Was man zur Kryptowelt wissen sollte

Begriffe wie «Bitcoin», «Blockchain», «Altcoins» und «ICO» hört man immer öfters, Krypto-Namedropping ist der letzte Schrei. Wer verstehen will, was sich hinter den Begriffen versteckt, findet hier (auf Deutsch) das 1×1 der Krypto-Welt.

krypto
Text: Pascal Hügli

Was ist eine Kryptowährung?

Kryptowährungen sind digitale Zahlungsmittel, die von nicht von einer zentralen Stelle geführt werden und kryptografisch verschlüsselt sich. Die erste funktionierende Kryptowährung ist der seit 2009 existierende Bitcoin, mittlerweile gibt es Hunderte weiterer Kryptowährungen.

Was ist die Ideen hinter Kryptowährungen?

Kryptowährungen sollen eine Alternative zu staatlich ausgegebenem Geld sein. Sie gelten als dezentralisierte Peer-to-Peer Zahlungsnetzwerke, die nur von den Nutzern betrieben werden und ohne zentrale Autorität oder Vermittler auskommen.

Was genau ist der Bitcoin?

Bitcoin ist die grösste und bekannteste Kryptowährung. Bitcoin ist ein konsensorientiertes Netzwerk, bestehend aus vielen, verteilten Computern, das die Übertagung von Wert in Form von Bytes ohne einen Mittelsmann erlaubt. Es handelt sich um eine Open-Source-Software, die Protokolle sind somit für alle einsehbar. Bitcoin wird von vielen auch als digitales Gold oder Bargeld fürs Internet angesehen.

Wer hat Bitcoin erfunden?

Das ist immer noch unklar. 2009 tauchte der Begriff zum ersten Mal in einem Paper eines gewissen Satoshi Nakamoto auf. Da alle Botschaften zur Einführung des Bitcoin kryptografisch verschlüsselt waren, weiss bis heute niemand mit Sicherheit, wer Satoshi Nakamato ist. Viele gehen davon aus, dass es sich bei Nakamoto nicht bloss um eine Person handeln kann. Bitcoin wurde durch einen anonymen Schöpferakt ins Leben gerufen. Insofern steckt weder eine einzelne Person noch ein Unternehmen dahinter, das den Bitcoin alleine repräsentieren würde

Wer kontrolliert Bitcoin?

Es gibt keine zentrale Autorität, die das Bitcoin-Netzwerk überwacht. Sogenannte «Core Developers», die Kernentwickler überprüfen und begutachten den Code des Bitcoins laufend. Es sind auch die Kernentwickler, welche allfällige Änderungen am Code vornehmen. Die Nodes, ans Bitcoin-Netzwerk angeschlossene Computer, müssen entscheiden, wessen Node (Software) sie am Laufen haben. Obschon das Bitcoin-Protokoll angepasst und verbessert werden kann, muss diese Änderung immer durch genügend Nutzer akzeptiert und verwendet werden.

Wie funktioniert Bitcoin?

Aus der Sicht eines Nutzers ist Bitcoin nicht mehr als ein Computerprogramm, das eine persönliche Bitcoin-Wallet zur Verfügung stellt und es Nutzern ermöglicht, Bitcoin zu senden und zu empfangen. Das Bitcoin-Netzwerk basiert auf einem öffentlichen Buchungssystem, das Blockchain genannt wird. Auf dieser werden alle jemals erfassten Transaktionen gespeichert, die über das Bitcoin-Netzwerk getätigt werden.

Was ist ein Public Key?

Der Public Key ist eine zufällige Zahlen- und Buchstabenkombination und lässt sich mit einer IBAN oder Kontonummer vergleichen. Wer also Bitcoins erhalten will, muss dafür den Public Key als Empfängeradresse zur Verfügung stellen. Beim Public Key gelten – im Gegensatz zum Private Key – keine besonderen Vorsichtsmassnahmen. Jeden Public Key gibt es logischerweise nur einmal.

Was ist ein Private Key?

Wer nur den Public Key hat, kann auf diesen Public Key Bitcoin hinschicken lassen, aber keine Bitcoin von diesem Public Key verschicken. Dafür benötigt man zusätzlich den korrespondierenden Private Key. Zu jedem Public Key gibt es einen bestimmten Private Key, der gleich wie der Public Key einzigartig ist. Mit dem Private Key lässt sich der Public Key herleiten und gleichzeitig ermöglich der Private Key Zugang zu den Bitcoin auf dem entsprechenden Private Key. Der Private Key ist der Schlüssel zu den Bitcoins und sollte daher sehr sicher aufbewahrt und gemein gehalten werden.

Was ist eine Bitcoin Wallet?

Obwohl es sich bei Bitcoins bloss um Bits und Bytes handelt, können sie nicht einfach so auf dem Computer «gespeichert» werden. Hierfür benötigt man eine Wallet, eine digitale Geldbörse, die mit einem Bankkonto vergleichbar ist. Man unterscheidet zwischen Cold Wallet und Hot Wallet. Letztere wird als solche bezeichnet, weil sie ans Internet angebunden ist – sie eignet sich, um tatsächlich Transaktionen durchzuführen. Im Gegenteil dazu ist ein Cold Wallet komplett vom Internet abgekoppelt und gilt daher als sicherer.

Wie funktioniert ein Bitcoin Wallet?

Jede Wallet verfügt über einen Public Key und einen Private Key. Der Public Key ist die öffentliche Adresse, über die eine Wallet Bitcoins empfangen oder senden kann. Der Public Key ist gewissermassen wie die IBAN bei einem Bankkonto. Der Private Key ist das Password und wird benötigt, um auf die auf der Wallet gespeicherten Bitcoins zuzugreifen und diese auch zu verschicken. Der Private Key sollte an einem sicheren Ort aufbewahrt werden, damit er nicht gestohlen werden kann.

Was gilt es bei Wallets zu beachten?

Oftmals ist der Private Key bereits in die Wallet integriert. Die Wallet ist dann bloss mit einem weiteren Password geschützt. Dieses Password ist jedoch nicht mit der Private Key zu verwechseln. Nur wer über den Private Key verfügt, hat auch die Möglichkeit, die Bitcoins jederzeit abzurufen. Ist eine Wallet aus irgendwelchen Gründen nicht mehr funktionsfähig und der Private Key nicht separat abgelegt, sind die Bitcoins auf dieser Wallet verloren. Aus diesem Grund sollte man darauf achten, dass man eine Wallet besitzt, bei der man auch über den Private Key verfügt.

Was ist Kryptografie?

Kryptografie beschreibt die Wissenschaft der Verschlüsslung von Information. Kryptowährungen nutzen kryptografische Verfahren zum Erstellen, Verifizieren und Transferieren von Werteinheiten. Da die Kryptografie als generell sehr sicher gilt, werden auch die Kryptowährungen als äussert sicher angesehen.

Was ist eine Blockchain?

Die Blockchain ist eine dezentralisierte Buchführungs-Datenbank, ein offen einsehbares Hauptbuch aller jemals auf dieser Datenbank getätigten Transaktionen. Wie der Name andeutet, handelt es sich um eine Kette von Blöcken. Diese Blöcke enthalten mehrere Transaktionen, die wiederum mit verschlüsselten Signaturen versehen sind. Die Signaturen ihrerseits lassen auf die jeweiligen Transaktionspartner innerhalb einer Transaktion schliessen. Bei jeder Blockchain gibt es einen Ursprungsblock, auf dessen Grundlage alle nachfolgenden Blöcke aufbauen.

 Was ist so revolutionär an der Blockchain?

Bisher war es nicht möglich, Geld oder andere Werte zwischen Menschen digital zu verschicken, ohne dass der Austausch von einem Mittelsmann kontrolliert und für gültig erklärt wurde. Mit der Blockchain wird der Vermittler ausgeschaltet, das vormals nötige Vertrauen ist vollumfänglich dezentralisiert. Jeder Blockchain-Nutzer kann die aktuellste Version der Datenbank jederzeit einsehen. Auf diese Weise können sich die einzelnen Rechner gegenseitig in Schach halten. Gewissermassen im Kollektiv wird neuer Input auf der Datenbank mit alten korrespondierenden Daten abgeglichen. Nur wenn alte und neue Daten übereinstimmen, gilt die Transaktion als verifiziert und wird durchgeführt. Der Spielraum für potentielle Manipulation ist so verschwindend klein.

Was sind Coins respektive Tokens und wie entstehen sie?

Digitale Coins und Tokens meinen beide dasselbe: Einträge in der Buchführungs-Datenbank oder – digital gesprochen – der Blockchain. Als Eigentümer eines Tokens gilt, wer dessen Private Key hält. Geschaffen werden diese Token aus dem Nichts durch das jeweilige Programm.

Was ist die Funktion der Tokens?

Nur wer über Tokens verfügt, hat auch Zugang zum Netzwerk. Des Weiteren sind die Tokens in der Regel Teil eines Anreizsystems, über welches das Netzwerk am Laufen gehalten wird.

Macht eine Blockchain ohne Token Sinn?

Um den Vorteil des dezentralisierten Vertrauens aufrechtzuerhalten, braucht es eine Anreizstruktur, die ohne Tokens schlecht intakt gehalten werden kann. Erst wenn man den Zugang zur Blockchain einschränkt und allen Teilnehmern inhärent vertraut, kann der Token weggelassen werden. Der eigentliche Vorteil der Dezentralität der Blockchain geht so aber verloren und sie verkommt zu einer gewöhnlichen, aber kostspieligen Datenbank.

Was ist ein Smart Contract?

Ein Smart Contract ist ein digitaler Vertrag, bei dem die Konditionen in den Code miteinprogrammiert werden. Falls sie erfüllt oder nicht erfüllt werden, treten die Konsequenzen automatisch in Kraft. Der Vorteil der automatischen Verträge: Der Mittelsmann, der die Vertragsverhandlungen kontrolliert, wird obsolet.

Was versteht man unter einem dezentralen konsensorientierten Netzwerk?

Ein solches Netzwerk besteht aus vielen verschiedenen Computern, die sich untereinander auf einen Konsens einigen können. Dazu braucht es keine Zentralinstanz, die diesen Prozess beaufsichtigt. Dass sich innerhalb des Netzwerkes ein Konsens zwischen den Computer bildet, dafür sorgt ein einprogrammierter Anreizmechanismus. Man unterscheidet zwischen Proof-of-work und Proof-of-stake.

Was ist Proof-of-Work?

Der Anreizmechanismus, über den bei Bitcoin der Netzwerkkonsens erreicht wird, nennt sich Proof-of-Work. Damit der kollektive Konsens erreicht werden kann, leisten die Bitcoin-Nodes Rechenarbeit (work) und werden dafür bei korrektem Verhalten belohnt. Proof-of-Work zielt also auf Belohnung (positiver Anreiz) ab.

Was ist Proof-of-Stake?

Proof-of-Stake bezeichnet eine alternative Möglichkeit, den Netzwerkkonsens zu erreichen. Bei diesem Anreizmechanismus werden diejenigen Netzwerkteilnehmer mit dem grössten Anteil (stake) am Netzwerk dazu verpflichtet, die Konsensfindung sicherzustellen. Gelingt es ihnen nicht, geht ihr Anteil am Netzwerk verloren. Anders als bei Proof-of-Work steht hier die Bestrafung (negativer Anreiz) im Vordergrund.

Welcher Anreizmechanismus ist besser?

Proof-of-Work erfordert eine enorme Rechenleistung und einen hohen Stromverbrauch – dafür wird Bitcoin immer wieder kritisiert. Der Proof-of-Stake-Ansatz verlangt zwar viel weniger Strom, doch es bestehen berechtigte Zweifel, ob dieses Konzept langfristig stabil ist.

Was sind Nodes?

Nodes nennt man die an das Bitcoin-Netzwerk angeschlossenen Computer. Die Nodes haben ein Mitspracherecht in der kontinuierlichen Debatte darüber, welche Eigenschaft das Bitcoin-Netzwerk haben soll.

Was sind Forks?

Wenn sich die Nodes darauf einigen, den Quellcode einer Blockchain zu verändern, kann es zu einer Abspaltung kommen. Eine solche nennt man einen Fork.

Was ist ein Softfork?

Der Softfork ist die Light-Version eines Forks und bezeichnet jede Änderung des Quellcodes, die abwärtskompatibel ist. An einem konkreten Beispiel: Wenn eine Blockchain, deren Blöcke bis anhin 1MB gross waren, auf Blockgrössen von 500KB umstellt, handelt es sich um einen Softfork. Die neue Regel steht mit der alten Regel nicht im Konflikt, da 500KB weniger ist als 1MB. Alte Blöcke akzeptieren die neuen also immer noch.

Was ist ein Hardfork?

Hardfork beschreibt eine Protokolländerung, die nicht abwärtskompatibel ist. Etwa wenn die Blockgrösse von 1 auf 2 MB verändert wird. Der Hardfork umfasst somit eine Erweiterung der Regeln, die von den alten Blöcken nicht erfüllt werden kann – es kommt zu einer Abspaltung. In einer solchen Hardfork-Situation werden alle Benutzer mit der neuen Software von denen der veralteten Software getrennt. Nach einem Hardfork müssen alle Teilnehmer die aktuelle Version der Software nutzen, damit die neuen Blöcke auch erkannt werden. Der bekannteste Fork ist Bitcoin Cash, der sich vom Bitcoin abgespalten hat.

Gibt es eine Analogie zu diesen Aufspaltungsszenarien?

Man stelle sich vor, die Blockchain sei ein grosses Restaurant, die im Kollektiv geführt wird. Eine zentrale Kontrollinstanz, die alleine Entscheidungen durchsetzen kann gibt es nicht. Zu Beginn serviert das Lokal nur vegetarische Gerichte. Entscheiden sich die Köche dafür, fortan nur noch Gerichte mit Fleisch zu kochen, kommt das einem Hardfork gleich. Bisherige Kunden müssen diese Fleischgerichte entweder akzeptieren oder sich ein neues Restaurant suchen. Ein Softfork wäre gegeben, wenn die Köche sich stattdessen für eine komplett vegane Küche entscheiden würden. In diesem Fall könnten Vegetarier das Restaurant weiter aufsuchen.

Was sind Altcoins?

Da Bitcoin die erste funktionierende Kryptowährung war, wurde sie zum Inbegriff für Kryptowährungen. Mittlerweile gibt es Hunderte von Alternativen, die unter dem Begriff «Altcoins» zusammengefasst werden. Manchmal werden die «Alternative Coins» auch «Alts» genannt.

Warum braucht es Altcoins?

Bitcoin kann als Lösung für ein spezifisches Problem betrachtet werden. Und so verfolgen auch Altcoins jeweils einen ganz bestimmten Zweck. Die einen sind im Bereich Geldtransaktionen, Währungen oder Finanzen angesiedelt, andere wollen Versorgungsketten (Modum oder Civic) verbessern, Medien (Decent) dezentralisieren oder den Gesundheitssektor effizienter machen (Bowhead Health).

Was ist ein ICO?

ICO bedeutet Initial Coin Offering und ist die digitale Alternativ zu einem klassischen Börsengang (IPO, Initial Public Offering). Ein ICO gibt einem Start-up die Möglichkeit, unkompliziert und mit tiefen Gebühren Geld von Investoren einzusammeln. Der herkömmliche stark regulierte Prozess der Kapitalbeschaffung kann so umgangen werden.

Wie funktioniert ein ICO?

Bei einem ICO schicken Investoren Ether oder Bitcoin oder teilweise auch andere Kryptowährungen an einen Smart Contract und erhalten dafür Tokens von diesem Unternehmen. Dieser Tausch kann beliebig programmiert werden, meist findet er in Form einer Auktion statt. Wird der anvisierte Betrag nicht erreicht, gehen diese zurück an die Investoren – das ICO gilt als gescheitert.

Das unterscheidet ein ICO von einem IPO?

Die von Investoren erworbenen Tokens unterscheiden sich von gewöhnlichen Wertpapieren darin, dass sie keinen verbrieften Anspruch auf Eigentum darstellen. Genau genommen führt der Begriff «ICO» etwas in die Irre. Tokens sind so etwas wie digitale Gutscheine, die grundsätzlich gegen Aktien eingelöst werden könnten, ein durchsetzbarer Rechtsanspruch dafür existiert jedoch nicht. Zudem sind ICO zurzeit noch kaum reguliert.

Wer nach diesem 1×1 noch nicht genug hat, der komme am 14. September an die Krypto-Konferenz, die zum dritten Mal im Rahmen der Finance 2.0 stattfindet.

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Der Kampf um den wahren Bitcoin

Seit jeher wird darüber gestritten, welchen Interessen Bitcoin genügen soll. Einige plädie-ren für dessen Massentauglichkeit, andere sehen darin einen Verrat an der eigentlichen Idee der Kryptowährung. Die nächsten Wochen sollen Klarheit schaffen.

Bitcoin
Text: Pascal Hügli

Jeder Schweizer weiss: Den «Foifer» und das «Weggli» kann man nicht haben. In der Ökonomik spricht man in diesem Zusammenhang von Trade-offs: Gewinne ohne entsprechende Einbussen gibt es nicht. Nochmal anders hat es Milton Friedman ausgedrückt: «There is no such thing as a free lunch.» Dieser Grundsatz gilt auch für den Bitcoin. Dessen Popularität drängt die digitale Währung immer mehr dazu, sich zu entscheiden: «Foifer» oder «Weggli»?

Doch worum geht es überhaupt? Im Grundsatz um die Skalierungsfrage: Die durchschnittlichen Blockgrössen nähern sich dem Limit. Je grösser ein Block, desto grösser die Datenkapazität und damit auch das Transaktionsvolumen, das die zugrundeliegende Blockchain-Technologie abwickeln kann. Zurzeit beträgt diese Blockgrösse ein Megabyte, die Zahl möglicher Transaktionen pro Sekunde ist somit auf sieben limitiert.

Teurer Kaffee

Diese Blockgrösse gerät nun immer stärker unter Druck. Während man vor ein paar Jahren mit Bitcoin ohne Weiteres einen Kaffee bezahlen konnte, ist dies heute kaum mehr sinnvoll. Die Transaktionsgebühren sind mittlerweile so hoch (die Höhe hängt auch vom jeweils verwendeten Wallet ab), dass sich oft kleine Transaktionen nicht mehr lohnen. Wer kauft sich schon einen Kaffee und bezahlt dafür Gebühren in fast derselben Höhe?

Dass die Transaktionsgebühr derart gestiegen ist, hat mit dem Anreizkonzept von Bitcoin zu tun. Die sogenannten Miners prüfen jede einzelne Transaktion auf deren Gültigkeit und verlangen hierfür eine Gebühr. Steigt die Anzahl Transaktionen, wird jene Transaktion am ehesten geprüft, welche die höchste Gebühr entrichtet. Für alle anderen heisst es: hinten anstehen. Mit der Folge, dass man gut auch mal mehrere Stunden bis Tage warten muss, bis eine Transaktion durch die Miners für gültig erklärt worden ist.

Unternehmer mit Bitcoin-basierten Geschäftsmodellen aber auch Nutzer, die Bitcoin als Zahlungsmittel verwenden, erachten eine Erhöhung der Blockgrösse daher als unausweichlich. Nur wenn Bitcoin in der Lage sei, grössere Transaktionsmengen abzuwickeln, werde sich die Digitalwährung als ernsthafte Zahlungsmittelvariante etablieren können.

Etwas überraschend ist, dass auch ein Grossteil der Miners für die Block-Vergrösserung eintritt. Das bedeutet für sie: mehr Aufwand bei kleineren Transaktionsgebühren – ein wenig begrüssenswertes Szenario, müsste man meinen. Doch ihre Beweggründe sind durchaus nachvollziehbar: Da das Mining-Geschäft mit grösseren Blöcken teurer und aufwändiger wird, würden gerade kleine Miners aus dem Markt gedrängt. Letztlich würde sich das Geschäft fast nur noch für die grossen Miners lohnen.

Hochverrat oder Notwendigkeit?

Genau das befürchten die Gegner der Block-Vergrösserung. Sie würde die digitale Währung – entgegen der eigentlichen Philosophie einer breiten Dezentralisierung – von einigen wenigen Grossmineuren abhängig machen. Diese Debatte zieht sich bereits einige Jahre dahin, doch seit zwei Monaten scheinen die Dinge nun plötzlich konkreter zu werden: Im Mai hat eine Gruppe von Unternehmern und Miners den bis anhin wohl populärsten Plan vorgelegt. Unter dem Namen «SegWit2x» haben sie ein Konzept vorgestellt, welches die ermattende Skalierungsdiskussion entschärfen soll, damit die Ressourcen endlich wieder produktiv eingesetzt werden können.

«SegWit2x» bezieht sich auf einen Vorschlag aus dem Jahr 2015 – auch bekannt unter dem Namen «Segregated Witness» oder kurz «SegWit». Mit diesem Update soll die Transaktionskapazität von Bitcoin erhöht werden, ohne die Blockgrösse innerhalb der Blockchain zu erhöhen. Die jeweiligen Signaturdaten der betreffenden Transaktionen sollen nicht mehr länger innerhalb eines Blockes gespeichert werden, sondern in einer externen Datenbank. Das schafft innerhalb des Blocks Speicherplatz für neue Transaktionen. Damit dieses Protokoll-Update «SegWit» aktiviert werden kann, wurde ursprünglich eine Lösung (BIP 141) vorschlagen, die einer Zustimmung von 95 Prozent der gesamten Mining-Power auf der Bitcoin-Blockchain bedarf.

Natürlich besitzt niemand alleine eine derart grosse Mining-Power. Bei Bitcoin gibt es keine zentrale Entscheidungsgewalt. Änderungen müssen stets durch die Bitcoin-Community akzeptiert werden.

Obwohl «SegWit» mehr Transaktionen ermöglichen würde, geht der Vorschlag einigen zu wenig weit – sie beharren auf der Block-Vergrösserung. Genau diesen Kompromiss verspricht «SegWit2x»: Mit dessen Implementierung würde in einem ersten Schritt nicht nur «SegWit» realisiert, sondern auch eine Block-Vergrösserung von einem auf zwei Megabyte.

Licht am Ende des Tunnels?

Dieser Kompromiss scheint eine reale Chance zu haben. Anders als beim ursprünglichen Vorschlag (BIP 141) zur Einsetzung von «SegWit», ist bei dieser Kompromissvariante (BIP 91) «bloss» eine Zustimmung von 80 Prozent aller Miners nötig. In den letzten Tagen hat sich gezeigt, dass bis zu 90 Prozent der Mining-Power ihre Unterstützung angekündigt haben. Noch ist aber nichts im Trockenen: Auch in der Bitcoin-Welt können Äusserungen und tatsächlich realisierte Handlungen voneinander abweichen. So könnte es durch sein, dass sich Miners trotz der Aktivierung der Kompromissvariante (BIP 91), aus welchen Gründen auch immer dafür entscheiden, sich nicht danach zu richten.

Sollte sich die Community nicht einigen können, droht etwas, das vielen Bitcoin-Anhänger Angst bereitet: eine Spaltung des Bitcoin. Denn scheitert die Kompromissvariante (BIP 91) wird automatisch eine weitere Variante (BIP 148) aktiviert, welche die Miners dazu zwingt, SegWit umzusetzen. Dies birgt Potenzial für eine Abspaltung derjenigen Miners, die nicht zustimmen.

Doch auch wenn sich «SegWit2x» durchsetzt, ist die Gefahr einer Auftrennung nicht gebannt. In diesem Fall müssten am ersten 1. November 2017 100 Prozent aller Miners der Block-Vergrösserung auf zwei Megabyte zustimmen, damit sich die Bitcoin-Blockchain nicht in zwei unterschiedliche Varianten aufteilte. In diesem Fall gäbe es zwei unterschiedliche Bitcoins – wie es bei Ethereum mit Ether und Ether Classic geschehen ist.

Alles halb so wild?

Viele fürchten sich vor einer Aufspaltung, da diese Unklarheit eine starke Preiskorrektur zur Folge haben könnte. Zudem bestünde die Gefahr, dass man im Zuge dieser allgemeinen Ungewissheit und Unsicherheit auf den «falschen» Bitcoin setzt. Im schlimmsten Fall würden alle Miners und Nutzer auf den anderen Bitcoin wechseln, worauf die eine Bitcoin-Variante verschwinden würde.

Wie sich bei Ethereum gezeigt hat, muss dies jedoch nicht zwingend der Fall sein. Gerade im Fall von Bitcoin, der hauptsächlich die Funktion von Geld erfüllen will, wäre eine Koexistenz zweier unterschiedlicher Varianten durchaus plausibel. So wie Gold früher eher bei grösseren Geldbeträgen zum Zug kam, während Silber das Geld des kleinen Mannes war, könnte der Bitcoin mit geringer Blockgrösse für grosse Transaktionen Verwendung finden. Die Bitcoin-Variante mit der erweiterten Blockgrösse ihrerseits würde als alltägliches Zahlungsmittel eingesetzt.

Welchen Weg die Bitcoin-Community wählt, wird sich in den nächsten Wochen bis Monaten zeigen. Bis dahin gilt es, die Entwicklung aufmerksam zu verfolgen. Gerade in den Tagen vor und nach dem 1. August macht es Sinn, über den Private-Key zu den eigenen Bitcoins persönlich zu verfügen und diesen nicht etwa bei einer Börse zu lagern. Sollte es tatsächlich zu einer Aufspaltung kommen, ist jeder Nutzer gut beraten, keine Transaktionen mit Bitcoin durchzuführen, bis sich der Schleier über der Zukunft Bitcoins wieder gelüftet hat.

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Twint – ein Debakel?

Kaum die Nabelschnur abgeschnitten, wird Twint bereits der baldige Tod prophezeit. Diese Kritik ist unberechtigt, da sie auf falschen Zahlen basiert.

Twint
Text: Rino Borini

Auslöser des Twint-Sturms war ein Artikel von Lukas Hässig auf seinem Webportal InsideParadeplatz: «Twint-Downloads bei CS? Ein Tausend. Mikroskopisches Interesse an Mobile-App – Bei anderen Banken nur leicht besser – Versager stammen von Postfinance», so sein Einstieg. Die Kritik wurde dankbar aufgenommen und weiterverbreitet. Kritik ist richtig und wichtig, doch meist ging der wichtigste Aspekt vergessen: Wie nehmen die Kunden Twint auf?

Bei Twint reagierte man etwas unbeholfen auf die Kritik. Während die Gegner eine ganze Kavallerie auffahren, scheint bei Twint die Devise «Augen zu und durch» zu gelten. Dabei hat man einen Blog, eine Medienstelle und diverse soziale Kanäle, auf denen man hätte aktiv reagieren können.

Doch zurück zur zentralen Frage: Ist Twint wirklich ein Fehlstart mit Ansage? Ist unser nationaler mobiler Zahldienst T(win)t ein T(lost), wie ein weiteres Blog meinte? Die Antwort bereits vorab: Nein. Das zeigen zumindest die Kundenaktivitäten: Insgesamt wurden im Juni 2017 über 270‘000 Transaktionen durchgeführt, das heisst, rund alle zehn Sekunden wurde mit Twint bezahlt oder Geld verschickt. Kunden sind also nicht per se abgeneigt, das neue Zahlungssystem zu nutzen. Nachfolgend einige Fakten:

Registrierte Nutzer versus Downloads

Per Ende Juni haben sich schweizweit 375 000 Nutzer bei einer der neun partizipierenden Banken die Twint-App oder Twint Prepaid (Lösung für Banken ohne eigene Twint-App) registriert. Seit Lancierung im April dieses Jahres wurde die Twint-App, in welcher Form auch immer, über 600 000 Mal heruntergeladen.

Die Messelatte, an der Erfolg oder Misserfolg bestimmt wird, kann nicht auf Download-Zahlen basieren. Ein Download ist schnell gemacht. Die erste grösste Hürde ist es, den Kunden dazu zu bringen, sich zu registrieren, also die App mit Bankkonto oder Kreditkarte verknüpfen. Und das haben von 600 000 immerhin 375 000 getan – eine Quote von 62,6 Prozent also. Das lässt sich durchaus sehen.

Drei Monate am Start

Twint wurde anfangs April als nationale Lösung neu lanciert, nachdem die Paymit-Anbieter mit den Twint-Anbietern fusionierten. Die Fusion war richtig und wichtig, doch sie kam zweifelsfrei zu spät. Über Monate trugen Twint und Paymit einen unnötigen Machtkampf aus. Dieser kostete nicht nur viel Geld und Nerven, sondern vor allem wertvolle Zeit. Hätten sich die Anbieter früher zusammengerauft, wäre die nationale Lösung früher einsatzbereit gewesen, der Vorsprung auf die Konkurrenz grösser.

In der ersten Phase der Neulancierung wurde die App von UBS und ZKB angeboten. Ende Mai kamen die nächsten Banken dazu: Credit Suisse, Raiffeisen, Postfinance und Banque Cantonale Vaudoise dazu. Auch hier gilt es, den Hintergrund zu verstehen. Nur UBS und Twint haben bestehende Kunden der alten Lösung auf das neue Twint migriert. BCV, ZKB, Postfinance und Raiffeisen-Kunden mussten sich nochmals neu anmelden und sind so gesehen neu im Klub. Und Credit Suisse hatte bis Mai überhaupt keine Lösung und ist ganz neu dazugekommen.

Hohes zweistelliges Wachstum

Downloads spielen für eine Bezahl-App wie gesagt keine Rolle. Auch die Zahl der registrierten Nutzer ist nur eine Zwischenstation. Ob Twint ankommt oder nicht, zeigt sich letztlich nur in einem Wert: der Zahl der Transaktionen.

Die Zahlen zeigen ein deutliches Bild: Im Juni wurden insgesamt 270 000 Transaktionen getätigt, pro Minute wurde also Twint sechs Mal eingesetzt. Seit April sind die Transaktionen (knapp 181‘000) um knapp 50 Prozent gestiegen.

48 Prozent aller Transaktionen fanden im Juni am Ort des Verkaufs statt. In 41 Prozent der Transaktionen versenden Private untereinander Geld, elf Prozent kommen aus dem e-Commerce. Natürlich ist der Anteil von Twint am gesamten Zahlungsverkehr noch ein Klacks.

eCommerce wächst

Interessant sind der eCommerce und der stationäre Handel. Der grösste Onlinehändler der Schweiz ist mit 704 Millionen Franken Umsatz (2016) die Digitec/Galaxus-. «Aktuell zahlen vier von 100 Kunden mit Twint», sagt Mediensprecher Alex Hämmerli. Das sind vier Prozent.

Vor allem zwischen April und Juni ging Einiges. «Nachdem UBS und ZKB Ende April ihre eigenen Twint-Apps veröffentlicht haben, ist der Anteil von Twint im Zahlungsmittelmix unserer Privatkunden innerhalb weniger Tage von zirka ein Prozent auf rund drei Prozent gestiegen», so Hämmerli weiter.

Und wie sieht es aus mit der Konkurrenz? «ApplePay ist zurzeit nicht relevant genug, um die Online-Zahlungsmöglichkeit zu implementieren. ApplePay funktioniert ja nur für Nutzer von Safari-Browsern und Apple-Geräten». Vorteil Twint! Und nicht vergessen: Diese Aussage kommt nicht von irgendwem, sondern vom erfolgreichsten Onlinehändler der Schweiz, von der Front also.

Auch bei Starticket, der Nummer zwei im Eventticket-Bereich, hatte die Twint-Neulancierung Folgen. Lag der Anteil vor April bei gerade mal einem Prozent, wird Twint heute bei 8,4 Prozent der Transaktionen verwendet. Diese grosse Steigerung in kürzester Zeit zeigt, dass die Kunden dieser Zahlmöglichkeit nicht abgeneigt sind. Bei Starticket ist Twint inzwischen das vierthäufigste Zahlungsmittel.

Bankkonto in der Hosentasche

Ein grosser Vorteil von Twint ist die Möglichkeit, die App mit dem Bankkonto zu verknüpfen. Das geht jedoch nur mit den Banken-Twint-Apps. Die Möglichkeit, kostenlos Geld zu senden und zu empfangen, am Kassenterminal mobil zu bezahlen und vor allem in Online-Shops ist zweifellos von Vorteil. Und letztlich bietet die Kontoanbindung dem Nutzer eine transparente Kostenübersicht, sei es im Kontoauszug oder auch in seinem Personal Finance Manager (Ausgabenübersicht, Budgetkontrolle), den heute viele Banken im Einsatz haben.

Verschuldung nimmt zu

Ein weiteres Argument liefert die Verschuldung von Jugendlichen. Bezahlen mit der Kreditkarte tut nicht weh – bis man Ende Monat die Rechnung sieht. Gemäss einer Umfrage von Intrum Justitita (European Consumer Payment Report) stimmen 59 Prozent der Befragten zu, dass leicht zugängliche Kredite über Smartphones Sorge bereiten. Und genau das tun letztlich Systeme wie ApplePay in der Schweiz: Sie belasten die Kreditkarte, nicht die Debitkarte.

Wer jedoch die Twint-App einer der neuen Banken nutzt, kann sie mit seinem Bankkonto verbinden: Zahlungen werden direkt von da getätigt, solange Geld auf dem Konto ist. Twint ist somit vergleichbar mit der EC-Karte, nicht mit der Kreditkarte. Dementsprechend geringer ist die Verschuldungsgefahr.

QR Code

Dann ist da noch die Geschichte mit den QR-Codes. Das sei veraltet und kundenunfreundlich, heisst es oft von Kritikern. Nun ja, bei Bitcoin läuft auch vieles über QR-Codes und Bitcoins finden derzeit ganz viele super toll.

Für Kleinhändler ohne Terminal ist das System mit QR-Codes eine effiziente und einfache Möglichkeit ein Zahlsystem anzubieten. Und für Kunden: Sie hätten so die Möglichkeit, auch auf dem Markt, beim Hofladen oder auf einem Food-Festival digital zu zahlen. Erstaunlicherweise setzt auch Alipay derzeit auf QR-Codes. Und man denke mal weiter: Was wäre, wenn plötzlich Twint-Kunden an allen für Alipay eingerichteten Terminals auch bezahlen könnten?

Fazit: Rohrkrepierer?

Was in der Diskussion komplett vergessen geht, ist die Tatsache, dass sich letzten Endes 40 Schweizer Banken – wenn auch mit etwas Startschwierigkeiten – auf ein gemeinsames System und einen Standard einigen konnten: Kunden wollen nicht unzählige Bezahlmöglichkeiten von unzähligen Banken. Sie wollen eine App, die überall funktioniert.

Doch zurück zur Frage: Ist Twint also tot, bevor es überhaupt richtig atmen konnte? Ein Rohrkrepierer mit Ansage? Nein! Natürlich kämpft auch Twint mit Kinderkrankheiten und ist noch lange nicht das Gelbe vom Ei. Doch es geht nicht um Twint oder ApplePay, es geht darum, dass der Kunde für jede erdenkliche Situation das passende Zahlungsmittel hat.

Das Zahlungswesen ist ein globaler Milliardenmarkt, bei dem der eine oder andere gerne mitmischen würde. ApplePay oder Samsung Pay versuchen ihr Glück derzeit auch in der Schweiz – aber warum das Spiel nicht umkehren? Warum nicht den grossen Wurf wagen und international denken? Man stelle sich eine einzige globale Twint-App vor, bei der man mit einem Touch seine Hausbank auswählen kann. Auch innerhalb der Schweiz könnte grösser – in diesem Fall kleiner – gedacht werden: Warum «verpflastert» Twint nicht alle Parkuhren mit ihren Beacons? Denn genau dort fehlt oftmals das Kleingeld, mit einer mobilen Zahllösung wäre das Problem aus der Welt geschaffen.

Ein Kritikpunkt, den keine Geiss wegschleckt, ist die Sache mit der Kommunikation. Statt auf den Dachbrand Twint zu setzen, sehen Konsumenten sechs verschiedene Werbekampagnen. Das ist kostspielig, verwirrend und tut der Sache keinen Gefallen. Wenn sogar Vertreter der Generation Y nicht auf Anhieb verstehen, welche Twint-App sie runterladen müssen, ist das ein schlechtes Zeugnis für die Marketingabteilungen.

Doch letztlich braucht es Zeit, denn Schweizer sind tendenziell Technologie-Skeptiker. Das zeigen auch die Entwicklungszahlen der NFC-Technologie bei den Kredit- und Debitkarten. Das kontaktlose Zahlen brauchte auch Zeit. Zudem ist die Schweiz ein Land des Bargelds (im Vergleich zu nordischen Staaten).

 

 

 

Zu meiner Transparenz: Ich nutze ApplePay, Revolut und Twint regelmässig (einen Bankomaten habe ich das letzte Mal vor rund zwei Wochen benutzt). Mit allen drei Systemen hatte ich schon Probleme: ApplePay erkannte meinen Fingerabdruck nicht. Als die Schlange hinter mir immer länger wurde, habe ich mit der Kreditkarte bezahlt. Twint wiederum funktionierte einmal im Coop nicht – die EC-Karte hat mich erlöst. Und als ich mit Revolut die U-Bahn in London bezahlen wollte, kam eine Errormeldung – die Kreditkarte musste einspringen. Auf der Gegenseite zu diesen drei Fails stehen unzählige Situationen, in denen diese Zahlungssysteme den Zahlungsvorgang massiv erleichterten.

 

 

 

 

  1. Thomas Lang sagt:

    Danke für diese Sicht der Dinge und ich wünschte es TWINT, dass der Druchbruch gelinge. Zeit und Kundenfokussieren sprechen (für mich) leider eine andere Sprache.

    Und immer interessant, welche Nutzungszahlen man von den PR- und Kommunikationsabteilungen erhält und welche effektiv erzielt wurden. Diese Diskrepanz verblüfft mich immer wieder.

    Merci für diese Replik.

  2. Hans Meier sagt:

    Twint kommt leider zu spät. Die Schweizer Banken haben es schlicht verpennt, gemeinsame Sache zu machen und den Markt zu erobern. Jetzt wird der Kunde entscheiden und es ist klar wo die Reise hingeht, nämlich zu Applepay und Samsungpay, leider… Wenn die Banken schlau sind, öffnen sie sich für diese Bezahlformen, sonst werden die Banken bald überflüssig

  3. Claudia Meile sagt:

    Ein differenzierter Artikel zu einem komplexen Thema. Gut gemacht!

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Bitcoin wird zur bedeutungsvollen Geldanlage

Bitcoin ist zu einer ernstzunehmenden Geldanlage avanciert. Dass der geplante Bitcoin-ETF im März keine Zulassung erhielt, ist nur eine Fussnote.

Bitcoin ETF
Text: Pascal Hügli

Nicht wenige Kryptowährungen haben sich als Pyramidenspiele entpuppt. Wie man an Kurscharts von Steem, Monero, Litecoin oder NEM unschwer erkennen kann, erfuhren diese digitalen Währungen jeweils einen rasanten Preisanstieg, um dann zu einem beliebig anmutenden Zeitpunkt wieder massiv abzusacken. Es scheint, als hätten einige wenige Anfangsinvestoren von einem entsprechenden Hype profitiert, indem sie die eigenen Bestände auf einen Schlag verkauft und so den Marktwert der Währung auf Talfahrt geschickt haben.

Dass sich Anleger und Investoren überhaupt auf technisch kaum verstandene Digitalwährungen einlassen, ist auch der Ausnahmesituation auf den Finanzmärkten geschuldet. Niedrig- bis Negativzinsen lassen die Renditemöglichkeiten vormals lukrativer Vermögensklassen schrumpfen. Auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten sieht sich mancher Investor dazu veranlasst, das für viele noch ominös erscheinende Neuland der Kryptowährungen zu betreten.

Auch dann, wenn man diese nicht wirklich versteht. Wie das Jahr 2016 angedeutet – und das Jahr 2017 bisher bestätigt – hat, verzeichnete die prominenteste Kryptowährung, der Bitcoin, satte Kursgewinne. Während eine in Franken denominierte Investition in den S&P 500 über das Jahr 2016 eine Rendite von 13,5 Prozent einbrachte, erzielte ein in Bitcoin investierter Anleger im gleichen Jahr einen Mehrertrag von 87,5 Prozent.

Wenn auch der Grossteil der Nachfrage nach Bitcoin noch immer spekulativer Natur ist und das Zahlungsvolumen in keiner Relation zum Börsenvolumen steht, so zeigt der Kursanstieg, dass Bitcoin – und generell Kryptowährungen – als ernstzunehmende Anlageklassen angesehen werden können – und nicht als blosser Hype.

Vorerst kein Bitcoin-ETF

Interessant ist, dass die Volatilität der digitalen Währung trotz hoher Kursgewinne stetig sinkt. In den ersten fünf Jahren nach Einführung des Bitcoins 2009 waren Volatilitätswerte von über zehn Prozent keine Seltenheit. Doch insbesondere seit 2015 haben sich die Marktschwankungen verringert. Nimmt man den Dollar als Benchmark, beträgt die Volatilität des Bitcoins fünf Prozent.

Zum Vergleich: Die durchschnittliche Volatilität von Gold gegenüber dem Dollar liegt bei etwa 1,2 Prozent, andere bekannte Papierwährungen schwanken zwischen 0,5 und einem Prozent. Mit der sinkenden Volatilität verliert einer der häufigsten Kritikpunkte an der Kryptowährung zunehmend an Relevanz.

Das Nachlassen der Kursschwankungen ist die Folge höherer Liquidität. Immer mehr Anleger entscheiden sich, Bitcoin zu kaufen. Gleichzeitig hat die Zahl jener Akteure zugenommen, die sich auf den Handel mit Bitcoin spezialisiert haben. Mit der Auswirkung, dass die digitale Währung zwischenzeitlich ein neues Allzeithoch erreicht hatte. Teilweise notierte der Bitcoin bei über 1200 Franken (aktueller Bitcoin-Kurs).

Für einen kurzzeitigen Kurseinbruch sorgte der Entscheid der US-Börsenaufsicht vom 11. März, einen Bitcoin-ETF abzulehnen. Das war nicht unbedingt zu erwarten: Auf dem Prognosemarkt der Handelsplattform BitMEX wurde die Wahrscheinlichkeit auf 50 Prozent geschätzt. Auch der Kursanstieg auf 1300 Franken kurz zuvor sprach eher für einen positiven Entscheid.

Regulator will mehr Regulierung

Die US-Börsenaufsicht, die Securities and Exchange Commission (SEC), sah es anders: Die wesentlichen Bitcoin-Märkte seien noch zu wenig stark reguliert. Kritiker monierten, dass die Handelsbörsen schon heute Vorschriften zur Geldwäscherei, Kundenidentifikation sowie Kauf und Verkauf einhalten müssen. Sie wiesen zudem darauf hin, dass ein Bitcoin-ETF für mehr Regulierung gesorgt hätte, da eine solche im inhärenten Interesse der Anleger liegen würde.

