhaupt nicht. Auf den P2P-Plattformen dagegen schon. Hier können Kreditnehmer und -geber die Zinskondit ionen selber aushandeln. Von Peer-to-Peer Lending profitieren alle – ausser die Banken, die um eine ihrer Kernkompetenzen beraubt werden. Die Geschäftsidee folgt dem Motto der Disintermediation, deren Ziel es ist, unnötige Stufen der Wertschöpfungskette, in diesem Fall die Bank, zu eliminieren. Mit der heutigen Technologie ist die Umsetzung ein Leichtes. Und während die Kreditnehmer ihre Finanzen wieder in den Griff bekommen, können sich Kreditgeber über eine attraktive Möglichkeit freuen, Rendite auf dem Kapital zu erwirtschaften.

Die Kehrseite der Medaille: P2P-Plattformen sind nicht reguliert und gewähren keinen Einlegerschutz. Wenn der Kreditnehmer die Schuld nicht begleichen kann, muss man selber schauen, wie man zu seinem Geld kommt. Und sobald Plattformen Kreditnehmer mit schlechter Bonität akzeptieren und es zu Ausfällen kommt, kippt das Geschäftsmodell – so passiert in China. Wie immer gilt: Mehr Rendite bedeutet mehr Risiko. Earthwindandfire erreichte sein Ziel übrigens in kürzester Zeit. Der Zins, den er für seinen Kredit bezahlt, liegt zwischen 6,7 und 6,9 Prozent.

  1. Louise sagt:

    Also ich glaube schon, dass diese alternative P2P Finanzierungsform potenzial hat, wenn man die vielen aktuellen News auf Google durchstöbert (riesen Kapitalsummen für Lendico und Co.) aber dies bringt der Gesellschaft auch gewisse Nachteile finde ich. lg Louise

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Personal Finance Management wird salonfähig

Alternative Bezahlmöglichkeiten verleiten dazu, die eigenen finanziellen Möglichkeiten zu überschätzen. Ohne digitale Assistenten laufen Konsumenten Gefahr, das Gefühl für Geld zu verlieren. Personal Finance Management Tools sollen helfen.

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Text: Barbara Kalhammer

Im Herzen Berlins, am Rosenthaler Platz in Berlin Mitte, befindet sich «The Barn», eine exquisite Kaffeebar mit einem ausgewählten Angebot an feinen Speisen. Ein Geheimtipp für Kaffee-Connaisseurs, sagen Insider. Wer im The Barn einen Espresso aus der handgefertigten Kaffeemaschine und dazu ein saftiges Stück Kuchen aus der hauseigenen Backstube bestellt, muss nicht mal mehr zum Portemonnaie greifen und Bargeld hervorkramen. Ein Geschenk des Haueses ist der Kaffee dennoch nicht. Stattdessen wird der offene Betrag durch einen Gesichtsabgleich direkt dem Bankkonto belastet. Das ist keine Fiktion, sondern bereits Realität.

Dank raffinierter Technologien halten neuartige Bezahlformen Einzug in unseren Alltag. Begonnen hat es mit kleinen Helfern, die sich klammheimlich in unser Leben geschlichen haben – heute sind sie fester Bestandteil jedes Einkaufserlebnisses. Längst haben sie Bargeld zu einem grossen Teil verdrängt und warten mit schillernden Maestro-, Visa- oder MasterCard-Logos auf ihren Einsatz. Ihre Verwendung ist einfach, schnell und erspart den Gang zum nächsten Bankomaten.

Auch die Schweiz wird zusehends bargeldlos. Um Rechnungen zu begleichen, werden immer häufiger Debit- und Kreditkarten gezückt. Seit 2003 wuchs die Zahl der Transaktionen mit Debitkarten um 85 Prozent auf 425 Millionen im Jahr 2012. Bei Kreditkarten zeigt sich ein ähnliches Bild: Die Transaktionen haben sich seit 2003 nahezu verdoppelt, 2012 griffen Konsumenten 162 Millionen Mal zur Kreditkarte. Gestiegen ist natürlich nicht nur die Zahl der Transaktionen, sondern auch die ausgegebene Summe. Waren und Dienstleistungen im Wert von 23 Milliarden Franken wurden 2012 mit Kreditkarte bezahlt, 2003 waren es noch 14,7 Milliarden. Die Umsätze mit Debitorenkarten wuchsen von 19 auf knapp 32 Milliarden Franken.

Wurde Plastikgeld früher vor allem für hochpreisige Produkte eingesetzt, werden heute auch Gipfeli beim Bäcker damit bezahlt. Der durchschnittliche Betrag pro Transaktion beträgt bei Kreditkarten 142 Franken, bei Debitkarten 75 Franken, wie aus den Zahlen des Verbandes für elektronischen Zahlungsverkehr hervorgeht. 2003 waren es noch 181 Franken bei Kredit- und 83 Franken bei Debitkarten.

Der Versuchung widerstehen
Die bargeldlose Welt bietet nicht nur Vorteile. Im «Vaterunser» heisst es: «Und führe uns nicht in Versuchung» – doch genau das macht Plastikgeld. Richard Feinberg, Professor an der University of California, konnte in mehreren Experimenten nachweisen, dass allein ein deutlich sichtbares Kreditkartenlogo ausreicht, um die Zahlungsbereitschaft von Kunden zu erhöhen. Andere Studien haben gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit, Geld zu verpulvern, grösser ist, wenn mit Kreditkarte statt Bargeld bezahlt wird. In amerikanischen Supermärkten geben jene, die mit Kreditkarte bezahlen, bis zu 30 Prozent mehr aus als Kunden, die die Rechnung bar begleichen.

Der psychologische Grund dafür ist schnell gefunden: Bar zu bezahlen schmerzt, und zwar sofort. Beim Kauf mit Karte kommen die tatsächlichen Ausgaben erst zutage, wenn der Kontoauszug ins Haus flattert. Die Erinnerung an den Einkauf ist bis dahin oft schon verblasst, doch der Schmerz hallt nach. Nicht selten übersteigen die Ausgaben die Einnahmen und führen den Kunden direkt an den Geldtropf der Banken.

In der Schweiz schreitet diese Entwicklung nur langsam voran. Die Kreditverpflichtungen ohne Hypotheken sind seit 2008 um knapp vier Prozent auf 45,57 Milliarden Franken gestiegen. Im restlichen Europa ist Schuldenmachen beliebter: Eine Untersuchung der französischen Grossbank Crédit Agricole ergab, dass sich beispielsweise in Deutschland die Konsumkredite auf 225 Milliarden Euro summieren. Von allen EU-Staaten sind nur in Grossbritannien mit 251 Milliarden Euro mehr Konsumkredite ausstehend als bei unserem nördlichen Nachbarn. In den USA liegt die Hemmschwelle, einen Konsumkredit aufzunehmen, nochmals tiefer: Die ausstehende Kreditsumme kletterte seit 2008 von 2,65 Billionen auf aktuell rund drei Billionen Dollar.

Von der Karte zum Smartphone
Die Privatverschuldung dürfte sich mit dem Aufkommen von weiteren alternativen Bezahlformen erhöhen. Der neuste Trend heisst Mobile Payment. In der Schweiz wird dieses Themenfeld bislang nicht flächendeckend beackert, doch Banken und banknahe Firmen werden sich dieser Neuerung langfristig nicht entziehen können. Auch Herr und Frau Schweizer werden in den nächsten Jahren vermehrt zum Smartphone greifen, um ihre Einkäufe zu bezahlen.

«Ob bei Internetzahlungen zuhause und unterwegs oder im Laden an der Kasse: In naher Zukunft ist das Smartphone das zentrale Objekt beim Bezahlen», verkündete der Schweizer Bezahlservice-Anbieter SIX Payment Services in einem Communiqué Mitte letzten Jahres. Anwender tüfteln bereits an Möglichkeiten für kontaktloses Bezahlen mit Handy. Die Warenhauskette Manor hat ihren neuen Dienst bereits lanciert: Inhaber der Kundenkarte können ihre Einkäufe mit der kostenlosen App schon heute mobil bezahlen. Auch der Grossverteiler Coop hat mit «Passabene» sein Angebot erweitert. Mit Passabene können die Kunden die Produkte selber scannen, an der Kasse müssen sie nur noch das Smartphone vorweisen.

