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Banken haben viel zu verlieren

Andreas Kubli, Leiter Multichannel Management & Digitization bei UBS Schweiz, wirft im Twitter-Interview einen Blick auf die zahlreichen Veränderungen bei Beratung, Bezahlwesen und Vermögensverwaltung.

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Text: Barbara Kalhammer

Herr Kubli, #Digitalisierung ist heute gelebte Realität. Warum hinkt #Banking hinterher?
Banken und ihre Kunden sind 2015 nochmals digitaler geworden. Es ist ein Marathon, kein Sprint.

Wird Banking #digital + social?
Social ist sehr spannend. Die dem Schweizer in Geldfragen typische Vertraulichkeit setzt aber ganz klar auch Grenzen.

Kommt #Banking in die Hosentasche?
#MobileBanking-Apps müssen künftig in der Lage sein, alle einfachen Bankingbedürfnisse «fallabschliessend» erledigen zu können.

Sind #Fintechs die treibende Kraft?
Sie fördern den Innovationsdruck. Wir sind in regelmässigem Austausch mit ihnen und halten Ausschau nach spannenden Kooperationen.

Fintechs sind also nicht die neuen Konkurrenten der Banken?
Für @UBSschweiz sind sie die neuen Partner. Wir helfen ihnen, ihre Innovationen rasch zu skalieren, siehe SumUp + bexio. @bexiocom

Haben Banken den Fortschritt verschlafen?
Banken wissen um @Kodak und haben gesehen, wie es der Reise-, Musik- und Medienindustrie ergangen ist.

Aber Fintechs sind erst seit kurzem ein Thema.
Nein, bei Banken ist das schon lange Thema. UBS hat bspw. in den frühen Nullerjahren –#MobileBanking auf WAP angeboten.

Erst jetzt stehen die Banken unter Zugzwang.
Banken haben viel zu verlieren. Darum übertreffen ihre eigenen Investments die astronomisch hohen Risikokapitalinvestitionen um ein Vielfaches.

Was bremst Banken, sich den Innovationen zu öffnen?
Es ist viel komplexer, ein Geschäft mit Millionen Kunden in der ganzen Breite weiterzuentwickeln als Lösung für einen Use Case zu lancieren.

Was bedeutet Digitalisierung für den Kunden? #Digitization
Bankkunden werden die grossen Gewinner der Digitalisierung sein. Sie erhalten mehr #Banking für weniger Geld.

Auf welchen Ebenen geschieht der Wandel?
Zuerst wird primär das Kundeninterface digitalisiert. Mehr und mehr geschieht dies aber end-to-end, d. h. bis ins Backoffice hinein.

Wo ist die Entwicklung am weitesten fortgeschritten?
Dort, wo «fallabschliessend» digitalisiert werden kann, z.B. im #Zahlungsverkehr oder bei der Konsumfinanzierung.

Wie wichtig ist #Security? #Cyberrisk
Absolut zentral. Einerseits, um Risiken unter Kontrolle zu halten. Anderseits als Voraussetzung zur Kundenverhaltensveränderung.

Wird die Bankfiliale schon bald der Vergangenheit angehören?
Nein, Kunden erwarten auch künftig Filialen. Seit @Apple Stores eröffnete, ist das klar. Verändern wird sich aber die Nutzung der Filialen.

Was dürfen die Kunden beim Kontakt mit Ihrer Bank erwarten?
Dass sie Bankgeschäfte über alle Kanäle hinweg nahtlos abwickeln können. #multichannel

Ist die Bank dann rund um die Uhr erreichbar?
Natürlich. Die UBS ist bspw. digital und via Customer Service Center 24/7 erreichbar.

Auch auf Stufe Berater?
Berater nein, aber Beratung im Rahmen neuer Beratungsformen immer mehr.

Wie sieht das aus?
Mit dem ins E-Banking integrierten UBS Advice haben wir in der «rund-um-die-Uhr-Beratung» Neuland beschritten.

Wird sich die Rolle des Bankers in der Beratung verändern?
Ganz klar. Reine Administrationsarbeit und einfache Tätigkeiten erfolgen künftig primär digital.

Übernehmen künftig Computer und Algorithmen den Anlageprozess?
Jein. Asset-Allokations-Entscheide wie die UBS House View (Hausmeinung) werden auch künftig nicht Computern delegiert werden können.

Wo werden sie dann eingesetzt?
Sie machen auf der UBS House View basierende Analysen, wie nächtliche Health Checks bei 650 000 UBS Advice Portfolios, erst möglich.

Laufen #Roboadvisor den Vermögensverwaltern künftig den Rang ab?
Wir glauben, der Kunde wird hybrid unterwegs sein: primär digital und für gewisse Themen unterstützt durch den persönlichen Berater.

Wo braucht es noch Menschen im Anlageprozess?
Es ist ähnlich wie in der Medizin: Der Kunde ist immer besser informiert, aber grosse Entscheidungen will er mit einem Menschen besprechen.

Nicht nur das Anlegen und die Beratung wandeln sich, auch das Bezahlen. #mobilepayment
Absolut! Ärgere mich, wenn von mir Cash verlangt wird und ich Münz als Retourgeld erhalte. Oder ich Karten nicht bequem einsetzen kann.

Das Portemonnaie der Zukunft ist dann wohl nicht mehr aus Leder.
Ja, ich habe mein Lederportemonnaie bereits 1997 abgeschafft. Wer aber unbedingt Leder will, für den gibt es ja noch lederne Handycover.

Warum kommt mobiles Bezahlen in der Schweiz nicht voran? #mobilepayment
Mobiles Bezahlen steckt in allen Ländern mit einer gut ausgebauten Bankinfrastruktur noch in den Anfängen.

Was müsste sich ändern?
Der Fokus muss auf Lösungen liegen, wo mobiles Bezahlen wie bei P2P viel besser als die traditionelle Methode ist. z.B. #ecommerce

Was noch?
Wir brauchen auch Verhaltensänderungen bei den Kunden. Das alles braucht Zeit.

Brauchen wir einen nationalen Standard, damit nicht #applepay das Rennen macht?
Absolut! Es wäre super hilfreich, wenn @PostFinance beim offenen System #Paymit mitmachen und @Twint_AG einbringen würde.

Zum Schluss: Welches ist Ihre persönliche Lieblings-App?
Ich liebe viele Apps. Wenn ich aber eine herauspicken müsste, würde ich als Nicht-Auto-besitzer @Uber wählen.

Warum?
Weil Uber bewiesen hat, dass man selbst eine gute Lösung wie mytaxi aus Kundensicht noch viel, viel, viel besser machen kann.

Welches andere Nicht-Banken-Unternehmen macht einen hervorragenden Job im Bereich #Digitalisierung?
Ich nehme @TheEconomist. Durch App und #SocialMedia wurde ich vom Gelegenheits-leser zum regelmässiger Leser.

Andreas Kubli arbeitet seit 2010 bei der UBS. 2013 wurde er Leiter der Abteilung Multichannel Management & Digitization, zuvor verantwortete er den Bereich Strategy & Business Development. Vor seiner Tätigkeit bei der UBS war er Partner bei McKinsey. Kubli hat die Rechtsanwaltszulassung für Zürich und New York. 

Dieses Interview ist in der Ausgabe Nr. 1-16 des Wirtschaftsmagazin PUNKT erschienen.

  1. Interessantes Interview. Die Fragen sind toll und besonders schön sind die Antworten.

  2. […] Banking». Denn Banken haben viel zu verlieren, das sagt auch die grösste Schweizer Bank (hier in einem Interview […]

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