Mit einer Prise Sarkasmus kommentierten prominente Vertreter der BitcoinCommunity den Entscheid: Dass Bitcoin zu wenig reguliert und kontrolliert werden könne, sei kein Bug, sondern ein Feature. Es läge eben in der Natur von Bitcoin, schwer regulierbar zu sein. Die Institutionalisierung mittels ETF sei auch deshalb abgelehnt worden, so ein Teil der Bitcoin-Anhänger, weil die Kryptowährung in letzter Zeit derart stark geworden ist.

Kenner attestieren der digitalen Währung das Potenzial, Zentralbanken und deren Zahlungsmittel ernsthaft zu konkurrieren, vielleicht sogar abzulösen. Eine Angst, die bei der Entscheidungsfindung zumindest im Hinterkopf mitgeschwungen haben könnte. Ob die Befürchtungen seitens der oft ideologisch motivierten Bitcoin-Sympathisanten stimmen oder ob die SEC den Bitcoin Markt eines Tages doch als ausreichend reguliert einstufen wird, kann nur die Zeit zeigen.

Im Verlauf des Jahres wird die US-Börsenaufsicht über die Zulassung von weiteren auf Bitcoin lautenden ETF befinden. Jene Kreise, die gerne einen amerikanischen Bitcoin-ETF gehabt hätten, vertrösten sich mit dem Hinweis, dass die Genehmigungen von Kupfer- und Gold-ETF ebenfalls mehrere Jahre gedauert hätten. Mit dem Unterschied, dass Kupfer und Gold physisch bereitgestellt werden können.

Aus Sicht der SEC ist das neben der Regulierung eine zweite Voraussetzung. Diese wird der Bitcoin jedoch nie erfüllen können. Wenn der Bitcoin-ETF in den USA Realität werden soll, wird die Börsenaufsicht bei ihren Standards Abstriche machen müssen. Innerhalb der Bitcoin-Community schien man über den Entscheid ohnehin wenig enttäuscht. Wäre der ETF genehmigt worden, hätte der regulatorische Druck sicherlich zugenommen. Manch ein institutioneller Investor hätte dann wohl wunde Punkte ausfindig gemacht, die es zu regulieren gegolten hätte, so Stimmen aus der Community.

Technologischer Fortschritt zentral

Am Tag nach der Entscheidung schien sich der Bitcoin-Kurs bereits von der Nichtgenehmigung erholt zu haben. Mittlerweile (Stand 22.3.17) hat der Kurs gegenüber dem Schweizer Franken jedoch um über 150 Franken nachgelassen. Nachhaltig schwächen wird das den Bitcoin wohl kaum. Zwar hätte ein ETF Privatanlegern einen Weg geschaffen, bequem in Bitcoins zu investieren. Auch institutionellen Anlegern hätte er die Möglichkeit eröffnet, im grossen Stil in den Bitcoin-Markt vorzustossen.

Dies hätte den Kurs steigen lassen – und davon hätte nicht nur der gemeine Anleger profitiert. Durch den steigenden Wert der Bitcoin-Vermögen der Software-Entwickler wären mehr Ressourcen für die technologische Weiterentwicklung der Kryptowährung zur Verfügung gestanden. Dieses Szenario wäre insofern positiv gewesen, da es letzten Endes auch der technologische Fortschritt ist, der über die Zukunft der digitalen Währung entscheiden wird. Doch auch ohne ETF wird die Entwicklung nicht stehen bleiben. Die Bitcoin-Evolution ist von einer gehörigen Portion Idealismus hochtalentierter TechNerds getrieben.

Es darf davon ausgegangen werden, dass der Fortschritt dieser Technologie weniger geldabhängig ist als in anderen Bereichen. Wer sich in der Community umhört, hört von vielen Plänen, Bitcoin weiter zu verbessern. Allen voran besteht eine hitzige Debatte darüber, ob und wie man die Anzahl Transaktionen pro Sekunde erhöhen sollte. In diesem Zusammenhang spitzt sich auch die Diskussion um einen möglichen «hard fork» zu. Gemeint ist eine Änderung im Bitcoin-Protokoll mit der Folge, dass sich das Bitcoin-Netzwerk spalten würde. Neu gäbe es dann zwei Varianten des Bitcoins, die unterschiedlichen Grundregeln folgten.

Diese Kontroverse könnte auch für den Kursverfall der letzten Tage mitverantwortlich sein. Anleger, die auf einen Bitcoin-ETF gehofft hatten, sollten ob der Entscheidung der US-Börsenaufsicht nicht enttäuscht sein. Es bestehen mehrere Möglichkeiten, in Bitcoin zu investieren. Nebst dem Direktkauf ist es möglich, über den Kauf von Wertpapieren am Bitcoin-Kurs zu partizipieren.

Eines dieser Produkte ist das Tracking-Zertifikat der Bank Vontobel. Dieses bildet den Kurs von Bitcoin ab, wird an der Schweizer Börse gehandelt und hat eine Laufzeitbeschränkung bis Sommer 2018. Es ist davon auszugehen, dass die Vontobel ein Folgeprodukt anbieten wird, da das derzeitige auf grossen Anklang stösst. Web-Link: Tracking-Zertifikat der Bank Vontobel Bitcoin-Fonds von EXANTE Des Weiteren gibt es einen Bitcoin-Fonds, der durch die Behörden Maltas reguliert ist. Angeboten wird dieser von EXANTE, einem Dienstleistungsunternehmen im Investitionsbereich.

Dieser Artikel ist zuerst in 10×10 erschienen, die führende Infoplattform für ETF & Indexinvesting.

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Bahn frei für Fintechs

Anfang Februar eröffnete der Bundesrat die Vernehmlassung zur Revision des Bankengesetzes und der Bankenverordnung. Mit dem Ziel, Markteintrittshürden für Fintechs abzubauen und die Innovationsfähigkeit der Unternehmen sowie die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes zu stärken.

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Text: Dr. Alain P. Röthlisberger*

Bis vor kurzem stand dem zunehmenden regulatorischen Aktionismus eine eigentliche Passivität den Entwicklungen im Bereich neuer Finanztechnologien – insbesondere der Digitalisierung – gegenüber, die sich nachteilig auf die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzsektors auswirkte. Die hohe Regulierungsdichte in der Schweiz zwingt denn auch regelmässig zur Prüfung, ob neue Ideen überhaupt zulässig sind.

Heute sind Fintechs vor allem in den Bereichen des Banken- und des Geldwäschereirechts von der Finanzmarktregulierung betroffen. So benötigen Unternehmen, die neuartige Zahlungsdienstleistungen erbringen (wie etwa Mobile-Payment-Applikationen für Peer-to-Peer Zahlungen), unter Umständen eine Bankenbewilligung. In den Anwendungsbereich des Bankgengesetzes können ebenfalls Fintechs fallen, die Dienstleistungen im Bereich der Online-Kreditvergabe zwischen Privatpersonen (Peer-to-Peer Lending) erbringen.

Das Bankengesetz stellt hohe Anforderungen an eine Bewilligungserteilung, da sich diese auf die Wahrnehmung einer Bankentätigkeit (Entgegennahme von Einlagen und Ausgabe von Krediten beziehungsweise Aktiv- und Passivgeschäft mit Fristentransformation) mit entsprechendem Risikopotential richtet. Damit stellt eine Bankenbewilligung für die meist noch jungen Fintechs, die nur gewisse Elemente einer Banktätigkeit betreiben, eine kaum überwindbare und unnötige Markteintrittsbarriere dar.

Fintech Lizenz

Vernehmlassung eröffnet

Im Frühjahr 2016 beauftragte der Bundesrat das Eidgenössische Finanzdepartement zu prüfen, ob zur Senkung von Markteintrittshürden für Fintechs im Finanzmarktrecht regulatorischer Handlungsbedarf besteht. Nachdem sich der Bundesrat unter der Leitung von Bundesrat Ueli Maurer – was ihm den Namen «Mr. Fintech» einbrachte – im November 2016 für Erleichterungen bei den regulatorischen Rahmenbedingungen ausgesprochen hatte, eröffnete er am 1. Februar 2017 die Vernehmlassung zu den geplanten Erleichterungen.

Die Vorlage des Bundesrats verfolgt einen Ansatz mit drei sich ergänzenden Elementen. Sie unterscheidet nicht zwischen bestimmten Geschäftsmodellen und ist deshalb gegenüber weiteren Entwicklungen im Markt offen. Fintechs, die ausserhalb des klassischen Finanzbereichs operieren, sollen zwar angemessen reguliert werden, wobei jedoch das reduzierte Risikopotential unter Beachtung der Verhältnismässigkeit und Materialität in die Regulierung einfliessen soll. Es wird eine eigentliche Deregulierung vorgeschlagen, die auf drei Säulen basiert:

1. Ausweitung der Frist für Abwicklungskonten:

Demnach dürfen Gelder neu während 60 Tagen zu Abwicklungszwecken gehalten werden, ohne dass dies eine bewilligungspflichtige Tätigkeit unter dem Bankengesetz darstellt. Die bisherige von der Finma festgelegte Frist von sieben Tagen erweist sich für  Geschäftsmodelle, die Gelder auf eigenen Konten temporär verwahren, als zu kurz. Gerade Crowdfunding-Plattformen können von der längeren Frist profitieren, da die Mittelbeschaffung für ein Projekt regelmässig länger als sieben Tage beansprucht. Nehmen die Plattformen Kundengelder nur bis zu dieser Frist entgegen, ist neu keine Bankenbewilligung mehr erforderlich.

2. Erweiterung der bewilligungsfreien Tätigkeit:

Gemäss geltendem Recht können von höchstens 20 Personen bewilligungsfrei Gelder entgegengenommen werden. Geschäftsmodelle von Fintechs richten sich in der Regel jedoch an mehr als 20 Personen. Neu soll daher ein regulierungsfreier Innovationsraum («regulatorischer Sandkasten ») geschaffen werden, in dem Unternehmen bewilligungsfrei und ohne Begleitung durch die Aufsichtsbehörde tätig sein können und bis zu einem Gesamtbetrag von einer Million Franken unbeschränkt viele Publikumseinlagen entgegennehmen dürfen. Dieser Innovationsraum ermöglicht Unternehmen, ihr Geschäftsmodell zunächst in beschränktem Ausmass zu erproben, bevor eine kostspielige Bankenbewilligung beantragt werden muss.

3. Schaffung einer Fintech-Lizenz:

Unternehmen, die kein Aktivgeschäft mit Fristentransformation betreiben und Publikumseinlagen bis zu einem Gesamtwert von hundert Millionen Franken entgegennehmen, sollen neu eine Bankenbewilligung mit erleichterten Bewilligungs- und Betriebsvoraussetzungen beantragen können. Diese «Bewilligung light» richtet sich an Unternehmen, die kein bankentypisches Geschäft betreiben, deren Tätigkeit aber gewisse Elemente der Bankentätigkeit beinhaltet. Gemäss Vorlage beträgt das Mindestkapital für Unternehmen in der neuen Bewilligungskategorie fünf Prozent der entgegengenommenen Publikumseinlagen, mindestens aber 300’000 Franken. Zudem sind Erleichterungen in den Bereichen Rechnungslegung, Prüfung und Einlagensicherung vorgesehen. Die Schaffung einer Fintech-Lizenz soll unter anderem eine Herabsetzung der Markteintrittsbarrieren für Anbieter im bargeldlosen Zahlungsverkehr, für Crowdfunding-Plattformen, aber auch für Anwendungen im Blockchain-Bereich bringen.

Fintech Regulation

Internationale Entwicklungen

International ist eine ähnliche Entwicklung wie in der Schweiz feststellbar, wobei im Gegensatz zum vorgeschlagenen Schweizer Modell in anderen Ländern bisher vorwiegend geschäftsmodellbezogene Regulierungsansätze gewählt wurden. Zudem zeigen sich ausländische Aufsichtsbehörden der Innovationsförderung gegenüber wesentlich offener als die Finma und bieten Fintechs zum Teil umfassende Beratungen an.

Was das Crowdfunding anbelangt, gibt es innerhalb der EU spezifische nationale Regulierungen, insbesondere im Bereich des Anlegerschutzes. In Grossbritannien wurde zudem im Rahmen des «Project Innovate» der Financial Conduct Authority (FCA) ein regulatorischer Sandkasten geschaffen, in dem Unternehmen ihre Geschäftsmodelle unter enger Begleitung der Aufsichtsbehörde erproben können. Im Rahmen dieses Projekts bietet die FCA ebenfalls Beratungen an, um den Unternehmen aufzuzeigen, welche Vorschriften sie befolgen müssen.

Nicht von ungefähr gilt die FCA als fintechfreundlichste Aufsichtsbehörde überhaupt. Die Monetary Authority of Singapore (MAS) stellt einen ähnlichen Sandkasten zur Verfügung und bietet Unternehmen einen «one-stop Shop» an, um diese umfassend zu beraten. Anders als beim geplanten schweizerischen Modell entscheiden in diesen beiden Ländern die Aufsichtsbehörden über die Zulassung (einer begrenzten Anzahl) von Unternehmen. Zudem ist die Dauer im Sandkasten beschränkt, und die Unternehmen werden durch die Aufsichtsbehörden begleitet. Damit unterscheiden sich diese Ansätze vom schweizerischen Modell des bewilligungsfreien Raums, das ausserdem auf Dauer angelegt ist.

Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit

Die bundesrätliche Vorlage stellt einen Paradigmenwechsel dar. Sie bietet die Chance, neue Geschäftsmodelle in Teilbereichen der Wertschöpfungskette von Banken zu entwickeln und zu erproben, ohne dass dabei eine Bankenbewilligung beantragt werden muss, mit entsprechenden Opportunitäten für die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Schweiz. Zudem erweist sich der vorgeschlagene Ansatz einer geschäftsmodellunabhängigen Regulierung als zukunftsoffener und damit flexibler als vergleichbare ausländische Modelle.

Damit werden die längst fälligen ersten Schritte in die richtige Richtung gemacht, wobei sich aber auch die Denkweise des Gesetzgebers und insbesondere der Aufsichtsbehörde zu ändern hat: Diese haben sich aktiv mit neuen Technologien sowie deren Chancen und Risiken auseinanderzusetzen und Innovationen im Rahmen des regulatorischen Zwecks zu fördern, was sich bereits aus dem verfassungsmässigen Auftrag (Art. 94 Abs. 2 und 3 BV) ergibt und sich ebenfalls im Finanzmarktaufsichtsgesetz (Art. 5 und 7 FINMAG) findet.

Vor diesem Hintergrund ist etwa die Aussage der Finma, dass sie sich eine rechtliche Beratung oder Beurteilung von Geschäftsmodellen als Aufsichtsbehörde nicht leisten kann, als antiquiert zu betrachten. Vielmehr sollte der Ansatz ausländischer Regulatoren übernommen werden, auch was den Dialog mit den Regulierten auf Augenhöhe und die Reaktionszeit bei Eingaben anbelangt.

Gleichzeitig sind im Rahmen der Finanzmarktpolitik weitere unnötige Markteintrittsbarrieren (innerhalb und ausserhalb des Finanzmarktrechts, so zum Beispiel im Gesellschafts-, Steuer- oder Konsumkreditrecht) zu identifizieren, wobei die Geldwäschereiregulierung nicht als Markteintrittshürde, sondern vielmehr als Eintrittsticket zu betrachten ist.

Richtig ist auch die Entscheidung des Bundesrats, eine verwaltungsinterne Koordinationsstelle für Fintechs (das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen) zu bezeichnen, um einen koordinierten Ansatz zu gewährleisten. Eine solche risikobasierte Regulierung mit Weitsicht – unter Berücksichtigung der Verhältnismässigkeit und der Materieialität – stärkt die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes, ohne dass Abstriche beim Anlegerschutz zu befürchten sind.

Dr. Alain P. Röthlisberger ist Partner bei Röthlisberger-Fischer Rechtsanwälte, Zürich und Zug, sowie Managing Director bei Legal Excellence LLC, Zug.

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Besucherrekord an der Fintech Konferenz «Finance 2.0»

Mit über 400 Teilnehmer und 30 Referenten ist die Finance 2.0 die grösste Fintech-Konferenz der Schweiz. Seit 2013 treffen sich die «Makers & Shakers» aus der Branche beim jährlichen Happening. Der Mix der Teilnehmer ist sehr breit: Banken, Versicherungen, IT-Unternehmen und unzählige Start-ups.

 

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Bitcoin und die gefrässige Bundesbahn

An SBB-Automaten können seit kurzem Franken in Bitcoins gewechselt werden. Prinzipiell lobenswert, in der Praxis eher ein Rohrkrepierer.

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Text: Klaus Fiala

Die NZZ bezeichnet die Aktion zwar als «Marketing-Instrument», die Aufgeschlossenheit der SBB ist dennoch erfreulich. Doch bei genauerem Hinsehen hat die Massnahme Schönheitsfehler. Der erste: Bahntickets können mit der digitalen Währung nicht bezahlt werden. Im zweijährigen Pilotprojekt soll lediglich geprüft werden, ob überhaupt ein Markt bestehe, heisst es von offizieller Seite.

Viel schwerer wiegt jedoch die Tatsache, dass der auf der Homepage verkündete Vorteil der «sehr niedrigen Transaktionskosten» von der SBB nicht erfüllt wird: Offiziell betragen die Umtauschgebühren sechs Prozent, in Wahrheit sind es jedoch bis zu 9,5 Prozent. Zum Vergleich: Bei digitalen Transaktionen liegen die Gebühren bei einem Prozent, wer einen Automaten von Bitcoin Suisse nutzt, bezahlt 4,5 Prozent. Diese Zusatzkosten gegenüber gänzlich digitalen Transaktionen werden mit Aufwänden für die Hardware, den Geldtransport und Standortkosten begründet. Dass die SBB höhere Gebühren verlangen, ist insofern irritierend, als dass der Grossteil der Fixkosten bei Billettautomaten ja so oder so anfällt. Nötig war lediglich ein Softwareupdate.

Wirklich problematisch aber ist, dass die SBB – eine öffentlich-rechtliche Aktiengesellschaft, die zu 100 Prozent dem Bund gehört – mit versteckten Gebühren arbeiten. Wer etwa am 10. November 50 Franken eintauschte, hätte nach offiziellem Wechselkurs 0,0712 Bitcoin erhalten, am SBB-Automaten jedoch nur 0,065 Bitcoin – eine Differenz von rund 9,5 Prozent. Gleiches Spiel am 13. November: Für 50 Franken hätte ein Kunde offiziell 0,0724 bekommen, bei der SBB waren es nur 0,0661 Bitcoin. Wieder fielen Gebühren von 9,5 Prozent an. Von diesen 9,5 Prozent werden jedoch nur sechs auf der Quittung ausgewiesen, 3,5 sind in einem höheren, für die Kunden nachteiligen Bitcoin-Referenzpreis versteckt.

Dieses Vorgehen widerspricht der Grundidee von Kryptowährungen diametral. Schliesslich stehen sie für ein demokratischeres Geld- und Finanzsystem und mehr Kundenautonomie. Die SBB-Pressestelle verweist auf Anfrage auf das Partnerunternehmen Sweepay, das die Transaktionen abwickelt. Das in Zug ansässige Unternehmen sei für die Durchführung und auch die angebotenen Wechselkurse verantwortlich, so die Auskunft. Da man Sweepay auf den Quittungen als zuständiges Unternehmen ausweise, sei das Vorgehen der SBB in dieser Hinsicht «transparent».

Rodolphe Texier, CEO von Sweepay, erklärt die sechs Prozent Wechselgebühren mit der erhöhten Zahl an Intermediären. Zudem würden Kunden durch das dichte Automatennetz, das jederzeit zugänglich sei, einen grösseren Komfort erfahren. In Zukunft könnten die Kosten aber durchaus sinken, so der CEO. Dass systematisch nachteilige Wechselkurse an die Kunden weitergegeben würden, bestreitet Texier: «Diese höheren Kosten tragen wir beim Ankauf der Bitcoin selbst.» Dass an mehreren Tagen 3,5 Prozent angefallen seien, sei Zufall. Texier kann sich aber vorstellen, zumindest auf der eigenen Website den Bitcoin-Wechselkurs auszuweisen, um den Kunden die Nachvollziehbarkeit der angebotenen Kurse zu erleichtern. Zuletzt verweist Texier auf das europäische Ausland. In Frankreich und Österreich seien Gebühren von neun bis zehn Prozent an der Tagesordnung. Eine Nachfrage beim österreichischen ATM-Betreiber Coinfinity zeigt jedoch: Dort werden nur 4,2 Prozent Gebühren verlangt.

Wenn sich ein Staatsbetrieb neuen Technologien gegenüber offen zeigt, ist das grundsätzlich begrüssenswert. Doch bezüglich Transparenz, auch auf der SBB-eigenen Webseite, besteht grosser Optimierungsbedarf. Bitcoin ist eine mögliche Antwort auf unser fragiles Finanzsystem. Und genau deshalb sind Transparenz und faire Gebühren essenziell.

Dieser Artikel erschien im Wirtschaftsmagazin PUNKT: Dezember 2016, Ausgabe (Fr)Essen.

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Erster Fintech Dokumentarfilm der Schweiz

Das Bankenland Schweiz sollte das perfekte Umfeld für die Entwicklung von «Financial Technology» (Fintech) sein. Doch unter den globalen Marktführern sind keine Schweizer FinTechs zu finden. Der Dokumentarfilmer Manuel Stagars sucht nach Antworten.

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Text: Rino Borini

Sie haben 41 Videointerviews mit Experten aus dem Fintech Bereich geführt und daraus die erste Dokumentation über die Fintech-Szene Schweiz gemacht. Warum haben Sie diesen riesigen Aufwand auf sich genommen?

Begonnen hat alles vor zwei Jahren, als ich für mein Buch über Crowdlending («Marketplace Lending, Financial Analysis, and the Future of Credit») diverse FinTech-Unternehmer und Risikoinvestoren in England und Amerika interviewte. In der Schweiz war FinTech damals ein Nischenthema – und ich fragte mich, warum das so ist. Denn das Bankenland Schweiz sollte doch das perfekte Umfeld für die Entwicklung von «Financial Technology» sein. Doch unter den globalen Marktführern sind keine Schweizer FinTechs zu finden. Um dieser Frage nachzugehen, führte ich diverse Videointerviews durch, die online hier abrufbar sind. Aus diesen ist der Dokumentarfilm «Fintech Made in Switzerland» entstanden.

Ist das pure Leidenschaft oder verdienen Sie damit Geld?

Fintech interessiert mich einfach, genauso wie das Medium Film. Diesen Dokfilm habe ich ohne Sponsorengelder produziert, was mir erlaubte, einen völlig unabhängigen Blick auf das Thema zu werfen. Geld habe ich mit diesem Projekt nicht verdient, das war aber auch nie das Ziel. Mein nächstes Projekt ist aber grösser und internationaler ausgerichtet und wird fremdfinanziert.

Warum interessieren Sie sich dermassen für das Thema Fintech? Finanzthemen gelten gemeinhin als wenig sexy.

In den vergangenen Monaten hat FinTech vermehrt Einzug in der breiten Öffentlichkeit gehalten. Letztendlich gehen Digitalisierung und die Evolution des Finanzsystems uns alle an. Sogar der Bundesrat setzt sich nun öffentlich mit FinTech auseinander. In einem Film ist es möglich, komplexe Themen ansprechend zu beleuchten, sofern man eine Leidenschaft dafür entwickeln und diese den Zuschauern vermitteln kann. In meinem Film geht es darum, die Dynamik der Schweizer FinTech-Szene weiterzugeben, die mich stark an meine eigene Zeit als Startup-Unternehmer in der Schweiz erinnert.

Was ist die Botschaft des Films?

Es ist eine Momentaufnahme eines Sektors, der an einem entscheidenden Wendepunkt steht. Die Richtung, die nun eingeschlagen wird, wird die Zukunft der Schweiz stark prägen. Der Film soll das greifbar machen. Insgesamt habe ich über 60 Stunden Gespräche geführt. Dabei kristallisierte sich eine klare Geschichte heraus: In der Schweiz haben wir viel Wissen und unternehmerisches Talent, doch um weiterzukommen, braucht es den Willen, gemeinsam etwas zu bewirken. Der Ausgang dieser Geschichte ist offen.

Nach all diesen Gesprächen sind Sie selber Fintech-Experte. Wie sehen Sie persönlich die Szene?

Als ich meine erste Firma gründete, war Unternehmertum unter 20-Jährigen eine Randerscheinung. Inzwischen gibt es zahlreiche Jungunternehmer, die gemeinsam mit Banken und Versicherungen Finanzdienstleistungen mit echtem Mehrwert entwickeln. Technisch und unternehmerisch sind sie auf hohem internationalem Niveau, sie haben ein hochprofessionelles Netzwerk und vertreten ihre Interessen gegenüber der Politik selbstbewusst. Das gefällt mir sehr gut.

Wo liegen die Hauptunterschiede zum Ausland?

Im Vergleich zu den USA und Asien, wo ich viele Jahre gelebt habe, gibt es hier relativ wenige FinTech-Startups, die eine radikale Evolution des Finanzsystems über die Landesgrenzen hinaus anstreben. Dabei hätte die Schweiz sehr gute Voraussetzungen, doch noch fehlt ein global erfolgreicher Leuchtturm. FinTech in der Schweiz ist aber auf dem besten Weg dazu. Ich bin optimistisch, dass Banken, etablierte Tech-Firmen und Start-ups zusammen Erfolg haben werden und dabei den Menschen wieder ins Zentrum der Finanzdienstleistungen stellen.

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Manuel Stagars ist in Zürich aufgewachsen. Er ist Regisseur, Autor, Ökonom und Unternehmer mit über 15 Jahren Erfahrung in Startup-Gründung und Beratung in der Schweiz, Amerika, Japan, und Singapur. Manuel hat an der London School of Economics and Political Science (LSE) studiert. Er ist zertifizierter Chartered Financial Analyst (CFA), Chartered Alternative Investment Analyst (CAIA), und Energy Risk Professional (ERP) und hat zahlreiche Bücher und wissenschaftliche Arbeiten über Startups, Crowdlending, Impact Investing, Datenqualität, und Open Data publiziert.

 

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Pictures of our first InsurTech conference in Switzerland

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Wie Liechtenstein mit FinTech umgeht

Fintech ist auch in unserem Nachbarstaat Liechtenstein auf dem Radar. Seit 2015 hat das «Ländle» sogar eine eigene Konferenz. Anders als in der Schweiz zeigt sich dort auch die Regierung. Ein Gespräch mit Co-Veranstalter David Meyer.

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Ihr organisiert zum zweiten Mal eine FinTech-Konferenz in Liechtenstein. Hat das «Ländle» überhaupt genügend Potenzial dafür?

Ob das Potenzial für eine Konferenz vorhanden ist, ist aus unserer Sicht erst einmal zweitrangig. Was wir aber sehen, ist das Potenzial für innovative, finanztechnologische Lösungen. Wir denken, dass es lediglich eines kleinen Anstosses bedarf. Diesen versuchen wir mit unserer Konferenz zu geben und damit auch weiterhin für das Thema Digitalisierung in der Finanzindustrie zu sensibilisieren.

Welches Potenzial meinst Du konkret?

Der Finanzplatz Liechtenstein bietet einfach die perfekten Voraussetzungen für FinTech. Er verfügt über stabile Strukturen und kurze Entscheidungswege zwischen den Beteiligten. Auch das verfügbare Kapital, um Ideen anzuschieben, ist für ein kleines Land wie Liechtenstein beachtlich.

Zudem gibt es hier eine Menge smarter Leute, die über jahrelanges Fachwissen im Finanzbereich verfügen. Dieses Wissen wird zusätzlich durch die Universität gestützt, die mit den Instituten Entrepreneurship, Wirtschaftsinformatik und Finanzdienstleistungen die optimale Schnittmenge für FinTech-Themen bietet.

Einige Finanzinstitute aus Liechtenstein kennt man auch hier. Aber wie sieht eure FinTech-Szene konkret aus?

Hier muss man fairerweise zugeben, dass die Szene noch in den Kinderschuhen steckt. Daher orientieren wir uns, was das Programm unserer Konferenz angeht, überwiegend an den umliegenden Ländern wie beispielsweise der Schweiz oder Deutschland.

Allerdings gibt es auch schon ein paar vielversprechende Unternehmen wie beispielsweise Tradico, SynoFin oder yourSRI. Wir hoffen aber natürlich auch, dass wir durch unseren Event weitere potenzielle Gründer dazu ermutigen können, sich den Herausforderungen des Unternehmertums zu stellen.

Wie verhält sich der Regulator zum Thema FinTech?

In unseren Augen steht die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA) dem Thema sehr positiv gegenüber. Sie versucht sich als kompetenter Ansprechpartner zu präsentieren und hat eigens für FinTech-Themen ein Regulierungslabor eingerichtet. Es wird also viel Wert auf den Austausch mit allen Finanzplatz-Akteuren gelegt. Das sieht man schon an der Tatsache, dass die FMA auf unserem Event als Kooperationspartner auftritt und einen halben Tag regulatorische Themen in Bezug auf FinTech diskutiert. Darunter sind dann auch Themen wie beispielsweise «Kann man die Blockchain regulieren?»

Anders als in der Schweiz zeigt sich der Regierungschef an der Konferenz. Was ist die Absicht dahinter?

Die Regierung hat sich seit etwa einem Jahr verstärkt das Thema Wettbewerbsfähigkeit durch Innovationen auf die Fahnen geschrieben. Da der Bereich Finanzdienstleistungen einen wichtigen Eckpfeiler der liechtensteinischen Wirtschaft darstellt, lag es nahe, sie auch für das Thema FinTech zu begeistern. Dass der Regierungschef nun auch auf der Konferenz spricht, zeigt in unseren Augen, dass das Thema sehr ernst genommen wird.

Könnten wir Schweizer von Euch etwas lernen oder umgekehrt?          

Meine persönliche Meinung ist, dass man von jedem immer etwas lernen kann. In diesem konkreten Fall finde ich es beeindruckend, dass wir bei der Regierung und der FMA mit unserem Konzept von Anfang an auf offene Ohren gestossen sind. So konnten wir jederzeit mit der Unterstützung von ihrer Seite rechnen. Gerade diese kurzen Wege können ein entscheidender Faktor für Liechtenstein sein.

Umgekehrt habt ihr aber sicher ein paar Jahre Vorsprung, was die Entwicklung der FinTech-Szene angeht. Ich denke, der Finanzplatz Liechtenstein wird weiterhin genau beobachten, was in der Schweiz passiert und schauen welche Konzepte in ähnlicher oder abgewandelter Form auch für Liechtenstein interessant sein könnten.

David Meyer ist gelernter Bankkaufmann und studierter Betriebswirt. Im Jahr 2015 hat er gemeinsam mit Tobias Fitz das Branchenportal FinTech.li ins Leben gerufen und veranstaltet seitdem die FinTech-Konferenz Liechtenstein.

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FinTech made in Switzerland

Im Fintech-Bereich läuft inzwischen viel in der Schweiz. Vielleicht fast zu viel – oder die Aktivitäten sind zu wenig koordiniert. Mit diversen Gesprächen mit Finanzexperten möchte der Autor Manuel Stagers das Fintech-Ökosystem beschreiben: Fintech made in Switzerland

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Wie steht es um das Schweizer Fintech Ökosystem? Dieser Frage geht der Dokumentarfilm FinTech Made in Switzerland von Manuel Stagars nach. Zu den Gesprächspartnern zählen Start-up-Gründer, Vordenker im Finanzsektor, Banker, Politiker und Finanzexperten. Auch zwei Co-Gründer der Finance 2.0-Konferenzen sind dabei.

Investor Marc P. Bernegger begrüsst die unterschiedlichen (Förderungs-)Aktivitäten in der Schweiz, doch letztlich komme eine prosperierende und erfolgreiche Fintech-Szene Schweiz nur durch mutige Gründer mit innovativen und erfolgreichen Unternehmen zustande. Er bemängelt, dass oftmals fehlende «think big» Denken in der Schweizer Gründerszene.

Rino Borini sieht in der ganzen Fintech-Entwicklung eine Riesenchance für Banken und Versicherungen, aber insbesondere auch für das globale Finanzsystem, Stichwort Cryptofinance. Letztlich geht es um Demokratisierung der Finanzdienstleistungen und vor allem um ein stabileres, effizienteres und somit besseres Banking. Er bemängelt das  in der Schweiz fehlende (digitale) Leadership-Denken auf oberster Führungsebene und fehlendenden Unternehmergeist.

Der Dokumentarfilmer Manuel Stagars hat noch weitere Experten zu Fintech befragt. Die Videogespräche finden Sie hier.

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Robo advisor: More banking for less money

It all started with fully automated stock exchanges. The next step is digital managers (robo advisors). The winners are the clients.

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Text: Rino Borini and Adriano B. Lucatelli

The global financial industry is facing the challenge of having to completely rethink its business models and adapt them to the new digital and mobile reality. This development encompasses new, disruptive peer-to-peer technologies (from computer system to computer system) such as Blockchain which will revolutionise the worldwide financial market infrastructure.

Retail banking is already feeling the pressure acutely. But even in the wealth management business and the product lab, asset management, the changes will be fundamental. Technology-based applications enable financial services to be delivered direct to customers. The potential is enormous, and it also makes the middleman superfluous.

Customers want to benefit from this new simplicity, transparency and flexibility. They want to have access to their assets around the clock, for information or management purposes, regardless of their location and the device they’re using. The interface between customers and banks is being redefined.

Back to the future

It’s nothing new for wealth and asset management to be facing challenges. A whole twenty years ago the Swiss stock exchange launched the world’s first fully electronic stock exchange. Physical open outcry trading was made obsolete. Every step in the process, from stock exchange orders to settlement, was completely automated.

The next evolutionary step in the democratisation of investing was taken by the fund industry. When the first exchange traded funds (ETFs) hit the market, the powerful active fund industry didn’t even dignify the new competition with a weary smile. Now the ETF industry manages more than 3 trillion US dollars, with double-digit annual percentage growth – rates active funds can only dream of.

Now, so-called robo advisory platforms allow even greater automation. They (robo advisor) manage their clients’ wealth with the help of algorithms, and offer an unprecedented customer experience. It should be pointed out that the term “robo” is somewhat misleading, because it’s still people who are behind the platforms. But first things first.

ETF blaze the trail

Before a client can become a user of a robo advisor in the first place, their ability to take risks is assessed using an online questionnaire. On the basis of the resulting investor profile, within seconds the algorithm works out a suitable asset allocation. In most cases the foundation of this asset allocation is around half a dozen standard portfolios that are adapted to different risk aptitudes (from conservative and balanced to aggressive). These portfolios are modelled with ETF. The investor benefits from low fees and a great deal of freedom, since index funds, like shares, can be traded on any stock exchange trading day.

These digital managers practice what seasoned investment pros have been preaching for years: managing assets according to stringent criteria, and keeping emotions out of the equation. Many bankers sneer at these digital managers, but what many financial experts don’t understand is that the new reality isn’t developing on a linear basis, but exponentially.

Thanks to these platforms, investors with a certain minimum amount can invest their assets like the pros. But the (r)evolution has only just begun. Technological advances will enable customers to be analysed better and more accurately with the help of behavioural economics and gamification approaches.

But that’s only one side of the coin. It gets really exciting when you package different scientific and tried-and-tested investment strategies. As soon as a strategy displays a clear set of rules it can be used as the basis for an algorithm and be integrated in a digital asset management platform.

The cornerstone was laid several decades back by leading economists such as Markowitz, Fama and French. It’s only now, thanks to access to real-time market data and steady technological progress, that it’s possible to model scientific theories digitally and implement them physically with securities. The way was paved by cost-efficient ETF.

Pure democratisation

With this development, what you might call Robo Advisory 2.0, implementing things like momentum, risk minimisation, size effect and value strategies is no problem. And that’s not all: as soon as you’ve set up the technology and defined the interfaces, the logical next step is to package client-specific investment strategies. To do so you no longer need the expensive shell of a fund. As we’ve already mentioned, any rules-based strategy can be digitised. This doesn’t necessarily have to happen via ETFs; you can also do it with individual securities, all over the world.

This opens up completely new possibilities for customers, and in future there will be no need for collective vehicles such as funds or ETFs. Between the provider and the client there is a co-engagement, which translates into pure democratisation.

Robo-Grafik

Quelle: A.T. Kearney

Undreamed-of possibilities

Not yet foreseeable, but by all means realistic, is the fourth stage of development. Thanks to artificial intelligence it won’t be just the interface between robo advisors and customers that is redefined, but the interfaces to other customers. Say hello to social investing. People can take investment strategies and stock exchange transactions as inspiration for their own portfolios. Or they can replicate the portfolio of other successful investors one-for-one.

One criticism often levelled in this connection is the lack of advice. Naturally there are many people who don’t want to do without personal advice. And indeed we’re already seeing the first signs of hybrid models. Digital or analogue, it doesn’t really matter – both routes are possible. Ultimately it’s the customer who decides how much they want to do digitally – at lower cost – and what parts of their assets they want to manage with the support of an advisor.

The future belongs to hybrid models and completely digital platforms. The big winners among all this progress are the customers, who get more banking at lower cost. But the most important point is this: customers get much more flexibility when it comes to managing their assets.

Rino Borini, CEO of financialmedia Ltd. and member of the board of directors of Descartes Finance; Adriano B. Lucatelli, chairman of Descartes Finance.

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Hochschulen rüsten Banker für die Zukunft

Der digitale Wandel wird besonders im Banking grosse Veränderungen mit sich bringen. Um sich für die Herausforderungen zu wappnen und mit den Entwicklungen Schritt halten zu können, bieten die Schweizer Hochschulen passende Lehrgänge an.

Text: Barbara Kalhammer

Die Digitalisierung wird den gesamten Bankensektor umkrempeln und die Geschäftsmodelle der Institute stark verändern. Davon betroffen sind natürlich auch die Arbeit sowie die Aufgaben der  Bankangestellten. Den Bankberater in seiner heutigen Form wird es in einigen Jahren wohl nicht mehr geben (siehe auch: Digital Banking: Auf allen Kanälen).

Auch Andreas Kubli, Leiter Multichannel Management & Digitization bei UBS Schweiz, sagte kürzlich im Interview (Banken haben viel zu verlieren), dass sich die Rolle des Bankers in der Beratung klar verändern werde: «Reine Administrationsarbeit und einfache Tätigkeiten erfolgen künftig digital». Darüber hinaus erwarte der Kunde, dass er Bankgeschäfte über alle Kanäle hinweg nahtlos abwickeln könne.

Noch drastischer fomuliert die Citibank die Aussichten für die Bankenbranche. In der Studie Digital Disruption geht das Institut davon aus, dass in den nächsten zehn Jahren bis zu 30 Prozent der Bankangestellten ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Genauer gesagt wird die Zahl der Mitarbeiter in den USA von 2,9 im Jahr 2015 auf 1,8 Millionen in 2025 sinken.

In Europa soll die Zahl sogar von 3,26 auf 1,82 Millionen zurückgehen. Der Wegfall wird vor allem dadurch erklärt, dass Start-Ups unterschiedliche Finanz-Leistungen übernehmen werden. Bereits heute wächst die Fintech-Branche mit grossen Schritten.  Die weltweiten privaten Investitionen in den Bereich beliefen sich im vergangenen Jahr bereits auf 19 Milliarden Dollar.

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Quelle: Source: ECB, United States Bureau of Labor Statistics, Citi Research estimates

Gemäss der Hochschule Luzern werden aber nicht nur viele Arbeitsplätze verloren gehen, sondern auch neue Jobprofile entstehen. Beispiele dafür sind die Beratung über Videochat, die Begleitung des Onboarding Prozesses von der Serviceseite aus, die Erstellung und Vermarktung von kundenrelevantem Content oder der Ausbau des Kundenservice-Centers.

Noch ist der Einfluss der digitalen Disruption aber gering. Gemäss der Citibank-Studie wurde bislang  nur 1 Prozent des Umsatzvolumens des nordamerikanischen Privatkundengeschäfts von Banken auf digitale Modelle übertragen. Allerdings gehen die Studienautoren davon aus, dass der Höhepunkt der digitalen Revolution erst noch bevorsteht.

Um sich für diese Entwicklungen zu wappnen, gilt es nun sich für die Zukunft zu rüsten. Dazu werden hierzulande bereits drei CAS Digital Banking angeboten, von der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ), der Hochschule Luzern (HSLU) und von der Kalaidos Fachhochschule Schweiz.

«Es ist absolut wichtig, dass die Banken ihre Mitarbeiter fit machen für die neue Realität: Banking wird digital und social», sagt Rino Borini, externer Studiengangsleiter HWZ Digital Finance (und Mitgründer der Finance 2.0). Der HWZ Lehrgang ist in vier Module unterteilt: Digital Mindset, Technology, Products & Services und Customer Experience. «Wir haben den Lehrgang aus Sicht des Kunden aufgebaut», erklärt Borini. Dadurch könnten die künftigen Banker 2.0 verstehen, welche Anforderungen dieser hat. Ebenfalls zentral sind ein neues Leadership Verständnis, welche Technologien künftig das Banking verändern oder wie altgebackene Produkte und Dienstleistungen in Zukunft verpackt werden. Und Banking würde nun auch anderen, wie den jungen Fintech Start-ups, gehören.

Der Umgang mit Fintech-Unternehmen ist auch beim Lehrgang der HSLU ein wichtiges Thema. Darüber hinaus gelten die Themen der Beantwortung der Frage der grundlegenden Digitalisierungsstrategie und der idealen Organisationsform im Unternehmen, sowie eine Anpassung der Prozesse an der Kundenschnittstelle nach dem Prinzip der idealen Customer Journey und die Neugestaltung des Produkt- und Servicemixes der Bank. «Der CAS Digital Banking versetzt Führungskräfte in Banken in die Lage, die Veränderung zu erkennen, Chancen und Risiken abzuwägen und aktiv die geforderten Kompetenzen in der eignen Bank aufzubauen», erklärt HSLU-Studienleiter Nils Hafner.

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Schweiz muss digitale Zukunft in Angriff nehmen

Die Schweiz hinkt im internationalen Vergleich in vielen Bereichen hinterher. Das zeigt eine aktuelle Studie der Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne und definiert die wichtigsten Aufgaben um die Digitalisierung voranzutreiben. Nun muss endlich an Lösungen gearbeitet werden.