Damit nicht genug: Künftig wird es möglich sein, im Supermarkt einfach den Barcode des Produkts per Smartphone zu scannen – und schon ist es bezahlt. Beim US-Supermarktriesen Wal-Mart ist die Zukunft schon angekommen: Mit der App «Scan & Go» kann der Kunde beim «self-checkout» die Ware bezahlen. Das Anstehen an der Kasse entfällt.

Automatische Bezahlung
Zurück nach Berlin ins The Barn. Dort läuft wie in neun weiteren Geschäften der deutschen Hauptstadt die Testphase für die Funktion «Check-in». Dabei handelt es sich um ein Projekt von Paypal. Die App tritt zur Bezahlung mit dem Kassensystem des Händlers in Kontakt. Paypals Zahlverfahren wird durch einen Gesichtsabgleich und eine Verriegelung der App nach der Bezahlung ergänzt.

Dank dem Bluetooth-Gerät «Beacon» könnte künftig sogar der Griff zum Smartphone überflüssig werden. Wenn die App aktiviert ist, kann der Verkäufer den Kunden bereits beim Betreten des Ladens authentifizieren. Um zu bezahlen, muss der Kunde nur angeben, für welches Produkt er sich entschieden hat und dass er die Rechnung mit Paypal begleichen will. Der Computerriese Apple und das US-Entwicklungsunternehmen Qualcom testen derzeit ähnliche Bezahlsysteme.

Die Entwicklungen in dem Bereich gewinnen zusehends an Fahrt. Ende 2013 prognostizierte Paypal-Präsident David Marcus: «Ich wäre schockiert, wenn man in vier Jahren in grossen Städten zum Einkaufen noch seine Brieftasche mitnehmen müsste». Noch steckt der Markt für solche Anwendungen in den Kinderschuhen, doch das Potenzial ist enorm. So schätzen die Marktforscher von Gartner, dass bereits 2013 über 235 Milliarden Dollar über Handy und Tablet umgeschlagen wurden. Für die nächsten Jahre erwarten sie jährliche Zuwachsraten von gut 30 Prozent. 2017 würde der Umsatz bereits über 700 Milliarden Dollar betragen, verteilt auf 450 Millionen aktive Kunden.

Den Überblick behalten
Die anvisierte Substitution des Bargeldes birgt jedoch eine grosse Gefahr: Wenn Rechnungen einfach und schnell im Vorbeigehen beglichen werden, entfällt die bewusste Handlung des Bezahlens. Es droht der Verlust des Bezugs zum Geld und des Verständnisses für Finanzplanung. Während man früher durch den Gang zum Bankomaten und die Bezahlung mit Bargeld einen relativ guten Überblick über seine Ausgaben hatte, bleibt nun am Ende des Monats immer häufiger ein leergeräumtes Konto und die erstaunte Frage: «Wo ist das Geld nur hin?»

Dass die Übersichtlichkeit, die ein herkömmliches Portemonnaie und Bargeld bieten, verschwindet, bestätigt Andreas Dietrich von der Hochschule Luzern: «Besonders in den USA, wo die Verschuldung sehr ausgeprägt ist, befinden sich sogenannte Personal-Finance-Management-Systeme (PFM) auf dem Vormarsch.» Diese persönlichen Finanzmanager zeigen auf einfache und übersichtliche Art, welche Ausgaben getätigt wurden und wie viel Geld noch zur Verfügung steht. Um den Kontostand in Erfahrung zu bringen, muss längst nicht mehr der Computer gestartet werden, denn immer mehr Banken bieten über eigene Apps jederzeit und überall eine Zugriffsmöglichkeit.

PFM-Systeme bieten einen zusätzlichen Mehrwert, indem sie die unterschiedlichen Kanäle der Einnahmen und Ausgaben aufzeigen und Kategorien wie Wohnen, Auto, Versicherungen und Kleidung zuordnen. Wer beispielsweise sein SBB-Ticket regelmässig per App bezahlt, kann durch die Zuordnung zu «Verkehr» nach einigen Monaten auf einen Blick erkennen, ob er mit einem Jahresabonnement günstiger gefahren wäre.

«Die Kategorisierung, anhand der man visuell dargestellt sieht, wofür man sein Einkommen ausgibt, ist nur einer der Vorteile», erklärt Dietrich. Weitere Pluspunkte sind Budgetierung und Finanzplanung. Sie erlauben es dem Kunden, persönliche Sparziele zu definieren. Sobald ihre Erreichung in Gefahr gerät, wird er gewarnt. Studien haben gezeigt, dass sich viele Kunden nicht nur die Aufbereitung der Daten wünschen, sondern auch eine interpretierende Sicht auf ihre Finanzen. In den USA sehen 64 Prozent der Smartphone-Nutzer ihre Bank in der Verantwortung, sie zu informieren, wenn ihr Guthaben nicht für die Bezahlung einer Rechnung reicht. Ebenfalls wünschenswert seien laut der Studie des Softwareunternehmens Varolii Benachrichtigungen bei ungewöhnlichen Kontoaktivitäten.

Loyalität und Kundenbindung erhöhen dank PFM
Für die Banken gibt es diesbezüglich noch viel zu tun, denn bislang sind die hiesigen Anwendungen vor allem auf die Kategorisierung spezialisiert. Doch die Entwicklung wird mit grossen Schritten voranschreiten. Dies mitunter, weil auch die Institute von den digitalen Finanzmanagern profitieren. Gemäss Dietrich können Kundenbindung und -loyalität erhöht werden: «PFM ist ein Teil der Digitalisierungsstrategie der Banken.» Für die Institute haben diese digitalen Hilfsmittel weitere Vorteile: Nebst einer einfachen Kontaktmöglichkeit erlauben sie es den Banken, ein besseres Verständnis des Kundenverhaltens und ihrer Bedürfnisse zu erhalten. Diese Informationen nutzen sie, um den Kunden passende Angebote zu unterbreiten und damit zusätzliche Geschäfte abzuschliessen. In Zeiten von erodierenden Margen sind das willkommene Einnahmen. Die Vielzahl der Daten ermöglicht darüber hinaus umfassende Vergleichsmöglichkeiten. So können die gesammelten Informationen mit ähnlichen Profilen verglichen werden. Dadurch können Banken und auch Kunden in Erfahrung bringen, ob andere 30-Jährige mehr verdienen, wie viel Miete sie bezahlen oder ob sie mehr Geld für Freizeit Reisen ausgeben.

Kunde muss mitdenken
In den USA hat sich PFM längst einen Namen gemacht. So nutzen mehr als zehn Millionen Amerikaner den Service der bankenunabhängigen Plattform «Mint», welche die Verwaltung von Bankkonten, Kreditkarten, Investments und Kreditaktivitäten ermöglicht. Auch in Europa ist das Thema lanciert. Mit der isländischen Islandsbanki und der spanischen BBVA stellen bereits erste Institute ihren Kunden solche Lösungen zur Verfügung. Für den Erfolg verantwortlich war mitunter die Wirtschaftskrise: Nach dem Kollaps von drei Banken im Jahr 2008 war das Management von persönlichen Finanzen im stark angeschlagenen Island besonders wichtig.

Wie die Weiterentwicklungen dieser Systeme aussehen könnten, zeigt ein Blick nach Australien. Den Kunden der Commonwealth Bank beispielsweise steht mit «CommBank Kaching» ein mobiles Bezahl- und Verwaltungssystem zur Verfügung, mit dem Überweisungen per Smartphone, Email- oder Facebook getätigt werden können. Zahlungen innerhalb sozialer Netzwerke ermöglicht auch die Applikation «Yoodle».

Hierzulande mahlen die Mühlen langsamer, Kunden lassen sich nur zögerlich auf die Neuheiten ein. Inzwischen gibt es von Postfinance und UBS die ersten digitalen Finanzplaner. Die Schwierigkeit besteht jedoch darin, dass nur das bankeigene Konto angezeigt wird. Eine Konsolidierung verschiedener Konten von unterschiedlichen Instituten sei nicht möglich, erklärt Dietrich. Dazu müssten Anwendungen von banknahen Plattformen wie Qontis oder Contovista genutzt werden, die alle Daten zusammenfassen. Deren Geschäftsmodell besteht darin, dass sie ihr Wissen und ihre Technologie in Form von Lizenzen (White Label) an andere, meist kleinere Institute weitergeben. Diese Tools werden ohne Markennamen angeboten und können von Banken, die keine eigenen PFM entwickeln, einfach integriert werden. Mit einem solchen Schritt würde sich die Verbreitung von PFM deutlich steigern.