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Text: Barbara Kalhammer

Dass die Digitalisierung die Gesellschaft sowie die Wirtschaft fundamental verändert, ist längst bekannt. Um den Status quo der Schweiz zu zeigen und Lösungsansätze für die Zukunft zu bestimmen, hat die Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne (EPFL) im Auftrag von SIX und Swisscom eine Studie durchgeführt. Die Ergebnisse dazu wurden in Bern präsentiert:

Untersucht wurden verschiedene Bereiche wie die Netzwerkinfrastruktur, der Datenschutz, das Start-up-Umfeld, die öffentliche Hand und die Gesellschaft. Im internationalen Vergleich ist die Schweiz zwar in vielen Bereichen konkurrenzfähig, aber die Führung haben andere Staaten übernommen. Betreffend Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Digital Economy wird die Schweiz noch wenig wahrgenommen, heisst es in der Studie.

Professor Christopher Tucci von der EPFL gibt zahlreiche Ratschläge mit dem auf den Weg, um die Schweiz für die Zukunft zu wappnen.

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Besonders im Bereich der Start-ups ist die Marktattraktivität der Schweiz im internationalen Vergleich geringer. Die EPFL sieht besonders bei der Finanzierung und der Besteuerung Potenzial, das Umfeld für Start-ups zu verbessern.

Die wichtigsten Themen für die Zukunft sind somit das Vorantreiben des Ausbaus des mobilen Breitbands, die Schaffung einer nationalen Dateninfrastruktur, Verbesserung der kantonalen Steuerpolitik und neue Finanzierungsmechanismen für Start-ups.

Die Studie fasst die aktuelle Lage und die wichtigsten Aufgaben gut zusammen, doch ehrlich gesagt sind diese To-Dos längst bekannt. Nun wird es aber Zeit endlich die erwähnten Punkte in Angriff zu nehmen. Erste Schritte in diese Richtung, beispielsweise im Bereich der Regulierung und Besteuerung wurden schon in Angriff genommen. Dennoch – die Schweiz kann mehr! Und wie der Professor sagt: «It`s not too late.» Die Zeit der ewigen Studien ist vorbei, das Motto der Zukunft lautet: «Less paper, more pepper.»

Die gesamte Studie können Sie auf der Webseite der SIX nachlesen.

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Robo Advisory: Gewinner sind die Kunden

Am Anfang war die vollautomatische Börse. Der nächste Schritt sind digitale Vermögensverwalter. Der Kunde gewinnt: Mehr Banking für weniger Geld.

Text: Rino Borini (financialmedia AG), Adriano Lucatelli (Descartes Finance AG)

Die globale Finanzindustrie ist gefordert,  ihre  Geschäftsmodelle grundlegend zu überdenken und der neuen digitalen und mobilen Realität anzupassen. Dazu zählen neue disruptive Peer-to-Peer-Technologien (von Computer- zu Computersystem) wie zum Beispiel Blockchain, die die weltweite Finanzmarktinfrastruktur revolutionieren werden. Im Retail Banking ist der Druck bereits stark spürbar, doch auch im Geschäft mit der Vermögensverwaltung und in der Produktschmiede, dem Asset Management, werden die Veränderungen fundamental sein. Dank technologiebasierten Anwendungen können Finanzdienstleistungen direkt an die Kunden erbracht werden. Das Potenzial ist enorm und ­bedeutet auch, dass der Mittelsmann ausgeschaltet wird.

Die Kunden wollen von dieser neuen Einfachheit, Transparenz und Flexibilität profitieren. Sie wollen rund um die Uhr, ortsunabhängig und von jedem Endgerät auf ihr Vermögen zugreifen können, sei es zu Informations- oder zu Verwaltungszwecken. Die Schnittstelle zwischen Kunde und Berater wird neu definiert.

Zurück in die Zukunft

Dass Wealth und Asset Management gefordert sind, ist nicht neu. Bereits vor zwanzig Jahren lancierte die Schweizer Börse die weltweit erste vollelektronische Börse. Der physische A-la-criée-Börsenhandel wurde obsolet. Sämtliche Prozesse, vom Börsenauftrag bis zur Abwicklung, wurden komplett automatisiert.

Den nächsten Entwicklungsschritt der Demokratisierung des Anlegens vollzog die Fondsindustrie. Als im Jahr 1993 die ersten börsengehandelten Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF) auf den Markt kamen, hatte die mächtige aktive Fondsbranche für die neue Konkurrenz nicht einmal ein müdes Lächeln übrig. ­Inzwischen verwaltet die ETF-Branche über 3 Bio. $, und das prozentuale jähr­liche Wachstum ist zweistellig. Aktive Fonds können von solchen Zuwachs­raten nur träumen.

Noch mehr Automatisierung erlauben die sogenannten Robo Advisory Platt­formen. Sie verwalten das Kundenvermögen mithilfe von Algorithmen und bieten ein noch nie dagewesenes Kundenerlebnis. Wobei der Begriff «Robo» etwas irreführend­ ist, denn hinter den Plattformen stehen weiterhin Menschen. Doch der Reihe nach.

Wegbereiter ETF

Bevor der Kunde überhaupt Nutzer eines Robo Advisor werden kann, wird seine ­Risikofähigkeit mithilfe eines Online-Fragebogens eruiert. Anhand des so entstandenen Anlegerprofils berechnet der Algorithmus binnen Sekunden eine passende Vermögensaufteilung. Die Grundlage für die Asset Allocation bildet meist ein halbes Dutzend Standardportfolios, die an die unterschiedlichen Risikoneigungen (von konservativ über ausgewogen bis zu aggressiv) angepasst werden. Abgebildet werden die Portfolios mit ETF. Der Investor profitiert damit von niedrigen Gebühren und einer grossen Freiheit, da Indexfonds, genauso wie Aktien, börsentäglich gehandelt werden können.

Diese digitalen Verwalter setzen das um, was gestandene Anlageprofis seit jeher proklamieren: das Vermögen nach strengen Kriterien verwalten und Emotionen ausschliessen. Noch belächeln zahlreiche Banker die digitalen Verwalter, doch was viele Finanzexperten nicht verstehen: Die neue Realität entwickelt sich nicht linear, sondern exponentiell. Dank diesen Plattformen können Anleger ab einem bestimmten Mindestbetrag ihr Vermögen so investieren, wie es Profis tun. Doch die (R)Evolution steht erst am Anfang. Technologische Fortschritte werden dafür sorgen, dass die Kunden mithilfe von Verhaltensökonomie und Gamification-Ansätzen besser und schärfer analysiert werden können.

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Spannend ist das Verpacken unterschiedlicher wissenschaftlicher und praxiserprobter Anlagestrategien. Sobald eine Strategie ein klares Regelwerk aufweist, kann sie die Grundlage eines Algorithmus bilden und in eine digitale Vermögensplattform integriert werden

Den Grundstein haben führende Ökonomen wie Markowitz, Fama oder French bereits vor mehreren Jahrzehnten gelegt. Erst dank Zugang zu Real-Time-Marktdaten und dank stetigen technologischen Fortschritten ist es aber möglich, die wissenschaftlichen Theorien digital abzubilden und mit Wertpapieren physisch umzusetzen. Den Weg dazu frei gemacht haben die kosteneffizienten ETF.

Demokratisierung pur

Mit dieser Weiterentwicklung, sozusagen Robo Advisory 2.0, sind beispielsweise Momentum-, Risikominimierungs-, Size-Effect- oder Value-Strategien problemlos umsetzbar. Damit nicht genug: Sobald die Technologie aufgesetzt ist und die Schnittstellen definiert sind, ist der logische Entwicklungsschritt, kundenspezifische Anlagestrategien zu verpacken. Dazu braucht es keine teure Fondshülle mehr.

Wie erwähnt kann jede regelbasierte Strategie digitalisiert werden. Das muss nicht zwingend mithilfe von ETF geschehen, sondern ist auch mit Einzeltiteln möglich, und zwar weltweit. Dadurch erhält der Kunde ganz neue Möglichkeiten, auf eine Kollektivierungsanlage wie Fonds oder ETF kann künftig verzichtet werden. Zwischen Anbieter und Kunde entsteht ein «Co-Engagement» – das ist Demokratisierung pur.

Noch nicht absehbar, aber durchaus realistisch ist der vierte Entwicklungsschritt. Dank künstlicher Intelligenz wird nicht nur die Schnittstelle zwischen Robo Advisor und Kunde neu definiert, sondern auch diejenige zu anderen Kunden, Stichwort Social Investing. Anlagestrategien und Börsentransaktionen können für ­andere Kunden als Inspirationsquelle für das eigene Portfolio dienen. Oder sie replizieren das Portfolio anderer erfolgreicher Investoren gleich eins zu eins.

Ein oft genannter Kritikpunkt der Robo Advisory Plattformen ist die fehlende Beratung. Selbstverständlich gibt es eine Vielzahl von Kunden, die auf die persönliche Beratung nicht verzichten wollen. So sind bereits erste Entwicklungen von hybriden­ Modellen sichtbar. Ob nun digital oder analog, beide Wege sind möglich. Denn letztlich entscheidet der Kunde, wie viel er digital umsetzen will – und das zu reduzierten Kosten – und welche Vermögensteile er mit der Unterstützung eines Beraters verwalten will.

Den hybriden Modellen und den komplett digitalen Plattformen gehört die Zukunft. Die grossen Gewinner dieses Fortschritts sind die Kunden. Sie bekommen mehr Banking zu tieferen Kosten. Der wichtigste Punkt aber ist: Der Kunde erhält viel mehr Flexibilität in der Verwaltung seines Vermögens.

Adriano Lucatelli ist Gründer & Verwaltungsratspräsident von Descartes Finance AG. Rino Borini ist Co-Gründer Finance 2.0 und Verwaltungsrat bei Descartes Finance AG. 

Dieser Artikel ist aus der Sonderbeilage «Private Banking» der «Finanz und Wirtschaft» vom 30. April

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Fintech ist die Zukunft der Schweiz

Der Swiss Fintech & Digitization Day setzt einen Meilenstein in der Schweizer Finanzbranche. Banken und Fintechs müssen endlich aufeinander zugehen und an der Zukunftsfähigkeit des gesamten Finanzplatzes arbeiten, betont Christina Kehl. Doch auf vielen Ebenen besteht dringender Nachholbedarf.

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Text: Barbara Kalhammer

Bislang hat die Politik der Schweizer Fintech-Szene nur ein müdes Lächeln geschenkt, doch nun kommt Bewegung in die Sache.

Genau so ist es. Mit dem Swiss Fintech & Digitization Day haben wir einen wahren Meilenstein für unsere Branche in der Schweiz gesetzt. Der Finanzplatz ist eine, wenn nicht DIE tragende Säule der Schweizer Wirtschaft. Und in Zukunft wird eine Finanzbranche ohne Fintech nicht mehr vorstellbar sein. Daher war es höchste Zeit, dass Fintechs und Banken hierzulande einen grossen Schritt aufeinander zugehen und künftig stärker als Teil einer gemeinsamen Branche agieren, statt getrennt zu denken.

Wie hat Swiss Finance Startups (SFS) es geschafft, den Fokus von Bundespräsident Johann Schneider-Ammann auf das Thema zu lenken?

Das war in der Tat ein längerer Prozess, denn Herr Schneider-Ammann – die Politik allgemein – hat viele Themen auf der Agenda, die Beachtung verlangen. Mir war aber von Anfang an klar, dass wir Erfolg haben werden.

Warum?

Fintech ist schon lange kein blosser Hype mehr, sondern eine kontinuierliche und schnelle Entwicklung. Auch wenn viele grosse Banken und Versicherungen dies inzwischen erkennen, so sind es doch die Start-ups, die diese Entwicklung treiben. Und gerade als Start-up-Standort hat die Schweiz im internationalen Vergleich noch viel Nachholbedarf. Als einer der wichtigsten Finanzplätze der Welt haben wir hier ein riesiges Potenzial, das genutzt werden will.

Wir als SFS haben der Politik dieses Potenzial aufgezeigt. Die enorme Resonanz, die wir erhalten, bestätigt uns darin. Mit der Schweizer Bankiervereinigung konnten wir einen grossartigen Veranstaltungspartner gewinnen und einmal mehr deutlich machen, dass es in Zukunft vielmehr auch um Zusammenarbeit statt um Konkurrenz geht.

Welche Anliegen sollen am 2.Mai an den Mann gebracht werden?

Wir sehen in Fintech die Zukunft der Finanzbranche und damit auch die Zukunft der Schweiz. Fintech ist Start-up-getrieben, daher heisst Fintech-Förderung auch Startup-Förderung. Wir können viel von Metropolen wie London, Berlin oder New York lernen und sollten uns nicht dauerhaft abhängen lassen. Es geht bei Weitem nicht nur um finanzielle Förderung, auch steuerliche Regelungen und viele bürokratische Hürden wirken sich hierzulande derzeit gar als Start-up-Killer aus. Dabei könnte die Schweiz als Ganzes von einer gesunden Star-tup-Umgebung stark profitieren. Wir werden uns mit dem Bundespräsidenten zusammensetzen und genau die Punkte auf den Tisch bringen, die es anzupacken gilt.

Was soll an dem Tag erreicht werden?

Dieser Tag ist unser grosser Auftakt, der eine langfristige Entwicklung in Gang setzen soll. Wir Start-up-Vertreter wollen gemeinsam mit den grossen Corporates und Banken an der Zukunftsfähigkeit des gesamten Finanzplatzes arbeiten. Denn es wird in Zukunft keine Finanzbranche mehr ohne Fintech geben, Fintech gehört untrennbar zum Finanzsektor. Daher ist der Swiss Fintech & Digitization Day unser gemeinsamer grosser Tag und ein Schritt in die Zukunft.

Was und wer steckt hinter dem ersten Fintech-Verband der Schweiz? Welche Ziele verfolgt er?

Fintech-Gründer sind mutige Vorreiter, die sehr nah am Konsumenten von heute dran sind. Im Gegensatz zu Grosskonzernen denken sie meist aus Nutzersicht und kreieren völlig neue Geschäftsmodelle, die tradierte Systeme teilweise komplett umkrempeln. Gerade in der Schweiz ist es für Start-ups neben den grossen Playern und alteingesessenen Bankhäusernhäufig schwer, Gehör zu finden. SFS ist die Stimme der Fintech-Start-ups. Wir fokussieren deren Anliegen und arbeiten daran, dass siegehört werden. Der Swiss Fintech Day ist dabei nur ein Beispiel.

Was sind die weiteren Aufgaben?

Wir widmen uns ausserdem der Vernetzung der Fintechs untereinander, aber auch der Draht zum klassischen Finanzplatz ist uns wichtig. Denn wie bereits erwähnt, glauben wir, dass wir alle mehr erreichen können, wenn wir uns weniger als Gegner verstehen. Die Denkweise von «Oldschool vs. New Economy» hat längst ausgedient.

Unterstützen Sie die Start-ups auch konkret?

Ja, eine dritte Säule unserer Tätigkeiten besteht darin, Start-up-Gründer ganz direkt zu fördern. Wir sind ein Verband von Gründern für Gründer, das heisst, wir kennen die Herausforderungen, die Unternehmern gerade in der Anfangsphase begegnen. Und wir alle kennen die Schar an Consultants, die sich gerne für teueres Geld anbietet. Wir haben in unseren Reihen einen breiten Erfahrungsschatz, den wir mit unseren Mitgliedern teilen wollen.

Was muss sich in der Schweiz ändern?

Die Schweizer Wirtschaft ist eher traditionell geprägt. Grosskonzerne und alteingesessene Bankhäuser sind seit Generationen bestimmend. Die Start-up-Kultur ist relativ neu, sie ist jung, sie ist schnell, sie ist digital, sie ist international. Die Rahmenbedingungen hierzulande stehen einer Entwicklung dieser Kultur im Weg. Gründer sehen sich mehr Hürden als Hilfen gegenüber.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Die Zürcher Start-up-Steuer ist nur ein Beispiel, wie junge Unternehmer an andere Standorte getrieben werden. Eine Besteuerung entsprechend der Bewertung aus Finanzierungsrunden wird von uns stark kritisiert und auch, wenn Teile dieser Regelung bereits entschärft wurden, so sind wir doch weit entfernt von einem Rahmen, der Start-ups bei der Entwicklung hilft, statt sie zu bremsen.

Wo besteht ausserdem Handlungsbedarf?

Junge Menschen arbeiten heutzutage überall auf der Welt. In der Welt der Start-ups ist es nicht wichtig, welchen Pass ein Mensch mitbringt, sondern welche Fähigkeiten. Wenn es um eine Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis geht, dann kann es in der Schweiz schnell sehr kompliziert werden. Andere Länder sind viel offener und erleichtern das Recruiting von internationalen Talenten. Dies sind nur ausgewählte Punkte – die Liste, die wir bearbeiten wollen, ist deutlich länger.

Der Schweizer Finanzplatz ist einer der grössten der Welt. Welche Rolle nehmen in diesem Umfeld die Fintechs ein?

Fintechs werden in der Schweiz noch immer deutlich unterschätzt. Dies hat erst kürzlich die Hochschule Luzern in einer Studie wieder festgestellt. Fintechs bringen nicht nur neue Ideen und Modelle auf den Markt, sie sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Während in anderen Bereichen teilweise Personal abgebaut wird, schaffen Fintechs neue Arbeitsplätze und zwar Jahr für Jahr mehr. So hat sich die Anzahl der Fintech-Unternehmen seit 2010 versiebenfacht und wir sehen keine abnehmende Tendenz in dieser Entwicklung. In Zukunft werden die Finanzplätze der Welt dort zu finden sein, wo die Fintechs sind. Daher ist es höchste Zeit, dass die Schweiz in Bewegung kommt.

Warum kommt die Schweiz im Vergleich zu London nur so langsam weiter?

Es sind einerseits die bereits genannten regulatorischen Rahmenbedingungen, die in der Schweiz einen eher bremsenden als fördernden Effekt haben. Aber ich denke, dass es auch eine Mentalitätsfrage ist. Nicht umsonst kennen wir den Ausdruck des Selfmade Man aus dem Angelsächsischen. Unternehmergeist und Entrepreneurship sind dort wohl tiefer verwurzelt als hierzulande.

Gibt es noch andere Gründe?

Durchaus, die sogenannte Kultur des Scheiterns in der Schweiz noch nicht wirklich angekommen. In England oder den USA beispielsweise wird gesellschaftlich honoriert, wer wagt. Und nicht nur, wer gewinnt. Eine Insolvenz ist nicht gleichbedeutend mit dem Karriereende, in der Schweiz aber ist die Gefahr höher, dass ein Makel haften bleibt. Erfolgreich Karriere machen soll daher möglichst risikolos erfolgen, man strebt einen hochdotierten Posten in einem der bestehenden Grosskonzerne an, statt auf eigene Faust ein Unternehmen aus dem Boden zu stampfen.

Wie sieht die richtige Mischung aus Konkurrenzkampf oder Kooperation aus, um innovativ zu sein und die Entwicklungen voranzutreiben?

Mutig muss man sein und hartnäckig. Innovationen fallen nicht vom Himmel, selbst einen Geistesblitz kann ich nur mit viel Mut und Ausdauer erfolgreich umsetzen. Von Konkurrenzkampf halte ich nicht viel. Ich glaube, dass die besten Ergebnisse in Kooperation entstehen. Wer immer nur gegeneinander arbeitet, der blockiert.

Welche Chancen und Risiken lauern auf Unternehmer?

Wer den Schritt ins Unternehmertum wagt, hat immer das Risiko, zu scheitern, finanziell, aber auch persönlich. Unternehmer sind sehr viel stärker mit ihrer Idee verknüpft als ein Angestellter. Wenn sich diese Idee als nutzlos erweist, ist dies immer auch eine persönliche Niederlage. Auf der anderen Seite besteht die Chance, selbst wirklich etwas zu bewegen, durch Eigeninitiative etwas ganz Eigenes zu etablieren. Aus einer Niederlage kann man lernen und somit am Ende sogar profitieren. Man kann nicht nur eigene Ideen umsetzen, man schafft sich auch die eigenen Strukturen. Ein Unternehmen nach eigenen Vorstellungen aufzubauen, ist eine unvergleichbare Erfahrung. In einem Konzern wird man nie Gestaltungsmöglichkeiten in solchem Rahmen finden.

Abschliessend Frau Kehl, warum setzten Sie sich so aktiv für die Branche ein?

Ich bin von Herzen Unternehmerin und ich liebe die Schweiz. Ich liebe es, neue Wege zu gehen und wenn nötig auch Mauern einzureissen. Die Fintech-Branche ist meine unternehmerische Heimat, ich fühle mich ihr sehr verbunden. Ausserdem bin ich überzeugt von der zunehmenden Wichtigkeit dieser Branche, die künftig unser alleren Alltag mitbestimmen wird und zwar weltweit.

Welche Potenziale sehen Sie und welche Visionen haben Sie?

Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen können, den hiesigen Finanzplatz so zu transformieren, dass in Zukunft auf der Fintech-Weltkarte eine grosse Fahne auf dem Gebiet der Schweiz stecken wird.

Christina Kehl, Start-up-Gründerin von Knip und Initiantin des Netzwerks Swiss Finance Startups

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Crowdfunding auf dem Weg von Glamour zu Business

Der Report «Current State of Crowdfunding in Europe» nimmt die Entwicklungen im Markt für Peer-to-Peer-Finance unter die Lupe. Andreas Pages von Swisscom fasst im Interview die wichtigsten Erkenntnisse zusammen und zeigt auf vor welchen Herausforderungen der Markt steht.

Crowdfunding
Text: Barbara Kalhammer

Wie hat sich der europäische Crowdfunding-Markt 2015 entwickelt?

Ein weiteres Wachstum war zu erwarten. Die Bereiche haben sich jedoch unterschiedlich entwickelt. So wächst das Lending weiterhin am stärksten, während die Entwicklung im Supporting/Reward eher ein geringes Wachstum zeigt.

Wichtig ist aber, wie im Report Current State of Crowdfunding in Europe erstmalig festgehalten, dass bei der Entwicklung im Crowdfunding nicht nur auf die Umsatzzahlen eingegangen wird. Betrachtet werden sollte die Kombination mehrerer Faktoren wie Diversity, Approach Banking, Consumer Interest und die unterschiedlichen Ausprägungen im Crowdfunding.

Welche Faktoren sind für die Entwicklung entscheidend?

Eine Kombination mehrerer: Grösse des Marktes, Bekanntheit beziehungsweise Verständnis über Peer-to-Peer Finance, Unterstützung der Politik und Regularien, die diese Form von Finanzierung zulassen.

Welche Rolle spielt die Regulierung? 

Hierzulande spielt sie eine sehr wichtige Rolle. Echtes Crowdlending ist in der Schweiz bisher nicht möglich, aus rein regulatorischen Gründen.

Was sind die weiteren Schwierigkeiten?

Tendenziell bieten Crowdfunding Plattformen eine hohe Transparenz. Aber es wird eine Herausforderung sein, sich auf einheitliche Kriterien zu einigen und damit einen Standard für die ganze Industrie zu schaffen. Weitere Herausforderungen sind Unterstützung aus der Politik, Regularien für Peer-to-Peer Finance und das Schaffen von Steueranreize, um Investitionen attraktiver zu machen.

Welche Gefahren bestehen dabei?

Der Druck wächst. Wir haben (zu) viele Plattformen in der Schweiz. Ausländische Anbieter drängen auf den Markt. Eine der grössten Herausforderung liegt wohl in der Skalierung des Geschäftsmodells. Crowdfunding verliert langsam den Glamour und wird zum Business.

Warum gibt es so starke Unterschiede zwischen den Ländern?

Die wohl grossen Unterschiede liegen in der Kultur der Länder und den Regularien.

Wer ist Vorreiter?

Grossbritannien ist im Peer-to-Peer Finance führend in der EU und bietet bisher das beste Gesamtkonzept.

Wie sieht es in der Schweiz aus?

Die Schweiz liegt im aktuellen Report «Current State of Crowdfunding in Europe» in den Top 10. Das ist erfreulich, zumal sich in dem letzten Jahr viel getan hat: Die Bekanntheit wurde durch die Medien erhöht, zudem finden wir heute fast 40 Plattformen der unterschiedlichsten Arten von Crowdfunding. Erfreulich ist auch, dass Politik und Regulatoren aufmerksam und aktiv geworden sind.

Zeigen auch klassische Banken Interesse?

Sie zeigen Interesse im Crowd-Supporting. So haben wir bereits drei Banken, die 2016 mit einer eigenen Plattform am Markt sind bzw. Erfahrungen sammeln wollen. Dies kann jedoch nur ein Einstieg sein. Banken müssten  im Bereich viel aktiver Lending werden, vornehmlich beim KMU Lending. Hier liegt das Potenzial.

Warum ist das Interesse noch zögerlich? 

Vergleicht man die Situation der Schweizer Banken im Crowdfunding, erkennt man die unterschiedlichen Ansätze: Momentan setzen sie auf eigene Supporting-Plattformen. Im Ausland arbeiten Banken mit bestehenden Plattformen zusammen, um Kredite bereitstellen.

Wenn eine Bank nur den Bereich Crowd-Supporting im Fokus hat, mag es aus Marketing-Perspektive durchaus sinnvoll erscheinen, eine eigene Plattform zu bestreiben. Jedoch ändert sich die Argumentation mit dem Lending/Investing. Hier sollten die Argumente Skalierung und Effizienz ebenfalls betrachtet werden. Die Situation ändert sich auch, wenn eine Bank das Prinzip Peer-to-Peer Finance für eine Kundeninterne Plattform nutzen möchte.

Welches Potenzial hat Crowdfunding in der Schweiz?

Die Chancen sind da, Crowdfunding kann sehr viel ermöglichen. Erlebt haben wir dies am Beispiel der Branche Kunst und Kultur. Weitere Potenziale in der Schweiz sehe ich in einer Spendenplattform, in der Finanzierung von Immobilien und KMU. Das Thema scheint aber auch für Städte und Gemeinden interessant zu sein.

Hat Crowdfunding die Chance, eine ernsthafte Alternative zu traditionellen Finanzierungen zu werden?

Ja. In ein paar Jahren werden wir auch nicht mehr vom Crowdfunding sprechen. Wir sprechen dann vom Peer-to-Peer Finance. Diese Art der Finanzierung wird für uns viel alltäglicher sein als heute.

Was sind die grössten Herausforderungen?

Kurzfristig die Bekanntheit des Peer-to-Peer Finance weiter zu fördern und die Unterstützung der Politik, die aus der Industrie geforderten regulatorischen Anpassungen umzusetzen. Mittelfristig werden sich skalierbare Modelle etablieren und Collaboration wird gesucht werden.

Andreas Pages ist Head Crowdfunding bei Swisscom.

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Stimmen aus der Finance 2.0 Konferenz

Twitter ist auf der Finance 2.0-Konferenz ein wichtiges Sprachrohr. Die Community lässt die ganze Welt an der Konferenz teilhaben und teilt, Emotionen, News, Statements und Bilder.

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Bilder zur Flagship Konferenz «Finance 2.0»

Mit 400 Teilnehmer schliesst die Finance 2.0 Konferenz nathlos an die Erfolge der Vorjahre an. Im Zürcher Schiffbau traten nicht nur nationale und internationale Fintech Experten auf, sondern auch das Schweizer Netzwerk wurde gepflegt.

Der Austausch der jungen wilden Fintech-Unternehmer mit den traditionellen Finanzdienstleister ist ein zentrales Element der Finance 2.0 Konferenz.

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Official Aftermovie Finance 2.0 Conference

Die Finance 2.0 Conference 2016 ist Geschichte – Der offizielle Aftermovie, frisch aus dem Schnitt, hat die besten Momente der Konferenz festgehalten. Viel Spass beim Anschauen.

Finance20-2016-18
Text: Marco Demont

Die Finance 2.0 ist die grösste und wichtigste Konferenz im Bereich FinTech.  Diese Jahr haben sich 400 Teilnehmer aus der Finanz-, Technologie-, Beratungs- und Startup-Szene am 9.3.2016 im Zürcher Schiffbau zur Finance 2.0 getroffen. Es war bereits die 4. Ausgabe der Finance 2.0.

 

 

 

 

  1. […] you are interested in some impressions of the recent Finance 2.0 event, have a look here: http://www.finance20.ch/official-aftermovie-finance-2-0-conference/ – you will find the official […]

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Einblicke in die Berliner Fintech Schmiede

FinLeap ist eine auf Fintech spezialisierte Startup-Fabrik. Im Twitter-Gespräch erläutert Co-Founder Ramin Niroumand was genau ein Company Builder ist und warum es überhaupt Fintech benötigt.

Blog-Niroumand
Text: Rino Borini

Ramin, alle reden über #Fintech. Ein Hype?
Die #Digitalisierung erfasst alle Teile der #Wirtschaft. Auch Finanzdienstleistungen werden nicht kurzfristig sondern nachhaltig verändert.

Warum braucht es Fintech überhaupt?
Banken fehlt wg. gewachsener Strukturen, fehlender Incentivierung & Kultur die #Innovationskraft, um die neuen Kundenerwartungen zu erfüllen.

Warum Fintech in Berlin und nicht in der Bankenmetropole Frankfurt?
Zurzeit bietet Berlin für #Fintech-Startups ideale Bedingungen. Wichtiger ist aber der Erfolg der Fintech-Standorte Deutschland & Europa.

Hat Deutschland nicht den Zug verpasst? Alle reden von London.
Die #Finanzbranche hat grosse Tradition in London. Der Vorsprung ist da, wird aber aufgeholt.

Was sind eigentlich die Unterschiede zwischen Deutschland und Schweiz?
Beide Länder stehen für #Innovationen. Deutschland eher für #Technologie, die Schweiz eher im Finanzbereich.

Aber Deutschland ist keine Bankennation, Schweiz schon.
Fintech braucht keine #Banken. Konsumenten wollen gute & innovative Dienstleistungen, der Charakter des Anbieters ist zweitrangig.

Was ist @FinLeap eigentlich?
Ein #CompanyBuilder im Bereich Fintech. Wir gründen mit unseren Co-Foundern Ventures und binden sie in das @FinLeap Netzwerk ein.

Vorteile eines Company Builders gegenüber traditionellem Venture Capitalisten?
Wichtige Kompetenzen werden gebündelt. Gründer erhalten Zugang zu #Kapital & Experten aller Geschäftsbereiche, die aktiv unterstützen.

Wo seid ihr überall vertreten?
Unsere #Ventures sind in über 10 Ländern in Europa aktiv. In der Schweiz unterstützt uns z.B. @marcpbernegger bei unserer Strategie.

Mit welchen #Fintechs seid ihr dabei?
Ingesamt hat FinLeap 7 Ventures: @BillFrontLtd, @ClarkGermany, @financeAdsI, @FinReach, @Savedo_de, Pair und @ValendoDE.

Einige Zahlen zu #Finleaps Aktivitäten?
Wir haben 200 Kollegen aus 30 Ländern, 7 #Ventures in 6 #Fintech Bereichen und verfolgen dabei nur 1 Ziel: Reshaping Finance.

Bei welchen Fintech Themen seht ihr viel Potenzial?
Besonders #Insurtech und #Proptech werden an Relevanz gewinnen. Auch die #Blockchain-Technologie hat grosses Potenzial.

Wo steht #Fintech in Berlin 2020?
Auf Augenhöhe mit dem SiliconValley und London als treibende Kraft für #Innovationen in der Finanzindustrie in Europa.

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Mobile Payment: Der unnötige Zweikampf

Dass sich mobiles Bezahlen früher oder später durchsetzen wird, steht ausser Frage. Doch der mangelnde Kooperationswille innerhalb der Branche bremst die Entwicklungen des Mobile Payments.

Blog-paymit-twint
Text: Rino Borini

Eigentlich ist die Zukunft schon da: Dank mobilem Internet, ausgeklügelten Technologien und hohen Sicherheitsstandards sind Zahlungen mit dem Smartphone an immer mehr Verkaufsstellen möglich. Auch der Geldtransfer unter Privaten ist dank cleverer Apps einfacher denn je: Die Telefonnummer des Empfängers reicht, um Beträge in Echtzeit zu transferieren.

Ob Bargeld innert eines Jahrzehntes tatsächlich verschwinden wird, wie es John Cryan, Chef der Deutschen Bank prophezeit, wird sich zeigen. Sicher ist, dass es als Zahlungsmittel von digitalen Formen abgelöst wird. Wie das in einem fortgeschrittenen Stadium aussieht, zeigen die Nordländer: Wer etwa in Schweden mit Münzen oder Noten bezahlt, wird schräg angeschaut.

Ein Land, eine Bezahl-App

Auch Dänemark ist der bargeldlosen Gesellschaft schon ziemlich nahe. Fast die Hälfte der 5,6 Millionen Einwohner nutzt Mobile Payment – und zwar alle mit derselben App: «MobilePay» von der Dankse Bank. Diese wurde vor fast drei Jahren, im Mai 2013, lanciert. Die Anwendung steht allen offen, die Nutzer müssen nicht zwingend ein Konto bei der Danske Bank haben – was bei rund zwei Drittel der Fall ist.

Im Durchschnitt werden über die App jede Minute umgerechnet 6200 Franken transferiert. In über 19 000 Geschäften kann mit der Anwendung einfach und schnell bezahlt werden. Zudem wird fast jedes zweite Zugticket auf diese Weise beglichen. Auch Zahlungen in Webshops sind möglich: Knapp 3000 Online Shops akzeptieren Mobilepay.

Die App ist derart beliebt, dass sie nach Facebook und Facebook Messanger an dritter Stelle rangiert. Die Dänen haben etwas geschafft, was für eine kleine Nation eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte: das Etablieren eines einheitlichen mobilen Bezahlstandards, losgelöst von irgendwelchem Gärtchendenken. In der Schweiz ist eine solche Zusammenarbeit noch Wunschdenken.

 

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Helvetischer Föderalismus

Hierzulande herrscht beim mobilen Zahlen Föderalismus pur: Bis vor wenigen Monaten gab es knapp ein halbes Dutzend verschiedene Lösungen. Inzwischen kämpfen vor allem zwei Zahlsysteme um die Gunst der Kunden: Paymit und Twint.

Paymit ist ein Gemeinschaftswerk des Infrastrukturanbieters SIX sowie den Banken ZKB und UBS. Inzwischen sind auch Swisscom, Raiffeisen und diverse Kantonalbanken auf den Zug aufgesprungen. Twint wiederum ist eine 100-Prozent-Tochter der Postfinance, die nicht nur das Versenden von Geld ermöglicht, sondern auch Bezahlen in Geschäften. Diesen letzten Schritt hat Paymit noch nicht vollzogen, doch ab März soll diese Möglichkeit ebenfalls bestehen. Auch bei Twint sind andere Banken dabei, wie Bank Coop, Valiant und ebenso einige Kantonalbanken.

Beide Anbieter kämpfen stark um die Gunst der Banken. Zweikämpfe mögen im Sport eine spannende Sache sein, wenn es darum geht, einen Bezahlstandard zu etablieren, sind sie es nicht. Zwei Standards sind in einem Acht-Millionen-Land einer zu viel.

Zufrieden mit der jetzigen Situation sind lediglich die Werbeindustrie und die Entwicklerbranche. Für die Kunden und letztlich für die Finanzbranche ist die Lage eher schädlich – wenn nicht sogar gefährlich: Je mehr sich Paymit und Twint bekämpfen und gegenseitig schwächen, statt gemeinsam zu wachsen, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass ein externer Dritter das Rennen macht. Apple oder Facebook würden liebend gerne in die Bresche springen; an Investitionskapital mangelt es nicht, und Zugang zur Konsumentenschnittstelle haben beide seit Jahren.

Unattraktiv sind zwei verschiedene Systeme auch für die Ladenbesitzer. Denn Twint arbeitet mit der Beacon-Technologie, die ohne Near Field Communication (NFC) auskommt. Das ist aus Technologiesicht sehr clever, bedeutet jedoch auch, dass jeder Ladenbesitzer neben seinem herkömmlichen Kreditkartenterminal noch einen Beacon hinpflastern muss. Bei Paymit muss beim Start einen QR-Code eingescannt werden. Das ist eher antiquiert und kann nicht das Endziel sein.

Lernen aus der Vergangenheit

Ob Twint oder Paymit die bessere Lösung ist, ist Geschmackssache. Klar ist: Würden sämtliche relevanten Player ihre Kräfte bündeln und gemeinsam das Beste aus beiden Welten zu einer Lösung vereinen, hätte dies das Zeug, im Nu zum nationalen Standard zu werden. Angesichts einer derart breit abgestützten Lösung würden ausländische Anbieter es sich zwei Mal überlegen, ob der Schweizer Markt in Angriff genommen werden sollte. Und vor allem: Für Herr und Frau Schweizer ist es bedeutend einfacher und effizienter.

Eine gemeinsame Lösung sollte letztlich auch im Sinne des Staates sein. Und diesem gehört immerhin die Postfinance, die ja zu 100 Prozent im Besitz der Post (die wiederum zu 100 Prozent dem Bund gehört) ist. Da kann es einem schon sauer aufstossen, dass sich das staatliche Unternehmen lieber auf einen aufreibenden Zweikampf einlässt, statt partnerschaftlich nach Lösungen zu suchen.

  1. Christian Bucheli sagt:

    Der Zweikampf in der Schweiz ist sicher schwierig um die Akzeptanz im Markt rasch durchzubringen. Aber auch in Dänemark gibt es nebst MobilePay der Danske Bank ein zweites Mobile Payment Scheme Namens Swipp, das von anderen Banken aufgebaut wurde.

  2. Der bessere gewinnt sagt:

    Dann sollte uns wohl auch sauer aufstossen das der Staat die UBS gerettet hat, hätte man das auch dem Markt überlassen gäbe es heute keinen Wettbewerb in diesem Bereich. Solche Argument hinken sorry. Postfinance hat hier sicherlich auch einen Vertrauensvorsprung, abe rschauen wir was sich auf dem Markt durchsetzt. In 12 Monaten wissen wir mehr.

  3. Isabella Gruszka sagt:

    Mich erinnert diese Diskussion ein wenig an die „User-friendly-Entwicklung“ bei den Bankomaten. Heute akzeptiert (fast) jeder Bankkmat (fast) jede „fremde“ Karte. Das wird auch im Fall von Mobile Payment sein. Aber eben lasst doch bitte die Werbebranche ein wenig noch verdienen. Das sage ich als digitaler Marketer

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Banken haben viel zu verlieren

Andreas Kubli, Leiter Multichannel Management & Digitization bei UBS Schweiz, wirft im Twitter-Interview einen Blick auf die zahlreichen Veränderungen bei Beratung, Bezahlwesen und Vermögensverwaltung.

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Text: Barbara Kalhammer

Herr Kubli, #Digitalisierung ist heute gelebte Realität. Warum hinkt #Banking hinterher?
Banken und ihre Kunden sind 2015 nochmals digitaler geworden. Es ist ein Marathon, kein Sprint.

Wird Banking #digital + social?
Social ist sehr spannend. Die dem Schweizer in Geldfragen typische Vertraulichkeit setzt aber ganz klar auch Grenzen.

Kommt #Banking in die Hosentasche?
#MobileBanking-Apps müssen künftig in der Lage sein, alle einfachen Bankingbedürfnisse «fallabschliessend» erledigen zu können.

Sind #Fintechs die treibende Kraft?
Sie fördern den Innovationsdruck. Wir sind in regelmässigem Austausch mit ihnen und halten Ausschau nach spannenden Kooperationen.

Fintechs sind also nicht die neuen Konkurrenten der Banken?
Für @UBSschweiz sind sie die neuen Partner. Wir helfen ihnen, ihre Innovationen rasch zu skalieren, siehe SumUp + bexio. @bexiocom

Haben Banken den Fortschritt verschlafen?
Banken wissen um @Kodak und haben gesehen, wie es der Reise-, Musik- und Medienindustrie ergangen ist.

Aber Fintechs sind erst seit kurzem ein Thema.
Nein, bei Banken ist das schon lange Thema. UBS hat bspw. in den frühen Nullerjahren –#MobileBanking auf WAP angeboten.

Erst jetzt stehen die Banken unter Zugzwang.
Banken haben viel zu verlieren. Darum übertreffen ihre eigenen Investments die astronomisch hohen Risikokapitalinvestitionen um ein Vielfaches.

Was bremst Banken, sich den Innovationen zu öffnen?
Es ist viel komplexer, ein Geschäft mit Millionen Kunden in der ganzen Breite weiterzuentwickeln als Lösung für einen Use Case zu lancieren.

Was bedeutet Digitalisierung für den Kunden? #Digitization
Bankkunden werden die grossen Gewinner der Digitalisierung sein. Sie erhalten mehr #Banking für weniger Geld.

Auf welchen Ebenen geschieht der Wandel?
Zuerst wird primär das Kundeninterface digitalisiert. Mehr und mehr geschieht dies aber end-to-end, d. h. bis ins Backoffice hinein.

Wo ist die Entwicklung am weitesten fortgeschritten?
Dort, wo «fallabschliessend» digitalisiert werden kann, z.B. im #Zahlungsverkehr oder bei der Konsumfinanzierung.

Wie wichtig ist #Security? #Cyberrisk
Absolut zentral. Einerseits, um Risiken unter Kontrolle zu halten. Anderseits als Voraussetzung zur Kundenverhaltensveränderung.

Wird die Bankfiliale schon bald der Vergangenheit angehören?
Nein, Kunden erwarten auch künftig Filialen. Seit @Apple Stores eröffnete, ist das klar. Verändern wird sich aber die Nutzung der Filialen.

Was dürfen die Kunden beim Kontakt mit Ihrer Bank erwarten?
Dass sie Bankgeschäfte über alle Kanäle hinweg nahtlos abwickeln können. #multichannel

Ist die Bank dann rund um die Uhr erreichbar?
Natürlich. Die UBS ist bspw. digital und via Customer Service Center 24/7 erreichbar.

Auch auf Stufe Berater?
Berater nein, aber Beratung im Rahmen neuer Beratungsformen immer mehr.

Wie sieht das aus?
Mit dem ins E-Banking integrierten UBS Advice haben wir in der «rund-um-die-Uhr-Beratung» Neuland beschritten.

Wird sich die Rolle des Bankers in der Beratung verändern?
Ganz klar. Reine Administrationsarbeit und einfache Tätigkeiten erfolgen künftig primär digital.

Übernehmen künftig Computer und Algorithmen den Anlageprozess?
Jein. Asset-Allokations-Entscheide wie die UBS House View (Hausmeinung) werden auch künftig nicht Computern delegiert werden können.