Eine weitere Schwierigkeit besteht im Aufsplitten der einzelnen Positionen. So wird beispielsweise die Handyrechnung der Kategorie Kommunikation zugeordnet, unberücksichtigt bleibt dabei, welche anderen Leistungen und Produkte mit dem Smartphone bezahlt wurden. Dazu zählen etwa SBB-Tickets oder Downloads aus dem Apple- oder Android-Shop. «Hier ist Eigenverantwortung gefragt», meint Dietrich. Der Nutzer muss die Beträge selber den jeweiligen Kategorien zuordnen. Das gleiche gilt auch für Kreditkarten-Positionen. Zudem gibt es Ausgaben, die das System nicht erkennt und unter «Übriges» verbucht. Um von sämtlichen Vorteilen des Personal Finance Management zu profitieren, muss der Kunde mitdenken.

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Social Trading – ein Kulturwandel ist im Gange

Neue Online-Plattformen ermöglichen das Vernetzen von Anlegern und Händlern. Trader machen ihre Strategien öffentlich und ermöglichen es Anlegern, ihre Empfehlungen und Signale selber umzusetzen. Das ist Social Trading. Wir haben bei Andreas Braun, Journalist, Buchautor und Trader, nachgefragt.

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Text: Barbara Kalhammer

Herr Braun, der Austausch über Soziale Netzwerke wird auch für Anleger immer wichtiger. Eine Möglichkeit ist das sogenannte Social Trading. Was verbirgt sich dahinter?
Andreas Braun_ Social Trading verbindet Social Media mit der Geldanlage. Anwendungen wie Facebook oder Twitter sind für viele von uns alltäglich geworden. Nun werden solche Features zunehmend auch für die Geldanlage oder das Trading eingesetzt. Das ist eine Art Kulturwandel, der bei der Geldanlage einsetzt.

Was genau sind die Möglichkeiten von Social Trading?
Die Anwendungen unterscheiden sich von Plattform zu Plattform. Ein wichtiger Aspekt ist das Social Sharing, also das Öffentlichmachen von Handelsstrategien. Das kennen viele bereits von Facebook, nur werden eben nicht Fotos oder Videos vorgestellt und diskutiert, sondern Handelsstrategien. Mittels Copy Trading kann bestimmten Tradern gefolgt werden.

Was fehlt vielen Plattformen noch?
Die Möglichkeit sich mit anderen Anlegern auf den Plattformen auszutauschen. Es wäre optimal, wenn die verschiedenen Anwendungen kombiniert würden, doch bislang ist das selten der Fall. So bieten wikifolio und auch ayondo zwar die Möglichkeit, Handelssignale zu kopieren, aber der Austausch mit anderen kommt bislang noch zu kurz. Sharewise hingegen hat eine sehr grosse Community.

Was macht den Erfolg von Social Trading aus?
Im Wesentlichen gibt es drei Entstehungsgründe. Der erste ist der Vertrauensverlust gegenüber den Banken, der durch die Finanzkrise noch verschärft wurde. Viele haben das Gefühl, dass die Berater die Produkte selber nicht verstehen, und die Vehikel bringen dann oftmals auch nicht die erhoffte Rendite. Darüber hinaus ermöglichen die heutigen Finanzprodukte wie ETF und Zertifikate eine Copy-Funktion. Durch ihre schlanke Kostenstruktur können sie einfach dafür eingesetzt werden, um Strategien abzubilden.

Und der dritte Grund?
Das sind die Sozialen Netzwerke, die in den vergangenen Jahren in den Alltag Einzug hielten.

Die Strategien der Profis sollten möglichst einfach abzubilden sein. Welche Produkte eignen sich dafür?
ETF sind beispielsweise bei wikifolio als Bestandteile einer Handelsstrategie erhältlich. Darüber hinaus gibt es Anbieter, die ein ETF-Portfolio im Angebot haben. Denkbar wäre auch, eine Strategie nicht über ein Zertifikat, sondern über einen ETF kaufbar zu machen. Bislang steht den Firmen noch die Höhe des benötigten ETF-Volumens im Weg. Die Produkte sind kostengünstig und bieten darüber hinaus den Vorteil, dass man auch auf fallende Kurse setzen oder die Kursentwicklungen hebeln kann.

Somit erfüllen sie genau den Zweck von Social Trading: eine höhere Rendite.
Richtig. Natürlich klappt das aber nicht immer. Ich habe bereits zahlreiche Trader kommen und gehen gesehen. Viele haben keine echte Strategie, die sie einsetzen. Bei fallenden Kursen beispielsweise kommen sie schnell an ihre Grenzen. Es gibt aber auch viele Händler, die kurzfristig orientiert sind und den Markt schlagen. Über einen längeren Zeitraum gelingt es ihnen jedoch selten.

Wie sollte man die Wahl des Traders angehen?
Anleger können sich die Risikostruktur genau ansehen. Es gibt Trader, die ihr gesamtes Geld in einen einzigen Titel investieren. Das kann einige Zeit gut gehen, aber es birgt ein hohes Klumpenrisiko. Anhand der Zusammensetzung des Portfolios können Anleger schnell erkennen, ob es mit ihrer eigenen Meinung übereinstimmt. Das sollte auch bei der Strategie der Fall sein. Ebenfalls beachtet werden sollten Risikokennziffern wie beispielsweise das Rendite-Risiko-Verhältnis und die Volatilität. Um zu sehen, ob der Trader seiner Strategie auch treu bleibt, ist letztlich ein permanentes Controlling nötig.

Ist hohe Transparenz ein weiterer Vorteil des Social Trading?
Sie ist ein wesentlicher Aspekt, den viele bei herkömmlichen Anlageprodukten wie Fonds oder Strategiezertifikaten vermissen. Weitere Pluspunkte sind der Community-Gedanke und die Unabhängigkeit der Trader.

Welche Rolle spielt der spielerische Umgang auf solchen Plattformen? Könnte dies zur Gefahr werden?
Den spielerischen Umgang finde ich eigentlich sinnvoll. Über Demo-Konten hat man die Möglichkeit, sein Talent vor einem richtigen Einsatz selbst zu testen. Wenn eher spielerisch orientierte Anleger ihre Handelsignale verkaufen wollen, kann das natürlich auch zum Misserfolg führen. Es ist an den Anbietern, eine klare Trennung zwischen Spielwiese und richtigem Handeln zu schaffen.

Hat ein Trader bereits viele Follower, springen immer mehr auf den Zug auf. Schnell läuft dann die ganze Herde in die gleiche Richtung. Ist das ein Risiko?
Das ist schwer zu sagen, aber sicherlich sollte man eine Strategie nicht einfach wegen einer hohen Zahl an Followern auswählen. Denn die Herde trampelt ganz gerne auch einmal in die falsche Richtung und springt schnell auf, wenn hohe Renditen locken. Das ist eine grosse Gefahr. Vielfach sieht man, dass Anleger einsteigen, wenn es nach oben geht. Sobald der Trader Verluste macht, springen sie ebenso schnell wieder ab. Dieses Herdenverhalten kennen wir auch gut von den Aktienmärkten und es sorgt eher für leere Kassen als für volle. Strategisch sinnvoller wäre es, die tieferen Kurse für Zukäufe zu nutzen.

Neben dem Folgen von Strategien können sich Anleger auch Ratschläge in der Community holen. Wird der Bankberater eines Tages überflüssig sein?
Ich hoffe nicht, dass es soweit kommt. Vielmehr sollte sich die Bankberatung an den Entwicklungen orientieren, die Social-Media-Aktivitäten verstärken und den Anleger dort abholen, wo er sich aufhält. Und anstatt ihm irgendein Produkt verkaufen zu wollen, sollte er nach seinen Bedürfnissen gefragt werden. Klar ist, dass sich die nachwachsende Generation immer stärker im Internet beraten lässt, Produkte sucht und bewertet. Der Weg ist vorgezeichnet, es kommt nur darauf an, wie die Institute darauf -reagieren.