Wo werden sie dann eingesetzt?
Sie machen auf der UBS House View basierende Analysen, wie nächtliche Health Checks bei 650 000 UBS Advice Portfolios, erst möglich.

Laufen #Roboadvisor den Vermögensverwaltern künftig den Rang ab?
Wir glauben, der Kunde wird hybrid unterwegs sein: primär digital und für gewisse Themen unterstützt durch den persönlichen Berater.

Wo braucht es noch Menschen im Anlageprozess?
Es ist ähnlich wie in der Medizin: Der Kunde ist immer besser informiert, aber grosse Entscheidungen will er mit einem Menschen besprechen.

Nicht nur das Anlegen und die Beratung wandeln sich, auch das Bezahlen. #mobilepayment
Absolut! Ärgere mich, wenn von mir Cash verlangt wird und ich Münz als Retourgeld erhalte. Oder ich Karten nicht bequem einsetzen kann.

Das Portemonnaie der Zukunft ist dann wohl nicht mehr aus Leder.
Ja, ich habe mein Lederportemonnaie bereits 1997 abgeschafft. Wer aber unbedingt Leder will, für den gibt es ja noch lederne Handycover.

Warum kommt mobiles Bezahlen in der Schweiz nicht voran? #mobilepayment
Mobiles Bezahlen steckt in allen Ländern mit einer gut ausgebauten Bankinfrastruktur noch in den Anfängen.

Was müsste sich ändern?
Der Fokus muss auf Lösungen liegen, wo mobiles Bezahlen wie bei P2P viel besser als die traditionelle Methode ist. z.B. #ecommerce

Was noch?
Wir brauchen auch Verhaltensänderungen bei den Kunden. Das alles braucht Zeit.

Brauchen wir einen nationalen Standard, damit nicht #applepay das Rennen macht?
Absolut! Es wäre super hilfreich, wenn @PostFinance beim offenen System #Paymit mitmachen und @Twint_AG einbringen würde.

Zum Schluss: Welches ist Ihre persönliche Lieblings-App?
Ich liebe viele Apps. Wenn ich aber eine herauspicken müsste, würde ich als Nicht-Auto-besitzer @Uber wählen.

Warum?
Weil Uber bewiesen hat, dass man selbst eine gute Lösung wie mytaxi aus Kundensicht noch viel, viel, viel besser machen kann.

Welches andere Nicht-Banken-Unternehmen macht einen hervorragenden Job im Bereich #Digitalisierung?
Ich nehme @TheEconomist. Durch App und #SocialMedia wurde ich vom Gelegenheits-leser zum regelmässiger Leser.

Andreas Kubli arbeitet seit 2010 bei der UBS. 2013 wurde er Leiter der Abteilung Multichannel Management & Digitization, zuvor verantwortete er den Bereich Strategy & Business Development. Vor seiner Tätigkeit bei der UBS war er Partner bei McKinsey. Kubli hat die Rechtsanwaltszulassung für Zürich und New York. 

Dieses Interview ist in der Ausgabe Nr. 1-16 des Wirtschaftsmagazin PUNKT erschienen.

  1. Interessantes Interview. Die Fragen sind toll und besonders schön sind die Antworten.

  2. […] Banking». Denn Banken haben viel zu verlieren, das sagt auch die grösste Schweizer Bank (hier in einem Interview […]

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Build the digital future

The Swiss leading Finance 2.0 & FinTech conference – Save the date!

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Text: Rino Borini

It‘s going on! After the fully booked Finance 2.0 Conference in spring 2015, followed by the fully booked Cryptofinance Conference in September 2015, we are pleased to announce the next round of Finance 2.0 – the Swiss leading Finance 2.0 & FinTech conference. All about the future of digital banking. This time the venue will be Schiffbau in Zurich West. You’ll receive further information shortly.

Please mark your agenda already today: 9 March, 2016. We look forward to meeting you at our Main Conference 2016. Details about the agenda will be announced in due course: Conference 2016.

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Cybersecurity: Digitalisierung erhöht Sicherheitsbedarf

Die Zahl der Hackerangriffe und Cyberattacken nimmt kontinuierlich zu. Unternehmen und Regierungen sind darum gefordert im Bereich Cybersecurity aufzurüsten. Für Thomas Rappold bietet der Sicherheitsmarkt enormes Wachstumspotenzial.

Blog-Rappold
Text: Barbara Kalhammer

Was sind derzeit die wichtigsten Themen der Digitalisierung?
Thomas Rappold_ Die Digitalisierung wird getrieben durch das Silicon Valley, wo das Mantra gilt «Software is eating the world». Das bedeutet, dass heute alles aus Software-Sicht gedacht wird. Ein Beispiel dafür ist der Elektro-Automobilkonzern Tesla. Dort sind mehr als 60 Prozent der Mitarbeiter in Software-Projekte involviert. In der deutschen Autoindustrie sind es nur etwa vier Prozent.

Was sind die Treiber dieser Entwicklung?
Eine wichtige Rolle spielen Sensoren. Das sind kleine, intelligente Sende- und Empfangsbausteine, die mit Software interagieren. Sie ermöglichen intelligente Dienste wie autonomes Fahren. Weitere wichtige Treiber sind das Internet der Dinge, Heimautomatisierung und Cloud Computing.

Der aktuelle Boom erinnert viele an die Dotcom-Blase. Sie auch?
Man muss unterscheiden zwischen börsenkotierten Firmen und jenen, die nicht an der Börse sind, sogenannte Unicorns. In die erste Kategorie fallen bekannte Unternehmen wie Apple, Google und Facebook. Diese drei sind stark aufgestellt und haben 300 Milliarden Cash zur Verfügung. In den vergangenen Jahren hat sich die Internetwirtschaft mit grossen Schritten entwickelt, sie ist das Rückgrat der Globalisierung geworden. Ihre Unternehmen sind heute so wichtig wie vor 15 Jahren die Stromversorger.

Wie erklärt sich ihre hohe Bewertung?
Die grossen börsenkotierten Unternehmen haben in ihrem Geschäftsfeld monopolartige Strukturen, die durch den Netzwerkeffekt immer stärker gefestigt werden. Da es nur eine Suchmaschine und ein soziales Netzwerk gibt, sind die Eintrittsbarrieren für neue Anbieter sehr hoch. Google und Co. sind nicht überbewertet, weil sie sehr viel Cashflow generieren und stark wachsen.

Und wie steht es um die Unicorns?
Die neueren Firmen gehen entweder an die Börse oder werden von den grossen Konzernen aufgekauft. Denn die Innovationskraft findet bei kleineren, wachstumsstarken Unternehmen statt. Durch ihren hohen Cash-Bestand haben es die grossen IT-Konzerne derzeit einfach. So baut Google derzeit das Modell Berkshire Hathaway von Warren Buffett in digitaler Form nach. Die einzelnen Geschäftsbereiche des Unternehmens wachsen dann, so wie beim bekannten US-Investor, über Beteiligungen.

Sie sehen also keine Übertreibungen?
Doch, es gibt einzelne Übertreibungen, etwa der hohe Wert des Online-Speicherdienstes Dropbox. Aber deren Anwendungen finden hohen Zuspruch, im Zweifelsfall könnte es zu einer Übernahme kommen.

Von welchen Entwicklungen profitieren diese Unternehmen?
Über allem stehen zwei Aspekte. Zum einen die Cloud-Infrastruktur sowie die fortschreitende Smartphone-Penetration und die dahinterstehenden App Stores von Google und Apple. Die Kombination aus App und Cloud-Diensten sorgt für eine starke Dynamik. Ein Unternehmen kann quasi aus dem Nichts auftauchen, ohne dass zuvor eine Infrastruktur aufgebaut werden muss.

Was ist der zweite Aspekt?
Die Time-to-market ist kürzer, Anwendungen können also schneller auf den Markt gebracht werden. Früher musste die gesamte Software selbst entwickelt werden, heute gibt es sogenannte API-Schnittstellen. Der Fahrdienst Uber hat beispielsweise die Schnittstellen Google Maps mit einer Kreditkartenabrechnung verknüpft. Vereinfacht kann von einer Lego-Software-Entwicklung gesprochen werden.

Gibt es weitere Beispiele?
Der Filmverleiher Netflix oder Dropbox. Sie haben keine eigene Hardware und Server-Infrastruktur, sondern mieten ihre Computerleistung über Amazon. Es kommt zu einer Virtualisierung der gesamten Infrastruktur.

Mit diesen Entwicklungen nehmen auch die sicherheitskritischen Vorfälle zu. Welchen Schaden richten Hacker-Angriffe an?
Die Unternehmensberatung PWC schätzt den Schaden auf 749 Milliarden bis 2,2 Billionen Dollar jährlich. Das sind mehr als drei Prozent der Gesamtwirtschaftsleistung. Und die Angriffe nehmen kontinuierlich zu.

Ist Cybersecurity der grösste Wachstumsmarkt der Technologiebranche?
Er gehört zu den wachstumsstärksten. Gemäss Untersuchungen wächst der IT-Markt mit drei bis vier Prozent pro Jahr, der Sicherheitsmarkt mit bis zu 30 Prozent. Die höheren Ausgaben für Sicherheit sind ein wichtiger Teil der Infrastruktur und Voraussetzung für die weitere Digitalisierung.

Wo ist der Bedarf am grössten?
Beim Schutz der Daten in der Cloud. Ebenfalls wichtig sind sichere Datenübertragungen bei der Vernetzung von Geräten.

Wo stehen wir bei diesen Entwicklungen?
Die Amerikaner sprechen beispielsweise bei Cloud-Diensten immer davon, dass wir nur die Spitze des Eisbergs sehen. So stecken wir bei der Speicherung von Behördendokumenten, Gesundheitsdaten oder auch Finanzdienstleistungen in den Kinderschuhen. Wir sehen wohl erst fünf bis zehn Prozent der möglichen Anwendungen. Auf der anderen Seite wird es dadurch immer wieder Missbrauch geben, wodurch wiederum die Nachfrage im Sicherheitsbereich wächst. Den absoluten Schutz gibt es nicht, es ist ein Wettlauf zwischen den beiden Parteien.

Wie viel geben Firmen für Sicherheit aus?
Bis 2020 dürfte der Cybersecurity-Markt ein Volumen von 170 Milliarden Dollar erreicht haben. Die Unternehmen geben enorme Summen für die Sicherheit aus. Im Finanzbereich sind es beispielsweise 2500 Dollar pro Jahr und Arbeitsplatz.

Trotzdem wird die Gefahr häufig immer noch unterschätzt.
Der Umgang mit Daten ist oft zu wenig umsichtig. Gerade bei der Verwendung von Smartphones wird eine Vielzahl an Daten übermittelt, wovon der Nutzer nichts merkt. Die Vernetzung wird immer grösser. Das ist auch der Grund, warum Google und Apple ins Auto-Geschäft einsteigen wollen. Sie wollen Zugang zu noch mehr Daten, um daraus Erlöse zu generieren.

Die Anbieter von Finanzprodukten haben diesen Trend erkannt und bieten entsprechende Produkte an. Welches Potenzial hat die Digitalisierung als Investmentthema?
Sie ist nicht wirklich ein Trend, sondern ein Wachstumssegment, das auch mittel- bis längerfristig Potenzial bietet.

Welche Chancen bietet der Technologiesektor den Anlegern?
Ich bezeichne ihn gerne als den grössten Binnenmarkt weltweit, sozusagen ein eigener Wirtschaftsraum. Der Internetbereich ist losgelöst von nationalen politischen Einflüssen. Eine Regulierung durch die Politik ist nicht möglich.

Was sind die Chancen und Risiken?
Internetwerte haben ein sehr geringes Beta und sind ein wichtiger Portfoliobestandteil. Im Bereich Cybersecurity ist mangelnde Innovationskraft das grösste Risiko. Durch die hohen Investitionen von Risikokapitalgebern und das ständige Wachstum an Unternehmen schätze ich die Risiken insgesamt niedrig ein.

Thomas Rappold ist Investor und Autor des Buches Silicon Valley Investing.

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Digitalisierung als Chance verstehen

Digitalisierung trifft mit voller Wucht auf die Finanzbranche. Besonders für die Mitarbeiter stellen die veränderten Kundenbedürfnisse eine grosse Herausforderung dar.
Um den Zug nicht zu verpassen und zu Rationalisierungsopfern zu werden, ist nun Weiterbildung in «Digital Finance» ein Muss.

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Text: *Costantino Lanni, Leiter Center for Financial Studies - HWZ Zürich

Kaum haben sich die Banken nach der Finanzkrise auf verschärfte Regulierungsauflagen, rekordtiefe Zinsen und misstrauische Bankkunden eingestellt, stehen bereits neue Veränderungen vor der Tür. Insbesondere der zunehmende Wunsch der Kunden nach einer raschen und weitreichenden Digitalisierung der Bankendienstleistungen stellt die hiesigen Institute vor neue Herausforderungen. Digitalisierung, mobile Kommunikationsformen und soziale Netzwerke werden zu integralen Bestandteilen der Geschäftsmodelle von Finanzinstituten. So wie die Musik-, Medien- und Reiseindustrie bereits grundlegend auf den Kopf gestellt wurden, steht auch die Finanzbranche vor einschneidenden Umwälzungen.

Dabei geht es nicht nur um den Zahlungsverkehr – im Gegenteil: Auch das Retail- und Private Banking sowie das Asset Management werden von der Digitalisierungswelle erfasst. Wollen die Finanzinstitute nicht Marktanteile an branchenfremde beziehungsweise aufstrebende Fintech-Unternehmen verlieren, müssen sie auf den digitalen Wandel reagieren. Die Finanzinstitute müssen die neuen Kundenbedürfnisse verstehen und entsprechende Lösungen anbieten.

Die Kunden von heute erwarten sinnvolle Finanzdienstleistungen, basierend auf ihren Daten. Sie wollen «Banking to go». Banking soll einfach, schnell und zielgerichtet erfüllt werden: «anytime, anywhere and on any device». Diese Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten. Das Rad dreht sich immer schneller und verlangt letztlich ein Umdenken, auf jeder Funktionsstufe. Nebst neuen Geschäftsmodellen entstehen durch die Digitalisierung auch neue Berufsbilder in Kombination mit neuen Arbeitsmodellen. So wird der Kundenberater zum Coach und «Experience Maker», der je nach Bedürfnis des Kunden ein Team aus Spezialisten zusammenstellt, um vorhandenes Know-How zu vernetzen und so für den Kunden einen echten Mehrwert generieren zu können.

Richtig umgesetzt eröffnet Digital Finance neue Chancen, Kunden über erweiterte Beratungsdienstleistungen und verbesserte Servicequalität Mehrwert zu bieten und die Kundenbindung zu stärken. Im diesen Umfeld haben Mitarbeiter mit digitalem Verständnis gute Aussichten. Dabei reicht es aber nicht, nur ein iPad bedienen zu können. Durch die Digitalisierung werden diverse Prozesse automatisiert und Bank- und Versicherungsmitarbeiter müssen eine rasche Reaktions- und Anpassungsfähigkeit aufweisen, damit sie nicht zu Rationalisierungsopfern werden.

Diejenigen, die aktiv den digitalen Transformationsprozess mitgestalten, benötigen Agilität und ein breites Verständnis für die neue Realität. Sie müssen die Sprache des Internets verstehen, sich ein neues Leadership-Verständnis aneignen und die technologischen Möglichkeiten erkennen. Die Digitalisierung eröffnet somit Chancen und Herausforderungen zugleich. Abwenden lässt sie der Prozess nicht mehr. Verschiedene Hochschulen stellen sich diesen neuen Herausforderungen mit einem wachsenden Ausbildungsangebot im Bereich der Digital Finance.

Weitere Infos zum CAS «Digital Finance» an der Hochschule für Wirtschaft Zürich

 

Dieser Artikel erschien am 14. November 2015 in der Finanz und Wirtschaft

*Costantino Lanni, Studienleitung MAS Banking & Finance an der Hochschule für Wirtschaft Zürich

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Switzerland – an important FinTech Hub in the near Future?

Everybody speaks about FinTech – What is the international position of Switzerland? What are the opportunities? New Study by Roland Berger and Swiss Finance Startups. Switzerland must seize the FinTech opportunity now.

Text: Urs Haeusler, serial web entrepreneur & fintech expert

Download the Swiss FinTech Study here:

  • The rapid worldwide development of startups in the FinTech industry will lead to significant shifts in the global financial industry.
  • Innovations in the FinTech area lead to a fragmentation of the value chain and thus drive the specialization and cooperation between established financial service providers and the FinTech startups even further.
  • Switzerland’s financial center offers a promising starting point for FinTech companies. Compared to the leading FinTech hubs (eg. London or Silicon Valley), Switzerland is still well behind expectations.
  • Around three-quarters of the surveyed Swiss FinTech companies indicate that they would likt to sell their products and services also in Europe.
  • For the development of the FinTech Hub Switzerland innovative collaborations, a healthy competition and first success stories are of crucial importance.
swissfintech

Urs Haeusler, Member of the Board Swiss Finance Startups, CEO Dealmarket AG

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Fintech In Switzerland: Success As A Niche Player

Switzerland has everything it takes to advance to the leading finTech nations. First-class financial institutions such as UBS or CS, leading banking software manufacturers such as Avaloq or Finnova and research departments of ICT heavyweights such as Google and IBM call Switzerland their home.

Text: Marc P. Bernegger

In addition, the Swiss Federal Institutes of Technology in Zurich and Lausanne are among the leading international universities for technology and engineering. The high quality of life in Switzerland is well known. Even globally leading fintech personalities think highly of Switzerland as a fintech location. So said Susanne Chishti, CEO and founder of London’s fintech Circles, one of the world’s oldest fintech networks:

A look at the relevant rankings in the fintech field reveals, however, that Switzerland or Swiss cities are not being represented at all or can be found in the midfield at the best. Currently, Asian cities such as Singapore or Hong Kong are at the forefront followed by London and New York. After all, we see a clear upward trend for Switzerland. Until recently, not a single Swiss city appeared on any fintech map.

Finma and Fintech?

There are many reasons for the weak performance of Switzerland in fintech rankings. One of them certainly is the relatively comprehensive regulatory framework in Switzerland in the field of online banking. Another reason may be the Financial Market Authority (FINMA). FINMA has no special fintech strategy because the current legislation, adopted by parliament, contains no specific provisions. In this respect, the City of London is proactive. The Financial Market Authority in London collaborates with the startups and has developed a special program for counseling fintech startups.

As much as we are flattered by good rankings, it can’t be the goal to achieve top results in relevant rankings as quickly as possible. We rather must ask ourselves in what area we really can compete and on what strengths we can build upon. Because fintech is not equal fintech. Fintech is multifaceted and includes everything from banking infrastructure and payment solutions to lending platforms and digital currencies. CB Insights, a tech company in New York, has tried to outline the various fintech sectors in a way that is similar to Chemistry’s periodic table (see figure below).

https://www.cbinsights.com/blog/fin-tech-periodic-table/

Currently, only one company headquartered in Switzerland is represented in the fintech periodic table: the company XAPO in the sector digital currency. XAPO offers secure storage of the digital currency Bitcoin. They moved its headquarters mid-2015 from the Silicon Valley to Zug. XAPO seems satisfied with the move to the Greater Zurich Area.

Cryptovalley Zug

The company lists 10 reasons for Switzerland in a recent blog post. According to XAPO, privacy is one of the major reasons for Switzerland. For more information see xapo.com/resources/switzerland. In addition to XAPO, numerous other providers of digital currency solutions have found their way to Switzerland and the Greater Zurich Area. The canton of Zug is already being considered a global center for crypto currencies and received the name Crypto Valley. In the Crypto Valley new storage solutions, new encryption technologies or new digital currencies are being developed. The possibilities are virtually unlimited – Bitcoins are just one option among a wide variety of options.

A major driver of the development of the Crypto Valley is the company Monetas. The young company is committed to a decentralized, global system for financial and legal transactions – without intermediaries, with vanishingly low transaction fees, to use with your smartphone, and faster than traditional banking transactions. Another company that promotes the development of the Crypto Valley is Ethereum. The company goes even one step further than Monetas and wants not only to decentralize financial transactions, but also cloud storage solutions.

The reasons for the success of the Crypto-movement in the Greater Zurich Area can be found in well-known location advantages such as the long-standing tradition of privacy, the stable direct democracy and a supportive environment in IT. In addition, companies in the region started to form a cluster and offer a unique expertise in cryptographic or security issues. And: Crypto currencies are treated as a foreign currency in Switzerland. This means that no new laws are needed and the tax environment is highly competitive.

Numerous Crypto events in the Greater Zurich Area show how lively the Crypto scene is. For example, the first-ever Crypto Finance Conference took place on September 23rd in Zurich (http://www.finance20.ch). With over 250 participants the event was sold out and brought together renowned speakers. Besides this conference, various other events and meetups are currently being held in the region.

It is not to be expected that Switzerland will be among the leading finTech nations anytime soon. Switzerland will be positioned in the midfield across all fintech disciplines. However, in a few fintech niches, such as the Crypto-niche, companies in the Greater Zurich Area might contribute to a strong growth. Similar to other successful Swiss industries, Swiss fintech will be successful as a niche player.

Marc P. Bernegger is a serial web entrepreneur and fintech investor from Switzerland. He co-founded and exited two internet companies (usgang.ch, amiando) and since 2010 he is active as an investor focusing on fintech / finance 2.0.

 

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«Banking muss einfach, transparent und sexy sein»

Die Schweiz hat alle Zutaten um international auch im Bereich Finanzinnovation zu überzeugen. Stabilität und Sicherheit sind zwei entscheidende Standortvorteile. Und inzwischen tut sich hierzulande auch einiges. Fintechs sind gekommen um zu bleiben, ein zentrales Element der Finance 2.0 Welt.

Text: Franziska Garbe, Communication Specialist, SIX

SIX ist eine wichtige Institution auf dem Schweizer Finanzplatz: sie verantwortet unter anderem eine stabile Abwicklung des Wertpapierhandels, zuverlässige Finanzinformationen und einen reibungslosen Zahlungsverkehr. Das Unternehmen versteht sich als «Enabler» für Banken und Finanzdienstleister und lotet in ihrem «Technology Incubator» F10 die Chancen neuer Technologien für die Finanzindustrie aus.

Neue Technologien machen auch in der Finanzwirtschaft effizientere, transparentere oder sogar völlig neue Dienstleistungen möglich und treiben deren Entwicklung gerade rasant voran. Die Digitalisierung ist –  nachdem sie Branchen wie die Medien- oder die Reisebranche bereits nachhaltig verändert hat – bei den Finanzdienstleistern angekommen, und fordert ein radikales Umdenken bei Geschäftsmodellen und Kundenverständnis. «Dank der Digitalisierung können sich Kunden heute in allen Lebensbereichen umfassend informieren, Dienstleistungen vergleichen und dementsprechend auswählen», sagt Rino Borini Verleger des Wirtschaftsmagazins Punkt. «Banken müssen sich auf ihre Kunden einstellen, wenn sie in ihren traditionellen Geschäftsfeldern nicht überflüssig werden wollen. Finance 2.0 muss einfach, transparent und sexy sein.» Borini hat 2013 in Zürich die «Finance 2.0 Conference» ins Leben gerufen, an der Finanzfachleute sich vernetzen und ihr Wissen über Technologien und Trends verbessern können.

Zahlreiche Fintech-Aktivitäten

«Nimmt man die steigende Anzahl der Teilnehmer an solchen Konferenzen als Gradmesser, zeigt das, welchen Schub das Thema FinTech in den letzten ein bis zwei Jahren erfahren hat», sagt Andreas Iten, verantwortlich für Technologie-Innovation bei SIX. Gemeinsam mit Swisscom und den Grossbanken ist SIX mit ihrem Technology Incubator eines der «Schwergewichte» in der Schweizer FinTech-Szene, die ansonsten wie überall stark von Start-ups geprägt wird. Diese Konstellation hat eine hierzulande noch recht neue Denk- und Arbeitsweise weiter vorangebracht: Kollaboration statt Konkurrenz.

Um Unternehmertum zu fördern, Innovation voranzutreiben und ein Innovations-Ökosystem aufzubauen haben sich SIX, Swisscom und Credit Suisse mit dem Impact Hub Zürich im Projekt NEXT zusammengeschlossen. Im Impact Hub Zürich arbeiten Mitarbeiter von Grossunternehmen und Start-ups auf Augenhöhe im Coworking Space zusammen, tauschen sich aus und lernen voneinander. Um das Thema Fintech voranzutreiben, pilotieren die Partner gemeinsam mit der Zürcher Kantonalbank und Postfinance im November die Event-Reihe «Disrupt Finance»: Zehn noch unbekannte Start-ups mit disruptivem Potential sollen sich mit Experten der Grossunternehmen über Trends und Entwicklungen diskutieren und Lösungsansätze finden.

Kooperationen existieren auch ausserhalb dieses Projekts: so lässt etwa SIX Start-ups in der frühen Gründungsphase in den F10 einziehen, in der Hoffnung, sich deren Know How, Kreativität und Unternehmergeist ins Team zu holen, während die Jungunternehmer ihrerseits Coachings erhalten und vom bestehenden  Netzwerk und der Infrastruktur von SIX profitieren. Die UBS bietet in Zusammenarbeit mit dem Berliner Start-up Sum up eine mobile Bezahllösung für Kleinunternehmer an und hat zusammen mit SIX und Zürcher Kantonalbank die P2P-App Paymit lanciert. Für die Weiterentwicklung der App setzt SIX auf eine strategische Partnerschaft mit Swisscom: künftig soll der Kunde mit Paymit auch im Geschäft oder im Internet bezahlen können; Swisscom wird die Entwicklung von Zusatzdiensten rund um das Einkaufserlebnis vorantreiben.

«Wer ist Kunde, wer ist Lieferant, wer ist Partner, wer ist Konkurrent? Diese Grenzen lassen sich nicht mehr eindeutig ziehen», sagt Andreas Iten von SIX. «Damit müssen Unternehmen und auch Banken heute umgehen können. Letztendlich werden sich diejenigen durchsetzen, die in der Lage sind, dieses komplexe Ökosystem zu managen und erfolgreich für sich zu nutzen.»

Banken kooperieren mit Startups

Die Banken hätten dies durchaus erkannt, sagt Thomas Sutter, stellvertretender CEO und Leiter Kommunikation der Schweizerischen Bankiervereinigung. «Es ist wichtig, dass sich eine Fintech-Szene in der Schweiz entwickelt, damit die Banken ihre Wertschöpfungskette neu zusammensetzen und, wo es Sinn macht, Teile davon an ein Schweizer Unternehmen outsourcen können», sagt er. «Die Kundenschnittstelle müssen und wollen die Banken aber behalten.» Hier landet man schnell bei der Vertrauensfrage und – daran anknüpfend – bei der Frage nach Regulierung und Rahmenbedingungen für neue und alte Finanzdienstleister.

Ist die bestehende Regulierung noch zeitgemäss? Ist sie anwendbar auf die neuen Geschäftsmodelle und Prozesse, die ein digitales Banking mit sich bringt? Das müsste geprüft und gegebenenfalls angepasst werden, so Sutter. «Der Bankiervereinigung geht es nicht darum, die traditionellen Institute durch mehr Regulierung vor der Konkurrenz der Fintech-Unternehmen abzuschotten.» Er fordert gleich lange Spiesse für alle Akteure und ein stärkeres Commitment der Politik in Bern für Fintech und Digital Banking in und aus der Schweiz.

«Letztendlich wird es zwei Sorten von Fintech-Unternehmen geben», glaubt Andreas Iten: Solche, die  nah am Kunden sind, und dementsprechend eine optimale Front-End-Experience bieten können; und  solche, die für die vertrauensvolle Abwicklung von Transaktionen und anderen Backoffice-Prozessen  sorgen. Hier ist SIX mit ihrer stabilen Finanzmarktinfrastruktur besonders gut positioniert.

Sicherheit im Banking ist Key

Stabilität und Sicherheit sind zwei Standortvorteile, die die Schweiz auch im internationalen Wettbewerb in die Waagschale werfen muss. Denn im Vergleich zu London, Singapur oder New York, die massiv in die Start-up Förderung und ihre Positionierung im Bereich Fintech investieren, fehlt es dem Fintech-Standort Schweiz noch an Profil und internationaler Strahlkraft. Und so eröffnete denn auch die UBS im Sommer ihr Blockchain-Labor nicht in Zürich, sondern im angesagten Londoner Fintech Inkubator Level39. «Als globale Grossbank können wir natürlich dahin gehen, wo Innovation stattfindet. London hat sich in diesem Thema angeboten auf Grund eines bereits bestehenden inhaltlichen Clusters und der Nähe zu zahlreichen im Investment-Banking angesiedelten Use-Cases», so Andreas Kubli, Leiter Multikanal Management und Digitalisierung bei UBS. «Wir sind aber in der Schweiz verankert und an einem starken Fintech Ökosystem in unserem Heimmarkt interessiert. Aus diesem Grund arbeiten wir mit verschiedensten Partnern und Initiativen intensiv zusammen, um die Schweiz als FinTech-Standort weiter zu etablieren.»

UBS, Credit Suisse, Swisscom, SIX – alle «Grossen» in der Fintech-Szene engagieren sich mittlerweile in verschiedenen Initiativen und Netzwerken oder mit speziellen Accelerator-Programmen für  die Startup-Förderung und das Fintech-Ökosystem in der Schweiz. Der Aktionismus ist hoch, doch noch fehlt es an Koordination und einer klaren Ausrichtung. «Die Schweiz muss erkennen, welche Themen wichtig sind, und welche sie aufgrund ihrer klassischen Stärken besetzen kann», sagt der Verleger Rino Borini. Dazu gehörten etwa das Wealth und Asset Management, das Thema Block Chain und Crypto Currencies (Stabilität! Glaubwürdigkeit!) sowie das vorhandene Know How im Bereich Sicherheit und Big Data – man denke etwa an das CERN, die ETH oder auch Google mit seinem Headquarter in Zürich. Wenn es der Schweiz gelingt, das eigene Fintech-Profil basierend auf diesen Stärken zu schärfen, wird der Finanzplatz auch zukünftig weltweit konkurrenzfähig sein.

Dieser Beitrag ist am 21. Oktober in der Netzwoche erschienen.

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Successful Cryptocurrencies + Blockchain Conference in Zurich

First Cryptocurrencies + Blockchain conference in Zurich. The Start of a Revolution? Leading Expertes talked about of the long term potential of cryptofinance.

Crypto_Ticket

The cryptocurrency «Bitcoin» generated a lot of positive and negative headlines in the media. With our conference #Crypto15 we kicked off the discussion on the long-term capabilities of digital currencies and their impact.

Bitcoin was launched six years ago. Blockchain, the fundamental technology behind it, contains a lot of potential. Will this technology transform the financial industry in the future? Will it be able to shift the paradigm towards stable financial systems? What are the impacts of Blockchain for other industries?

Leading experts talked about these topics in Zurich (get here the presentations). The conference attracted more than 250 participants and several prominent figures in the crypto and fintech industry.

Watch the video and get inspired.

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Best Tweets #Crypto15

As usual, finance 2.0 conferences are packed with intelligent speeches, wise words and remarkable moments, and attendees have captured them on Twitter.

Here is some of our favorite tweets from speakers, attendees, and our own writers.

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Stellen Robo-Advisor den Bankberater in Frage?

Die Digitalisierung stellt die Finanzbranche auf den Kopf. Nun geht es ans Filetstück, die Vermögensverwaltung. Besonders für die traditionellen Vermögensberater wird es eng. Ersetzen Robo-Advisor den Bankberater?

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Text: Barbara Kalhammer

Im Februar 2011 fanden drei einzigartige Ausgaben der amerikanischen Quizsendung Jeopardy statt. Der IBM-Computer Watson trat gegen zwei menschliche Mitspieler an – und schlug sie. Wer dies nur als schönes Beispiel für den Fortschritt der Algorithmen sah, hat weit gefehlt. Algorithmen gewinnen nicht nur Quizduelle gegen Menschen, seit neuestem verwalten sie auch deren Gelder.

Was früher der Bankberater bei einem persönlichen Treffen machte, übernehmen heute sogenannte Robo Advisor. Mittels Online-Fragebögen eruieren diese die persönliche Risikoneigung des Kunden, wobei auch Aspekte aus der Verhaltensökonomie berücksichtigt werden. Anhand des entstandenen Anlegerprofils berechnet der Algorithmus innert Sekunden eine passende Vermögensallokation.

Für die Umsetzung der Strategien werden hauptsächlich börsenkotierte Indexfonds, Exchange Traded Funds (ETF), eingesetzt. Gegenüber der traditionellen Vermögensverwaltung unterscheiden sich die digitalen Berater in drei Aspekten: Sie arbeiten mit einer automatisierten Software, die auf den Erkenntnissen der Finanzwissenschaft basiert wie beispielsweise der Portfoliotheorie von Harry Markowitz. Zudem sind sie günstiger und der Kunde kann sein Portfolio selbst verwalten, und zwar jederzeit – via PC, Tablet oder Smartphone.

Dank der Automatisierung und dem Einsatz von ETF sind die Verwaltungskosten der Robo-Advisor-Plattformen sehr tief, sie betragen zwischen 0,25 und 0,75 Prozent. Bei herkömmlichen Banken und unabhängigen Vermögensverwaltern fallen sie mit 1 bis 1,5 Prozent doppelt so hoch aus. «Robo Advisor könnten für die gesamte Vermögensverwaltung in der Schweiz, in Europa und wahrscheinlich auch global ein Game Changer werden», sagt Sven Württemberger, der beim ETF-Anbieter iShares den Deutschschweizer Markt verantwortet.

ETF machen in den USA bereits den Grossteil der privaten Anlagevermögen aus, auch in der Schweiz erfreuen sie sich einer immer grösseren Nachfrage privater Investoren. Robo Advisor können der Branche einen Mehrwert bieten, ist Württemberger überzeugt: «ETF können in der Online-Vermögensverwaltung, bei Model-Portfolios und Vermögensverwaltungs-Mandaten einfach eingesetzt werden. Für die ETF-Branche sind Robo Advisor ein zentraler und wichtiger Wachstumsmarkt.» Doch solche Veränderungen werden nicht nur durch den technologischen Fortschritt vorangetrieben, sondern auch durch die Bedürfnisse der Kunden. Massgebend ist hier die Generation Y.

Eine heikle Güterabwägung

Die Millennials, aufgewachsen mit Computer, Internet und Handy, fordern von ihrer Bank eine Anpassung des Angebots. Ein zentrales Element dabei ist Kommunikation: Sie soll online erfolgen. Den Gang in die Bankfiliale oder ein persönliches Beratungsgespräch mit ihrem Banker erachten sie als überflüssig. Schliesslich können sie sich die nötigen Informationen auch auf anderem Weg beschaffen. Jeder Dritte der technologieaffinen Generation Y geht davon aus, in fünf Jahren keine herkömmliche Bankfiliale mehr zu benötigen, wie die Goldman Sachs-Studie «Future of Finance» schreibt.

Diesen Trend bestätigt auch Marco Abele, Head Digital Private Banking bei Credit Suisse: «Dieser neuen Kundschaft der jungen Vermögenden dauert der persönliche Beratungsprozess zu lange und die Eintrittshürden sind zu hoch.» Gemäss einer Studie von Wells Fargo setzen nur 16 Prozent der Millennials auf einen Bankberater. Doch auch wenn die Kunden mit ihren geringen Vermögen für die Banken wenig gewinnbringend sind, so büssen diese durch Robo Advisor neue Kunden ein. «Zwar wird der Grossteil der bestehenden Kunden nicht abwandern, aber die neuen Anbieter gehen gezielt jene Kunden der Zukunft an, die nicht mehr vom Bankberater betreut werden wollen», sagt Abele.

Die aufgeklärten Selbstentscheider suchen nach digitalen und gleichzeitig sicheren Finanzlösungen. Darüber hinaus wollen sie detailliert und vollumfänglich informiert werden. Sie verlangen berechenbare Lösungen, die klar definierten Regeln folgen. Mit diesen Anliegen sind sie nicht alleine. Auch die Generation 60+ wendet sich vermehrt digitalen Inhalten zu. Senioren haben Zeit, sich mit den Technologien auseinanderzusetzen, und bevorzugen ebenfalls vermehrt den digitalen Kontakt. So wächst der Druck auf die Banken, ihre Dienstleistungen an die neue digitale Realität anzupassen, gleichzeitig von mehreren Seiten.

Neben der Digitalisierung gibt es einen weiteren wichtigen Treiber des Wandels: die Regulierung. Seit der Finanzkrise wurden zahlreiche neue Richtlinien und Verordnungen beschlossen, die die Finanzmärkte grundlegend verändert haben. Besonders verschärft wurden die Vorgaben zum Anlegerschutz, was auch die Beratungstätigkeit der Banken verändert. Der Trend geht hin zu einer Standardisierung der Produkte und Verfahren, die durchaus auch von Algorithmen übernommen werden kann. Gemäss Andreas Dietrich, Professor für Bankmanagement an der Hochschule Luzern, gilt das vor allem fürs Anlagegeschäft. Dort gebe es «enorm viel Optimierungspotenzial für eine Prozessautomatisierung», sagte er gegenüber AWP.

Wie in zahlreichen anderen Bereichen der Digitalisierung sind die USA auch in Sachen Robo Advisor Vorreiter. Die führenden Unternehmen sind Wealthfront, Betterment und der britische Anbieter Nutmeg. Wealthfront verwaltete gemäss eigenen Angaben Ende Juni bereits 2,6 Milliarden Dollar. Dabei sind 60 Prozent der insgesamt 37 500 Kunden jünger als 35 Jahre. Betterment kommt ebenfalls auf 2,6 Milliarden Dollar. Auch in der Schweiz haben erste Robo Advisor ihre Tätigkeit aufgenommen. Vorreiter und bislang einziger bankenunabhängiger Anbieter ist TrueWealth. Das Schweizer Start-up hat seit 2014 zirka 14 Millionen Franken eingesammelt. Um rentabel zu sein, reicht das natürlich nicht, aber TrueWealth befindet sich immer noch in der Anfangsphase.

Mittlerweile ist mit der Glarner Kantonalbank auch ein etablierter Bankenplayer eingestiegen und hat vor wenigen Monaten den Investomat lanciert. Das Vorgehen ist bei beiden Anbietern ähnlich, beim Investomat der Glarner KB können jedoch zusätzlich Satellitenanlagen eingesetzt werden. Mögliche Themen sind beispielsweise Dividenden und Immobilien Schweiz, Gold, Öl oder Wasser. Nachdem in einem ersten Schritt ein Anlagevorschlag erstellt wurde, wird die Gewichtung zwischen Basisanlagen und Themen anhand einer Risiko-/Rendite-Optimierung berechnet. Zudem hat der Kunde jederzeit die Möglichkeit, seine individuellen Bedürfnisse einzubringen. Klumpenrisiken werden nach Möglichkeit vermieden, die Gewichtungen werden dank eines regelmässigen Rebalancings an die Marktverhältnisse angepasst.

Bedeutung der Intuition

Trotz rasanter Fortschritte sind Robo Advisor nicht perfekt. Vor allem in Spezialfällen stossen sie mit ihren standardisierten Fragebögen an Grenzen. Familiäre, berufliche, persönliche Situationen sowie andere entscheidende Lebensabschnitte bleiben unberücksichtigt. Abele zufolge könnten solche Aspekte allerdings bald folgen. Wealthfront beispielsweise hat sich auf Steueroptimierung spezialisiert. Andere würden sich auf das Cash-Management konzentrieren. Für die Technologie sei so etwas keine Herausforderung. Kritischer sieht der Experte der Credit Suisse allerdings, dass die Robo Advisor die Portfolios nach neuester Finanzmarkttheorie konstruieren, diese aber noch nie in wilden Märkten getestet wurden. Gerade in solchen Phasen kann die menschliche Intuition von Bedeutung sein.

Kritiker bemängeln zudem, dass aus den wenigen Fragen kein fundiertes Rendite-/Risikoprofil abgeleitet werden könne. Die Anbieter müssen eine Abwägung vornehmen: Zu viele Fragen verkomplizieren den Anmeldeprozess und wirken abschreckend, zu wenige Fragen führen zu einem unzureichenden Rendite-/Risikoprofil, das die Situation des Anlegers falsch einschätzt. Für Abele wird es interessant zu beobachten sein, ob die Technologie jemals eine umfassende Beratung ermöglichen wird. Eine besondere Herausforderung sei zudem, dass die Robo Advisor das Rebalancing und alle Anpassungen ihren Kunden vermitteln müssen – und das ohne ein persönliches Gespräch. Wenn sie über Änderungen unzureichend informiert werden, entsteht das Gefühl, in eine Blackbox investiert zu sein.

Noch sind die Volumina der Robo Advisor gering, doch Abele ist überzeugt, dass das klassische Vermögensverwaltungsgeschäft durch die neuen Angebote langfristig unter starken Druck gerät. Ab 2020 seien die Digital Natives in der Mehrheit und spätestens dann werde das Wachstum stark zunehmen. Daher sei es für die Bankinstitute entscheidend, sich rechtzeitig in dem Bereich zu engagieren. «Wir bauen ebenfalls an einem internen Robo Advisor, der aber nicht voll elektronisch sein wird, sondern auch die persönliche Komponente einbaut. Ich bin überzeugt, dass in der DNA unserer Kunden immer noch der Bedarf nach menschlicher Interaktion besteht», sagt Abele. Eine solche Kombination wird als hybrides Modell bezeichnet. Wie die Hochschule Luzern (HSLU) in der Publikation «Status quo: Marktübersicht & Geschäftsmodelle» schreibt, «verläuft der Anlageprozess vollständig automatisiert und basiert auf vergangenheitsorientierten Algorithmen. Sofern der Kunde es wünscht, besteht jedoch die Möglichkeit zur punktuellen Beratungsunterstützung.» Bislang sind Angebote dieser Art selten.

Hybride Modelle

Ein solches Modell könnte künftig eine Ergänzung des Produktangebots von Retail-Banken sein. Dadurch hätten sie die Möglichkeit, bei geringeren Anlagesummen automatisierte Modelle einzusetzen. Zudem können so die Bedürfnisse von Anlegern gestillt werden, die auf keine Vermögensverwaltung vertrauen. Sie würden von tieferen Kosten profitieren und hätten den Vorteil einer Art Beratung auf Honorarbasis. Letztlich soll sich die Kundenzufriedenheit insgesamt erhöhen.

Für Abele hat ein solches hybrides Modell die besten Zukunftsaussichten. Denn es kombiniert die Effizienz, Einfachheit und Skalierbarkeit der Robo Advisor mit der menschlichen Komponente. Der Vorteil für den Anleger ist, dass seine persönlichen Präferenzen mehr Berücksichtigung finden bei der Portfoliokonstruktion und somit sein Vertrauen in die Lösung gestärkt wird.

Die Chancen für Robo Advisor, sich künftig einen Teil vom Vermögensverwaltungskuchen abzuschneiden, stehen gut. Auch weil der Kuchen grösser wird. Die Boston Consulting Group geht davon aus, dass die verwalteten Vermögen von derzeit etwas über 164 Billionen Dollar bis 2019 auf 222 Billionen Dollar wachsen. Die Studie rät den Vermögensverwaltern, mehr in digitale Dienstleistungen zu investieren.

Das theoretische Marktpotenzial, das durch digitale Anlageprodukte in der Schweiz abgedeckt werden könnte, beziffert die HSLU auf rund 587 Milliarden Franken – so viel Vermögen hielten Schweizer Privathaushalte Ende 2013 in Form von Wertschriften. Sie umfassen Anlagen in Aktien, Schuldentitel, Anteile an kollektiven Kapitalanlagen und strukturierte Produkte. In der Praxis traut die HSLU den Robo-Advisor-Unternehmen im besten Fall 7,8 Milliarden Franken zu. Im Basisszenario sind es 3,2 Milliarden. Für hybride Lösungen sehen sie Vermögen in Höhe von 4,4 Milliarden im Basis- beziehungsweise 8,1 Milliarden im progressiven Szenario.

Der Weg hin zur automatisierten Vermögensverwaltung ist geebnet. In den nächsten Jahren werden weitere Anbieter auf den Zug aufspringen, die Lösungen werden weiterentwickelt und verfeinert. Für Banken, die weiterhin vor allem mit dem herkömmlichen Modell arbeiten, bedeutet dies: Sie werden noch härter um die Kunden, vor allem Neukunden, kämpfen müssen.

Auch für Robo Advisor ist das Geschäft hart, denn die geringen Kosten haben zur Folge, dass die Anbieter nur tiefe Margen einfahren. Kompensieren können sie dies nur durch Grösse, sprich: Milliarden statt Millionen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

  1. Nina sagt:

    Zusätzlich Informationen aus der Schweiz zu Robo-Advisor: http://robo-investing.ch/

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Cryptocurrencies & Blockchain – The Start of a Revolution?

Finance 2.0, the leading industry forum in Switzerland, organizes «Cryptocurrency». This is the first conference about Cryptocurrencies & Blockchain in Switzerland. The conference will take place in the EWZ-Unterwerk Selnau on 23rd of September, 2015.

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Finance 2.0 and Fintech are crucial current topics. The industry has a lot of potential. There are more than 120 Fintech companies in Switzerland. However, the local financial industry continues to lag behind. Finance 2.0 as well as shifting consumer needs are going to affect banks, insurance companies and other businesses. Switzerland should not drop back and utilize such new opportunities. Does Switzerland even have the potential to obtain a leading position in terms of Cryptocurrencies & Blockchain?

Nevertheless, Finance 2.0 is the most influential Swiss platform for these topics. «Crypto» is going to be the perfect conference for opinion leaders of banks, insurance companies and other related businesses.

Finance 2.0: Crypto

The main topics of Finance 2.0, Crypto are:

  • What is the long term potential of cryptocurrencies such as the Bitcoin?
  • Are cryptocurrencies able to transform the financial system fundamentally?
  • Information about the technologies behind.
  • Will Blockchain transform the financial industry in the future?
  • Information about the first Bitcoin-Bank in Switzerland.

Speakers and further information: www.finance20.ch/crypto2015

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Digital Banking: Auf allen Kanälen

Die Digitalisierung macht auch vor dem Beruf des Bankberaters nicht Halt. In Zukunft wird er den Bedürfnissen der Kunden jederzeit und auf allen Kanälen gerecht werden müssen.

Text: Barbara Kalhammer

Nachdem die Digitalisierung in den vergangenen Jahren bereits die Musikindustrie, den Detailhandel und so gut wie jede andere Branche auf den Kopf gestellt hat, macht sich der technologische Wandel auch in der Finanzbranche immer stärker bemerkbar. «Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Windmühlen und die anderen Mauern», sagt ein Sprichwort aus China. Treffend beschreibt es die verschiedenen Arten, wie die einzelnen Finanzinstitute mit der Digitalisierung umgehen.

Während die einen Unternehmen die neuen technologischen Möglichkeiten zeitnah (aber nicht immer durchdacht) zu implementieren versuchen, schotten sich andere komplett ab. Dabei haben sie, zumindest längerfristig, gar keine Wahl. «Die Digitalisierung zwingt Banken zur grössten Transformation ihrer Geschichte», sagt Holger Spielberg, Chefinnovator der jüngst lancierten digitalen Privatbank der Credit Suisse.

In vielen Bereichen ist die Zukunft längst Gegenwart: Immer mehr Überweisungen und Kontoabfragen werden online oder mobil erledigt, auch das Bezahlen per Smartphone kommt in die Gänge. Eine Untersuchung des Beratungsunternehmens Roland Berger und Visa Europe zeigt, dass drei Viertel der befragten Bankkunden in der Schweiz ihre alltäglichen Bankgeschäfte online erledigen. Wer sich diesem Wandel verschliesse, werde zukünftig keinen Zugang zu neuen Kundensegmenten haben, erklärt Michael Carl vom 2b Ahead ThinkTank.

Die Veränderungen bleiben nicht ohne Auswirkungen auf die Zahl der analogen, also physischen Bankfilialen: Diese nimmt laufend ab. Auch dafür ist die Digitalisierung verantwortlich. Bankkunden seien nicht gewillt, für eine einfache Geldüberweisung am Schalter anzustehen, heisst es beispielsweise  bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). «Der Kunde entscheidet, wann und wie er unsere Services nutzt: digital, mobil, online oder im direkten Gespräch mit dem Bankberater», fasst Daniel Heinzmann, Leiter IT-Strategie der Bank, zusammen.

WasDerKundeWill

Präsenz auf allen Kanälen

Die Banken sind unter Zugzwang, sie müssen den veränderten Kundenbedürfnissen nachkommen. Diese betreffen primär Kommunikation und Erreichbarkeit. Banken müssen dem Kunden fortan auf allen Kanälen und rund um die Uhr zur Verfügung stehen, sei es per E-Mail, Video, Chat oder soziale Medien. «Ein zentraler Erfolgs- und Differenzierungsfaktor ist das Omnikanal-Management», betont auch Luc Schuurmans, der bei der Bank Linth für das Anlagegeschäft verantwortlich ist. Einer der wichtigsten Kanäle sind Videochats, wo sich Kunden jederzeit mit einem Berater kurzschliessen können. Die UBS pilotiert die Videokollaboration bereits in ausgewählten Geschäftsstellen, auch Live-Chats sollen noch in diesem Jahr möglich werden. Auch die Credit Suisse arbeitet zurzeit an der Einführung eines Video-Chats.

Doch das ist erst der Anfang. Ziel ist, dass der Kunde jederzeit und von jedem beliebigen Ort auf die gesamte Produktpalette und alle Dienstleistungen zugreifen kann. Gemäss der Studie «Das Omnichannel-Management der Zukunft» von 2b Ahead gilt es zu beachten, dass Kundenerlebnis und Servicelevel darunter nicht leiden. Gelingt dies, entsteht zwischen Kunde und Bankberater ein geringeres Abhängigkeitsverhältnis, als es in der Vergangenheit der Fall war.  Mit der Möglichkeit zur Kontaktaufnahme per Videotelefonie oder Chat und Präsenz in sozialen Netzwerken ist es aber nicht getan. Wichtig ist auch, dass von technischer Seite eine kontinuierliche Integration weiterer Kanäle ermöglicht wird.

«Die Bank muss über alle Kanäle stimmig erscheinen und durchgängig kommunizieren. Sie muss ein stimmiges Markengesicht transportieren», erklärt Carl. Keine leichte Aufgabe. Schuurmans sieht – nebst  der geschickten Integration der Kanäle – in der Benutzerfreundlichkeit der Zugangswege das grösste Differenzierungspotenzial. Die UBS hat eine konzise Multichannel-Strategie bereits in Angriff genommen. Die Zahlen bestätigten den eingeschlagenen Weg, sagte Andreas Kubli, Leiter Multichannel Management & Digitization in der UBS

Schweiz, im März gegenüber Medien. Das Nettowachstum des Geschäftsvolumens der digitalen UBS-Kunden liegt um 244 Prozent höher als das der nicht-digitalen. Kunden, die über digitale Kanäle mit der UBS in Beziehung stehen, generierten 24 Prozent mehr Ertrag als die traditionelle Kundschaft. Die Zahlen beziehen sich zwar auf das Retailbanking, doch im Wealth Management sieht es gemäss Kubli ähnlich aus.

Für die Banken sind diese Entwicklungen mit einer enormen Umstrukturierung verbunden. In erster Linie müssen sie eine technische Infrastruktur schaffen, um die verschiedenen Kanäle bedienen zu können. Dies bedingt eine exakte Struktur der Kommunikationswege und eine Echtzeit-Synchronisation der Plattformen. So können Berater jederzeit einsehen, wie der Kunde Kontakt aufgenommen hat und ob Fragen unbeantwortet blieben oder Informationen fehlten.

Das über alle Kanäle erstellte Kundenprofil erlaubt es den Beratern zudem, besser auf die Anliegen der Kunden einzugehen und ihnen massgeschneiderte Lösungen anzubieten. Diese Entwicklungen führen gemäss Michael Carl zu einem neuen Anforderungsprofil: Beim modernen Berater stehen nicht Produkt- oder Marktkenntnisse im Vordergrund – dafür gibt es die technologischen Hilfsmittel –, sondern psychologische Kompetenzen.

Wissen dank Big Data

Im Beratungsprozess gibt der Kunde eine Vielzahl an Daten preis, die für das Unternehmen von enormer Wichtigkeit sind. Eine umfangreiche Big-Data-Analyse ist gemäss Carl Pflicht. Durch die Datenanalyse und -interpretation lernt die Bank die Kunden besser kennen und kann ihre Bedürfnisse identifizieren. Auf Seiten des Beraters bedingt das ein Umdenken. Er sollte nicht mehr «auf seinem Kunden» beharren, sondern nur daran interessiert sein, diesen zufriedenzustellen. Wer sich des Anliegens des Kunden annimmt, ist dabei nebensächlich.

Während früher Diskretion, Sympathie und Fachwissen ausreichten, sind gemäss Schuurmans heute zusätzliche Fähigkeiten wie Beziehungsmanagement oder Technologieflair erforderlich.  In diesem neuen Umfeld fungiert der Berater als eine Art Coach, der den Kunden je nach Anliegen an Experten aus dem bankinternen Netzwerk weiterleitet. Mit der Einführung solcher Netzwerke könnte eine Veränderung der Bankenstruktur einhergehen. «An die Stelle der heute klar abgegrenzten Bereiche Account Management, Produktmanagement, Vertrieb und Marketing werden neue, netzartige Strukturen treten, die die Expertise aller Bereiche zusammenfassen und einen wirklichen Dialog mit dem Kunden erst ermöglichen», heisst es in der Studie von 2b Ahead ThinkTank.

Für Luc Schuurmans ist die Analyse der Bedürfnisse ein zentrales Element in der Beratung, denn sie steht am Anfang der Wertschöpfungskette. Werden hier Fehler gemacht, können sich diese folgenschwer auswirken. Ebenso entscheidend ist, dass dem Kunden Transparenz gewährt wird. Diese bildet die Basis für ein langfristiges Vertrauensverhältnis.

Zunehmende Transparenz heisst natürlich auch, dass der Kunde verstärkt Einblick in die Performance und die Kosten seines Geschäfts erhält. Bei einigen Banken habe in der Vergangenheit eine Verkaufskultur geherrscht, die primär auf den Vertragsabschluss abzielte, so Schuurmans. Heute haben die Zufriedenheit des Kunden, seine Bindung an das Institut sowie seine Weiterempfehlungen ein grösseres Gewicht erhalten.  Ein mögliches Vorgehen ist das Empfehlen von externen Produkten, wenn diese besser sind als die internen.

Für jede Situation das passende Produkt, ob die Bank nun daran verdient oder nicht, schafft gemäss Carl grosses Vertrauen: «Das Kundenvertrauen ist das höhere Gut – aber das ist ein tiefgreifender Lernprozess.»  Natürlich beinhaltet die Digitalisierung auch Risiken. Sie ermögliche zwar einen schnellen Zugang, einen besseren Überblick und individuellere Lösungen für die Kunden, schaffe jedoch eine gewisse Distanz und Anonymisierung, gibt Schuurmans zu bedenken.

Dieser Wandel geschieht nicht von heute auf morgen, sondern ist ein fortlaufender Prozess. Ob Kunden den Kontakt per Smartphone oder Tablet wirklich als Distanz empfinden, wird sich weisen. Gemäss Carl gibt es aber durchaus noch Kunden, für die der menschliche Mehrwert eine entscheidende Rolle spiele. Doch sie würden weniger.

DigitalPrivatBanking

Quelle: Luc Schuurmans, Bank Linth LLB AG

Trigger identifizieren

Die weitverbreitete Angst der Bankberater, durch die Digitalisierung überflüssig zu werden, ist aber übertrieben. Was sich verändert, ist ihre Funktion und damit einhergehend ihr Auftreten gegenüber den Kunden. Sie können ihnen keine Ammenmärchen mehr erzählen, sondern müssen für einen Dialog auf Augenhöhe gewappnet sein.

Heutige Kunden informieren sich per Internet über Angebote der Konkurrenz, sie sind nicht mehr so ahnungslos, wie sie es früher oft waren. Spätestens wenn der Kunde mehr weiss als der Berater, stimmt etwas grundsätzlich nicht mehr. Präsenz auf allen Kanälen, Kontakt zu internen Netzwerken und Dialog auf Augenhöhe markieren aber längst nicht das Ende der Innovation. Vorausdenkende Institute beschäftigen sich bereits damit, wie sie Kundenwünsche erfüllen können, noch bevor sie ausgesprochen werden. Ähnlich wie der Onlinehändler Amazon, der beispielsweise Kunden, die schon länger keine Druckerpatrone mehr gekauft haben, automatisch eine neue schicken will.

Laut Studie wird es zukünftig darum gehen, die Trigger zu identifizieren, die beim Kunden eine unbewusste Beschäftigung mit Finanzthemen auslösen. In diesen Alltagssituationen kann ihn der Finanzdienstleister an sich erinnern oder mit einem abgestimmten Angebot versorgen.  Die Banken und ihre Mitarbeiter werden in den nächsten Jahren stark gefordert sein, der Druck seitens der Kunden wird weiter zunehmen.

Dazu kommt der Umstand, dass laufend neue Anbieter, sogenannte FinTechs, aus dem Boden schiessen und versuchen, ihnen in spezifischen Bereichen den Rang abzulaufen. Das zwingt die Finanzinstitute dazu, selber innovative Lösungen zu entwickeln – oder mit FinTechs zusammenzuarbeiten. Wer dagegen weiterhin Mauern statt Windmühlen baut, hat längst verloren.

Der Beitrag ist im Wirtschaftsmagazin PUNKT in der Ausgabe «Kommunikation» erschienen. Das Magazin wird ebenfalls vom Medienhaus financialmedia AG herausgegeben.

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Warum Digitalisierung für Banken wichtig ist – Stimmen zur Finance 2.0 Konferenz

Die Digitalisierung krempelt ganze Geschäftsmodelle um, so auch das der Finanzindustrie. Obwohl die Schweiz eine jahrzehnte Tradition im Banking hat, bewegt sie sich zuwenig agil. Es ist höchste Zeit, dass die Schweiz international eine Stimme erhält.

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Die Schweiz ist bezüglich Digitalisierung von Banken und Versicherungen im Hintertreffen (siehe auch Finanzplatz Schweiz im Niemandsland). Das ist schade, denn grundsätzlich verfügt die Schweiz über alle nötigen Zutaten: hoher Wissensstand, zahlreiche erstklassige Hochschulen, führende globale Banken und insbesondere Kapital. Mittlerweile sind die Banken zwar aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht, doch es gibt Einiges zu tun, um die ausländischen Finanzplätze wie New York oder London zu überholen.

Sichtbar gemacht wurde dieser Umstand mit dem Einleitungsvideo, das an der diesjährigen Finance 2.0 gezeigt wurde:

An der Finance 2.0 Konferenz vom 5. Mai 2015 haben sich über 350 Teilnehmer unter anderem genau darüber unterhalten. Wie die Stimmen der Akteuere aus der Branche zeigen: Es geht etwas! Doch es darf noch mehr sein.

  1. Coooooooooooooooooool

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Finance 2.0 Konferenz 2015: Ein Rückblick in Bildern und Tweets

Die Finance 2.0 Konferenz ging in diesem Jahr bereits in die dritte Runde. Vor 350 Teilnehmern wurde erneut über die Zukunft der Bankenbranche diskutiert.

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Die Finance 2.0 Konferenz 2015 war ein voller Erfolg. Mitten in Zürichs Bankenherz, im Festsaal Aura beim Paradeplatz, trafen sich am 5. Mai 2015 rund 350 Interessierte aus den Bereichen Banking, Versicherung, Beratungs- sowie IT-Unternehmen und vor allem die jungen Wilden, die FinTechs. Das Thema lautete: «The Future of Banking»

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Rino Borini (Co-Initiant und CEO financialmedia AG) moderierte gemeinsam mit Brigitte Kaps die Konferenz.

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Olof Pripp, Vice-Chairman EMEA von Korn Ferry, ein führender globaler Headhunter, zeigte in seinem Referat, wie wichtig es ist, dass das Verständnis der Digitialisierung auch in der obersten Führungsetage präsent ist. Seine Präsentation finden Sie hier.

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Stimmen aus dem Publikum:

 

 

Auch der hiesige Finanzinfrastrukturanbieter SIX ist gefordert. Damit er, beispielsweise durch die Technologie Blockchain, nicht obsolet wird, hat SIX ein Innovationsprogramm lanciert. Im März 2015 wurde der erste FinTech Hackathon (Ein Video dazu hier) der Schweiz durchgeführt, im Frühsommer 2016 wird ein Inkubator lanciert. Das Motto von Andreas Iten, CIO Financial Services: «Less talk, more do». Hier gehts zur Präsentation.

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Stimmen aus dem Publikum:

 

 

Hans-Joachim Steinbock, CEO e-Banking Switzerland bei Crealogix AG, präsentierte eine kreative Shortlist für die digitale Bank. Seine Präsentation als Download finden Sie hier.

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Was sagten die Konferenzteilnehmer?

 

 

Seit der ersten Finance 2.0 ist die UBS als Partner dabei und präsentiert jeweils eine Neuheit – so auch in diesem Jahr. Andreas Kubli, Chef Multichannel + Digitalisierung UBS Schweiz stellte die Geld-senden-und-anfordern-App Paymit, vor. Dazu holte er sich starke Verstärkung: Schwingerkönig Sempach Matthias unterstützte ihn bei der Präsentation. Das Video zur App gibts hier.

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Wie reagierte das Publikum?

 

 

Die Schweiz ist führend in der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung. Doch was bringt die Zukunft? Übernehmen Robo-advice-Plattformen das Zepter? Darüber diskutierte Mirjam Staub-Bisang mit Felix Niederer (True Wealth AG), Thomas Stokes (UBS AG), Richard Dratva (Crealogix AG) und Anthony Cagiati (Sound Capital AG).

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Einige Stimmen aus dem Saal:

 

 

Gehard Meier von Bank Vontobel zeigte am Beispiel der Plattform Deritrade, wie künftig Finanzproduktkosten sinken werden und wie davon letztlich auch die Kunden profitieren. Seine Präsentation finden Sie hier.

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Stimmen aus dem Publikum:

 

 

Gamification im Banking? Daniel Diemers und Tor Gisvold von PwC sagen: «unbedingt!» Wie sie aufzeigten, können Banken Einiges von der Online-Game-Industrie lernen.

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Übrigens: Tor Gisvold fühlt sich in Socken am wohlsten.

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Was sagte die Crowd?

 

 

Luca Graf, Head of Online & Direct Sales bei Swiss International Air Lines, zeigte am Beispiel der SWISS wie digitale Kundenerlebnisse gefördert werden können (mehr dazu hier im Video). Die Präsentation von Luca Graf finden Sie hier.

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Das Publikum stimmte seinen Aussagen zu:

 

 

Auch die Themen Bitcoin und Blockchain waren an der Finance 2.0 Thema. Adrien Treccani von Verso Solution referierte über das Potenzial von Kryptowährungen und insbesondere auch der dahinterstehenden Technologie Blockchain. Mit einem Klick zu Adriens Präsentation.

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Das Publikum meinte:

 

 

Digitalisierung betrifft auch das Private Banking – die Schnittstelle Bank-Kunde wird neu definiert. Doch wie? Michael Stemmle, Chef von additv AG, zeigte konkrete Ideen. Seine Präsentation finden Sie hier.

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Stemmle überzeugte das Publikum.

 

 

Wie verändern FinTech die (Finanz-)Welt? Marc P. Bernegger (Unternehmer und FinTech-Investor) diskutierte diese Frage mit Daniel S. Aegerter (Chef von Armada Investment AG), Falk Kohlmann (Swisscom AG), Andreas Dietrich (Professor Hochschule Luzern) und Susanne Chishti (CEO FinTech Circle).

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Die Diskussion eckte an – hier ausgewählte Stimmen aus dem Publikum:

 

 

Am Ende der Veranstaltung durften sechs ausgewählte FinTech-Unternehmen ihren Business Case präsentieren – sie erhielten dafür genau 7 Minuten Zeit.

Den Start machte Lars Markull, Head Business Development bei Figo

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Krzysztof Gogol, Co-Founder von WealthArc

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François Briod, CEO von TawiPay

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Andrei Martchouk, CEO von Yacuna

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Klaus Fuchs, Student an der ETH Zürich / HSG St. Gallen (und Teilnehmer am SIX Hackathon 2015)

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Alexey Mazarov, CEO von silbery.com

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Die Finance 2.0 Konferenz ist auch ein Stelldichein der Industrie, Netzwerken war angesagt.

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Wie bereits in den Vorjahren war die Finance 2.0 mit dem Hashtag #finance20 am Veranstaltungstag die Nummer 1 bei Twitter. Nebst fachlichen Diskussionen gab es auch Anlass zum Schmunzeln:

 

 

 

 

 

Mehr Bilder der Verantaltung finden Sie auf Facebook. Sämtliche Pressestimmen und Referate auf einem Blick sind hier zu finden.

  1. […] Rückblick mit Bildern und Tweets zur Finance20 Konferenz in Zürich, Finance20.ch […]

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To Digitize or not to Digitize

European retail banks have digitized only 20–40% of their processes and most invest only 0.5% of their total spending on digital. However, by developing new digital business models, financial services are able to tackle many of today’s challenges pro-actively. An overview on the status quo of digital business.

Text: Olof Pripp

Many Financial Services institutions have embarked on a similar avenue and have spent the last decade off-shoring back-office activities to regions with significantly lower labour costs as a way to address cost pressures rather than aggressively pursuing the opportunities that ‘digital’ provides.

At the same time that many traditional Financial Services institutions have been slow embracing the digital opportunity at scale, many organizations from outside the Financial Services sector have demonstrated a strong interest in the sector cherry picking the more profitable opportunities.

Financial Services today

We have already seen a strong fragmentation of services provided for by traditional banks. A number of small and large specialized payment businesses have surfaced and provide simpler, cheaper and faster digital payment platforms (e.g., Tink, Toborrow, Klarna, iZettée, SEQR, Apply Pay, MCX, etc). Direct payments providers such as the Merchant Customer Exchange is another example of a mobile payment solution that does not require the use of credit cards and which significantly lower the transaction fees.

Although such companies have not yet penetrated the market of savings and lending to the same extent, we have already seen the beginning of such a wave. As an example, a number of non-financial services eCommerce vendors such as Alibaba with almost 100 million registered users are today providing customers an ability to deposit money with significantly higher interest than traditional banks.

On the lending side we have seen the rapid raise of non-banking peer-to-peer lenders (e.g., Lending Club, Curreny Cloud, Lending Tree, Fixura, Trust Buddy, etc.) and crowd funding organizations (e.g., Kickstarter, Indiegogo, Fundedbyme, etc.) providing loans with no involvement of a bank.

The development of new digital-based business models have also spread far beyond traditional retail banking, and we can today find good examples in areas such as online trading platforms (e.g., Avanza Bank, Saxo Bank, Robinhood, etc.). Many alternative and technology driven exchanges have surfaced and are rapidly taking market share from traditional exchanges and it is fair to conclude that also the wealth sector is around the corner for such digital developments.

The three misperceptions about Digital

1. Digital is a separate industry sector. It is true that a number of pure play digital businesses were pioneers in launching ‘new economy’ business models given their passion for innovation and lack of legacy constraints. Going forward, however, the real scale of growth of digital business models will come out of the convergence of pure play digital business and legacy business.

Such digital business models are about to cut across all industry sectors.Although it can be beneficial for traditional legacy business to leverage concepts such a digital ‘lab’ or ‘garage’ as a catalyst to experiment with new ways of doing business, such approach can also become a significant trap and hinder to deploy digital across the entire enterprise.

2. Digital is only mobile and web. One of the most profound misunderstandings is that digital is primarily applicable for front-office activities. Most organizations have accordingly focused most of their digital initiatives to date on stand-alone front end mobile applications and features. According to a white paper by McKinsey, European retail banks have digitized only 20–40% of their processes and most invest only 0.5% of their total spending on digital. The same white paper suggests that two-thirds of the potential value of digital relates to a significantly lower cost base. A similar conclusion in a white paper by Accenture which suggest that banks can slash back-office effort with up to 80%.

As a result, digital concepts such as Straight Through Processing (STP) means today often ‘Straight To the Printer’ in most traditional organizations which rely heavily on off-shored operations.We can also see some interesting regional differences with US-based banks typically having some 40+% of total staff in Technology & Operations largely due to availability of near-shore operations capabilities and an average internet penetration, which is slightly lower than the rest of the western world.

Most European organizations scores slightly better in this respect as European banks have been more exposed to tighter labour regulations which have driven a higher degree of automation. In contrast, Northern European institutions in the Netherlands and Scandinavia have achieved rates of some 20% of total staff in Technology & Operations largely driven by exceptionally high internet penetration and maturity in these countries. While US institutions still processes checks and distributes paper statements, checks have not been available in Scandinavia for a long period of time and statements are typically online only.

3. Digital is only Silicon Valley. It is true that a number hubs such as the Silicon Valley, Israel and South Korea are still leaders in development of core technology. That should not, however, be confused with the ability to leverage technology to re-think ways of doing business.

As an example, the Silicon Valley Bank’s website still features a new mobile application to schedule wires and deposit checks whilst the Rakuten bank in Japan features money transfers using Facebook. It is therefore important to search globally for innovative concepts and ideas. In such pursuit specific attention should also be given to emerging markets who often are on the forefront of simple and innovative solutions given their lack of constrains from ‘old econolmy’ legacy solutions.

The shaping of new ways of doing business

The ‘Millenium Disruption Index’ survey undertaken by Viacom in 2013 showed that almost 70% of the ‘Digital Native’ generation believe that they will manage their financial assets in a completely different way and some 33% concluded that they are unlikely to need a bank at all. Probably not a surprise as few individuals from this generation have ever visited a bank branch office and have only booked flights, bought books and music online.

One of the key concepts going forward will be to put the customer in the centrum. While most banks traditionally have developed and pushed solutions to its customers the future will be much more focused on fully understanding individual customer’s behaviours, preferences and needs. In this context, Big Data technologies will be leveraged much further and will also provide the organizations opportunities to expand offerings to the enlarged digital echo system (e.g., combining a car loan with preferential car discounts and competitive insurance schemes).

Big Data technologies will also be leveraged to quickly optimize insight on customer perceptions in social media forums including blogs to ensure agile responses to optimize the P&L. We will also see an increased sophistication as it relates to digital delivery models. Much of that will be driven by enhancing the advisory function (e.g., 24/7 video connectivity with relationship managers, enhanced bill-management services, provide peer opinions for decision making, provide synchronous trading applications with star traders, etc.).

Lack of traditional infrastructure will no longer be an obstacle. On the contrary, simplicity is likely to fuel growth. A good example is the M-Pesa payment services developed in Kenya in which a major portion of the population have no access to banks, credit cards and traditional infrastructure and instead relies on mobile. M-Peas is today used by 50% of the country’s adult population and transactions 40% of the country’s BNP. Conceptually a solution which could be deployed to not only other emerging markets, but also to large portions of people in the developed world with rather simple banking needs. Simplicity, like Uber for the taxi market, is likely to gain support going forward.

Cost of doing business, largely gained from a radically different approach to the set-up of the back-office will be reduced significantly. Digital banks without branch networks provides already today a significantly cheaper cost base. As an example, The Japanese digital bank Rakuten has almost 13,000 clients per employee compared to a traditional western retail bank with some 3–400 customers per employee.

Although cyber security will continue to be an issue, it is clear that a more holistic approach (versus a fragmented approach) to digital business models will be an advantage while addressing such an issue.

The importance of aligning the business and talent strategies to drive value

Sustainable digital leadership must come from the top of the organization. Therefore it will be even more important for the board to step up from a ‘compliance only’ board to a ‘strategic’ board as digital transforms the way we conduct business. The board will need to take a very comprehensive and strategic view on the full digital value chain including opportunities and constrains of digital business models, impact on legacy, agility and readiness to change, technology framework, implementation effort, silent running, risk mitigation and continuous innovation. This will impact the composition of the members on the board and its members need to be confident in asking the right questions.

The board will also be responsible for the oversight of CEO appointment and succession planning. Of particular short-term importance is to have a CEO which can provide the strategic insight and vision of  ‘new economy’ business models. The CEO must also be able to provide the visionary leadership and build the case for change.

The rethinking of the way you do business requires a rethinking of the organization model as well. In the Silicon Valley some 50+% of graduates are today joining a project rather than a function and we are likely to see such patterns more widely. Ultimately digital is a mind-set and will need to be fully integrated in the cultural DNA of any organization.

Conclusion

Although we will continue to see a number of highly successful start-ups, most of them will fail. The largest opportunity for sustained success is therefore more likely to come from traditional organizations who are open to change and rapidly adopt to a digital world.

Although success will vary from company to company rather from region to region, Switzerland as a country is well positioned for success. A well educated workforce, solid infrastructure and a past requiring innovation given a high cost environment are important factors going forward.

Portraits-gross-OlofOlof Pripp is Vice Chairman, Board & CEO Services EMEA at Korn Ferry, a single source of leadership and talent consulting services.

 

 

 

  1. Dear Mr Pripp, your CONCLUSION is exactly what we believe in too and why we are aiming not to disrupt the financial sector but strenghten it’s «foot soldiers», the advisors, with a useful, a senceful and enjoyable solution.

    Great read, thanks.

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Bitcoin erhält mehr Zuspruch

Die digitale Währung hat zahlreiche Rückschläge hinter sich. Doch nun interessieren sich Bösenbetreiber und Online-Händler für Bitcoin. Und auch die Technologie dahinter stösst zunehmend auf Interesse.

Text: Barbara Kalhammer

Bitcoin hat sich als erstes öffentich gehandeltes Kryptogeld einen Namen gemacht. Bereits seit 2009 können mit der digitalen Währung Transaktionen durchgeführt werden.

Ein Video zu Geschichte und Entstehung:

Bitcoin ist ein dezentralisiertes Peer-to-Peer-Zahlungsnetzwerk (Datenbank). Die Transaktionen sind dabei anonym. Da die Währung digital ist, wird sie vor allem für Transaktionen im Internet verwendet. In der Regel fallen kaum Transaktionskosten an, die Währung ist quasi grenzenlos. Zudem ist sie fälschungssicher.

In den vergangenen Jahren ist der Kurs stark gestiegen. Im Dezember 2013 war ein Bitcoin über 1000 Dollar wert. Doch die Währung ist sehr volatil und im vergangenen Jahr verzeichnete sie einen starken Einbruch. Aktuell liegt der Kurs unter 240 Dollar. Grund dafür war, dass aus der grössten Handelsplattform der Währung, Mt. Gox, Hundetausende Bitcoins verschwanden. Das Unternehmen musste Insolvenz anmelden und der Chef Mark Karpeles verschwand. Wie ZDNet berichtet, können ehemalige Nutzer der Börse nun Ansprüche gegen verloren gegangene Einlagen erheben.

Darum, und auch weil Börsen immer wieder Opfer von Cyber-Attacken werden, ist die Frage der Sicherheit der Währung in den Fokus gerückt – gerade im Hinblick auf das Ziel,  die Währung massentauglich zu machen. So gibt es beispielsweise bereits Bitcoin-Automaten. Und auch die grössten Börsenbetreiber in den USA interessieren sich für die Währung.

Nasdaq OMX Group Inc. gab kürzlich bekannt, dass die Bitcoin-Handelsplattform von Noble Markets aus New York auf der X-Stream-Technologie von Nasdaq basieren wird. Die Betreiber der New York Stock Exchange hatte zu Jahresbeginn in Coinbase, eine andere Plattform für den Handel mit Bitcoins und Anbieter digitaler Wallets, investiert.

Auch Ebay und Paypal planen scheinbar die Einführung von Bitcoins als Zahlungsmittel.

Auf Interesse stösst aber nicht nur die Währung selbst, sondern auch die Technologie dahinter. Andreas Dietrich schreibt in «Blockchain – die nächste grosse Revolution im Bankensektor?»: «Zentrales Konzept dahinter ist die sogenannte Blockchain, eine Aneinanderreihung von Datenpaketen, welche eine dezentrale und doch transparente Verwaltung der Währung ohne ‹zentrales Clearinghaus› zulässt.»

Diese Blockchain-Technologie ist nicht nur auf Bitcoin beschränkt. So will beispielsweise die Schweizer Grossbank UBS in London ein Zentrum einrichten, das sich mit dieser Technologie auseinandersetzt. Wie das Wall Street Journal schreibt, sollen vor allem die Einsatzszenarien im konventionellen Finanzsystem ausgelotet werden.

Ein kleiner Blick auf die Technologie:

 

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Digitale Vermögensverwaltung mit ETF – Robo-adivce

Der grosse Erfolg der ETF und die fortschreitende Digitalisierung verändern die Vermögensverwaltung grundlegend und schaffen einen Markt für automatisierte Vermögensverwalter – Robo-advice. Auch in der Schweiz gibt es bereits solche Anbieter.

Vermoegensverwaltung
Text: Rino Borini

Die Durchdringung von ETF ist bei Privatanlegern in der Schweiz gering. Das Wachstum in diesem Produktsegment ist primär von professionellen Anlegern getrieben. Sie, die Privaten, haben die Vorzüge bisher leider nur zum Teil entdeckt. Die USA sind diesbezüglich wesentlich weiter: Über dem Atlantik machen Privatinvestoren über 65 Prozent des in ETF verwalteten Vermögens aus.

Dass dieser Boom auch auf die Schweiz überschwappen wird, ist so sicher wie das Amen im Gebet. Drei wichtige Treiber sind dafür verantwortlich: Erstens profitiert durch das absehbare Ende der Retrozessionen die Industrie der börsengehandelten Indexfonds, denn diese zahlen keine Kickbacks. Zweitens verlangt das Tiefzinsumfeld ein Umdenken: Marktrenditen sind nicht zu steuern, Kosten hingegen schon.

Und drittens spielt der Digitalisierungstrend den ETF-Anbietern in die Hände. Denn derzeit passiert das, was in anderen Industrien wie der Reise- oder Konsumgüterbranche bereits Realität ist: Der Endkonsument agiert digital und ist dank den schier unendlichen Möglichkeiten des -Internets bestens informiert.

Digitalisierung krempelt um

Ob Credit Suisse, Julius Bär, Bank Vontobel, UBS, Raiffeisen oder die Kantonalbanken: Alle sind gefordert, ihre Dienstleistungen an die digitale Realität anzupassen, die auch das margenträchtige Geschäft der Vermögensverwaltung betreffen und die Asset-Management-Industrie umkrempeln wird. Dabei geht es um mehr als hochmoderne und schön gestaltete Apps für das Smartphone – es geht um einen stattfindenden Paradigmenwechsel.

Erste Anzeichen sind derzeit in den USA zu beobachten, etwa das starke Wachstum, das Online-Vermögensverwalter in den drei Jahren ihres Bestehens verzeichnen konnten. Bei Robo-Advice wird der klassische Vermögensberater ausgeschaltet, der Endinvestor verwaltet sein Vermögen, mit digitaler Unterstützung, alleine.

Die Robo-Advicers unterscheiden sich gegenüber den traditionellen Vermögensverwaltern in drei Punkten: Sie arbeiten mit automatisierter Software, sind bedeutend günstiger, und der Kunde verwaltet sein effizientes Portfolio selber. Das Vorgehen ist ziemlich simpel: Der Kunde bestimmt mittels eines Online-Frage-katalogs, der Elemente der Verhaltensökonomie (Behavioral Finance) berücksichtigt, sein persönliches Chancen-/Risikoprofil.

Darauf basierend berechnet ein Algorithmus eine Vermögensallokation, die auf die Erkenntnisse der modernen Portfoliotheorie (effizientes Portfolio) abstützt. Die praktische Umsetzung der Strategie erfolgt mit kostengünstigen Indexvehikeln.

Bei diesem Prozess werden menschliche Eingriffe auf das Minimum reduziert, was dazu führt, dass Anbieter solcher Plattformen bedeutend tiefere- Vermögensverwaltungskosten aufweisen.

Etablierte steigen ein

Die bekannten US-Anbieter heissen Wealthfront und Betterment. Beide sind bankenunabhängig. Seit dem Start haben die beiden Vorreiter über vier Milliarden Dollar eingesammelt. Das ist angesichts der gesamten Vermögen natürlich ein Klacks, aber vor dem Hintergrund, dass sie zu Beginn über keine Kunden verfügten, ist es ein beeindruckender Wert. Und vor allem: Es sind Startup-Unternehmen.

Nun setzen auch die ersten etablierten Finanzdienstleister auf diese Art der Vermögensverwaltung. Mit Charles Schwab ist ein grosser US-Anbieter erfolgreich in dieses Geschäft eingestiegen. Innerhalb von nur drei Wochen sammelte das Haus eine halbe Milliarde Dollar ein.

Das neue Buzzword in der Vermögensverwaltung heisst also «Robo-Advice». Der Begriff ist aber verwirrend, denn hinter diesen Plattformen stecken nicht eigentliche Roboter, lediglich der Berater wird ausgeschaltet. Dahinter stehen Menschen, welche die Produkte untersuchen, die Software programmieren oder schauen, dass die Online-Portfolios richtig und effizient geführt werden.

Bei der automatisierten Vermögensverwaltung können ETF alle ihre Stärken ausspielen. Denn erstens lassen sie sich leicht in den finanzmathematischen Berechnungsprozess einbinden, da sie letztlich einfach den Markt abbilden. Zweiter Vorteil: Mit einer Transaktion in einen bestimmten Markt ist der Investor breit diversifiziert. Drittens können ETF wie Aktien an der Börse gehandelt werden, und letztlich sind die Produktgebühren bedeutend tiefer als bei anderen Kollektivierungsformen.

Chance statt Gefahr

Durch den Einsatz von börsengehandelten Indexfonds können die jährlichen Pauschalgebühren auf rund 50 bis 70 Basispunkte reduziert werden. Bei einer klassischen Bankenlösung müssten Anleger rasch mal 100 bis 150 oder noch mehr Basispunkte bezahlen.

Banken, die durch diese Plattformen nun eine Gefahr sehen, sind auf dem Holzweg, sofern sie sich nicht selber mit der Digitalisierung auseinandersetzen. Denn es gibt viele Kunden, insbesondere solche mit Vermögen unter einer halben Million, die für ein Institut kaum mehr rentabel sind. Ebenso decken diese Plattformen ein Bedürfnis ab für Anleger, die eben keine Vermögensverwaltung brauchen, wie sie bisher angeboten wurde. Mit diesen digitalen Unterstützern kann ein Bankhaus also sowohl seine Grenzkosten senken wie auch die Kundenzufriedenheit erhöhen.

In der Schweiz wagen sich zurzeit erste Anbieter an die automatisierte Vermögensverwaltung. Mit True Wealth ist der erste und bislang einzige bankenunabhängige automatisierte Vermögensverwalter entstanden. Das Schweizer Start-up konnte in knapp sechs Monaten über zehn Millionen Franken einsammeln. Um rentabel zu werden, reicht das natürlich nicht, doch das Jungunternehmen steht ja erst am Start.

Als erstes Bankenhaus ist die Glarner Kantonalbank (GLKB) auf den Trend aufgesprungen, vor drei Monaten lancierte sie den Investomat. Bei dieser Online-Plattform werde der ganze Prozess stark automatisiert, sagt Ivan Büchi, Leiter Multikanal bei der GLKB: «Es wird ein system-unterstütztes Risikoprofil erstellt und dementsprechend ein automatischer Anlagevorschlag generiert.» Dem Digitalverantwortlichen ist es aber wichtig, dass Anleger verstehen, was ein ETF ist: «Denn auch diese, obwohl in sich selber bereits -diversifiziert, unterliegen Wertschwankungen.»

Im Unterschied zu anderen Robo-Advice-Plattformen geht die Glarner Kantonalbank noch einen Schritt weiter – Innovation «Made in Glarus» sozusagen. Wie bei allen Plattformen geht es zwar primär um die Kernanlage, also das Vermögen, das auf lange Frist intelligent angelegt werden soll. Doch bei den Glarnern können Anleger freiwillig auch gleich -Satellitenanlagen bestimmen.

Innovation aus Glarus

In der ersten Version bietet investomat.ch neun Themen an, beispielsweise Dividenden und Immobilien Schweiz, Gold, Öl oder Wasser. Der Prozess verläuft zweistufig. «In einem ersten Schritt wird ein Anlagevorschlag passend auf das Anlegerprofil berechnet. In einem zweiten Schritt wird die Gewichtung zwischen- Basisanlagen- und Themen anhand einer Rendite-Risiko-Optimierung berechnet.

Um Klumpenrisiken zu vermeiden, wird der Anteil eines Themas am Gesamtportfolio je nach Anlagestrategie unterschiedlich hoch limitiert. Der Kunde hat jederzeit die Möglichkeit, den berechneten Anlagevorschlag seinen individuellen Bedürfnissen anzupassen», so der Digitalchef weiter.