Warum traut man der Community eher als dem Banker?
Im Netz macht man die Erfahrung, unabhängige Einschätzungen zu finden. Über Holidaycheck beispielsweise erhält man auch ein relativ differenziertes Bild über ein bestimmtes Hotel. Ohne solche Plattformen wäre es nicht möglich, dieses Wissen zusammenzutragen und darauf zurückzugreifen. Aus dieser sogenannten kollektiven Intelligenz kann man sich die nötigen Informationen heraussuchen. Ein gewisses Mass an Vorsicht ist aber auch im Netz angebracht.

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Dank Schwarmintelligenz sind wir klüger

Immer mehr Plattformen versuchen, die Schwarmintelligenz des Menschen für sich zu erschliessen. Das gilt vermehrt auch für Themen aus der Anlagewelt. Auch Privatinvestoren können sich dies zunutze machen.

Text: Barbara Kalhammer

«Gemeinsam sind wir stark», lautete 1994 der Wahlslogan der deutschen Sozialdemokraten. «Gemeinsam sind wir besser», könnte heute der Slogan der Plattformen lauten, die die Masse respektive deren kollektive Intelligenz für sich nutzen. Dass die Masse über eine grosse Macht verfügt, war schon lange bekannt, doch erst im 21. Jahrhundert misst man auch ihren Entscheidungen mehr Bedeutung zu.

In seinem Werk «Die Weisheit der Vielen» schrieb der amerikanische Journalist James Surowiecki im Jahr 2004: «Die Menge entscheidet in der Regel intelligenter und effizienter als der klügste Einzelne in ihren Reihen.» Besonders im Internet steht die Masse, die sogenannte Crowd, im Vordergrund. In sozialen Netzwerken gibt sie Prognosen und Trends ab, finanziert Projekte und entwickelt Ideen. Die Weisheit der Vielen wird vermehrt auch mit der Schwarmintelligenz im Tierreich in Verbindung gebracht. Dort beschreibt der Begriff das Verhalten von Insekten, Fischen und Vögeln. «Ausschlaggebend ist, dass viele autonome Einheiten sich organisieren und dadurch das grosse Ganze entsteht», erklärt Martin Grothe, geschäftsführender Gesellschafter des Beratungsunternehmens complexium. Entscheidend sei, dass sich der Schwarm nach Regeln organisiert. Das gelte auch an der Börse. «Der Preis entsteht durch das Zusammenspiel der Masse», sagt Grothe.

Kollektiv für die Geldanlage
Während das Phänomen im Finanzbereich noch relativ neu ist, ist es in der Politikwissenschaft bereits erprobt. Beispiel dafür sind Plattformen wie Intrade, die sich auf das Erstellen von Prognosen spezialisiert haben. Mit Erfolg: So waren ihre Vorhersagen zu Wahlergebnissen in den vergangenen Jahren präziser als diejenigen der Meinungsforschungsinstitute. Wie genau Schätzungen der Masse sein können, zeigte der Naturforscher Francis Galton bereits 1906. Er besuchte eine Ausstellung für Schlachtvieh, bei der im Rahmen eines Wettbewerbs das Gewicht eines Ochsen geschätzt werden musste. Galton ermittelte den Durchschnitt aller Prognosen, das Ergebnis wich nur wenige Pfund vom tatsächlichen Gewicht ab. Das Kollektiv gibt auch Empfehlungen rund um die Börse und Geldthemen. Eine Plattform dafür ist beispielsweise Sharewise.

Bereits seit 2007 kann hier jedermann Meinungen zu Aktien abgeben und Musterdepots führen. Auf Wikirating finden sich von Privaten erstellte Bonitätseinschätzungen zu Staaten und Unternehmen, auf Crowdinvest können Meinungen zu den 30 grössten und liquidesten Schweizer Aktien abgegeben werden. Eine Sammlung von Empfehlungen bietet Intelligent Recommendations in einem Musterdepot.

Viele Anleger vertrauen den Meinungen der Masse und setzen ihre Empfehlungen um. «Sie vertrauen dem authentischen Unbekannten, weil er sich möglicherweise in einer ähnlichen Situation befindet und man sich so mit ihm solidarisieren kann», erklärt Grothe. Zudem wolle einem die Community nichts verkaufen – im Gegensatz zum Bankberater. Um die Meinungen umzusetzen, haben einige Anbieter bereits Zertifikate und Fonds geschaffen. So erfolgt beim Hauck & Aufhäuser Sharewise Community Fonds die Auswahl durch die besten der 150 000 Mitglieder von Sharewise. Die Entwicklung des Produkts wird zeigen, ob man gemeinsam wirklich bessere Renditen erzielt.

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Mündige Kunden gesucht

Während viele Banken nach der Krise in Schockstarre verharren, hat die Fidor Bank gehandelt. Mitgründer und Vorstandssprecher Matthias Kröner über zeitgemässes Retailbanking.

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Text: Barbara Kalhammer

Banken leiden unter einem Vertrauensverlust. Wie kämpft die Fidor Bank dagegen an?
Matthias Kröner_  Der Beruf des Bankers, aber auch die Gesamtreputation der Finanzindustrie haben durch die Finanzkrise stark gelitten. Uns war klar, dass sich in dem Bereich etwas tun muss. Ein weiterer Faktor, der zur Gründung der Fidor Bank geführt hat: die Fortschritte der webbasierten Industrien, vor allem hinsichtlich der Integration der Kunden auf verschiedenen Plattformen. Wir reichern das Retailbanking an mit den Wirkmechanismen und Werkzeugen, die das Web 2.0 bietet.

Sie plädieren für ein neues Selbstverständnis von Bankkunden. Was meinen Sie damit?
Wir sind eine Bank mit einem zeitgemässen Selbstverständnis. Wir sprechen dem Kunden Mündigkeit zu, mit der viele nicht umgehen können. Banking ist durchaus Thema an Stammtischen, und dort zeigen viele weltverbessernde Tendenzen. Dennoch sind diese Kritiker oft Kunden der kritisierten Bankinstitute. Auf der einen Seite ist also das kritische Bewusstsein gegenüber seiner Bank vorhanden, doch auf der anderen Seite ändert man als Kunde dann nichts. Mich wundert das, denn in vielen anderen Lebensbereichen verhalten sich Kunden teilweise supermündig. Ich verstehe nicht, warum die Kunden ihre Mündigkeit beim Banking auf nahezu null reduzieren lassen.

Sehen Sie sich in einer Vorreiterrolle für die Bank von morgen?
Wir betreiben zeitgemässes Banking. Wenn wir damit Vorreiter sind, heisst das im Umkehrschluss, dass alle anderen Banken gestrig sind – dieser These könnte ich durchaus etwas abgewinnen. Wir versuchen eine extrem kundenzentrierte Finanzdienstleistung anzubieten, das ist unsere Leidenschaft. Ich habe mein Berufsleben in einem Hotel begonnen und von dort die Grundmentalität von Dienstleistung und Service mitgenommen. Wir wollen dem Kunden auf Augenhöhe eine fortschrittliche Finanzdienstleistung anbieten – wenn das Banking von morgen ist, dann bin ich einverstanden.

Wie nutzen Sie soziale Netzwerke?
Wir wollen dort mit den Kunden ins Gespräch kommen, wo sie sich aufhalten. Ist der Kunde im Netz unterwegs, dann sind wir auch dort – und jederzeit für ihn ansprechbar. Darüber hinaus ermöglicht das Internet, dass wir dort auf den Kunden eingehen können, wo er es möchte. So können wir ihm eine viel höhere Transparenz und Integration bieten, als er im Filialnetz erhält. Die landläufige Meinung des Filialbankers ist, dass es nichts Persönlicheres gibt als seine Filiale. Dem widerspreche ich total.

Warum?
Weil sich der Filialbanker entschieden hat, seine Filiale schwer zugänglich zu machen. Er hat zwei Hindernisse aufgebaut, die Öffnungszeiten und den Automatenpark vor der Filiale. Das dritte, etwas kleinere Hindernis ist der vom Praktikanten selbstgeschriebene Flip-Chart im Eingangsbereich mit dem neusten Zinsangebot. An diesem Punkt haben viele schon genug und treten den Rückzug an. Oder aber sie wagen sich tatsächlich an den Schalter des vertriebswilligen Mitarbeiters. Dieser fragt einem bei der Abgabe des Überweisungsformulars noch kurz, ob man nicht eine Altersvorsorge brauche. Oder einen Kredit über 10 000 Franken. Wenn das der Höhepunkt des Bankings ist, dann gute Nacht.

Wo liegen hier die Vorteile des Internets?
Kunden haben die Möglichkeit, die Vorgänge transparent mitzuverfolgen und integrativ zu arbeiten. Beispielsweise wird man in der Filiale auf die Frage «Ist Ihr Produkt gut?» keine ehrliche Rückmeldung bekommen.Im Netz hingegen bekommt man Feedback. Aber nicht nur das: Durch das Bonus-System der Fidor-Bank erhält man sogar für das Stellen der Frage Geld. Unsere Kunden können sich in ein Beratungsgespräch einklinken, es mitverfolgen, sich virtuell dazusetzen und selbst Fragen stellen.

Aber das persönliche Beratungsgespräch vor Ort kann durch diese Technologien nicht ersetzt werden.
Nein, da haben Sie recht, es bleibt wichtig. Doch Kunden haben die Möglichkeit, sich innerhalb der Sozialen Netzwerke auf das Gespräch optimal vorzubereiten. Das ist entscheidend, denn meiner Ansicht nach liegt die Ursache der Fehlberatung auch bei den Kunden. Sie gehen zumeist unvorbereitet und naiv in solche Gespräche. Die wirklich wichtigen Fragen stellen sie meist nicht.

Bei Ihnen wird diese Informationsbeschaffung zusätzlich belohnt?
Ja, wir belohnen soziale Interaktion in der Community. Doch wir binden Soziale Netzwerke auf unterschiedliche Weise ein. So kann der Kunde beispielsweise mit dem Setzen eines Likes im Rahmen des «Facebook-Like-Zinses» dazu beitragen, dass der Zins steigt. Der Kunde kann durch seine Partizipation – mal spielerisch, mal ernsthaft – einen wirtschaftlichen Vorteil erzielen.

Was sind Ihre weiteren Geschäftsfelder?
Wir haben zwei Kernprodukte, das Privat- und das Geschäftskonto. Die Konten basieren auf einer offenen Technologie-Philosophie, in die wir verschiedene eigene Angebote und solche von Dritten integrieren können.

Wie kann man sich das vorstellen?
Wir haben aus dem Konto das gemacht, was Apple aus dem Telefon gemacht hat. So haben unsere Kunden die Möglichkeit, Applikationen für ihr Konto auszuwählen und damit beispielsweise ihre Geldbestände zu verwalten. Diese technologische Vorgehensweise ermöglicht einen hohen Innovationsgrad. Wir sind auch offen für die Integration spannender Produkte von Drittanbietern. Das unterscheidet uns von den herkömmlichen Banken, die ihre Produkte zumeist im eigenen Haus entwickeln und bei Innovationen auch eher an ein Zertifikat denken als an eine neuartige Konto-Plattform.

Wie sieht eine solche Integration aus?
Möchte man beispielsweise ein Crowdfinance-Projekt (Finanzierung auf den Schultern mehrerer Personen; die Red.) starten, dann wird das Angebot im Konto mit dargestellt. Ausserdem werden den Kunden die passenden Dienste in der Bezahlung sowie Treuhandkonto-Lösungen angeboten, um das Angebot zu managen. Gleichzeitig haben die Kunden die Möglichkeit, das Geld sicher zu übertragen. Sie können jederzeit einsehen, wie viel Geld bereits im Projekt angelegt ist und sofort notwendige Dispositionen treffen.

Sie pflegen eine grosse Nähe zu Crowdfinance im Allgemeinen. Mit welchem Hintergrund?
Zum einen, weil viele Banken als Finanzierungsquelle ausfallen. Zum anderen, weil der Staat und andere Institutionen im Kultursponsoring als Unterstützer fehlen. Darüber hinaus haben viele Kunden die Banken einfach satt. Crowdfunding ist eine gute Alternative für den Kunden, um an Mittel zu kommen und seine finanzielle Freiheit zu erreichen.

Damit ist Ihr Angebot aber immer noch nicht vollständig.
Nein, wir bieten beispielsweise auch Peer-to-Peer-Kredite an. Dort kann man sich entweder von der Community oder von der Bank Geld leihen. Wir haben dazu eine Kooperation mit der Plattform Smava, auf der Investoren unterschiedliche Summen zur Verfügung stellen können. Es besteht aber auch die Möglichkeit, Freunden Geld zu leihen. Der Prozess kann auf unserer Website abgewickelt werden und ist durch die Bank gewährleistet. Man verleiht also Geld mit der Sicherheit eines Zeugen. Dies natürlich auch im Rahmen einer Mobile-App.

Warum verschliessen sich viele Banken der Einbindung von Sozialen Netzwerken meist völlig?
Der wichtigste Punkt ist die Kultur der jeweiligen Häuser, die mit dem Thema nicht umgehen können. Die Fidor Bank lebt den digitalen Lebensstil vor und der Kunde wird solche Leistungen irgendwann bei seiner Bank einfordern – heute jedoch ohne Erfolg. Wenn man dies zu Ende denkt,  besteht das Risiko eines Kulturumbruchs bei den Banken, denn der Druck von aussen wird so gross, dass sie ihre Linie ändern, ihre Kultur anpassen müssen. Wer sich als Organisation gegen diese Entwicklung stemmt, setzt sich der Gefahr aus, von der Realität abgekoppelt zu werden.

Lässt sich diese Entwicklung zurückdrehen?
Nein, eindeutig nicht. Das ist wie Zahnpasta aus der Tube, die bekommt man nicht mehr hinein – und das ist gut so.

Was kann der Nutzer bei Ihnen lernen?
Er kann die selbstbestimmte Verwaltung von Geld lernen. Die ist sehr wichtig, zumal wir wirtschaftlich unsicheren Zeiten entgegengehen. Wer glaubt, dass die Finanzkrise hinter uns liegt, ist fehlorientiert. Eines unserer Ziele ist, dass der Kunde den Umgang mit Geld wieder mit Spass verbindet.

Wohin geht die Reise?
Wir wollen die Mündigkeit der Kunden weiter vorantreiben und ihnen sagen: Akzeptiere keinen Fast Food, wenn die Preise einem Dreisterne-Restaurant entsprechen. Sobald eine kritische Grundmenge an Kunden nachzudenken beginnt, werden wir auch im Banking spannende Dinge erleben. Das Netz ist letztlich dazu nur Mittel zum Zweck und technischer Wegbereiter. Wer diese technischen Entwicklungen und die damit einhergehenden Verhaltensveränderungen entkoppelt oder negiert, sieht einer harten Zukunft entgegen.

Matthias Kröner ist Mitbegründer und Sprecher des Vorstandes der Fidor Bank.

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Banken steht Paradigmenwandel bevor

Web 2.0 hält vermehrt auch in der Finanzwelt Einzug. Doch die Institute hinken zumeist den Anforderungen der digitalen Gesellschaft hinterher. Die hiesigen Banken stehen dadurch in einem Wettbewerb mit neuen Online-Finanzdienstleistern, die innovative Lösungen auf den Markt bringen.

Text: Barbara Kalhammer

Noch vor wenigen Jahren wusste niemand etwas mit dem Begriff Web 2.0 anzufangen. Doch heutzutage ist die Bezeichnung weit verbreitet und bewegt sich bereits in Richtung 3.0. Gemeint ist damit die Verlagerung der Kommunikation und des Handels ins Internet. Dem Nutzen bieten sich vielfältige Interaktionsmöglichkeiten, die er auch gerne nutzt. Meinungen und Neuigkeiten werden heutzutage auf Twitter, Facebook und Co. ausgetauscht, Ratschläge bekommt man von der Community und Entscheide werden anhand der Bewertungen und Erfahrungen anderer User gefällt. Diese Informationen wollen rund um die Uhr genutzt werden. So erfreuen sich bereits einige Branchen über mehr Besucher via mobilen Endgeräten als über den klassischen Rechner. Hierzulande besitzt beispielsweise fast jeder zweite Schweizer ein Smartphone und 9 Prozent nennen ein Tablet ihr Eigen, so die Zahlen von Publisuisse. Damit weist das Land die höchste Dichte an Tablets und Smartphones auf.