Wie bei der professionellen Vermögensverwaltung passen auch automatisierte Vermögensverwalter die Gewichtung der Anlageklassen regelmässig an die neuen Marktverhältnisse an. Bei der GLKB geschieht dies alle sechs Monate. Der Investomat lässt es den Kunden frei, ob und wann ein Rebalancing getätigt werden soll, «dazu hat der Kunde im Cockpit die Möglichkeit, diesen Automatismus auszuschalten», sagt Büchi.

Wegschauen bringt nichts, die Banken werden sich den neuen Realitäten früher oder später stellen müssen. Das heisst aber nicht, dass das Element Mensch in der Vermögensverwaltung komplett ersetzt wird. Denn in der gesamtheitlichen Vermögensbetrachtung inklusive Vorsorge- oder Immobilienthemen kann kein Computer den Finanzberater ersetzen.

Einzig bei der Bezeichnung könnte sich etwas ändern: Statt vom Vermögensberater könnte künftig vom Vermögenscoach gesprochen werden. Darüber wird auch an der Finance 2.0 Konferenz diskutiert: «Does robo-advice spell the end of the human adviser?»

Ausgwiesene Experten, wie Anthony Cagiati, Chef von Sound Capital, Richard Dratva (Mitgründer Crealogix), Felix Niederer, Gründer von True Wealth und Thomas Stokes (UBS) diskutieren unter der Leitung von Mirjam Staub-Bisang wie sich die Vermögensverwaltung verändern wird.

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FinTech Hackathon: Tinder für Aktientrading

Über 100 Programmierwillige, 23 Teams, 30 Stunden, eine Aufgabe und wenig Schlaf: So sah der erste FinTech Hackathon aus, der jemals in der Schweiz stattgefunden hat.

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Text: Rino Borini

Beim ersten Schweizer FinTech-Hackathon, organisiert vom Infrastrukturanbieter SIX, trafen sich begeisterte Programmierer und hackten während 30 Stunden, was das Zeug hielt. Bevor sie starteten, schlossen sie sich zu Zweier- bis Vierergruppen zusammen und formulierten das Ziel für ihre App, die in der vorgegebenen Zeit programmiert werden sollte.

Bei der Wahl des Themas wurden den Teilnehmern freie Hand gelassen. Zusätzlich schlug SIX vier Themen vor, für die Prototypen entwickelt werden konnten. Von den über 100 vorwiegend männlichen Teilnehmern stammte die Mehrheit aus der Schweiz, aber auch Computerfreaks aus London, Warschau oder Stanford (USA) nahmen teil.

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Veranstalterin SIX verfolgt mit dem FinTech-Hack verschiedene Ziele. «SIX ist nicht Google», sagte Andreas Iten, Managing Director bei der SIX und Initiator des Hackathons, gegenüber Computerworld (Hackathon: Six sammelt Ideen für Finanz-Apps). Für SIX sei es nicht einfach, neue Talente für sich zu gewinnen. Neben dem Aufspüren neuer Talente ging es auch darum, kreative Ideen zu finden. Denn letztlich entsteht Innovation selten innerhalb von Grosskonzernen, das gilt auch für den Bereich der Finanzdienstleistungen.

Das Resultat nach 30 Stunden konnte sich sehen lassen: Dank der verschiedenen Hintergründe der Teams entstanden 23 Prototypen, von denen einige ausgesprochen innovativ und clever umgesetzt waren. Umso schwerer war die Aufgabe für die sechsköpfige Jury, die drei Sieger zu bestimmen.

Das drittplatzierte Team Veezoo präsentierte eine App, die die Konsumgewohnheiten von Touristen in der Schweiz visualisiert, basierend auf Kreditkartendaten. Die Software von Roses for Peny ermöglicht den Plausibilitäts-Check von Daten unter Zeitdruck. Das Viererteam hat damit den zweiten Platz erreicht.

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Gewonnen hat das Team Easy Invest, das einen Prototyp für den mobilen Aktienhandel entwickelte. Basierend auf ihrem Rendite-/Risikoprofil können Aktienanleger auf einfache Art und Weise neue Aktienideen finden. Die Aktienvorschläge, die dem User nach finanzmathematischen Algorithmen gemacht werden – analog der Dating-App Tinder –, können nach links geschoben werden (gefällt mir nicht) oder nach rechts (gefällt mir). Anschliessend können die bevorzugten Aktien gekauft werden und finden somit Eingang ins Portfolio.

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«Der Event war ein voller Erfolg» resümierte Andreas Iten. Bei der Schlusszeremonie kündigte Robert Bornträger, Division CEO Global IT von SIX, dann auch bereits den Hackathon 2016 an.

Die Gewinner haben nicht nur einen Sachpreis gewonnen, sondern erhalten die Möglichkeit ihren Prototypen vor dem SIX Management zu präsentieren. Und Easy Invest darf zudem ihre Idee an der führenden Konferenz für Digitalisierung im Banking, Finance 2.0, vorstellen. Gespannt darf man ebenso sein, wie die SIX nun aus den 102 Teilnehmer neue Talente gewinnen wird.

Fakten zum Hackathon

– 165 Besucher bei der Eröffnungszeremonie
– 102 Teilnehmer in 23 Teams
– Jüngster Teilnehmer: 17 Jahre
– Ältester Teilnehmer: 56 Jahre
– Durchschnittsalter: 31,7 Jahre
– 4 Workshops
– 244 GB Internet-Traffic
– 64’263 Zeilen Code
– über 123’000 gelöschte Zeilen
– 282 Kg Essen
– 1062 Liter Getränke

Stimmen zum Hackathon

 

 

 

  1. […] nicht zu kurz). Gespannt bin ich insbesondere auf die Vorstellung des SIX Hackathon Gewinners Easy Invest sowie der Fintech Show im Stile von […]

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SIX bringt FinTech Inkubator

Besser spät als nie. Der Betreiber der schweizerischen Finanzplatzinfrastruktur – SIX – hat FinTech entdeckt und lanciert zwei Neuheiten für den Finanzplatz Schweiz.

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Text: Rino Borini

Lange Zeit wurde in der Schweiz das Thema «Finance 2.0» und «FinTech» stiefmütterlich behandelt. Es schien fast so, als würde dieser Zug an der Schweiz vorbeirauschen. Das wäre insofern gefährlich, weil der hiesige Finanzplatz für das Land eine enorme Bedeutung hat. Er steuert einen substanziellen Teil der Wertschöpfung bei (Die Schweiz im Niemandsland).

Im Bereich FinTech haben andere Länder die Nase vorn. Ganz besonders bemühen sich die Engländer. Sie bauen am globalen FinTech-Hub. Aber auch in Tel Aviv oder in den nordischen Hauptstädte werden mehr Innovationen lanciert, als hierzulande.

Doch die Zeiten scheinen sich geändert zu haben. So hat der hiesige Infrastukturanbieter SIX die Zeichen (endlich) erkannt. SIX organisierte den ersten Schweizer FinTech-Hackathon, der in Zürich durchgeführt wird.

Anlässlich der Eröffnung informierte Andreas Iten, Managing Director bei der SIX, über eine weitere Neuheit: Die SIX baut einen FinTech Technology Inkubator. Dieser soll im Mai an den Start gehen. Damit sind in der Schweiz zwei FinTech Inkubators vorhanden (der Erste wurde kürzlich in der Westschweiz lanciert).

Die Kraft von Hackathons

Hackathons bieten die Möglichkeit, innovationsorientierte Ziele mit begrenzten Ressourcen zu erzielen.Während zwei Tagen «hacken» 110 Programmierer aus der ganzen Schweiz an künftigen digitalen Finanzdienstleistungslösungen. Das Ziel: Am Ende des Hackmarathons sollen fertige Prototypen vorgestellt werden.

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Warum SIX diesen Hackathon lancierte, erklärt Andreas Iten bei seiner Begrüssungsansprache im Zürcher Schiffbau (Video = iPhone Qualität).

SIX ist übrigens auch Premium-Partner an der Finance 2.0 Konferenz 2015 und wird das Siegerprojekt aus dem Hackathon an der Veranstaltung vorstellen.

  1. Marc sagt:

    Wirklich der erste FinTech Technology Inkubator? Wie in Februar angekündigt, Genf hat auch sein FinTech Inkubator #Fusion http://blog.alpict.com/2015/02/05/geneve-aura-son-incubateur-fintech/

    Spielt schliesslich keine Rolle … Das wichtigste ist dass es endlich vorwärtz geht.

    • fi20 sagt:

      Korrekt. Titel war falsch. Die Westschweiz war ein Schritt voraus – und ist entsprechend festzuhalten. Wir haben den Titel korrigiert.

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Startschuss für wikifolio in der Schweiz

Europas führende Online-Plattform wikifolio hat nach Österreich und Deutschland nun die Schweiz auf dem Radar. Ganz nach dem Motto «Gemeinsam besser investieren» bietet sie nun auch hierzulande ihre neuartige Anlageform an.

Blog-Wikifolio
Text: Barbara Kalhammer

Nachdem sich die Social-Trading-Plattform wikifolio in Deutschland und Österreich einer enormen Beliebtheit erfreut, erfolgte nun auch der Markteintritt in der Schweiz. Auf wikifolio veröffentlichen private Trader und professionelle Vermögensverwalter ihre Anlagestrategien.

Jedermann kann kostenlos ein Musterportfolio erstellen und dies dann mit der Community teilen. Dabei haben Interessierte und jene die den Tradern folgen möchten, einen genauen Überblick über die Handelsstrategie, sie sehen in Echtzeit jede Aktion im Portfolio.

Kann ein Trader mit seiner Strategie überzeugen und hat mehr als zehn potenzielle Anleger, die gemeinsam zumindest 2500 Euro investieren würden, dann kann daraus ein Zertifikat kreiiert werden. Dazu müssen natürlich auch mehrere Kriterien in einem Prüfverfahren erfüllt sein. Hat er Erfolg, so wird seine gute Performance mit einer Prämie belohnt.

Derzeit werden diese Zertifikate an der in Deutschland ansässigen Börse Euwax gehandelt. Ob ein Listing in der Schweiz erfolgen wird, liessen dic Verantwortlichen von wikifolio noch offen, das hänge davon ab, ob das Bedürfnis vorhanden sei. Denn immerhin können die Investoren beispielsweise bei ihrem Medienpartner cash.ch zu den selben Konditionen an der Euwax handeln, wie an der Schweizer Börse. Der Handel findet allerdings nur in Euro statt, womit Schweizer Anleger ein Währungsrisiko eingehen.

Für den Käufer der Wikifolio-Zertifikate fällt eine jährliche Zertifikategebühr von 0,95 Prozent und eine Performancegebühr zwischen fünf und 30 Prozent der Performance an. Insgesamt sind in der Schweiz bereits 350 wikifolio-Zertifikate zugelassen, bislang beschränkt sich das Universum jedoch auf Aktien.

Schweizer Anleger können nun die Faszination Börse neu erleben, sich austauschen und vor allem, sich messen lassen.

Einige Faktein zu wikifolio

– 2,5 Millionen Transaktionen in 8300 wikifolios
– Handelsvolumen von über 5,3 Milliarden Euro
– Mehr als 340 Millionen Euro investiertes Kapital
– 2400 wikifolio-Zertifikate
– 4% der Trader sind Frauen
– 5% der Vermögen sind in Hebelprodukte investiert
– Grösste Nutzergruppe ist zwischen 30 und 40 Jahren

Erfolgreiche Trader

Im Vergleich zu Fondsmanagern schneiden die wikifolio-Zertifikate deutlich besser ab. In der Regel schaffen es 4 von 5 Fondsmanagern nicht ihren Vergleichsindex zu schlagen, bei wikifolio schaffen es hingegen mehr als die Hälfte (Analyse basiert auf Portfolios, die in deutsche Aktie investieren).

Wikifolio_Ertrag

Hintergründe

Andreas Kern ist Gründer und Geschäftsführer von wikifolio. Gegenüber cash.ch erläuterte Kern im Interview, wie er zu der Idee kam: «Damals wollte mir meine Hausbank ein Finanzprodukt verkaufen, als ich aber nachrechnete, wie rentabel das besagte Produkt sein wird, fiel mir auf, dass es im Zeitraum der letzten 70 Jahre nur Gebühren verursacht und praktisch null Rendite abgeworfen hätte.»

Als bedeutende Investoren haben sich VHB ventures GmbH, Speed Invest GmbH und Lang & Schwarz AG beteiligt. Noch schreibt das Unternehmen Verluste, ganz bewusst. Denn Kern will stark in die Weiterentwicklung investieren. Würde wikifolio hingegen ab sofort keine Investitionen tätigen, wäre die Firma bereits rentabel. Der Umsatz betrug im letzten Jahr 2,5 Millionen Euro.

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Wie Robinhood mit seiner Mobile-App den Millenials die Finanzmärkte erschliesst

Robinhood gehört derzeit zu den interessantesten Fintech-Unternehmen weltweit. Im 2013 in Palo Alto in Kalifornien gegründet, bietet Robinhood eine App an (derzeit nur für iOs, Android folgt in Kürze), mit der man völlig kostenlos Aktien über das Smartphone handeln kann.

Blog-F20-Robinhood
Text: Marc P. Bernegger

Robinhood möchte mit seinem Service nichts Geringeres als den Aktienhandel demokratisieren und diesen einer jungen und neuen Generation einfacher zugänglich machen. Die App ermöglicht das Handeln von Aktien per Smartphone ohne Zusatzkosten.

Das Unternehmen hat bisher rund 16 Millionen Dollar an Risikokapital eingesammelt. Unter den Investoren sind auch Celebrities wie die beiden Rapper Snoop Dogg und Nas sowie der Academy Award Gewinner Jared Leto. Mit Google Ventures, Index Ventures und Andreessen Horowitz sind zudem drei der renommiertesten und erfolgreichsten Venture Capitalists bei Robinhood investiert.

Die beiden noch nicht einmal 30jährigen Gründer von Robinhood, Baiju Bhatt und Vladimir Tenev, haben sich als Klassenkameraden an der Universität Stanford kennengelernt. Beide studierten Mathematik und Physik. Erste Erfahrungen in der Finanzbranche sammelten sie durch den Bau von High Frequency Trading-Plattformen (HFT) für Kunden an der Wallstreet.

Tenev and Bhatt realisierten dabei, dass High Frequency Trader effektiv keine Gebühren für Ihre Trades auf elektronischen Handelsplätzen bezahlten. Dieser Umstand inspirierte die beiden, diese Technologie dem Endkonsumenten zugänglich zu machen. Für Temev «sollte das Handeln von Aktien genauso unkompliziert sein, wie einen Taxi via Uber zu bestellen oder ein Foto auf Instagram zu publizieren».
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Die aktuellen Zahlen von Robinhood zeigen, dass der Service bereits eine grosse Anzahl von Interessenten angezogen hat, obwohl dieser erst seit dem 12. März 2015 für die Öffentlichkeit zugänglich ist:

– 800’000 User stehen auf der Warteliste
– Durchschnittlich ist ein Robinhood-User 26,5 Jahre alt
– 90% der Kunden sind unter 40
– 25% der Nutzer sind zum ersten Mal auf einer Handelsplattform angemeldet
– Es gibt keine Mindestgrösse für die Depots, das kleinste Depot beträgt derzeit 400 Dollar

Es versteht sich von selbst, dass Robinhood mit einem kostenlosen Service kein Geld verdienen kann. Daher wird es interessant sein zu sehen, wie das Team um Bhatt und Tenev in Zukunft einen nachhaltigen und profitablen Business-Case aufbauen möchte.

Mit 86 Millionen Millenials alleine in den USA ist auf alle Fälle ein interessanter Markt vorhanden und bestehende Player wie Charles Schwab und eTrade werden den neuen Mitbewerber sicher sehr genau im Auge behalten…

Corporate Video von Robinhood

Robinhood from Robinhood on Vimeo.

Marc P. Bernegger hat mehrere Web-Unternehmen gegründet und verkauft (usgang.ch, amiando) und ist seit fünf Jahren als Fintech-Investor aktiv (Next Generation Finance Invest, Orange Growth Capital). Er hat im 2013 zusammen mit Rino Borini die Finance 2.0-Konferenz initiiert. Marc P. Bernegger auf Linkedin // Marc P. Bernegger auf Twitter

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FinTech – Call 4 Innovation

An increasing number of FinTechs are offering innovative banking and insurance solutions, in alignment to the chain of economic value added; in some extent these solutions are disruptive, but as well supplementary.

Call4Innovation

If you are a fintech and offering exciting and very innovative banking and finance ideas, keep on reading.

Finance 2.0, the leading conference (in Switzerland) about innovation and digitization in the area of finance and banking is looking for smart heads and smart fintechs, who are offering impressing and revolutionary digitization products and services for the finance industry.

Apply 4 the Finance 2.0 Stage!

Switzerland is one of the world’s leading financial centers and Finance 2.0, its leading conference on digitization and innovation in finance, is offering you a great opportunity! Please sign in and apply for the opportunity to present your fintech company and business idea.

You will not only present to, but meet as well innovation-oriented bankers, investors and other important multipliers. We are looking for innovative business models for investment management, asset management, retail banking, finance and insurance. But as well business models, which support existing products and services like Big Data/algorithms, customer experience etc. are very much welcome.

An independent jury will select out of all applications the top 6 fintechs. Your participance will offer you the great opportunity to present within seven minutes in an innovative manner (no powerpoints please!) in front of an audience of 250-300 guests. Please sign in here.

 

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Schutz für die Crowd

Crowdinvesting wird erwachsen. Dabei kommt der Anlegerschutz jedoch zu kurz. In Deutschland soll nun ein neues Gesetz Abhilfe schaffen, schiesst aber weit übers Ziel hinaus. In der Schweiz sind keine Regulierungen geplant – noch.

Text: Barbara Kalhammer

Crowdinvesting bringt Jungunternehmer ohne Geld und Investoren auf Renditesuche zusammen. In den vergangenen Jahren hat sich diese Finanzierungsform zum Hoffnungsträger der Start-up-Szene entwickelt. Bereits mit kleinen Beträgen kann die Anlegermasse, die sogenannte Crowd, Unternehmen in der Wachstumsphase unterstützen. Dafür partizipiert sie an künftigen Zahlungsströmen sowie an der Entwicklung des Unternehmenswertes. Crowdinvesting ist nicht zu verwechseln mit Crowdfunding, das vor allem für künstlerische Projekte eingesetzt und mit Goodies entlohnt wird.

Bei dieser alternativen Finanzierungsform winken, im besten Fall, hohe Renditen. Im schlechtesten droht der Totalverlust. Im kleinen Schweizer Markt ist der Ernstfall bislang nur Theorie, in Deutschland dagegen haben sieben Pleiten bereits mehr als 1,1 Millionen Euro Anlegerkapital vernichtet. «Wenn die Masse in ein Start-up investiert, ist es wesentlich wahrscheinlicher, dass sie ihr investiertes Kapital verliert, als dass sie eine Rendite auf das eingesetzte Kapital erzielt», schreibt die Plattform Seedmatch. Wie hoch die Ausfallraten wirklich sind, ist unklar. Schätzungen zufolge überleben weniger als zehn Prozent der Firmen.

Anders sieht es beim Seed Capital aus, also jenen Geldern, die in der Frühphase der Unternehmensentwicklung investiert werden. «In der Regel überleben die Firmen die ersten drei Jahre, dann kommt die kritische Phase», sagt Andreas Dietrich, Dozent am Institut für Finanzdienstleistungen Zug. Er geht davon aus, dass 50 bis 80 Prozent des Seed Capital nicht zurückgezahlt werden kann.

Weniger risikoreich sind Investitionen in Firmen, die schon länger im Markt agieren, oder Finanzierungen durch Crowdlending. Dabei vergeben Unternehmen oder Private Kredite für die Realisierung eines bestimmten Projekts oder eine Anschaffung, beispielsweise ein Fahrzeug. In der Regel ist hier die Transparenz grösser, da die Anleger genau wissen, wofür ihre Gelder verwendet werden. Mit fünf bis sieben Prozent ist die Rendite des Crowdlendings in etwa gleich hoch wie die Ausfallquote.

Für junge Start-ups hingegen bleibt das Crowdinvesting entscheidend. Doch genau in diesem Bereich zeichnen sich erste dunkle Wolken ab. Etwa in Deutschland, wo das Bundeskabinett Ende 2014 den Entwurf für das Kleinanlegerschutzgesetz verabschiedet hat, das im Sommer in Kraft treten soll. «Der Gesetzentwurf bedroht das Fortbestehen von Crowdinvesting in Deutschland erheblich», schreibt die auch in der Schweiz aktive Vermittlungsplattform Companisto.

Die Regeln wiegen schwer: So sollen Finanzierungen in Höhe von mehr als einer Million Euro sowie Einzelinvestments über 10 000 Euro unter die Prospektpflicht fallen. Darüber hinaus müssen Anleger ein sogenanntes Vermögensanlagen-Informationsblatt ausdrucken, von Hand unterschreiben und an die Crowdinvesting-Plattform zurücksenden. Der bisher schnelle, einfache und rein digitale Beteiligungsprozess wäre damit Geschichte. «Eine Regulierung ist wichtig, da viele Anleger das Risiko unterschätzen. Es reicht nicht aus, in den Geschäftsbedingungen die Gefahren aufzuführen», betont Dietrich.

Wünschenswert wäre ein Mittelweg, der dem Anlegerschutz genüge tut, aber die Vorteile der Finanzierungsform nicht beschneidet. Über die Risiken könnten die Anleger beispielsweise in Form von Fragebögen informiert werden. Vorstösse in diese Richtung gibt es bislang aber nur von Seiten der Anbieter, die Finanzmarktaufsicht (Finma) hält sich noch bedeckt. Wie in Deutschland muss wohl auch hierzulande erst der Ernstfall eintreten, damit das Thema Anlegerschutz aufgegriffen wird. «Sobald es den ersten Skandal gibt, wird die Finma schnell reagieren», ist Dietrich überzeugt.

Bleibt zu hoffen, dass der Schuss dann nicht, so wie es in Deutschland geschehen ist, nach hinten losgeht. Hierzulande sollte das Ziel einer Regulierung sein, den Anlegerschutz zu gewährleisten, ohne die junge Branche in ihrem Wachstum zu bremsen.

Erstveröffentlichung 16. Februar 2015 im Wirtschaftsmagazin PUNKT

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Robo-Advice – die automatisierte Vermögensverwaltung

Neue Anbieter machen sich daran, die Vermögensverwaltung komplett zu digitalisieren. Solche neuen Tools sind zwar günstiger und einfacher als die herkömmliche Vermögensverwaltung – obsolet ist diese aber deswegen noch lange nicht.

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Text: Rino Borini

Sein Vermögen am Sonntagabend auf dem Sofa am Tablet verwalten, das Portfolio automatisch überwachen und optimieren – 7 Tage die Woche während 24 Stunden. Das ist keine Zukunftsmusik, sondern bereits Realität, zumindest in den USA und im Vereinigten Königreich. Die bankenunabhängigen Anbieter, die der herkömmlichen Vermögensverwaltung das Fürchten lehren wollen, heissen Betterment, Wealthfront oder Nutmeg. Auch hierzulande sind erste Anbieter mit rein digitalen Angeboten am Start. So zum Beispiel Swissquote, die Glarner Kantonalbank mit ihrem kürzlich lancierten Investomat oder das unabhängige FinTech Unternehmen True Wealth. Und weitere stehen in den Startlöchern.

Gemäss Corporate Insight verwalten die automatisierten Vermögensverwaltungsplattformen weltweit bereits rund 19 Milliarden Dollar. Das klingt nach viel – ist es aber nicht, wenn man sie die Summen der traditionellen Vermögensverwalter vor Augen führt. Sie liegen – inklusive der Vermögen der institutionellen Kunden – bei geschätzten 65 Billionen Dollar.

Die neuen Robo-Advice-Plattformen richten sich an Selbstentscheider mit grosser Technologieaffinität. Im Klartext: Millenniums, also die Jahrgänge 1977 bis 1998. Doch nicht nur für diese Zielgruppe sind diese Plattformen attraktiv. Die Gruppe, die derzeit am stärkten digitalisiert wird, ist die Generation 55+. Das heisst: Viele dieser Menschen erwerben derzeit ein Smartphone oder ein Tablet und wagen die ersten Schritte in der digitalen Welt.

Doch die aktivsten Nutzer dieser Plattformen sind jünger, wie Zahlen von Wealthfront zeigen. Gemäss dem laut Eigenaussage grössten US-Anbieter sind 60 Prozent der Kunden unter 35Jährig, 90 Prozent sind jünger als 50 Jahre. Insgesamt verwaltet Wealthfront 1,8 Milliarden Dollar. Die durchschnittliche Portfoliogrösse der 24‘000 betreuten Kunden liegt bei 90’000 Dollar.

Die demografischen Daten von Konkurrent Betterment, der sich bereits für 1,35 Milliarden Dollar verantwortlich zeigt, bestätigen das Bild. Das durchschnittliche Alter der Kunden beträgt dort 36 Jahre. Der grösste Anleger auf der Plattform verwaltet übrigens ein Portfolio von zehn Millionen Dollar.

Kosteneffiziente Anlageprodukte

Der entscheidende Vorteil solcher Plattformen ist ihre Einfachheit. Mit wenigen Klicks kann der Nutzer sein persönliches Chancen-/Risikoprofil erstellen lassen. Dabei werden nicht nur Fragen zur persönlichen Lebens-und Finanzsituation gestellt, sondern auch Verhaltensfragen aus dem Bereich Behavioural Finance. Aufgrund der Ergebnisse schlägt die Plattform anschliessend ein auf die Risikofähigkeit abgestimmtes Wertschriftenportfolio vor.

Bei der Zusammensetzung der Portfolios setzten sämtliche Anbieter auf die kostengünstigen Exchange Traded Funds (ETF) – das wohl erfolgreichste Finanzprodukt der letzten zwei Dekaden. ETF haben den Vorteil, dass sie einen Wertpapiermarkt (Aktien, Obligationen et cetera) präzise abbilden und einfach über eine Börse gehandelt werden können. Die Kosten sind 0,75 bis 1,5 Prozent tiefer als bei traditionellen Anlagefonds («Was sind ETF?»).

Etwas verwirrend ist der Begriff «Robo-Advice», denn er suggeriert, dass der Faktor Mensch komplett ausgeschaltet wird. Dem ist aber nicht so. Die Anbieter müssen beispielsweise bei der Wahl der geeigneten ETF – es gibt weltweit knapp 5500 Produkte – eine Selektion vornehmen. Die zentrale Frage ist, welcher ETF bildet einen bestimmten Markt am besten ab. Und hier sind Menschen am Werk.

Positives Kundenerlebnis

Der standardisierte Beratungsteil hingegen ist komplett digitalisiert. Dadurch ist es diesen Online-Vermögensverwaltern möglich mit entsprechend tiefen Verwaltungsgebühren zu operieren. Bei Wealthfront kostet ein Mandat gerade mal 0,25 Prozent pro Jahr. Aufgrund der tiefen Margen können solche Plattformen aber nur durchstarten, wenn sie ein entsprechend grosse Volumen einsammeln können.

Zentral für den Erfolg sind die Benutzerführung und das Benutzererlebnis. In wenigen Minuten erhält ein geübter Anleger einen ersten Investitionsvorschlag. Anschliessend kann er auf spielerische Weise die Positionen verändern, das Risiko erhöhen oder verkleinern, bis er mit der Zusammenstellung zufrieden ist.

Die Reduzierung aufs Wesentliche hat jedoch nicht nur Vorteile. Denn bei einer gesamtheitlichen und langfristigen Vermögensverwaltung sollten alle Vermögenswerte berücksichtigt werden, dazu zählen auch Immobilien und Vorsorgepläne. Zudem gibt es in menschlichen Biografien entscheidende Lebensabschnitte wie die Geburt des ersten Kindes, den Kauf einer Immobilie, den Gang in die Selbständigkeit, eine Scheidung oder die Pensionierung. Diese Ereignisse sorgen für einen erheblichen Beratungsbedarf, den diese Tools nicht befriedigen können.

Die Unzulänglichkeiten der automatisierten Vermögensverwaltung spielen den Banken in die Hände. Schliesslich sind umfassende Beratungen ihr Kerngeschäft, das sie bereits seit Jahrzehnten betreiben. Doch auch bei traditionellen Geldhäusern sind Bestrebungen im Gange das Wealth Management zu digitalisieren.

Beide Modelle haben ihre Daseinsberechtigung. Letztlich entscheidet der mündige Kunde, was er will. Die Robo-Advice-Plattformen haben eine junge Vergangenheit und stehen mit ihrem Angebot erst am Anfang. Das Wachstum beginnt erst und Weiterentwicklungen, wie beispielsweise individuelle Produktselektion und virtuelle Anlageberatung könnten das Geschäftsmodell ergänzen.

Über diese Entwicklungen und einen Vergleich der in der Schweiz angebotenen e-Private-Banking-Lösungen berichten wird demnächst in diesem Blog.

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Meinungsmacher der Schweizer Fintech-Branche

Marc P. Bernegger ist ein Vorreiter in der Finance 2.0 Szene der Schweiz. Er hat die wichtigsten Meinungsmacher und Macher der Fintech-Industrie zusammengefasst.

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Marc P. Bernegger ist einer der wichtigsten und bekanntesten Pioniere der Schweizer Finance 2.0 Szene. Er wurde als Mitgründer von amiando und usgang.ch bekannt, war Partner der Beteiligungsgesellschaft NextGFI und ist heute als Venture Partner beim Fintech-Fonds Orange Growth Capital aktiv. In einer kurzen Auflistung hat er die führenden Köpfe der Deutschschweizer Fintech-Industrie zusammengefasst:

Andreas Dietrich / @DietrichAndi Professor für Banking an der HSLU

Andreas Kubli / @Andreas Kubli Head Multichannel Management & Digitization @UBSSchweiz. Former @McKinsey Partner

Christian König / @finanzprodukt Finanzprodukt-Profi (ETF, Strukturierte Produkte, Fonds & CFDs) mit Social Media und Online Marketing Spezialkenntnissen. #Finance20 #Fintech Speaker

finnovationCH / @finnovationCH Representing finteCH meetup zurich and promoting #finteCH to the world

Fintech Switzerland / @FintechCH #Fintech News from Switzerland #Finance20

Marc Lussy / @MarcLussy Managing Director Swiss Representation Dinar Finance Holding / Consultant Banking & Social Media / GLP Member

NextGFI / @NextGFI Next Generation Finance invests in companies which are well positioned to benefit from new megatrends in internet and finance: FinTech, Finance 2.0, Banking 2.0

Richard Dratva / @RichardDratva Digital Banking Specialist, Chief Strategy Officer and co-founder at CREALOGIX

Rino Borini / @rinoborini Co-Founder financialmedia / Chefredaktor Wirtschaftsmagazin PUNKT. Entrepreneur, Publisher

Swiss Finance Startups / @SFS_CH At the forefront of Swiss Finance digitalisation and innovation!

Natürlich darf auch Marc P. Bernegger in der Liste nicht fehlen:
Marc P. Bernegger / @marcpbernegger Serial Entrepreneur, Fintech Investor at OGC and NextGFI, Co-Founder of amiando (WEF Global Technology Pioneer, exit to Xing) and usgang.ch (exit to Springer)

Neben der Deutschschweiz hat er auch die wichtigsten Meinungsmacher der Romandie aufgelistet:

Anthemis Group / @anthemis digitally native finance

Ben Robinson / @robinsonbenp Heading up strategy, marketing & innovation for @Temenos | Chair of Swiss Technology Industry group http://linkd.in/1hVryB8 | bon vivant. All views are my own

François Briod @BriodF Tech enthusiast & social entrepreneur at heart. Co-founder & CEO @TawiPay #remittances #fintech

Guillaume Dubray / @GuillaumeDubray VC with a strong interest in FinTech & Digital Banking

Alexandra Gaillard / @investglass Customised financial markets information platform made in Switzerland

Laurent Haug / @laurenthaug I help people find ideas and ideas find people. Entrepreneur, consultant, speaker, lecturer, investor, curator, coach. And sleepless dad

LE DECODEUR / @b3b Pour décoder l’actualité et les nouvelles tendances #Sécurité et #FinTech. Par Marc Barbezat

Sean Park / @parkparadigm Skating to where the puck will be. Also @anthemis

Swiss Finance Startups / @SFS_CH At the forefront of Swiss Finance digitalisation and innovation!

Yann Ranchere / @tekfin I am passionate about startups and innovations related to financial services. Work with @anthemis to change financial services for the 21st century.

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Finanzplatz Schweiz im Niemandsland

Die Schweiz als führender Finanzplatz steht im Bereich Digitalisierung – im Vergleich zu anderen Nationen – in keiner Spitzenposition. Anders sieht es in Vereinigten Königreich aus: Die Cameron-Regierung hat sich ambitiöse Ziele gesetzt. Ein Vorbild für die Schweiz? Ja.

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Text: Rino Borini

Haben Sie schon einmal von Betterment, Wealthfront, Nutmeg, Lending Club oder Zopa gehört? Selbstverständlich, oder? Denn diese Firmen gehören inzwischen genauso zum (Banken-)Alphabet wie Cembra Moneybank, Postfinance, Swissquote oder UBS.

Die aufgeführten Unternehmen sind gekommen, um der Finanzbranche Kunden und Marktanteile wegzuschnappen. Sie sind branchenfremd, es sind sogenannte FinTechs (Finanztechnologie-Firmen), die an der Wertschöpfungskette der Finanzdienstleister nagen.

Aber nicht nur Startups wollen den Banken lukrative Geschäftsfelder wegnehmen, sondern auch etablierte Firmen wie beispielsweise Apple. Das US-Unternehmen lancierte im letzten Jahr Apple Pay, eine digitale Geldbörse (Hintergründe zum Mobile-Payment hier). Mit dieser will der Konzern letztlich an den Endkunden gelangen, ganz einfach. Ob das gelingen wird, steht derzeit in den Sternen. Aber die Geschichte zeigt uns, dass Apple etwas Ähnliches bereits geschafft hat, als der Konzern die ganze Musikindustrie in die Knie zwang und die Branche revolutionierte.

Disruption – jetzt Finanzbereich?

Bei der Digitalisierung vermischen sich reale und digitale Welten, ganze Geschäftsmodelle werden massiv umgekrempelt – und davon bleibt eben auch die Finanzbranche nicht verschont. Digitale Services bieten der Branche einerseits enorm viele Chancen, etwa durch kostengünstige Lösungen und technische Innovationen. Andererseits entstehen neue Konkurrenten, die disruptive Finanzgeschäftsmodelle günstiger und schneller erschliessen als die etablierten Player.

Diese Veränderungen betreffen auch den gesamten Finanzplatz Schweiz. Doch weder Politiker noch Standortförderer haben das Thema Finanzinnovation und -technologie wirklich ernsthaft auf dem Radar. Es gibt bis heute von Bundesbern keine klaren Antworten, wie der helvetische Finanzplatz langfristig ausgestaltet werden soll. Vor allem unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Wandel hin zu einer digitalen Gesellschaft Realität ist.

Dabei steuert die hiesige Finanzbranche einen substanziellen Teil der Wertschöpfung bei. Der Finanzsektor beschäftigt direkt und indirekt gemäss SwissBanking 491 000 Personen und generiert – unter Berücksichtigung der indirekten Effekte (wie Zulieferer) – rund 15% der gesamten Wertschöpfung. Die Schweiz ist nach wie vor eines der wichtigsten Private-Banking-Zentren der Welt und mit einem 26%-Marktanteil des grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäfts die Nummer 1. Weltweit.

London übernimmt die FinTech-Führung

Während die Schweiz bezüglich FinTech-Strategie schläft, machen andere führende Finanzplätze – notabene unsere Konkurrenten – vorwärts. Etwa London, die weltweite Nummer zwei, wo man die Zeichen der Zeit erkannt hat. In der «City» ist mit «Level39» der grösste FinTech-Accelerator Europas angesiedelt. Auch die britische Regierung ist auf den Expresszug aufgesprungen. Im August letzten Jahres deponierte der Schatzminister von England, George Osborne, vor Bankern, Investoren und FinTech-Unternehmer in einer Rede vier Kernaussagen (seine Rede im Wortlaut).

Die erste zeigt die Überzeugung der Regierung Camerons, dass ein Finanzplatz dank Innovation und Technologie prosperieren kann. Der Wortlaut: «I am here today because the technologies that you are developing have a huge economic potential for our country, and for the world.» Zu Deutsch: Die Digitalisierung der Finanzdienstleister biete enormes Wachstumspotenzial, das letztlich der ganzen Volkswirtschaft zu Gute komme.

Innovation verhilft einer Wirtschaft zu Prosperität, das war schon immer so. George Osborne weiter: «I’m here today because I want the United Kingdom to lead the world in developing Fin Tech. That’s my ambition – short and sweet.» Die Regierung Cameron hat also erkannt, dass intelligente Technologien keinen Kostenfaktor darstellen, sondern die Zukunft bestimmen und dem Londoner Finanzplatz helfen, sich den neuen Realitäten anzupassen.

Mit der dritten Aussage untermauerte der Finanzminister die Ernsthaftigkeit der Absichten. «So today I can announce I am extending the scheme with another £100 million.» Die Regierung investiert also aktiv in die Zukunft des Finanzplatzes und macht ihn damit zum führenden Hub für Finanztechnologie. Doch allein mit monetären Mitteln ist es nicht getan. Die Regierung unterstützt konkrete Hilfsangebote wie beispielsweise den FCA Innovation Hub, wo FinTechs regulatorische Beratungen erhalten, kostenlos.

Die Schlussbemerkung des Schatzminister trifft mitten ins Herz jedes Schweizer Bankers. «We have all the ingredients we need.»

Wo steht der Finanzplatz Schweiz?

Über die nötigen Zutaten verfügt eigentlich auch die Schweiz. Vielleicht hat die Eidgenossenschaft sogar eine noch bessere Ausgangslage als London. Kein anderes Land könnte Finanzinnovationen vorantreiben wie die Eidgenossenschaft. Hilfreich ist dabei die hohe politische Stabilität, eine zentrale Anforderung an jeden Finanzplatz. Diese ist weltweit einmalig. Eine liberale Wirtschaftspolitik ist eine weitere Basis, um ein Ökosystem FinTech aufzubauen. Auch die Schweizer Wissensmühlen müssen die internationale Konkurrenz nicht fürchten. Und von fehlendem Kapital kann schon gar nicht die Rede sein.

Doch wo stehen Schweizer Banken in Bezug auf die Digitalisierung? Mit Blick auf die «Digital Banking Readiness»-Rangliste des Unternehmensberaters ATKearney muss man sagen: im Niemandsland. Die Analysten sehen die Schweiz lediglich an 11. Stelle. United Kingdom, Singapur und die USA führen die Tabelle an. Aber auch Nationen, die über keine Bankentradition verfügen, wie Dänemark, Norwegen, Österreich oder Belgien, winken von oben auf die Schweiz.

Auf diesen Umstand haben einzelne Schweizer Banken reagiert – aber längst nicht alle. Aber letztlich kann der Aufstieg nur gelingen, wenn der Finanzplatz Schweiz eine gesamtheitliche Vision und Strategie verfolgt. Eine Vorreiterrolle im Bereich der Digitalisierung böte den Schweizer Banken eine grosse Chance: Sie könnten den Weg zurück in die Gesellschaft finden. Nach all den Milliardenbussen und Skandalen haben sie sich, gewollt oder ungewollt, vom Volk entfernt.

Innovative Technologien helfen aber nicht nur den inländischen Banken, sondern können als Exportgut in die ganze Welt verkauft werden. Die Schweiz hat eine einmalige Chance, ihre Reputation als traditionsreicher, stabiler und innovativer Finanzplatz auf alle Kontinente hinauszutragen. Und letztlich könnten die Schweizer Banken ihre internationale Expertise stärken und die Nummer 1 in der Vermögensverwaltung bleiben.

Vorwärtsstrategie nötig

Doch was tun die Verantwortlichen der Banken und der Politik? Nachdem schon niemand das Schlamassel um Liborskandal, Devisenmanipulation oder dem systematischen Brechen von ausländischem Recht erklären konnte, sollten Banker jetzt die Zukunft (mit-)bestimmen, gemeinsam mit Politik und Standortförderung. Die Schweiz muss den Anspruch haben, langfristig in den Top-5 der Finanzplätze zu rangieren.

Immerhin gibt es erste Projekte, von Privaten initiiert. Seit Herbst 2013 wird die Finance 2.0-Konferenz (Der Autor ist Mitinitiator dieses Anlasses) durchgeführt, wo sich FinTechs und Banken treffen und austauschen. Im letzten Jahr haben sich zudem erste Schweizer FinTech-Firmen zur Vereinigung Swiss Finance Startups zusammengetan, um sich gemeinsam Gehör zu verschaffen.

Doch das reicht nicht. Jetzt sind Taten gefragt und keine leeren Worte. Wir haben alle Ingredienzen – jetzt muss es heissen: «Allez la Suisse!»

Erstveröffentlichung am 21.01.2015 auf Inside-Paradeplatz

  1. […] Lange Zeit wurde in der Schweiz das Thema «Finance 2.0» und «FinTech» stiefmütterlich behandelt. Es schien fast ao, als würde dieser Zug an der Schweiz vorbeirauschen. Das wäre insofern gefährlich, weil der hiesige Finanzplatz für das Land eine enorme Bedeutung hat. Er steuert einen substanziellen Teil der Wertschöpfung bei (Die Schweiz im Niemandsland). […]

  2. […] Schweiz ist bezüglich Digitalisierung von Banken und Versicherungen im Hintertreffen (siehe auch Finanzplatz Schweiz im Niemandsland). Das ist schade, denn grundsätzlich verfügt die Schweiz über alle nötigen Zutaten: hoher […]

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Mobile Payment – Adieu Portemonnaie?

Obwohl mobile Bezahlsysteme in der Schweiz noch in den Kinderschuhen stecken, gibt es bereits eine Vielzahl an Lösungen und Anbietern. Falk Kohlmann von der Swisscom zeigt auf, welche sich durchsetzen werden.

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Text: Barbara Kalhammer

Herr Kohlmann*, Mobile Bezahlsysteme haben in der Schweiz einen schweren Stand. Wir befinden uns noch nicht einmal in der embryonalen Phase. Wo sehen Sie die Gründe dafür?
Falk Kohlmann_  Ich denke durchaus, dass wir die embryonale Phase bereits hinter uns gelassen haben. Schauen Sie in die USA. Dort hat der kürzlich lancierte Dienst Apple Pay zwar die wichtigsten Banken und Kreditkartenanbieter an Bord, aber die Verbreitung von NFC-Akzeptanzstellen (Near Field Communication) ist geringer als hierzulande. Auch der Bereich des Geldtransfers von Person zu Person (Peer-to-Peer/P2P) hat sich in der Schweiz in den letzten Monaten stark entwickelt.