Die Entwicklungen machen natürlich auch vor der Finanzwelt nicht halt, doch die Branche bekundet noch deutlich Mühe, hat den Fortschritt vielfach sogar völlig verschlafen. Nur zögerlich gehen die Finanzinstitute auf die Anforderungen der digitalen Gesellschaft ein. Doch gerade die Banken wären gefordert sich den neuen Gegebenheiten sowie den besser informierten, eigenständigen Kunden und seinen Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Gefragt sind Flexibilität, Transparenz und Schnelligkeit – doch den Banken fehlt es an Innovationskraft. Der Vorstandschefs der Sparkasse Nassau, Stephan Ziegler, hat es auf den Punkt gebracht: «Die Digitalisierung ist der Treibstoff der Zukunft für die Finanzbranche, und wir haben bislang dafür keine Tanks gebaut», wird er in der Börsen-Zeitung zitiert.

Dies öffnet neuen Anbietern Tür und Tor. Angebote in Bereichen wie Sparen, Anlegen und Finanzierung werden nicht mehr starr entwickelt sondern vielfach in Zusammenarbeit mit den Kunden und spezifisch auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten. Die Community bekommt Gewicht und Mitspracherecht. Von den traditionellen Banken wird ein Umdenken gefordert, ein Paradigmenwechsel ist nötig.

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Aktientipps von der Community

Twitter, Facebook und Co. haben sich zu einem wichtigen Umschlagplatz für Meinungen und Neuigkeiten entwickelt – auch über Finanzmärkte. Ein Blick auf das neue Börsenparkett kann sich für Anleger durchaus bezahlt machen.

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Text: Barbara Kalhammer

Am 23.April 2013 kurz nach 19 Uhr erschien auf dem Twitter-Account der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) die Meldung, der amerikanische Präsident Barack Obama sei bei zwei Explosionen im Weissen Haus verletzt worden. An den Börsen brach kurzzeitig Panik aus, der US-Leitindex Dow Jones gab innert weniger Minuten um 150 Punkte nach. Das Barometer erholte sich erst wieder, als klar wurde, dass es sich um eine Falschmeldung handelte: Das Konto von AP war von Unbekannten gehackt worden.

Der Vorfall zeigt eindrücklich, welche Bedeutung soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook heutzutage haben. Längst finden nicht nur belanglose Unterhaltungen statt, immer mehr Nachrichten beziehen sich auf Unternehmen und Aktien. So gelten die Netzwerke sogar als Gradmesser für die Börsenentwicklung. Einer Studie von Colt Technology Services zufolge werden die Aktienbewegungen durch die Statusmeldungen in sozialen Netzwerken beeinflusst. Manch einer sieht Social Media gar als Frühindikator.

Anleger können sich dadurch einen enormen Vorteil verschaffen. Denn an der Börse spielt Zeit eine grosse Rolle: Wer Bewegungen und Trends frühzeitig erkennt, kann davon entscheidend profitieren. Bis anhin haben sich Anleger meist auf den Wissensvorsprung von Fondsmanagern und Analysten verlassen. Doch nun können sie sich diesen selbst verschaffen, indem sie sich auf Social-Media-Kanälen mit anderen Nutzern über Börsen, Unternehmen und Aktienbewegungen austauschen. Dadurch werden Kursbewegungen nicht nur antizipiert oder analysiert, sondern ausgelöst.

Nach Ansicht von Experten wird der Social-Media-Einfluss weiter zunehmen, und auch Analysten dürfen diese Informationsquellen nicht mehr vernachlässigen. Die Schwierigkeit besteht darin, Nachrichten nicht einfach nach dem Zufallsprinzip auszuwählen, sondern sie auszuwerten und zu gewichten. Nur so kann ein Wissensvorsprung erzielt werden.

Doch wie können Anleger bei der grossen Vielfalt die entscheidenden Informationen herausfiltern? Eine Möglichkeit bietet das Start-up Stockpulse, das täglich mehr als 100 000 Meldungen von sozialen Netzwerken sammelt und analysiert. Erfasst werden beispielsweise Nachrichten, die mit einem Dollarzeichen versehen sind. Dadurch werden Börsenwerte auf Twitter gekennzeichnet. Anhand von Schlüsselwörtern wird auch die Meinung des Verfassers durchsucht. Nach einem umfangreichen Auswertungsprozess erhält der Anleger die marktrelevanten Informationen geliefert und erkennt Trends und Stimmungen an den Finanzmärkten, bevor die breite Masse davon erfährt. Stockpulse liefert jedoch nur Handelssignale, Anlage- und Handelsstrategien muss der Investor selbst ableiten.

Dank Twitter, Facebook und Co. verbreiten sich Nachrichten im Web wie ein Lauffeuer. Nutzer haben in Echtzeit Zugriff auf Neuigkeiten aus aller Welt und können den Informationsvorsprung für ihre Investitionsentscheide nutzen. Ganz ohne Gefahren ist diese Entwicklung allerdings nicht, wie das einleitende Beispiel zeigt. Den Nachrichten sollte man nicht blind vertrauen und sie als einzige Basis für Anlageentscheide nutzen. Vielmehr sind sie als ergänzende Informationsquelle zu betrachten.

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Die Macht der Masse – Crowdfunding

Crowdfunding ist vor allem im kreativen Sektor der neue Hoffnungsstern. Die Finanzierungsmethode aus den USA trifft den Zeitgeist von Social Media und Selfmade und wird seit neustem auch in der Schweiz angeboten. Erste Erfolge versprechen einiges.

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Text: Claudia Thöny

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie haben ein vielversprechendes Drehbuch, die Rollen sind bereits besetzt und auch die Crew steht in den Startlöchern. Das einzige, was Ihnen noch fehlt, sind eine Million Euro Produktionskapital. Was wie ein Schreckensszenario aus der Filmbranche klingt, ist in Realität eine Erfolgsgeschichte: Die deutsche Comedyserie Stromberg warb kürzlich für ihren geplanten Kinofilm und forderte seine Fans auf, bei der Finanzierung des Streifens zu helfen. Innerhalb von nur einer Woche steuerten Stromberg-Anhänger über eine Million Euro bei und der Filmproduktion stand nichts mehr im Wege – dank Crowdfunding.

Alles oder nichts
Auch hierzulande fällt der englischsprachige Begriff immer öfter, wenn es um Kapitalbeschaffung geht. Die Idee des neuen Finanzierungsmodells besteht darin, dass viele einzelne Geldgeber zusammen – die Crowd oder der Schwarm – ein Projekt finanzieren. Ort des Geschehens sind in der Regel Plattformen im Internet, wo Initiatoren und Unterstützer aufeinandertreffen und miteinander kommunizieren können. Die Betreiber der Plattformen unterstützen die Projektinhaber bei der Finanzierung und Umsetzung und beaufsichtigen gleichzeitig die gesamten Crowdfunding-Aktionen. Ihre Einnahmen generieren sie durch Prämien.

Wie auf einem Marktplatz präsentieren die Projektinitiatoren auf einem der verschiedenen Online-Portale ihre Idee. Wer sich als Geldgeber dafür interessiert, zahlt etwas ein. Meist handelt es sich um kleine Geldbeiträge, die in der Summe die erforderliche Kapitalhöhe ergeben sollen. Das Bittere daran: Schafft es ein Projekt nicht, die Zielsumme bis zum Stichtag zu erreichen, bleiben die Initiatoren mittellos – und die Förderer erhalten ihre Einzahlungen zurück . Ist die Finanzierungsaktion hingegen erfolgreich, profitieren die Geldgeber – je nach Höhe ihres Beitrags – von einer Gegenleistung. Die Motivation der Financiers hat aber wenig damit zu tun. Vielmehr geht es beim Crowdfunding darum, zur Entstehung eines Projekts beitragen zu können und Teil dieses Erfolgs zu sein.

Crowdfundings – auf Deutsch Schwarmfinanzierung – entstand in den USA. Als Pionier auf diesem Gebiet gilt die im Jahr 2000 gegründete Plattform ArtistShare, mit deren Hilfe Musiker ihr Album finanzieren konnten. Etwas später kamen weitere künstlerisch orientierte Plattformen hinzu. In Europa startete SellaBand durch, in den USA bescherten Portale wie IndieGoGo und Kickstarter der Branche ersten Aufwind. «In den USA ist Crowdfunding bislang am stärksten verbreitet. In den letzten Jahren kamen auf diesem Weg über achtzig Millionen Dollar  zusammen», sagt Karsten Wenzlaff, Gründer von ikosom, dem Berliner Institut für Kommunikation in sozialen Medien. Der Socialmedia-Experte veröffentlichte in seinem Institut 2011 die erste Crowdfunding-Studie im deutschsprachigen Raum. «Diese Art von Kapitalbeschaffung stösst auch in Europa auf Interesse. Vor allem der Kreativbereich nutzt diese neue Finanzierungsmöglichkeit mehr und mehr», so Wenzlaff.

Das ikosom unterscheidet zwei Arten von Crowdfunding: das klassische Crowdfunding und das Crowdinvesting. Beim klassischen Crowdfunding setzen sich Fans finanziell für Projekte ein, meist handelt es sich um künstlerische Werke. Im Gegenzug kommen sie in den Genuss von Goodies. Bei einem literarischen Projekt etwa erhalten sie ein signiertes Buch, bei einer Filmproduktion erscheint ihr Name im Abspann. Crowdinvesting hingegen kommt vor allem bei Startups und Unternehmensfinanzierungen zum Einsatz. Ein finanzieller Beitrag gilt als Investition und macht den Geber zum Anteilshaber. Was die beiden Modelle vereint, ist ihr Grundgedanke: eine internetbasierte Finanzierungsaktion, bei der viele kleine Beiträge zusammen die Umsetzung eines Projekts oder einer Geschäftsidee ermöglichen.

Kultureller Antrieb
Im deutschsprachigen Markt haben sich mittlerweile bereits über ein Dutzend Plattformen erfolgreich etabliert. In der Schweiz gehören wemakeit.ch, 100-days.net, c-crowd.com und jüngst auch projektstarter.ch zu den bedeutendsten. Ein Blick auf die von ikosom publizierten Zahlen von Deutschland und Österreich lässt auch für die Schweiz eine äusserst zuversichtliche Prognose erstellen: Bis April 2011 wurden in den beiden Ländern durch klassisches Crowdfunding 550 000 Euro erwirtschaftet – heute belaufen sich die Einnahmen bereits auf zwei bis drei Millionen Euro. Weshalb erlebt Crowdfunding gerade in der künstlerischen Sparte einen solchen Boom? Karsten Wenzlaff  kennt die Gründe: «Der oft finanzschwache Kreativbereich war bisher stark von institutionellen Geldgebern abhängig. Ohne öffentliche Fördergelder oder Verträge mit klassischen Verwertern wie Verlagen und Labels sah die Zukunft bislang nicht sehr rosig aus. Mit Crowdfunding erreicht diese Sparte eine neue Unabhängigkeit. Nun entscheiden plötzlich die Anhänger darüber, ob eine Idee realisierbar ist und unterstützt werden soll oder nicht.»

Auch die Gründer von wemakeit.ch und 100-days.net, das Projekt des Schweizer Newsletters Ron Orp, witterten ihre Chance, als sie im Februar 2012 kurz nacheinander mit ihren Plattformen Online gingen. Seither können sich die Kunst- und Kulturförderer vor Projektbewerbungen kaum retten. Beide Dienstleister beherbergen und betreuen im Schnitt jeweils rund fünfzig Projekte gleichzeitig. «Die grosse Nachfrage zeigt, dass wir den Nerv der Zeit treffen», freut sich Rea Eggli, Mitgründerin von wemakeit.ch. «Knapp 45 Tage nach dem Start hatten bereits neun Projekte ihre Zielsummen erreicht oder gar übertroffen.» Finanzierungsüberschüsse sind beim Crowdfunding keine Seltenheit.

Gemäss ikosom ist jede zweite Kampagne erfolgreich und im Durchschnitt mit 112 Prozent überfinanziert. Ist Crowdfunding für die Betreiber bereits ein Geschäft? Romano Strebel, Mitinhaber von 100-days.net, antwortet lachend: «Nein. Wir können mit den Prämieneinnahmen erst unsere Kosten decken. Die Beträge liegen momentan bei etwa 2500 bis 5000 Franken, unsere Prämie beträgt lediglich fünf Prozent jedes gelungenen Finanzierungsprojekts.» Ihnen gehe es primär darum, initiative Köpfe zu unterstützen. Gleichzeitig bedeute 100-days.net für die Ron Orp GmbH ein spannendes Community-Projekt mit positiven Lesermarketing-Effekten.

Der Fleissige triumphiert
Ist Crowdfunding gar ein Weg, um schnell und leicht an Geld zu kommen? Rea Eggli verneint entschieden: «Nein, das Geld ist auch da nicht gratis und leicht haben es unsere Ideengeber nicht. Jede Idee wird von uns kritisch geprüft. Sind wir vom möglichen Erfolg überzeugt, unterstützen wir die Kreativen dabei, das Projekt möglichst erfolgsversprechend zu präsentieren und begleiten sie während der ganzen Aktion.» Doch was bestimmt über Erfolg oder Misserfolg einer Crowdfunding-Aktion? «Der Wiener Kulturmanager Christian Henner-Fehr bringt es auf seinem ‹Das Kulturmangagement Blog› auf den Punkt: Qualität + Reputation + Netzwerk. Qualitative Projekte sind mit viel Einsatz verbunden und verfügen über einen guten Ruf und ein breites Netzwerk. Nur wer rackert, gewinnt», fasst Romano Strebel zusammen.

Dass sich professionelles Engagement bewährt, beweist das Crossover-Theaterprojekt «True Nature». Das erforderliche Tourneekapital generierten die beiden Künstler Anna Tenta und Johannes Glarner innert kurzer Zeit über wemakeit.ch. Ihr vielseits gepriesenes Stück über das Yogabusiness überzeugt nicht nur die Kritik, sondern auch die Schwarmfinanzierer: 26 000 Franken stellten sie zur Verfügung. «Da uns Stadt und Kanton finanziell nicht unterstützten, mussten wir die Uraufführung aus der eigenen Tasche bezahlen. Dank Crowdfunding können wir nun auf Tournee gehen», freut sich Glarner.

Auch die Macher des ersten Schweizer Schülerradios «kantipark.ch» sind zufrieden. Um ihren Studioumbau realisieren zu können, riefen sie auf 100-days.net zum Geldsammeln auf. Ihr Ziel von 1500 Franken haben sie übertroffen. Initiator Roman Zech wird Crowdfunding wohl auch in Zukunft wieder nutzen: «Diese Strategie hat uns nicht nur Kapital, sondern auch sehr viel Aufmerksamkeit von aussen gebracht. Zwei Fliegen mit einer Klappe sozusagen.»

Vertrauen ins Web 2.0
Die Meinungen zu Crowdfunding scheinen durchwegs positiv zu sein. Dennoch zeigen sich viele Crowdfunder zu Beginn skeptisch gegenüber der internetbasierten Kapitalbeschaffung. Die Leute müssten die Gewissheit haben, dass ihr Geld sicher ans Ziel komme. Vertrauen und Missbrauchschutz seien beim Crowdfunding essenziell, sonst funktioniere das Modell nicht, erklärt Strebel. «Eine gesetzliche Grundlage existiert bisher noch nicht, umso wichtiger sind deshalb die Sicherheitsstandards der Anbieter. Unser Partner ist FairGive, eine Stiftung, die Spendentransaktionen über digitale Kanäle überwacht und den Datenschutz garantiert. Damit sichern wir nicht nur unsere Kunden, sondern auch uns selber ab.»