Welche Anbieter gibt es im Bereich P2P?
Neue Aargauische Bank (NAB), Credit Suisse, Migros Bank und ZKB bieten P2P bereits an. Daneben offerieren die beiden FinTech-Startups Klimpr und Mobino solche Zahlmöglichkeiten. Auch der Infrastrukturbetreiber SIX Payment Services plant eine Lösung. Doch es mangelt an der Akzeptanz der Kunden.

Warum?
Bei Drittanbietern wie Klimpr und Mobino ist die Integration mit dem Bankkonto noch nicht wirklich nahtlos. Bei den Banken funktioniert ein solches System derzeit teilweise nur zwischen Kunden des gleichen Instituts.

Erschwert die Vielzahl an Möglichkeiten den Überblick?
Es ist durchaus so, dass der fehlende Standard die Akzeptanz hindert. In anderen Ländern sieht dies besser aus. Beispielsweise in Kenia, wo das mobile Geldtransfersystem M-Pesa ein Quasi-Standard ist. Auch Grossbritannien hat es geschafft, bei P2P mit Paym einen nationalen Standard zu etablieren.

Hierzulande muss sich der Nutzer für ein bestimmtes System beziehungsweise einen bestimmten Anbieter entscheiden.
Ja, denn bislang ist es nicht möglich, beispielsweise zwischen den beiden unabhängigen Anbietern Mobino und Klimpr Geld zu transferieren. Die Zukunft wird zeigen, ob diese Start-ups auf der Endkundenseite überleben können, wenn sie so isoliert sind.

Bei mobilen Bezahlmöglichkeiten mischen aber auch andere Player mit.
Natürlich. Nehmen wir Paypal, die bieten weit mehr an als nur Online-Zahlungsverkehr. Derzeit werden in Deutschland Zahlmöglichkeiten in Restaurants getestet.

Laufen die beiden Entwicklungen P2P und mobiles Portemonnaie parallel ab?
Derzeit ja. Das Ziel ist aber, dass mit der Entwicklung und Etablierung von Mobile Wallets dort auch P2P als Funktion integriert wird.

Wird es beim Wallet anders als bei P2P eine Standardisierung geben?
Ein Schritt in diese Richtung ist die sogenannte Swiss-ALPS-Initiative (ALPS = Access Loyalty Payment Solution) der Schweizer Kartenindustrie, welche sich zum Ziel gesetzt hat, eine nationale digitale Brieftasche für die Schweiz zu lancieren. Es soll eine neutrale, standardisierte Infrastruktur und ein Regelwerk für die digitale Geldbörse der Schweiz aufgebaut werden. Swiss-ALPS versteht sich als nationales Standardisierungsgremium und Kompetenzzentrum für die Themen Mobile Payment, Loyalty und Mobile Access. Es wird sich zeigen, wie schnell man hier vorankommt. Ich glaube, die Entwicklung wird in einem ersten Schritt zu einer einheitlichen Infrastruktur gehen. Der nächste wäre dann, dass jede Bank ihr eigenes Wallet lanciert.

Gibt es im Ausland bereits funktionierende digitale Wallets?
Durchaus, sie zielen jedoch meist auf spezifische Zielgruppen ab. Dazu zählt beispielsweise der deutsche Anbieter Cashcloud, der bewusst auf eine junge Zielgruppe setzt. Das System ermöglicht neben der NFC-Bezahlung innerhalb des Wallets gezielte Werbung und Angebote von Drittanbietern. Das bedeutet, die Nutzer werden für diesen Dienst mit ihren Daten bezahlen.

Wird sich NFC als Standard durchsetzen?
Ja, ich denke der NFC-Standard wird das tragende Element sein und nicht beispielsweise Bluetooth oder QR Codes.

Sicherheit ist ein wichtiges Thema. Da gibt es auch unterschiedliche Ansätze.
Stimmt. Das Sicherheitselement kann nämlich entweder auf der SIM-Karte gelöst werden wie bei der Swisscom-App Tapit, in der Cloud oder auf dem Gerät, wie Apple es tut.

Welches System hat die grössten Zukunftschancen?
Ich gehe davon aus, dass sich Tokenbasierte Bezahlsysteme durchsetzen werden. Bei Tokenisierung wird ein sicherheitssensitives Datenelement (hier zum Beispiel eine Kreditkartennummer) einmalig durch ein nicht sensitives Element (die Zahlenfolge, die als «Token» bezeichnet wird) ersetzt. Hacker, die in Besitz des Tokens kommen, können mit dieser Zahl nichts anfangen, denn der Verbindungsschlüssel ist auf einem besonders sicher geschützten speziellen Server, dem «Vault», gespeichert.

Die Frage der Weitergabe von Daten spielt in diesem Bereich prinzipiell eine wichtige Rolle. Wie sieht das im Detail aus?
Es hängt vom System ab, wie und warum die Daten genutzt werden. Das erwähnte Modell von Cashcloud lebt davon, die Daten der Transaktionen zu nutzen und sie mit Angeboten von Drittanbietern zu verknüpfen. Dem Kunden ist dabei natürlich bewusst, dass er mit den Daten für die erhaltene Leistung bezahlt. Ich denke nicht, dass sich dieses Modell in der breiten Masse durchsetzen wird. Aber Banken und Drittanbieter werden Transaktionsdaten ebenfalls intern nutzen, um Kundenbedürfnisse abzuleiten, diese allerdings nicht mit Drittangeboten verknüpfen, ausser der Kunde gibt hierfür explizit sein Einverständnis.

Bemängelt wird auch die Sicherheit. Ist das eine übertriebene Angst?
Aus meiner Sicht ja. Die Sicherheit ist bei mobilen Zahlmöglichkeiten deutlich höher. Bei der Bezahlung mit einer Kreditkarte reichte früher die Unterschrift. Mittlerweile gibt es sogar eine biometrische Kreditkarte in Norwegen. Dabei sind die biometrischen Daten des Fingerabdrucks auf der Karte gespeichert und der Kunde muss sich keinen Pin-Code mehr merken.

Letztlich entscheidend wird aber die Nutzerfreundlichkeit sein.
Ja, das ist so. Diese ist erst erreicht, wenn die Nutzer im Wallet alle relevanten Karten, die täglich eingesetzt werden, integrieren können. Und erst dann erwarte ich einen grossen Schub.

Sie attestieren NFC die grössten Chancen. Ist dort nicht hinderlich, dass der Anwender online sein muss?
Das ist nur dann der Fall, wenn das Sicherheitselement in der Cloud ist. Ansonsten muss ein Nutzer für die Verifikation nicht online sein. Wir haben in der Schweiz aber eine relativ gute Abdeckung und dank Datenpaketen ist man quasi immer online. Von Nachteil wäre eine solche Lösung allerdings bei Reisen ins Ausland, wo es sinnvoller wäre, die Informationen auf dem Gerät zu haben. Die Hürde wird sein, dass wir uns in der Schweiz in diesem Bereich zwar schnell entwickeln, aber es Länder geben wird, die keine NFC-Abdeckung haben.

Bislang sind NFC-Transaktionen bei Anbietern wie Migros und Coop auf 40 Franken beschränkt.
Genau. Wenn wir uns in Richtung Wallet bewegen, können die Konsumenten auch höhere Summen ausgeben. Ab dann wird eine Authentifizierung unverzichtbar.

Gibt es Länder, in denen solche Bezahlungen schon zum Alltag gehören?
Ja, in einigen asiatischen Nationen. Die grösste Akzeptanz von mobiler Bezahlung in Europa zeigt sich gemäss Umfragen in den osteuropäischen Ländern.

Der Technologiekonzern Apple setzt ebenfalls auf NFC-Technologie. Wird dies zu einer schnelleren Verbreitung beitragen?
Apple hat mit Apple Pay für eine gute Marktwirkung gesorgt, da die Kunden das Thema nun vermehrt wahrnehmen.

Eine Durchsetzungskraft wie sie der Konzern mit iTunes erreicht hat, erwarten Sie aber nicht?
Apple wird sicherlich zur Verbreitung beitragen. Nun zu sagen, dass durch Apple Pay alle anderen mobilen Bezahllösungen tot sind, wäre verfrüht.

Ist die Vorstellung einer Welt, in der es gar kein Bargeld mehr gibt, realistisch?
Die Vision ist valabel, aber es ist fraglich, wie schnell das passieren wird. Auf Sicht der nächsten drei bis vier Jahre ist es utopisch. Man muss nur einmal überlegen, wo man überall noch Münzen benötigt. Das ist also ein sehr langer Prozess. Sicher wird zukünftig aber weniger Bargeld benötigt.

Welcher entscheidende Schritt fehlt für die praktische Realisierung der Wallet-Vision?
Es müssten für alle Smartphones eine Wallet-Lösung etabliert und eine einheitliche Infrastruktur aufgebaut werden. Aktuell sind sich alle bewusst, dass es in diese Richtung gehen wird. Erste Start-ups melden sich zu Wort und auch die grossen Anbieter beschäftigen sich mit dem Thema. Deswegen glaube ich, dass wir 2015 eine deutliche Entwicklung in Richtung Wallet sehen werden.

Falk Kohlmann *Falk Kohlmann ist Head of Banking Trends and Innovation bei Swisscom.

 

 

Interview ist in der Ausgabe #6 des Wirtschaftsmagazins PUNKT erschienen.

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Fintech Schweiz – Die jungen Wilden

In einer digitalen Welt verlangen Kunden digitale Lösungen, das gilt auch für Finanzdienstleistungen. Technologiefirmen haben das erkannt und bedrohen Banken in ihren einträglichsten Geschäftszweigen.

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Text: Rino Borini

Mit dem iTunes Store veränderte Apple 2003 den Musikmarkt für immer. Das Besondere daran war, dass einem branchenfremden Unternehmen das gelang, woran die Musikindustrie zuvor jahrelang gescheitert war: ein funktionierendes Geschäftsmodell für den digitalen Musikvertrieb auf die Beine zu stellen, das die Hörer von den illegalen Tauschbörsen weglockte.

Technologien, die bisherige Arbeitsweisen grundlegend in Frage stellen und ganze Branchen zu einer Neuausrichtung zwingen, nennt man disruptive Innovationen. Diese führen zu neuen Produkten, neuen Vermarktungswegen und vor allem zu neuem Kundenverständnis. Letzteres ist heute die treibende Kraft: Die digitalen Natives werden ab dem Jahr 2017 erstmals in der Mehrheit sein. Derzeit trifft die digitale Revolution mit voller Wucht den Finanzsektor. Anfang September verkündete Apple, in den mobilen Zahlungsverkehr einzusteigen.

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Der Konzern aus Cupertino ist damit nicht allein: Entlang der Wertschöpfungskette von Finanzdienstleistungen haben sich mittlerweile weit über 3000 FinTech-Firmen eingenistet, vor vier Jahren waren es noch 60. Sie alle haben ein Ziel: Geschäftsfelder finden, in denen mit Innovation hohe Profite erzielt werden können. Das können Zahlungsverkehr, Konsum- und Firmenkredite oder die Vermögensverwaltung sein – das Kerngeschäft vieler Banken.

FinTechs wachsen rasant

Die neuen Player sind gut aufgestellt. Etwa das junge US-Unternehmen Lendingclub, das Konsumkredite zu bedeutend attraktiveren Konditionen als Banken vermittelt. In nur einem Quartal konnte die Firma ihr Kreditvolumen um eine Milliarde Dollar auf insgesamt fünf Milliarden erhöhen. Die Banken werden in diesem Modell ihrer ältesten Funktion beraubt und zum reinen Zahlungsabwickler degradiert. Inzwischen plant das auf vier Milliarden Dollar bewertete Unternehmen den Börsengang.

Ein weiteres erfolgreiches Startup ist der Online- Vermögensverwalter Wealthfront. Das 2011 gegründete Unternehmen bietet eine einfache, höchst professionelle digitale Vermögensverwaltung an, aber zu extrem günstigen Konditionen. In nur knapp drei Jahren schaffte es Wealthfront mit seinen 40 Mitarbeitern, eine Milliarde Dollar an verwaltetem Vermögen einzusammeln. Hierzulande sucht man solche Erfolgsgeschichten (noch) vergebens.

FinTech-Unternehmen sind rar gesät, obwohl die Schweiz über ausgezeichnete Hochschulen verfügt und Kapital vorhanden ist. Die Schweizer Start-ups, die das verstanden haben, schlossen sich kürzlich im Verein Swiss Finance Startups zusammen, um ihre Kräfte zu bündeln und mehr Gehör zu finden. Dass die Schweizer FinTech-Branche klein ist, ist für die hiesigen Bankenmammuts nicht zwingend eine gute Nachricht. Denn die internationalen Geschäftsmodelle sind skalier- und auch für den Schweizer Markt anwendbar.

Aufholbedarf Schweiz

Wenn die Banken nicht gegensteuern, könnten sie auf lange Sicht auf den unprofitablen Geschäftsbereichen sitzen bleiben und zu einem besseren Backoffice mutieren. Der Londoner Finanzplatz hat erkannt, dass die Regeln der Finanzbranche nach solchen Durchbruchinnovationen neu geschrieben werden. Die logische Folge: Den Londoner Finanzplatz im Bereich FinTech weltweit in eine führende Position zu hieven, ist eine der Prioritäten der Regierung Cameron (hier nachzulesen: Speech Chancellor on developing FinTech)

In der Schweiz sind solche Vorsätze nicht zu vernehmen. Dabei ist hierzulande jeder 17. Job in der Finanzindustrie angesiedelt, elf Prozent der nationalen Wertschöpfung werden hier erzielt. Innovation und nicht Bankgeheimnis sollte auf der To-do-Liste aller Bankmanager weit oben stehen. Ansonsten könnte das geschehen, was der analogen Uhrenindustrie in den 1980er-Jahren passierte: Durch die neue Konkurrenz in Form digitaler Quarzuhren brachen die Verkäufe dramatisch ein, es herrschte Panik. Erst Nicolas Hayek konnte den Abwärtstrend stoppen. Auch er war ein Branchenfremder.

  1. […] von (noch) etablierten Banken ist zwar bedauerlich, bedeutet aber auch Chancen für die neuen FinTech-Unternehmen in der Schweiz … ein Beispiel dafür ist True Wealth, das in meiner Wahrnehmung schon auf den ersten Blick […]

  2. S.Hansen sagt:

    Ein sehr interessanter Beitrag. So ist es! Kunden verlangen optimalen Service, Zuverlässigkeit, Erreichbarkeit und Schnelligkeit. Dank der Digitalisierung ist das heutzutage für jedes Unternehmen möglich und auch notwendig. Ohne Digitalisierung keine Wettbewerbsfähigkeit. Doch wie alles hat auch die Digitalisierung zwei Seiten: Arbeitnehmer müssen auch mit den Informationsfluten und der Schnelllebigkeit zurecht kommen.

  3. […] für die Entstehung einer lebhaften FinTech-Startup – Szene. Und tatsächlich: Einige „Junge Wilde“ sorgen für frischen Wind im betont konservativen Schweizer Bankensektor, […]

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Die Bankfiliale von morgen

Die Schwerpunkte in der Bankbeziehung haben sich aufgrund der Digitalisierung verschoben. Um den Anschluss nicht zu verpassen, müssen die Institute die Kluft zwischen Bank und Kunde schliessen, sagt Hans-Joachim Steinbock von Crealogix.

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Text: Barbara Kalhammer

Herr Steinbock, die Digitalisierung verändert das Banking stark. Ist allein die Technologie dafür verantwortlich?
Hans-Joachim Steinbock_  Technologien sind eine wichtige und treibende Kraft. Entscheidend für die aktuelle Entwicklung ist allerdings, dass es diesmal nicht nur einen Treiber, sondern mehrere gibt, die zusammenwirken. Wir sehen momentan eine Konvergenz der treibenden Kräfte, die den Wandel des Bankings vorantreiben. Dazu zählen neben der Technologie das veränderte Kundenverhalten, der Generationenwechsel insbesondere im Private Banking sowie der regulatorische Druck.

Ist nicht auch ein starker Druck seitens der Bankkunden zu spüren?
Natürlich treiben die Kunden die Entwicklungen voran. Die neue Kundengeneration setzt andere Schwerpunkte in ihrer Bankbeziehung. Sie werden nicht nur einzelne Bankprozesse verändern, sondern das gesamte Geschäftsmodell.

Welche Veränderungen werden die Technologien mit sich bringen?
Früher verstand man unter Digitalisierung vor allem einen transaktionalen «Digital only»-Ansatz, im Vordergrund standen Selbstbedienungs-Services. Die neuen Technologien jedoch sind in der Lage, die Bankbeziehung zwischen Kundenberater und Kunde nachhaltig zu unterstützen. Die Technologien werden zu einem Bestandteil der Kunde-Bank-Interaktion und haben somit auch relevanten Einfluss auf die Servicequalität.

Was bedeutet das für den Kunden?
In den letzten Jahren wurde beispielsweise das Thema Bezahlen immer wieder stark thematisiert, passiert ist aber relativ wenig. Cash ist immer noch King – die neuen technologischen Möglichkeiten änderten bislang nichts daran. Statistiken zeigen, dass der Grossteil immer noch bar bezahlt wird. Die Mühlen haben sehr langsam gemahlen. Doch seit kurzem ist Bewegung in das Thema gekommen.

Werden zukünftig mehr bargeldlose Zahlungen stattfinden?
Ja, das bargeldlose Bezahlen über Mobiltelefon oder Debit- und Kreditkarten wird in den nächsten Jahren stark an Bedeutung gewinnen. Diese Anwendungen werden in Kombination mit benutzerfreundlichen Finanzmanagement-Apps genutzt werden. Dadurch weiss der Kunde sofort, wofür er sein Geld ausgegeben hat.

Welche weiteren Änderungen wird es geben?
Beispielsweise Peer-to-Peer-Payment, also Zahlungen zwischen Privaten. Kleinere Beträge werden vermehrt nicht mehr Cash den Eigentümer wechseln, sondern über mobile Geräte. Für mich ist noch nicht ganz entschieden, ob bargeldlos vor allem über das Smartphone oder über die Karte laufen wird. Sicher ist, dass auch Kartenzahlungen vermehrt kontaktlos ablaufen werden, und zwar über Near Field Communication (NFC). Bislang war dies nur in wenigen Bereichen möglich, es fehlte die kritische Masse. Doch nun sind auch Grossverteiler wie Coop und Migros auf den Zug aufgesprungen.

Für ältere Generationen ist das unvorstellbar. Welche Bedeutung hat das Alter?
In diesem Bereich spielt es immer noch eine grosse Rolle. Hier sind vor allem die Frage des Vertrauens in ein Zahlungsmittel und die gewohnte Kontrolle über die Barausgaben wichtige Argumente.

Was ist zur weiteren Verbreitung wichtig?
Mobile Geräte wie auch Karten werden standardmässig mit NFC ausgestattet. Wenn sich dann auch Apple dahingehend nicht mehr zurückhalten wird, werden kontaktlose Bezahlungen mehr und mehr Verbreitung finden. Mit dem iPhone 6 könnte das bereits der Fall sein.

Gibt es eine Vision, in der Bargeld überflüssig ist?
Ich glaube nicht, dass dies sehr bald der Fall sein wird. Langfristig wird es aber darauf hinauslaufen.

Wie wird sich der Kontakt von Bank und Kunde verändern?
Für den durchschnittlichen Kunden hat die Bankfiliale nicht mehr die Bedeutung, die sie früher hatte. Wir sehen, dass die Banken zunehmend das Digital Banking als ihre wichtigste und grösste «Filiale» ansehen. Die Institute werden auch weiterhin physische Filialen haben, diese werden jedoch weniger für Transaktionen genutzt, sondern für Beratungsgeschäfte.

Wie werden die Filialen der Zukunft aussehen?
Bisher haben sich die Filialen den neuen Trends immer angepasst. Das wird auch in Zukunft so sein, sie werden nicht einfach vom Erdboden verschwinden. Vielfach werden heute bereits Tablets und Screens eingesetzt, Lounge-Ecken eingebaut und Begegnungsstätten geschaffen. Das Filialkonzept wird sich noch weiter verändern. Ich denke, dass sich die Konzepte der hybriden Situation anpassen werden, eben weil die Kunden auf mehreren Kanälen unterwegs sind.

Wie könnte das konkret aussehen?
Beispielsweise wickelt man abends zu Hause auf dem Tablet eine Transaktion ab, löst aber gleichzeitig noch ein Beratungsgespräch aus, das dann in der Filiale stattfinden kann. Die Multikanalwelt wird sich auch im physischen Design der Filialen widerspiegeln.

Macht es das grössere Angebot für Kunden nicht noch schwieriger sich zurechtzufinden?
Die Frage lautet, ob das ein allgemeiner Trend ist oder nur spezifisch für das Banking gilt. Für die Kunden ist es ganz normal, sich in dieser digitalen Welt zu bewegen. Institute, die das nicht erkannt haben, laufen Gefahr, den Kunden zu verlieren. Das sehe ich als grössere Gefahr. Entscheidend ist, sich in dieser Vielfalt gut zu positionieren.

Der Kunde ist also durchaus in der Lage, mit der Angebotsvielfalt umzugehen?
Ja, er wird sich den Weg suchen, der für ihn am bequemsten ist und den grössen Mehrwert bietet. Für viele Kunden ist es wichtig geworden, sich zu informieren, bevor ein Geschäft mit einem Institut abgeschlossen wird. Wenn ein Kunde beispielsweise Informationen zu Hypothekargeschäften oder Anlageentscheidungen sucht, diese auf der Webseite seiner Bank aber nicht findet, wird er zu einem Institut wechseln, das diese Information veröffentlicht.

Haben einzelne Banken den Zug schon verpasst?
Nein. Im Retail Banking hat die Digitalisierung bereits stattgefunden, die technologischen Entwicklungen haben sich aus Effizienzgründen eingenistet. Das Private Banking hingegen war von diesen Entwicklungen nahezu ausgenommen. Der Bereich entwickelt sich von einem Blinden Fleck, einem White Spot, zum Sweet Spot der Digitalisierung. Mit all den neuen Möglichkeiten, die unter «Social» und «Hybrid» zusammenzufassen sind, konzentriert man sich nun auf die Kunde-Bank-Interaktion und versucht, diese neu zu gestalten.

Wie gehen die Banken mit dem Bereich Social um?
Viele werden davon abgeschreckt und beteuern, Facebook und Twitter würden nicht zum Banking passen. Social meint allerdings nicht nur Soziale Medien. Vielmehr geht es um den natürlichen Austausch vor einem Anlageentscheid mit Freunden, Bekannten und Experten, der durch die Digitalisierung unterstützt wird.

Welche Möglichkeit haben Banken, um an dieser Interaktion verstärkt teilzuhaben?
Viele Banken haben sich bereits zu weit vom Kunden entfernt. Momentan klafft eine grosse Lücke zwischen dem, was Kunden im Netz tun, also sich informieren und austauschen, und dem, was der Berater für den Kundenkontakt zur Verfügung hat. Es besteht das Risiko, dass die Distanz zwischen Bank und Kunde noch grösser wird.

Was müsste getan werden, um das zu ändern?
Die Bank muss versuchen, diese Lücke zu schliessen. Sie sollte Plattformen bieten, die es dem Kunden ermöglichen, sich direkt zu informieren. Die Daten sollten jedoch nicht nur von einer Bank stammen, sondern auch von Dritten. Durch eine solche Öffnung könnten Banken verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen.

Wie könnte eine solche Plattform aussehen?
Beispielsweise könnten vertraute Personen eingebunden und um Rat gefragt werden. Diese Unterhaltung würde in geschlossenen Bereichen stattfinden. Aber auch Experten der Bank würden ihre Empfehlungen zu Anlagethemen abgeben. Weiter könnten sie komplementären Inhalt zu den bisherigen Kompetenzen der Banken hinzufügen.

Was heisst das im Detail?
Dass die Banken nicht nur ihre eigenen Studien und Meinungen weitergeben, sondern auch darüber informieren, wie die Einschätzungen anderer Experten aussehen, oder welche Anlageentscheide andere Kunden gefällt haben. So würden die Bank-Plattformen dem Kunden wieder einen Mehrwert bieten und er würde sich öfter darauf bewegen.

Wird dieses Schliessen der Lücke also in nächster Zukunft Realität?
Ich fasse das unter «Close the Gap» zusammen. Immer mehr Institute haben gemerkt, dass sie nicht darum herum kommen, sich auf irgendeine Weise in die Community einzubringen. Dazu müssen sie die Digitalisierung als Teil der Geschäftsstrategie verstehen und ihre Kundenberater bei diesem Wandel unterstützen. Die Kunden werden es ihnen danken.

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Hans-Joachim Steinbock ist CEO E-Banking Schweiz bei Crealogix.

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Kreditkartenterminals für Kleinunternehmer: SumUp im Praxistest

Die Annahme von Debit- und Kreditkarten ist für kleinere Händler mit unverhältnismässig viel Aufwand und hohen Kosten verbunden. Mit SumUp bringt UBS eine unkomplizierte und günstige Alternative fürs Smartphone. Was kann das Teil wirklich?

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Text: David Fehr

Wer seinen Kunden die Möglichkeit zur Bezahlung mit Debit- und Kreditkarten bieten will, tut das hierzulande meist mit einem Vertrag bei Aduno oder SIX Payment Services. Während sich die SIX bezüglich exakten Preisen bedeckt hält, erfährt man bei Aduno mehr. Die kostengünstigste Variante ist die «Ingenico Compact» mit einem Kaufpreis von 1490 Franken (monatliche Miete: 53 Franken), das dazugehörige Serviceabo kostet 168 Franken jährlich – monatliche Fixkosten von etwa 70 Franken also.

Über die Höhe der Kommissionsgebühren, die bei jeder Zahlung fällig werden, schweigt sich Aduno aus. Sie variieren je nach «Volumen, Risikoindex und weiteren Abhängigkeiten». Branchenüblich sind um die 2,5 Prozent für Kreditkarten und 0,5 Prozent für Debitkarten.

Für mobile Marktstandbetreiber, Handwerker, Modedesigner und alle anderen «sporadischen» Händler, die nur unregelmässig Kartenzahlungen entgegennehmen, fallen 70 Franken monatlich durchaus ins Gewicht. Sie sind die Zielgruppe, die UBS durch die Kooperation mit deutschen Anbieter SumUp primär im Auge hat.

Hält, was es verspricht
Bei SumUp gibt es weder Vertragslaufzeiten noch monatliche Gebühren. Benötigt wird einzig das 99 Franken teure Gerät (für UBS-Kunden 69 Franken) und ein Smartphone, auf dem die dazugehörige App installiert wird. Ebenfalls nicht nötig ist eine Bankverbindung zur UBS: Auszahlungen sind auf sämtliche Schweizer Bankkonten möglich.

SumUp wird in einer weissen Schachtel ausgeliefert. Das Gerät selber ist nur gerade 5×5 Zentimeter gross und ebenfalls weiss. Die Registrierung auf dem Online-Portal ist schnell erledigt, dasselbe gilt für die Installation der App (erhältlich für iOS und Android), die Inbetriebnahme des Geräts und eine erste Testtransaktion. Nach ein paar Minuten ist man startklar.

Um eine Karte zu belasten, wird das Gerät per Kabel oder Bluetooth mit dem Smartphone verbunden. Der Händler gibt den zu belastenden Betrag ein, der Kunde schiebt seine Karte ins Gerät und gibt seinen Pin ein. Nicht pinfähige Karten können per Magnetstreifen mit dazugehöriger Unterschrift belastet werden. Nach erfolgter Belastung kann der Zahlungsbeleg entweder mit einem verbundenen Printer ausgedruckt oder dem Kunden per SMS oder Email geschickt werden.

Die Beträge werden innert drei bis sechs Tagen auf dem Bankkonto gutgeschrieben. Die Kommissionsgebühren sind fix: Sie betragen: 2,5 Prozent bei Kreditkarten und 1,5 Prozent bei Debitkarten. Die Kontoverwaltung erfolgt per App oder SumUp-Webseite, wo Transaktionen im Excel- oder CSV-Format exportiert werden können. Nachträgliches Versenden von Quittungen ist ebenfalls jederzeit möglich.

Erstes Fazit: UBS hält mit SumUp PIN+, was sie verspricht. Es ist eine einfache und vor allem kostengünstige Möglichkeit, um Kartenzahlungen anzunehmen.

Updates sind geplant
SumUp kann jedoch (noch) nicht alles. So können derzeit keine Stornos und Rückbuchungen gemacht werden. Wer dem Kunden einen falschen Betrag belastet, muss sich mit dem SumUp-Kundendienst in Verbindung setzen – und der ist nur zu Bürozeiten erreichbar. Gemäss Andreas Kubli, Leiter Multichannel Management & Digitization bei der UBS, wird daran gearbeitet: «In Zukunft wird es für beide Fälle die Möglichkeit geben, dies aus der App heraus eigenständig auszulösen.»

Ebenfalls nicht möglich ist das Führen eines übergeordneten Accounts mit mehreren Unter-Accounts. «Derzeit ist dies nur möglich, indem man mehrere Accounts mit denselben Kontaktdaten anlegt. Im SumUp-System wird dies dann automatisch zu einem Kontakt zusammengeführt», sagt Kubli. Wer mehr als eine Zahlstation anbieten möchte, muss also einen Mehraufwand bei der Abrechnung auf sich nehmen. Aber auch hier: Ein Feature für ein Reporting mit mehreren Zahlstationen ist in Planung. Bereits jetzt bietet SumUp grösseren Kunden auf Anfrage ein detailliertes Reporting an.

Nicht möglich – und vorerst auch nicht geplant – ist dagegen das Abrechnen in verschiedenen Währungen. Das ist insofern ein Nachteil, als dass Händler bei anderen Anbietern mittlerweile an der Währungsumrechnung mitverdienen können – was jedoch selten zum Vorteil des Kunden geschieht. Die meisten Kreditkartenfirmen empfehlen ihren eigenen Kunden, im Ausland immer in der Lokalwährung zu bezahlen.

Ein Wermutstropfen ist die mit 1,5 Prozent hohe Kommissionsgebühr für Debitkarten. Wenn ein Händler zwar nur wenige, aber sehr grosse Transaktionen annimmt, wird dadurch die Ersparnis bei den Fixkosten zunichte gemacht. Ab 84 000 Franken Debitkarten-Jahresumsatz schlägt es um – doch Umsätze in dieser Grössenordnung sind nicht die Zielgruppe.

Für wen ist SumUp nun geeignet?
Für wen sich SumUp von UBS tatsächlich lohnt, muss im Einzelfall beurteilt werden.

Für diejenigen, die bis anhin gar keine Kartenzahlungen annahmen, lautet die Antwort: auf jeden Fall. Die einmaligen Kosten von 99 Franken sind überschaubar, der Aufwand ist praktisch gleich null. Dafür haben sie danach bis in alle Ewigkeit die Möglichkeit, Kartenzahlungen anzunehmen.

Am anderen Ende der Skala ist der Einsatz von SumUp natürlich beschränkt: Für grössere Händler mit viel Transaktionen und mehreren Zahlstationen ist das System nicht geeignet.

Spannend wird sein, wie sich Händler entscheiden, die bis anhin nicht ganz auf Kartenzahlungen verzichten wollten, aber eigentlich «übermotorisiert» waren. De facto bezahlen sie monatlich 70 Franken oder mehr für einen Service, den sie nur zu einem Bruchteil benötigen. Für diese Gruppe hat UBS mit SumUp – erst recht wenn dann die angekündigten Updates da sind – mehr als eine valable Alternative im Angebot.

  1. sabine sagt:

    Darin liegt ja auch genau der Haken, dass sich Aduno über die Höhe der Kommissionsgebühren, die bei jeder Zahlung fällig werden, ausschweigt. ich kenn den Anbieter sehr gut und da sollt man sich mal wirklich genauer informieren bevor man sich hier bindet. nur mein Tipp!

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Der steinige Weg des digitalen Banking

Die Digitalisierung verändert unseren Alltag – auch das Banking. Während Konsumenten bereits in der Welt der Finance 2.0 angekommen sind, fehlt den meisten Banken der Mut, das neue Zeitalter einzuläuten.

Blog-MobileBanking
Text: Barbara Kalhammer

«Mutig in die neuen Zeiten, frei und gläubig sieh uns schreiten, arbeitsfroh und hoffnungsreich.» Die Zeilen der Österreichischen Bundeshymne wurden zwar zu einer Zeit geschrieben, als die Digitalisierung noch in weiter Ferne lag, dennoch beschreiben sie eindrücklich die Aufbruchsstimmung, die zurzeit immer mehr Gebiete erfasst.

Klammheimlich hat die Digitalisierung unterschiedlichste Bereiche unseres Alltags erobert und damit ein neues Zeitalter eingeläutet. Immer mehr Akteure springen auf den Zug auf. Mit dem Smartphone in der Hand verzichten immer mehr Menschen auf Zeitung, Stadt- und Restaurantführer, Reisebüro, Navigationsgerät – und immer häufiger auch auf das Portemonnaie.

Gemäss dem Media Use Index 2013 nutzten im vergangenen Jahr bereits 70 Prozent der Schweizer mit dem Smartphone Online-Dienste. Neben dem Konsum verschiedener Medien wird das mobile Internet auch genutzt, um sich über neue Produkte zu informieren. 35 Prozent der Nutzer kaufen danach auch gleich online ein. Ganz oben auf der Beliebtheitsskala der mobilen Nutzer stehen neben Ricardo, SBB und Ticketcorner internationale Shopping-Portale wie Amazon oder Zalando.

Branchen wie den Buchhandel und Reisen hat die Digitalisierung bereits auf den Kopf gestellt, aber auch die Suche nach Job, Haus oder Auto hat sie fundamental verändert. Weitere Lebensbereiche werden folgen.

Menschen klammern sich an Sicherheit
Während der Griff zum Smartphone oder Tablet in vielen Bereichen selbstverständlich geworden ist, fehlt in einem anderen Segment der Mut: Mobile Banking ist auch heute noch eine Seltenheit. Experten warnen davor, dass Begriffe wie Phishing, Skimming und Konsorten zu einer enormen Verunsicherung der Konsumenten führen und eine Verweigerung der digitalen Revolution drohen könnte. Dies belegt auch eine Untersuchung des medienwissenschaftlichen Instituts IPMZ der Universität Zürich.

Sie bestätigt, dass sich Kunden bereits gegenüber dem Online-Banking skeptisch zeigten – beim Mobile Banking sind die Vorbehalte noch grösser. Demnach äusserten 40 Prozent der Befragten Bedenken gegenüber den beiden Diensten. Fünf Prozent wurden nach eigenen Angaben bereits Opfer von Kreditkartenbetrug im Internet. «Es fehlt bislang noch die Gewöhnung. Die Kunden kennen die Risiken nicht und können die Gefahren nur schwer abschätzen», sagt Marc Lussy, Managing Director bei DINAR Finance Group und Dozent im Bereich Social Finance. Doch bei den Instituten, die Mobile Banking aktiv unterstützen, kommt es auch zum Einsatz. So nutzt jeder fünfte aktive E-Banking-Kunde der UBS auch die Mobile Banking-App.

Asiaten sind technologieaffin
Dass Sicherheit beim E-Banking eine zentrale Rolle spielt, bestätigt auch Andreas Kubli, Leiter Multichannel Management & Digitalization der UBS. «Bei Neuem sind Menschen zu Beginn oftmals etwas irrational, das war auch bei der Einführung der Eisenbahn so.» Neue Entwicklungen bräuchten eben ihre Zeit und vor allem Schweizer wollten es ganz genau wissen und die Innovationen auch verstehen. Interessant sei auch, dass die Sicherheit beim Mobile Banking viel stärker hinterfragt werde als beim E-Banking, obwohl beispielsweise die UBS für beide Dienste die gleichen Sicherheitsstandards verwendet.

Andere Länder sind weniger skeptisch. In Deutschland beispielsweise haben 35 Prozent der befragten Bankkunden in den vergangenen drei Monaten zumindest eine Zahlung per Smartphone abgewickelt, wie eine Studie der Beratungsfirma Bain zeigt. In den USA waren es 45, in China sogar 60 Prozent. Asien, aber auch Afrika und Brasilien, schreiten im Vergleich zur Schweiz mit Siebenmeilenstiefeln voran. Grund dafür seien kulturelle Unterschiede, betont Jörn Basel, Wirtschaftspsychologe in der Forschungsabteilung der Kalaidos FH Schweiz.

Da Asiaten tendenziell eine grössere Bereitschaft für neue Technologien hätten, könnten sich neue Entwicklungen dort viel schneller etablieren, meint er. In Afrika wiederum verfügten viele Menschen über kein Bankkonto, was einen neuen Markt – Bezahlung per SMS – ermöglicht habe. 2001 gab es in Afrika nur 25 Millionen Handys, 2012 erreichte die Zahl bereits 720 Millionen, wie eine Studie der deutschen Fondsgesellschaft DWS zeigt.

In ständigem Dialog mit dem Kunden
In der Schweiz liegt eine flächendeckende Nutzung mobiler Banking-Dienste in weiter Ferne. Doch Kubli rechnet damit, dass die Verbreitung auch hierzulande mit grossen Schritten vorankommen wird: «Es dauert einige Zeit, bis sich etwas etabliert. Aber insgesamt nimmt die Geschwindigkeit für die Durchsetzung von Innovationen zu.» Das zeigte sich auch in Hongkong, wo die Citigroup ihre Anwendung «Citi Mobile» bereits vor fünf Jahren eingeführt hat. Die aktuelle Nutzerzahl wird zwar nur auf etwa 1,7 Millionen geschätzt, doch sie wächst monatlich um 60 000 bis 70 000 User.

Die Digitalisierung verleiht den Kunden, die von den Instituten schon lange mehr Transparenz, einfachere Interaktion und bessere Erreichbarkeit erwarten, eine neue Mündigkeit. Um mit der Bank in Kontakt zu treten, müssen sie nicht mehr in Warteschlangen versauern, sondern können die Fragen online stellen, etwa per Twitter. Als kleiner Test hat PUNKTmagazin einige Schweizer Institute über den Kurznachrichtendienst gefragt, wie ein Geschenkkonto eröffnet werden kann.

Während die UBS, Glarner Kantonalbank und Basler Kantonalbank innert Tagesfrist antworteten, benötigte die Credit Suisse dafür über eine Woche. Auf eine Antwort der Zürcher Kantonalbank wartet die Redaktion noch heute. Wozu überhaupt einen Account führen, wenn dieser nicht gepflegt wird? Da kann man sich gleich, wie etwa die Migrosbank, ganz von Twitter fernhalten.

Schweiz im Niemandsland
Die Banken sind gefordert, diese Kommunikationswege weiterzuentwickeln, immerhin haben sie sich nach den Turbulenzen der vergangenen Jahre auf die Flaggen geschrieben, die Kunden wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Voraussetzung dafür ist allerdings die Umwandlung der ursprünglichen Sender-Empfänger-Kommunikation in einen Dialog. «Das ist der einzige Weg», hält Wirtschaftspsychologe Basel fest. In vielen Branchen sind die Prozesse bereits umgesetzt. Als Beispiel nennt Kubli den Kundenservice von Nespresso. Solche Dienste würden Erwartungen schüren, auch in anderen Branchen wie dem Bankenwesen.

Auch diesbezüglich ist Deutschland der Schweiz einen Schritt voraus. Verschiedene Banken, sogar regional orientierte Sparkassen, arbeiten mit Web-Chats. Für Kunden sind Echtzeitdialoge eine schnelle und direkte Möglichkeit, mit dem Bankinstitut in Kontakt zu treten. Gemäss Marc Lussy wird man darauf in der Schweiz noch warten müssen, da die Compliance aktuell noch die Oberhand hat. Für die Einführung solcher Kommunikationskanäle müsste die Regulierung mehr Kenntnis von Social Media haben. Kubli lässt sich davon nicht abschrecken: «Die regulatorischen Hürden für neue Dialogformen sind überwindbar.» Die UBS stellt ihren Kunden im E-Banking bereits eine Secure Mailbox zur Verfügung.

Blog-digitalisierungsgradSelbstgeschaffene Transparenz
Ein anderer Wunsch der Kunden ist mehr Transparenz. Sie sei zu einer Grundnorm der Netzwerkgesellschaft geworden, schreibt Andrea Belliger von der Pädagogischen Hochschule Luzern im Wirtschaftsmagazin. Unternehmen oder Personen ohne Transparenz seien suspekt. Dass viele Wünsche der Kunden ungehört bleiben, ist zum Teil ihre eigene Schuld. «Der Mensch bleibt lieber im Status Quo. Es liegt nicht in der Natur der Schweizer zu fordern.

Der Weg vom Lamentieren bis zum Handeln ist weit», erklärt Jörn Basel. Zudem tun sich Schweizer Kunden schwer mit einem Wechsel der Bank. In den USA sieht es anders aus, berichtet die Beratungsfirma Alix Partners. Rund 60 Prozent der Smartphone- oder Tablet-Nutzer, die im vierten Quartal 2013 ihr Institut wechselten, nannten mobile Banking als wichtigen Faktor. Im zweiten Quartal 2010 lag der Wert bei nur sieben Prozent.

Gänzlich inaktiv bleiben die Kunden auch in der Schweiz nicht. Sie lassen sich längst nicht mehr jeden Bären aufbinden, sondern werden mutiger. Sie forschen selbst nach, überprüfen Aussagen und schliessen sich im Internet mit der bankaffinen Community kurz, um Informationen auszutauschen und Rat zu suchen. Noch nicht dabei in diesem Zirkel sind die Banken.

Den (Kunden-)Dialog suchen
Dabei wäre ihr Erkenntnisgewinn riesig: Sie könnten die Anliegen, Wünsche und Ängste ihrer Kunden erfahren und ihnen spezifische Hilfe – oder passende Produkte anbieten. Auch in Zeiten der Digitalisierung wollen Kunden nicht anonym abgefertigt werden, sondern schätzen persönliche Betreuung und massgeschneiderte Lösungen. Massenmails und ungerichtete Mitteilungen in sozialen Medien finden wenig Beachtung.

Je mündiger die Kunden werden, desto weniger sind sie bereit, für einen schlechten und nutzlosen Service zu bezahlen. Ist der Kunde dagegen glücklich, wird es auch die Bank sein. Denn einerseits eröffnet Kundenzufriedenheit zusätzliche Geschäftsfelder, anderseits verbreiten sich die guten Erfahrungen rasch, wenn sie publik gemacht wurden.