Crowdfunding stecke in Europa zwar noch in den Kinderschuhen, die ikosom-Untersuchungen machten aber deutlich, dass es mehr als ein Hype sei, sagt Karsten Wenzlaff: «In den nächsten Jahren wird sich der Bereich der Internetfinanzierung stark entwickeln. Der nächste Trend sind Start-up-Investitionen via Crowdfunding.» Die Schweizer Plattform für Crowdinvesting, c-crowd.com, scheint mit ihrer Ausrichtung das richtige Gespür zu haben. Mitbegründer Phil Steinberger erwartet von der Zukunft einiges: «Der Markt Schweiz hat noch grosses Potenzial, was Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmer betrifft. Auf der anderen Seite haben viele Privatanleger Vertrauen in das Finanzsystem verloren und öffnen sich neuen Möglichkeiten. Daraus entsteht Nachfrage und Angebot für Alternativen bei Finanzierungen und Investitionen – diese führen wir zusammen, das ist unsere Chance.»

Wie schnell und in welchem Mass sich Crowdfunding auf dem Schweizer Markt etablieren wird, ist schwierig vorauszusagen. Mit zunehmenden Erfolgsmeldungen von kommerziellen Projekten steigt aber mit Sicherheit das Interesse an Crowdfunding – und somit auch das Vertrauen in diese Finanzierungsphilosophie.

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Die Zukunft des Bankenwesens

Nach den Erdbeben im Investmentbanking gerät das Retailbanking in die Kritik. Die Gebühren seien zu hoch, die Angebote wenig innovativ. Mit der zunehmenden Virtualisierung soll sich das ändern. Ein Blick in die Zukunft des Bankenwesens.

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Text: Rino Borini

Die Party im Bankensektor ist zu Ende, der Kater gross. Die Branche befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Wohin geht die Reise?
Marc P. Bernegger_Es geht in Richtung Demokratisierung von Finanzdienstleistungen, und zwar bis auf Stufe Kleinanleger. Vieles, das früher Profis vorbehalten war, wird immer mehr auch für Privatkunden zugänglich. Unterstützt werden diese Schritte von der technologischen Entwicklung.

Wer sind die Treiber dieser Veränderungen?
Nehmen wir den Buchhandel als Beispiel. Es war nicht der traditionelle Händler Barnes & Noble, der den Buchhandel revolutionierte, sondern der Internethändler Amazon. Ein absoluter Innovator, den man vor fünfzehn Jahren kaum kannte. Heute gehört Amazon zu den Branchenführern. Auch im Bankensektor werden die grossen Umwälzungen nicht von den bestehenden und etablierten Bankinstituten ausgehen. Es gibt in allen Teilbereichen junge, technologiegetriebene Anbieter, die praktisch aus dem Nichts starten und abheben werden.

Was bedeutet das für die Banken?
Sie müssen sich radikal anpassen, von gewissen Geschäftsfeldern werden sie sich wohl ganz verabschieden müssen. Dies wird nötig sein, weil sie in ihrer bestehenden Kostenstruktur kaum mehr die gesamte Wertschöpfungskette effizient abbilden können.

Werden die Banken, wie wir sie heute kennen, verschwinden?
Nein, die Banken werden nicht verschwinden, sie bleiben bestehen. Aber in weiten Teilen hinken sie hierzulande jetzt schon den Entwicklungen hinterher. Die Margen sind zwar am Sinken, doch in gewissen Teilbereichen sind sie immer noch viel zu hoch. Im angelsächsischen Bereich sind die Bankmodelle diesbezüglich viel weiter.

Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?
Banküberweisungen oder auch Fremdwährungstransaktionen. Beides sind komplett virtualisierte Prozesse und verursachen der Bank praktisch gar keine Kosten. Trotzdem werden den Bankkunden dafür Gebühren verrechnet. Auch in anderen Bereichen sind sie immer noch viel zu hoch.

Besteht Chance auf Besserung?
Wenn man andere Branchen betrachtet, die in der Entwicklung weiter sind, wird offensichtlich, dass sich dies ändern wird. Konsumenten setzen die hohen Gebühren verstärkt in Relation zum erreichten Mehrwert. Ein Extrembeispiel in diesem Zusammenhang sind aktiv verwaltete Anlagefonds, die im Durchschnitt Verwaltungsgebühren von etwa 1,5 Prozent verlangen, dabei schlagen vier von fünf Fondsmanagern nicht mal den Vergleichsindex.

Ist deswegen die Popularität der börsengehandelten Indexfonds gestiegen?
Das ist so. Die Anleger fragen sich immer mehr, warum sie für diese Leistung derart hohe Gebühren bezahlen sollen. Dieses Umdenken geschieht sukzessive, und junge, unabhängige technologiebasierte Unternehmen steigen auf diesen Zug auf.

Zum Beispiel?
In unserem Beteiligungsportfolio gibt es eine innovative Firma namens Yavalu. Deren Online-Plattform ermöglicht es Privatanlegern, Fragen zu ihrer Vermögenssituation und -Planung auf einfache Art zu beantworten. Anschliessend erhält der Kunde einen Anlagevorschlag mit kostengünstigen Anlageprodukten, wie eben die erwähnten Indexfonds. Diese Anwendung kann den Bankberater im Endkundengeschäft ersetzen.

Geht der Trend also weg vom Bankschalter und hin zum virtuellen Banking?
Es wird immer absehbarer, dass die Bankfiliale, wie wir sie heute kennen, kaum überleben wird. Es ist ja heute schon so, dass viele «Digital Natives» noch nie eine Bankfiliale von Innen gesehen haben. Die Virtualisierung des Bankenwesens wird sich weiter fortsetzen, dadurch werden die Services schlanker, transparenter und günstiger. Einige dieser Dienstleistungen werden von Anbietern kommen, die heute noch nicht einmal im Markt sind.

Dient der virtuelle Währungsmarkt, der bereits jetzt sehr effizient und kostengünstig ist, als Vorbild?
Der Währungsmarkt ist ein gutes Beispiel, wie virtuelle Dienstleistungen funktionieren können. Bei der Vielzahl von erfolgreichen und günstigen Anbietern für Währungsgeschäfte macht es schlicht keinen Sinn, solche Transaktionen über eine herkömmliche Bank abzuwickeln und dafür hohe Gebühren zu bezahlen. Würde eine Bank solche Preise offerieren, würde sie wegen ihrer teuren Strukturen wohl bei jedem Geschäft drauflegen. Die Entwicklungen wie im Fremdwährungsbereich sind auch in anderen Bereichen des Bankenwesens zu erwarten. werden den Bankkunden dafür Gebühren verrechnet. Auch in anderen Bereichen sind sie immer noch viel zu hoch.

Häufig wird kritisiert, dass Banken in den sozialen Kanälen nicht aktiv sind.
Ich finde es extrem fahrlässig, wenn sich ein Institut nicht aktiv in diesen Kanälen bewegt. Nur schon um zu erfahren, welche Themen in der Community diskutiert werden. Social Media bietet sich geradezu an, um Reklamationen aufzufangen und die Bedürfni sse der Kundschaft zu erfahren.

Kann man aus sozialen Netzwerken Geschäftsideen für das Bankenwesen entwickeln?
Klar. StockPule zum Beispiel, eine unserer Beteiligungen, liefert unabhängige Analysen von Social-Media-Daten für die Finanzmärkte. Man muss sehen, dass soziale Medien eigentlich nichts anderes sind als ein globales Sentiment. Man sieht, was die Menschen weltweit bewegt, was sie diskutieren. Ich bin überzeugt, dass dies spannende zusätzliche Indikatoren für den Aktienmarkt liefern kann. Man wird immer klarer erkennen können, was die Masse denkt.

Banking hat immer auch mit Vertrauen zu tun. Banken sind reguliert, bei den neuen Services sieht es teilweise anders aus. Könnte dies ein Hindernis sein?
Dass Banken per se sicher sind, hat sich seit dem Ausbruch der Finanzkrise relativiert. Die künftigen Anbieter von Finanzdienstleistungen werden irgendwann eine Grösse erreichen, bei der sie für ihre Geschäftstätigkeit Lizenzen benötigen und vom Regulator überwacht werden. Vorerst müssen die Kleinen vor allem mit Offenheit und Transparenz punkten, wobei ihnen die sozialen Netzwerke behilflich sein können.

Marc P. Bernegger ist Partner und Investment Manager bei der Next Generation of Finance Invest, hält einen Master of Law der Universität Zürich und hat bereits einige Internet-Unternehmen erfolgreich aufgebaut.

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