Warum nicht ein Online-Bewertungssystem für Banken einführen, wie es bei Hotels, Restaurants und anderen Dienstleistungen üblich ist? «Eine Bewertung als Kundenfeedback ist auch im Bankbereich durchaus denkbar und in Teilbereichen bereits Realität, etwa bei den Mobile Banking Apps», sagt Kubli.

Filialen im Umbruch
Der informierte Kunde ist jedoch auch eine Herausforderung, der viele Institute noch nicht gewachsen sind. «Das ist wie mit den Ärzten», holt Kubli aus, «denen früher wenig informierte Kranke gegenüberstanden, die sich voll und ganz auf ihr Urteil verliessen. Heute wird der Weg in die Praxis nach umfangreicher Recherche im Internet angetreten, so dass sich die Ärzte mit völlig neuem Wissen und spezialisierten Fragen konfrontiert sehen.

Ähnlich ergeht es auch den Bankern.» Unterdessen zertifiziert beispielsweise UBS alle ihre Kundenberater und stellt ihnen für Beratungsgespräche elektronische Hilfsmittel wie iPads zur Verfügung. Mobile und E-Banking sowie der vermehrte Einsatz von Bank- und Kreditkarten bringen die ursprünglichen Geschäftsmodelle der Banken zusehends ins Wanken. Besonders im Fokus stehen die Filialnetze, die in den letzten Jahren weniger engmaschig wurden. Ganz verschwinden werden Bankfilialen jedoch nie, prognostiziert Basel. Zwar werden Alltagsgeschäfte künftig vor allem digital abgewickelt, doch bei entscheidenden Transaktionen wie etwa Hypothekarkrediten und langfristigen Finanzplanungen werde der persönliche Kontakt weiterhin bestehen.

Lussy zufolge müsse den Kunden in den Filialen künftig mehr geboten werden, so wie bei Apple. Ein Beispiel ist auch die im Testlauf befindliche Filiale der Erste Bank in Wien, die über eine Bar, eine Kinderecke sowie einen Radständer im Eingangsbereich verfügt. Überflüssige Barrieren wurden entfernt, das Selbstbedienungsfoyer abgeschafft und mit einem offenen Raum und einem speziellen Soundkonzept ersetzt.

In Deutschland wiederum beschreitet die Commerzbank mit ihren Flagship Stores neue Wege. Diese erinnern nicht umsonst an ein Wohnzimmer: Die Kunden sollen sich schliesslich wie zuhause fühlen. Neben Vermittlung von technischem Knowhow erhalten die Mitarbeiter Schulungen im Bereich Kundenservice von Angestellten der Steakhouse-Kette Block House oder der Fluglinie Lufthansa. Es gibt also durchaus Institute, die die Zeichen der Zeit erkannt haben und die Entwicklungen mit Investitionen aktiv vorantreiben.

Harter Wettbewerb
Das müssen sie auch, denn die Mitbewerber schlafen nicht. Etwa Paypal und Google, die seit 2009 mehr als eine Milliarde Dollar in Bezahllösungen investiert haben. Auch Start-ups mischen kräftig mit. «In diesem Bereich tut sich sehr viel. Die Banken müssen jetzt den Mut für entsprechende Investitionen haben, das ist überlebenswichtig», erklärt Kubli. Wie ein Bericht von McKinsey zeigt, werden digitale Entwicklungen von den meisten Instituten noch sehr stiefmütterlich behandelt. Nur 20 bis 40 Prozent der europäischen Retailbanken hätten bisher ihre Prozesse digitalisiert. Zudem würden 90 Prozent der europäischen Banken weniger als 0,5 Prozent ihrer gesamten Ausgaben in den digitalen Umbau investieren.

Das birgt Gefahren: Wer dem Fortschritt nicht Rechnung trägt, wird auf der Strecke bleiben. Auch Lussy sieht die Gefahr, dass die Institute an ihren antiquierten Geschäftsmodellen festhalten. Um eine Finance-2.0-Kultur zu erzeugen, müssten Prozesse grundlegend verändert werden. «Dafür gibt es verschiedene Wege: Entweder das Top-Management verändert sich, treibt den nötigen Kulturwandel aktiv voran und schafft es auf diese Weise, dass sich auch die Unterstellten verändern. Oder die Banken tauschen Top-Management und Mitarbeiter aus», erklärt er. «Die Banken müssen flexibler und anpassungsfähiger werden.»

Innovation als Antwort
Eine fortschreitende Digitalisierung wäre nicht nur für Banken und Kunden wünschenswert. Eine Vorreiterrolle bei Finance 2.0 könnte den Schweizer Bankenplatz, der aufgrund dubioser Geschäftspraktiken in den vergangenen Jahren stark unter Beschuss geraten ist, zurück zu seiner alten Grösse führen. «Das Land hat das Potenzial, Finance 2.0 besser zu nutzen und so vom reputationsfördernden Effekt von Innovationen zu profitieren», führt Kubli aus.

Das Fundament für diesen Schritt ist gelegt: Der Wissensstand der Schweiz ist hoch, dazu kommen eine hohe Sicherheit und die politische Neutralität. Diese Vorteile sieht auch Lussy: «Technologie, Wissen und gute Leute sind vorhanden. Es wäre eine Möglichkeit, dem Teufelskreis zu entkommen». Höchste Zeit also, die österreichische Hymne zu beherzen, das Wissen in Innovationen umzusetzen und mutig in die neuen Zeiten aufzubrechen, damit «Swiss Banking» ein Qualitätsstandard bleibt, auch ohne Bankgeheimnis.

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Die Zukunft des digitalen Bankings

An der zweiten Finance 2.0 Konferenz diskutierten rund Experten über die Zukunft des digitalen Banking. Denn eines ist klar: Banking wird digital. Über 270 Teilnehmer besuchten die Veranstaltung: Konferenz-Impressionen und Expertenstimmen im Video.

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Chris Skinner – live on stage in Zurich

Chris Skinner sieht eine radikale Veränderung der Rolle und Funktion des Bankings voraus. Anlässlich der zweiten Finance 2.0 Konferenz hielt der international renommierte Experte und Finanzblogger die Keynote und scheute sich nicht davor, Klartext zu reden.

Chris Skinner: Vision on Banking 2020
Text: Rino Borini

Chris Skinner – Autor von «Digital Bank» – lieferte Einsichten in die künftige Entwicklung im Kampf um das Banking und legt dar welche Herausforderungen auf die Finanzinstitute noch zukommen. Für ihn ist klar: Die Zukunft der Banken ist digital. Chris Skinner ist Chairman des Financial Services Club, und bekannt für sein Blog «The Finanser».

Gesammelte Tweets aus der Konferenz (zusammengetragen von Bernadette Bisculm).

  1. Urs Bolt sagt:

    Tolle Zusammenfassung einer gelungenen Konferenz! Die Steine rollen!

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Private Banking 2.0 – Wealthfront mit einer Milliarde Anlagevermögen

Diese Neuigkeit ist ein weiterer Meilenstein für neue und innovative Business-Modelle im Bereich Finanzdienstleistungen (sogenannt «Finance 2.0» oder «Fintech»): Der Investment-Service Wealthfront hat die magische Marke von einer Milliarde US-Dollar an Assets-Under-Management erreicht.

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Text: Marc P. Bernegger

Die Kunden von Wealthfront sind zwischen 19 und 93 Jahren alt und 55 Prozent unter 35-jährig. Durchschnittlich investieren diese zwischen 80 000 bis 100 000 Dollar bei Wealthfront. Interessant ist auch die Tatsache, dass 16 Prozent der Kunden ein Netto-Vermögen von mehr als 1 Million Dollar haben und somit zu den klassischen Private Banking-Kunden gehören.

Wealthfront wurde im Jahre 2011 gegründet und beschäftigt derzeit rund 40 Mitarbeiter. Initiiert wurde der Service von Andy Rachleff, dem ehemaligen Gründer des Venture Capitalists Benchmark Capital. Zu den Investoren, welche bisher 65 Millionen Dollar investiert haben, gehören unter anderem die VCs Index VenturesRibbit CapitalGreylock PartnersDAG Ventures und Privatpersonen wie Marissa Meyer (CEO bei Yahoo), Kevin Rose (Venture Partner bei Google Ventures) und Mark Pincus (Mitgründer von Zynga).

wealthfrontHeute ist Wealtfront der am schnellsten wachsende Software-basierte Finanzdienstleister der Welt und ist alleine im 2013 um 450 Prozent gewachsen. Weitere Player aus den USA mit ähnlichen Services sind unter anderem Betterment (verwalten rund 500 Millionen Dollar), Personal Capital (gegründet von Bill Harris, dem ehemaligen CEO von Paypal), SigFigCo-VestorMotif (haben weitere 35 Mio USD aufgenommen und sind nun total bei 86 Millionen Dollar), FutureAdvisor (haben soeben einen Finanzspritze von 15.5 Millionen Dollar erhalten) und LearnVest.

Auch in Europa tut sich auf dem Gebiet mittlerweile einiges und mehr dazu folgt an dieser Stelle.

* von Marc P. Bernegger, Mehrfach-Unternehmer mit Fokus auf Finance 2.0 / Fintech 

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Innovation ist das Bankgeheimnis der Zukunft

Die Schweiz als führender Finanzplatz steht im Bereich Digitalisierung beinahe im Niemandsland. Doch die Finance 2.0 Konferenz am 21. Mai 2014 hat gezeigt, dass der Zug für die Schweiz noch nicht abgefahren ist.

Text: Oliver Steeg - additiv AG

Es sind grosse Kräfte am Werk. Ein schöner Teil der Kunden unserer Banken und Vermögensverwalter ändern sich rasant: Diskretion und Bankgeheimnis zählen weniger, gefragt ist Service, Service und nochmals Service. Service auf die spezifischen Kundenbedürfnisse zugeschnitten. Service, welcher Banking aus Kundensicht einfach macht und die Kundschaft auf die Flughöhe der Berater bringt. Service, wo immer sich der Kunde befindet und wann der Kunde gerade Zeit und Lust hat, sich über seine Anlagen zu informieren und Anlageideen anzusehen.

Finanzplätze ohne Bankgeheimnis hatten nie den künstlichen Schutz vor Innovation. Sie konnten sich nicht darauf verlassen, dass die Kunden möglichst wenig Kontakt zum Berater wollten. ‚Da draussen‘ in der weiten Welt ohne Bankgeheimnis tobte der Kampf um Ressourcen: Gute Bedingungen für Startup-Firmen sowie kluge und innovative Köpfe. Dies sorgte in Ländern wie dem Vereinigten Königreich, den USA oder Singapur für dynamische und innovative Ökosysteme.

Die Schweiz befindet sich gemäss der Studie «Banking in a Digital World» von ATKearney im Bereich «Digital Banking Readiness» auf Platz 11 – weit abgeschlagen von den anderen wichtigen Finanzplätzen und noch hinter Dänemark, Australien und Belgien. Wenn man nun bedenkt dass Innovation der Haupttreiber für neue Geschäftsmodelle und Dienstleistungen (sprich Service) ist, kann einem angst und bange werden. Die Schweizer Einkäufer gehen ins Ausland, die weltweit wichtigste Fintech-Messe Finovate lässt die Schweiz links liegen.

Nun, warum ist das so? Weil Banken in der Vergangenheit nicht innovativ sein mussten, kauften sie wenig Innovation ein. Und wo kein Käufer ist, da…. Sie wissen schon.

Da die Kunden des Schweizer Finanzplatzes nicht nur weniger auf das Bankgeheimnis zählen, sondern über den ganzen Globus verteilt sind, hilft Technologie guten Service zu erbringen. Über Kontinente hinweg innovative Lösungen anbieten und kundengerecht kommunizieren: So sieht die Zukunft des Schweizer Finanzplatzes aus.

Da kommt uns entgegen, dass technologisch just in letzter Zeit so vieles möglich wurde. Und übrigens: 34 Prozent der Bankkunden würden die Bank wechseln, wenn diese besseren Service unter Einsatz von innovativer Technologie bieten würde (Studie ‚Technologische Innovationen als deutlicher Mehrwert für den Bankkunden von Accenture). Damit es keine Ausreden gibt: Ältere Kunden sind viel technologieaffiner als mehrheitlich angenommen.

Will der Schweizer Finanzplatz auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, so ist der Fall eigentlich klar: Wir brauchen Innovation, und zwar viel davon. Wenn alle Stakeholder des Schweizer Finanzplatzes zusammenarbeiten, können wir es schaffen.

An der Finance 2.0 vom Mittwoch, 21.5.14, in Zürich wurde mit der Initiative «Prototyping the Future» der Anfang gemacht. Werden Sie ein Teil davon.

*Oliver Steeg ist Head Private Banking bei additiv AG

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Banking Innovation «Swiss made»

Die Schweiz als führender Finanzplatz steht im Bereich Digitalisierung beinahe im Niemandsland. Doch die Finance 2.0 Konferenz am 21. Mai 2014 hat gezeigt, dass der Zug für die Schweiz noch nicht abgefahren ist. Inzwischen sind aber zahlreiche Initiativen und Projekte am Start.

Text: Patrick M. Widmer

Die zweite Finance 2.0 Konferenz kann als voller Erfolg gewertet werden. Knapp 270 Teilnehmer aus Finanzinstituten und Lösungsanbieter fanden sich am 21. Mai im Zürcher Eventsaal Aura ein und diskutierten über die Zukunft des Bankings und deren Digitalisierung. Der Teilnehmerzuwachs zur Erstdurchführung um beinahe 30 Prozent und enorm hohen Twitter-Aktivitäten zeigen die Brisanz des Themas – es herrscht Aufbruchstimmung.

Diese spiegelte sich auch in dem Referat von Andreas Kubli von der UBS wieder. Die Schweizer Grossbank wartete mit einer Neuheit auf und gab in der breiten Öffentlichkeit erstmals Einblicke in das künftige digitale Wealth Management Angebot, das ab 2015 offiziell live gehen soll.

Ein weiterer Meilenstein ist die Lancierung der Initiative «Prototyping the Future». Michael Stemmle (Gründer von additiv AG), Marc P. Bernegger (Fintech-Unternehmer) und Rino Borini (Veranstalter Finance 2. 0 Konferenz) zielen damit auf mehr Innovation «Swiss made» ab. Zukünftig soll das Land im Bereich der Digitalisierung von Finanzdienstleistungen an vorderster Stelle mitmischen. Denn gemäss einer Rangliste des Beratungsunternehmen AT Kearney liegt die Schweiz nur im Mittelfeld.

digital-rankingAuf folgendem Link (Prototyping) können sich die verschiedenen Akteure der Finanzbranche registrieren. Ziel soll sein, dass mit vereinten Kräften (Finanz-)Digitalisierung erlebbar, greifbar und umsetzbar zu machen und die Schweiz im internationalen Umfeld sichtbar zu positionieren.

Das Fazit der Konferenz: Banking wird digital. Doch die Schweiz liegt im internationalen Wettbewerb bislang noch im unteren Mittelfeld. Es ist höchste Zeit die Weichen für eine digitale Zukunft zu stellen, um den Anschluss nicht zu verpassen.

Denn, «Banking is not about Banking. It’s about Relationsships, Connectivity, Accessibility, Mobility, Social Engagement, Change, People, Technology, Platform … ».

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Impressionen 2. Finance 2.0 Konferenz 2014

Das Thema Digitalisierung und Banking ist auch in der Schweiz angekommen. Die zweite Ausführung der finance 2.0 Konferenz war ein voller Erfolg. Einige Eindrücke.

Die zweite Finance 2.0 Konferenz vom 21.5.2014

Die Finance 2.0 Konferenz 2014 fand im Aura Festsaal in Zürich statt. Knapp 270 Personen – eine Steigerung von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr – nahmen teil. Nebst spannenden Referaten und Diskussionen, bot die Konferenz auch eine gute Plattform um das Netzwerk zu pflegen und insbesondere auch zu erweitern.

Aura Eventsaal Zürich

Finance 2.0 Konferenz 2014 im Aura Eventsaal Zürich

Aura Eventsaal Zürich

Finance 2.0 Konferenz mobilisierte knapp 270 Teilnehmer

Rino Borini und Mark Baer begrüssen die Gäste

Rino Borini und Mark Baer begrüssen die Gäste

Das Video hier: http://www.youtube.com/watch?v=zNrxfhzd3Mk

Das Video hier: http://www.youtube.com/watch?v=zNrxfhzd3Mk

Die zweite Finance 2.0 Konferenz vom 21.5.2014

Die 360-Grad Leinwand: Einfach hot

Marc Paul Henauer, Chef Melanie (VBS)

Erster Referent: Marc Paul Henauer, Chef Melani (VBS), über die Cyber-Bedrohung für die  Schweiz

Marc Paul Henauer, Chef Melanie (VBS)

Marc Paul Henauer, Chef Melani (VBS)

Finance 2.0 überzeugte mit einer 360 Grad Leinwand

Finance 2.0 überzeugte mit einer 360 Grad Leinwand

Sarah Brylewski, Ayondo

Sarah Brylewski, Ayondo

Dr. Jochen Steinbock, Crealogix

Dr. Jochen Steinbock, Crealogix, referierte über Digital Wealth Management

Andreas Kubli, UBS (links), zeigte Einblicke in das digitale Wealth Management Projekt der UBS

Andreas Kubli, UBS (links), zeigte Einblicke in das digitale Wealth Management Projekt der UBS

270 Gäste besuchten die Finance 2.0 Konferenz

Gute Stimmung und viele Twitter-Aktivitäten

Marc Baer und Rino Borini führten durch die Konferenz

Marc Baer und Rino Borini führten durch die Konferenz

Frank-Rainer Nitschke, NZZ Mediengruppe

Frank-Rainer Nitschke, NZZ Mediengruppe, zum Thema: Was Banken von Medien lernen können.

Keynote: Chris Skinner

Keynote Speaker: Chris Skinner

Richard Dratva: Vision on Banking 2020

Richard Dratva präsentierte seine Vision, wie das Banking 2020 aussehen könnte.

Andreas Kubli: Vision on Banking 2020

Andreas Kubli präsentierte seine Vision, wie das Banking 2020 aussehen könnte.

Chris Skinner: Vision on Banking 2020

Auch Chris Skinner zeigte seine Vision on Banking 2020

Richard Dratva, Zoé Baches, Andreas Kubli, Chris Skinner

Unter der Leitung von Zoé Baches diskutierten Richard Dratva, Andreas Kubli und Chris Skinner

Dr. Thomas Puschmann, Uni St. Gallen

Dr. Thomas Puschmann, Universität St. Gallen, zeigte den Status Quo von Bankinnovationen.

Marc P. Bernegger, Michael Stemmle, Christina Kehl, Andreas Dietrich und Gian Reto à Porta

Marc P. Bernegger moderierte den Panel: FinTech. Mit dabei: Michael Stemmle, Christina Kehl, Andreas Dietrich und Gian Reto à Porta

Crealogix

Marc-André Dumont, Ivan Interbitzin (beide Crealogix) präsentieren eine Europapremiere

Maximilian Tayenthal, number26.de

Maximilian Tayenthal zeigt was hinter „number26.de“ steckt.

Anders Bally, Sentif AG (Mitte)

Anders Bally, Sentifi AG, zeigt welche Informationen aus der Financial Crowd gewonnen werden können.

Noel Blessing, mylibary.ch, im Gespräch mit Mark Baer

Noel Blessing, mylibary.ch, stillte die Neugier von Mark Baer

Denis Just von Kipp AG

Denis Just von Knipp zeigt, dass im Versicherungsbereich noch viel zu tun ist. Er hat eine Lösung.

Jean-Francois Groff, Mobino

Jean-Francois Groff, Mobino, zeigt wie einfach eigentlich Mobile Payment sein kann.

Rino Borini, Marc P. Bernegger, Michael Stemmle lancierten "Prototyping the Future"

Rino Borini, Marc P. Bernegger, Michael Stemmle lancierten „Prototyping the Future“

  1. […] Herzlichen Dank dem Punktmagazin für die kostenlose Verwendung ihrer Bilder. […]

  2. […] Herzlichen Dank dem Punktmagazin für die kostenlose Verwendung ihrer Bilder. […]

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Kredite von der Crowd – Peer-to-Peer Lending

Privatpersonen investieren in Privatpersonen. Investoren stellen Geld für Privatkredite zur Verfügung. So einfach ist das Modell für Peer-to-Peer Lending. Handelt es sich um ein Nischenangebot oder müssen die Banken nun zittern?

Kredite-Crowd
Text: Rino Borini

Auf der Internetplattform cashare.ch nennt er sich «Earthwindandfire». Im richtigen Leben ist der 51-jährige Basler Verkaufsleiter, sein monatliches Einkommen beträgt stattliche 10 500 Franken, netto. 2013 entschloss sich der in Basel-Stadt Ansässige, in den landschaftlichen Nachbarkanton zu ziehen. Der Umzug brachte nicht nur einen Tapetenwechsel mit sich, sondern auch eine Änderung seiner Steuerrechnung. Earthwindandfire stand vor einem finanziellen Engpass: Da er die Steuernachforderung von Basel-Stadt begleichen und gleichzeitig eine Vorausfinanzierung für Baselland leisten musste, klaffte in seinem Budget ein Loch von 27 500 Franken.

Um sich das Geld zu beschaffen, wählte Earthwindandfire nicht den traditionellen Weg über die Bank oder einen Privatkreditanbieter, sondern registrierte sich bei der Online-Kreditplattform cashare.ch und unterbreitete den Mitgliedern sein Angebot. Solche Aktivitäten nennt man Peer-to-Peer (P2P) Lending, wobei mit Peers in diesem Fall Menschen gemeint sind. Private, die anderen Privaten Kredite gewähren, Banken und andere Finanzinstitute spielen keine oder lediglich eine untergeordnete Rolle.

In der Schweiz steckt diese Art der Geldbeschaffung – beziehungsweise Geldanlage für die Gegenseite – noch in den Kinderschuhen. In den USA und Grossbritannien boomt das Geschäft bereits. Zwar ist diese Art der Kreditfinanzierung auch dort immer noch ein Nischenmarkt, doch die Wachstumsraten sind riesig. In Grossbritannien verdoppelt sich der Markt alle sechs Monate, mittlerweile beträgt er 1,7 Milliarden Dollar. In den USA wird das Geschäft von den Anbietern Lending Club und Prosper beherrscht, die zusammen einen Marktanteil von 98 Prozent haben. 2013 haben die beiden Unternehmen gemeinsam Kredite in Höhe von über 2,4 Milliarden Dollar vermittelt.

Die Funktionsweisen der Plattformen ähneln sich. Der Kreditnehmer bestimmt Summe und Laufzeit des Kredits und hat eine gewisse Anzahl Tage Zeit, die Kreditsumme zu erreichen. Ausserdem muss er verschiedene Dokumente einreichen, um sich zu identifizieren und seine Einkommensverhältnisse zu belegen. Wird der Kreditbetrag innerhalb der Frist erreicht, kommen die Verträge zustande. Andernfalls wird das Projekt von der Plattform entfernt. Grundsätzlich tun P2P-Plattformen dasselbe wie Banken, sie vermitteln Fremdkapital. Der grosse Unterschied liegt im Zinsniveau. Zwar notieren die Zinsen in der westlichen Welt sozusagen auf dem Nullpunkt, doch das gilt nicht für das Zinsniveau von Privatkrediten von Banken.

Dieses ist meist noch so hoch wie eh und je – das Gesetz von Angebot und Nachfrage spielt überhaupt nicht. Auf den P2P-Plattformen dagegen schon. Hier können Kreditnehmer und -geber die Zinskondit ionen selber aushandeln. Von Peer-to-Peer Lending profitieren alle – ausser die Banken, die um eine ihrer Kernkompetenzen beraubt werden. Die Geschäftsidee folgt dem Motto der Disintermediation, deren Ziel es ist, unnötige Stufen der Wertschöpfungskette, in diesem Fall die Bank, zu eliminieren. Mit der heutigen Technologie ist die Umsetzung ein Leichtes. Und während die Kreditnehmer ihre Finanzen wieder in den Griff bekommen, können sich Kreditgeber über eine attraktive Möglichkeit freuen, Rendite auf dem Kapital zu erwirtschaften.

Die Kehrseite der Medaille: P2P-Plattformen sind nicht reguliert und gewähren keinen Einlegerschutz. Wenn der Kreditnehmer die Schuld nicht begleichen kann, muss man selber schauen, wie man zu seinem Geld kommt. Und sobald Plattformen Kreditnehmer mit schlechter Bonität akzeptieren und es zu Ausfällen kommt, kippt das Geschäftsmodell – so passiert in China. Wie immer gilt: Mehr Rendite bedeutet mehr Risiko. Earthwindandfire erreichte sein Ziel übrigens in kürzester Zeit. Der Zins, den er für seinen Kredit bezahlt, liegt zwischen 6,7 und 6,9 Prozent.

  1. Louise sagt:

    Also ich glaube schon, dass diese alternative P2P Finanzierungsform potenzial hat, wenn man die vielen aktuellen News auf Google durchstöbert (riesen Kapitalsummen für Lendico und Co.) aber dies bringt der Gesellschaft auch gewisse Nachteile finde ich. lg Louise

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Personal Finance Management wird salonfähig

Alternative Bezahlmöglichkeiten verleiten dazu, die eigenen finanziellen Möglichkeiten zu überschätzen. Ohne digitale Assistenten laufen Konsumenten Gefahr, das Gefühl für Geld zu verlieren. Personal Finance Management Tools sollen helfen.

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Text: Barbara Kalhammer

Im Herzen Berlins, am Rosenthaler Platz in Berlin Mitte, befindet sich «The Barn», eine exquisite Kaffeebar mit einem ausgewählten Angebot an feinen Speisen. Ein Geheimtipp für Kaffee-Connaisseurs, sagen Insider. Wer im The Barn einen Espresso aus der handgefertigten Kaffeemaschine und dazu ein saftiges Stück Kuchen aus der hauseigenen Backstube bestellt, muss nicht mal mehr zum Portemonnaie greifen und Bargeld hervorkramen. Ein Geschenk des Haueses ist der Kaffee dennoch nicht. Stattdessen wird der offene Betrag durch einen Gesichtsabgleich direkt dem Bankkonto belastet. Das ist keine Fiktion, sondern bereits Realität.

Dank raffinierter Technologien halten neuartige Bezahlformen Einzug in unseren Alltag. Begonnen hat es mit kleinen Helfern, die sich klammheimlich in unser Leben geschlichen haben – heute sind sie fester Bestandteil jedes Einkaufserlebnisses. Längst haben sie Bargeld zu einem grossen Teil verdrängt und warten mit schillernden Maestro-, Visa- oder MasterCard-Logos auf ihren Einsatz. Ihre Verwendung ist einfach, schnell und erspart den Gang zum nächsten Bankomaten.

Auch die Schweiz wird zusehends bargeldlos. Um Rechnungen zu begleichen, werden immer häufiger Debit- und Kreditkarten gezückt. Seit 2003 wuchs die Zahl der Transaktionen mit Debitkarten um 85 Prozent auf 425 Millionen im Jahr 2012. Bei Kreditkarten zeigt sich ein ähnliches Bild: Die Transaktionen haben sich seit 2003 nahezu verdoppelt, 2012 griffen Konsumenten 162 Millionen Mal zur Kreditkarte. Gestiegen ist natürlich nicht nur die Zahl der Transaktionen, sondern auch die ausgegebene Summe. Waren und Dienstleistungen im Wert von 23 Milliarden Franken wurden 2012 mit Kreditkarte bezahlt, 2003 waren es noch 14,7 Milliarden. Die Umsätze mit Debitorenkarten wuchsen von 19 auf knapp 32 Milliarden Franken.

Wurde Plastikgeld früher vor allem für hochpreisige Produkte eingesetzt, werden heute auch Gipfeli beim Bäcker damit bezahlt. Der durchschnittliche Betrag pro Transaktion beträgt bei Kreditkarten 142 Franken, bei Debitkarten 75 Franken, wie aus den Zahlen des Verbandes für elektronischen Zahlungsverkehr hervorgeht. 2003 waren es noch 181 Franken bei Kredit- und 83 Franken bei Debitkarten.

Der Versuchung widerstehen
Die bargeldlose Welt bietet nicht nur Vorteile. Im «Vaterunser» heisst es: «Und führe uns nicht in Versuchung» – doch genau das macht Plastikgeld. Richard Feinberg, Professor an der University of California, konnte in mehreren Experimenten nachweisen, dass allein ein deutlich sichtbares Kreditkartenlogo ausreicht, um die Zahlungsbereitschaft von Kunden zu erhöhen. Andere Studien haben gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit, Geld zu verpulvern, grösser ist, wenn mit Kreditkarte statt Bargeld bezahlt wird. In amerikanischen Supermärkten geben jene, die mit Kreditkarte bezahlen, bis zu 30 Prozent mehr aus als Kunden, die die Rechnung bar begleichen.

Der psychologische Grund dafür ist schnell gefunden: Bar zu bezahlen schmerzt, und zwar sofort. Beim Kauf mit Karte kommen die tatsächlichen Ausgaben erst zutage, wenn der Kontoauszug ins Haus flattert. Die Erinnerung an den Einkauf ist bis dahin oft schon verblasst, doch der Schmerz hallt nach. Nicht selten übersteigen die Ausgaben die Einnahmen und führen den Kunden direkt an den Geldtropf der Banken.

In der Schweiz schreitet diese Entwicklung nur langsam voran. Die Kreditverpflichtungen ohne Hypotheken sind seit 2008 um knapp vier Prozent auf 45,57 Milliarden Franken gestiegen. Im restlichen Europa ist Schuldenmachen beliebter: Eine Untersuchung der französischen Grossbank Crédit Agricole ergab, dass sich beispielsweise in Deutschland die Konsumkredite auf 225 Milliarden Euro summieren. Von allen EU-Staaten sind nur in Grossbritannien mit 251 Milliarden Euro mehr Konsumkredite ausstehend als bei unserem nördlichen Nachbarn. In den USA liegt die Hemmschwelle, einen Konsumkredit aufzunehmen, nochmals tiefer: Die ausstehende Kreditsumme kletterte seit 2008 von 2,65 Billionen auf aktuell rund drei Billionen Dollar.

Von der Karte zum Smartphone
Die Privatverschuldung dürfte sich mit dem Aufkommen von weiteren alternativen Bezahlformen erhöhen. Der neuste Trend heisst Mobile Payment. In der Schweiz wird dieses Themenfeld bislang nicht flächendeckend beackert, doch Banken und banknahe Firmen werden sich dieser Neuerung langfristig nicht entziehen können. Auch Herr und Frau Schweizer werden in den nächsten Jahren vermehrt zum Smartphone greifen, um ihre Einkäufe zu bezahlen.

«Ob bei Internetzahlungen zuhause und unterwegs oder im Laden an der Kasse: In naher Zukunft ist das Smartphone das zentrale Objekt beim Bezahlen», verkündete der Schweizer Bezahlservice-Anbieter SIX Payment Services in einem Communiqué Mitte letzten Jahres. Anwender tüfteln bereits an Möglichkeiten für kontaktloses Bezahlen mit Handy. Die Warenhauskette Manor hat ihren neuen Dienst bereits lanciert: Inhaber der Kundenkarte können ihre Einkäufe mit der kostenlosen App schon heute mobil bezahlen. Auch der Grossverteiler Coop hat mit «Passabene» sein Angebot erweitert. Mit Passabene können die Kunden die Produkte selber scannen, an der Kasse müssen sie nur noch das Smartphone vorweisen.

Damit nicht genug: Künftig wird es möglich sein, im Supermarkt einfach den Barcode des Produkts per Smartphone zu scannen – und schon ist es bezahlt. Beim US-Supermarktriesen Wal-Mart ist die Zukunft schon angekommen: Mit der App «Scan & Go» kann der Kunde beim «self-checkout» die Ware bezahlen. Das Anstehen an der Kasse entfällt.

Automatische Bezahlung
Zurück nach Berlin ins The Barn. Dort läuft wie in neun weiteren Geschäften der deutschen Hauptstadt die Testphase für die Funktion «Check-in». Dabei handelt es sich um ein Projekt von Paypal. Die App tritt zur Bezahlung mit dem Kassensystem des Händlers in Kontakt. Paypals Zahlverfahren wird durch einen Gesichtsabgleich und eine Verriegelung der App nach der Bezahlung ergänzt.

Dank dem Bluetooth-Gerät «Beacon» könnte künftig sogar der Griff zum Smartphone überflüssig werden. Wenn die App aktiviert ist, kann der Verkäufer den Kunden bereits beim Betreten des Ladens authentifizieren. Um zu bezahlen, muss der Kunde nur angeben, für welches Produkt er sich entschieden hat und dass er die Rechnung mit Paypal begleichen will. Der Computerriese Apple und das US-Entwicklungsunternehmen Qualcom testen derzeit ähnliche Bezahlsysteme.

Die Entwicklungen in dem Bereich gewinnen zusehends an Fahrt. Ende 2013 prognostizierte Paypal-Präsident David Marcus: «Ich wäre schockiert, wenn man in vier Jahren in grossen Städten zum Einkaufen noch seine Brieftasche mitnehmen müsste». Noch steckt der Markt für solche Anwendungen in den Kinderschuhen, doch das Potenzial ist enorm. So schätzen die Marktforscher von Gartner, dass bereits 2013 über 235 Milliarden Dollar über Handy und Tablet umgeschlagen wurden. Für die nächsten Jahre erwarten sie jährliche Zuwachsraten von gut 30 Prozent. 2017 würde der Umsatz bereits über 700 Milliarden Dollar betragen, verteilt auf 450 Millionen aktive Kunden.

Den Überblick behalten
Die anvisierte Substitution des Bargeldes birgt jedoch eine grosse Gefahr: Wenn Rechnungen einfach und schnell im Vorbeigehen beglichen werden, entfällt die bewusste Handlung des Bezahlens. Es droht der Verlust des Bezugs zum Geld und des Verständnisses für Finanzplanung. Während man früher durch den Gang zum Bankomaten und die Bezahlung mit Bargeld einen relativ guten Überblick über seine Ausgaben hatte, bleibt nun am Ende des Monats immer häufiger ein leergeräumtes Konto und die erstaunte Frage: «Wo ist das Geld nur hin?»

Dass die Übersichtlichkeit, die ein herkömmliches Portemonnaie und Bargeld bieten, verschwindet, bestätigt Andreas Dietrich von der Hochschule Luzern: «Besonders in den USA, wo die Verschuldung sehr ausgeprägt ist, befinden sich sogenannte Personal-Finance-Management-Systeme (PFM) auf dem Vormarsch.» Diese persönlichen Finanzmanager zeigen auf einfache und übersichtliche Art, welche Ausgaben getätigt wurden und wie viel Geld noch zur Verfügung steht. Um den Kontostand in Erfahrung zu bringen, muss längst nicht mehr der Computer gestartet werden, denn immer mehr Banken bieten über eigene Apps jederzeit und überall eine Zugriffsmöglichkeit.

PFM-Systeme bieten einen zusätzlichen Mehrwert, indem sie die unterschiedlichen Kanäle der Einnahmen und Ausgaben aufzeigen und Kategorien wie Wohnen, Auto, Versicherungen und Kleidung zuordnen. Wer beispielsweise sein SBB-Ticket regelmässig per App bezahlt, kann durch die Zuordnung zu «Verkehr» nach einigen Monaten auf einen Blick erkennen, ob er mit einem Jahresabonnement günstiger gefahren wäre.

«Die Kategorisierung, anhand der man visuell dargestellt sieht, wofür man sein Einkommen ausgibt, ist nur einer der Vorteile», erklärt Dietrich. Weitere Pluspunkte sind Budgetierung und Finanzplanung. Sie erlauben es dem Kunden, persönliche Sparziele zu definieren. Sobald ihre Erreichung in Gefahr gerät, wird er gewarnt. Studien haben gezeigt, dass sich viele Kunden nicht nur die Aufbereitung der Daten wünschen, sondern auch eine interpretierende Sicht auf ihre Finanzen. In den USA sehen 64 Prozent der Smartphone-Nutzer ihre Bank in der Verantwortung, sie zu informieren, wenn ihr Guthaben nicht für die Bezahlung einer Rechnung reicht. Ebenfalls wünschenswert seien laut der Studie des Softwareunternehmens Varolii Benachrichtigungen bei ungewöhnlichen Kontoaktivitäten.

Loyalität und Kundenbindung erhöhen dank PFM
Für die Banken gibt es diesbezüglich noch viel zu tun, denn bislang sind die hiesigen Anwendungen vor allem auf die Kategorisierung spezialisiert. Doch die Entwicklung wird mit grossen Schritten voranschreiten. Dies mitunter, weil auch die Institute von den digitalen Finanzmanagern profitieren. Gemäss Dietrich können Kundenbindung und -loyalität erhöht werden: «PFM ist ein Teil der Digitalisierungsstrategie der Banken.» Für die Institute haben diese digitalen Hilfsmittel weitere Vorteile: Nebst einer einfachen Kontaktmöglichkeit erlauben sie es den Banken, ein besseres Verständnis des Kundenverhaltens und ihrer Bedürfnisse zu erhalten. Diese Informationen nutzen sie, um den Kunden passende Angebote zu unterbreiten und damit zusätzliche Geschäfte abzuschliessen. In Zeiten von erodierenden Margen sind das willkommene Einnahmen. Die Vielzahl der Daten ermöglicht darüber hinaus umfassende Vergleichsmöglichkeiten. So können die gesammelten Informationen mit ähnlichen Profilen verglichen werden. Dadurch können Banken und auch Kunden in Erfahrung bringen, ob andere 30-Jährige mehr verdienen, wie viel Miete sie bezahlen oder ob sie mehr Geld für Freizeit Reisen ausgeben.

Kunde muss mitdenken
In den USA hat sich PFM längst einen Namen gemacht. So nutzen mehr als zehn Millionen Amerikaner den Service der bankenunabhängigen Plattform «Mint», welche die Verwaltung von Bankkonten, Kreditkarten, Investments und Kreditaktivitäten ermöglicht. Auch in Europa ist das Thema lanciert. Mit der isländischen Islandsbanki und der spanischen BBVA stellen bereits erste Institute ihren Kunden solche Lösungen zur Verfügung. Für den Erfolg verantwortlich war mitunter die Wirtschaftskrise: Nach dem Kollaps von drei Banken im Jahr 2008 war das Management von persönlichen Finanzen im stark angeschlagenen Island besonders wichtig.

Wie die Weiterentwicklungen dieser Systeme aussehen könnten, zeigt ein Blick nach Australien. Den Kunden der Commonwealth Bank beispielsweise steht mit «CommBank Kaching» ein mobiles Bezahl- und Verwaltungssystem zur Verfügung, mit dem Überweisungen per Smartphone, Email- oder Facebook getätigt werden können. Zahlungen innerhalb sozialer Netzwerke ermöglicht auch die Applikation «Yoodle».

Hierzulande mahlen die Mühlen langsamer, Kunden lassen sich nur zögerlich auf die Neuheiten ein. Inzwischen gibt es von Postfinance und UBS die ersten digitalen Finanzplaner. Die Schwierigkeit besteht jedoch darin, dass nur das bankeigene Konto angezeigt wird. Eine Konsolidierung verschiedener Konten von unterschiedlichen Instituten sei nicht möglich, erklärt Dietrich. Dazu müssten Anwendungen von banknahen Plattformen wie Qontis oder Contovista genutzt werden, die alle Daten zusammenfassen. Deren Geschäftsmodell besteht darin, dass sie ihr Wissen und ihre Technologie in Form von Lizenzen (White Label) an andere, meist kleinere Institute weitergeben. Diese Tools werden ohne Markennamen angeboten und können von Banken, die keine eigenen PFM entwickeln, einfach integriert werden. Mit einem solchen Schritt würde sich die Verbreitung von PFM deutlich steigern.

Eine weitere Schwierigkeit besteht im Aufsplitten der einzelnen Positionen. So wird beispielsweise die Handyrechnung der Kategorie Kommunikation zugeordnet, unberücksichtigt bleibt dabei, welche anderen Leistungen und Produkte mit dem Smartphone bezahlt wurden. Dazu zählen etwa SBB-Tickets oder Downloads aus dem Apple- oder Android-Shop. «Hier ist Eigenverantwortung gefragt», meint Dietrich. Der Nutzer muss die Beträge selber den jeweiligen Kategorien zuordnen. Das gleiche gilt auch für Kreditkarten-Positionen. Zudem gibt es Ausgaben, die das System nicht erkennt und unter «Übriges» verbucht. Um von sämtlichen Vorteilen des Personal Finance Management zu profitieren, muss der Kunde mitdenken.

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Social Trading – ein Kulturwandel ist im Gange

Neue Online-Plattformen ermöglichen das Vernetzen von Anlegern und Händlern. Trader machen ihre Strategien öffentlich und ermöglichen es Anlegern, ihre Empfehlungen und Signale selber umzusetzen. Das ist Social Trading. Wir haben bei Andreas Braun, Journalist, Buchautor und Trader, nachgefragt.

012_AndreasBraun
Text: Barbara Kalhammer

Herr Braun, der Austausch über Soziale Netzwerke wird auch für Anleger immer wichtiger. Eine Möglichkeit ist das sogenannte Social Trading. Was verbirgt sich dahinter?
Andreas Braun_ Social Trading verbindet Social Media mit der Geldanlage. Anwendungen wie Facebook oder Twitter sind für viele von uns alltäglich geworden. Nun werden solche Features zunehmend auch für die Geldanlage oder das Trading eingesetzt. Das ist eine Art Kulturwandel, der bei der Geldanlage einsetzt.

Was genau sind die Möglichkeiten von Social Trading?
Die Anwendungen unterscheiden sich von Plattform zu Plattform. Ein wichtiger Aspekt ist das Social Sharing, also das Öffentlichmachen von Handelsstrategien. Das kennen viele bereits von Facebook, nur werden eben nicht Fotos oder Videos vorgestellt und diskutiert, sondern Handelsstrategien. Mittels Copy Trading kann bestimmten Tradern gefolgt werden.

Was fehlt vielen Plattformen noch?
Die Möglichkeit sich mit anderen Anlegern auf den Plattformen auszutauschen. Es wäre optimal, wenn die verschiedenen Anwendungen kombiniert würden, doch bislang ist das selten der Fall. So bieten wikifolio und auch ayondo zwar die Möglichkeit, Handelssignale zu kopieren, aber der Austausch mit anderen kommt bislang noch zu kurz. Sharewise hingegen hat eine sehr grosse Community.

Was macht den Erfolg von Social Trading aus?
Im Wesentlichen gibt es drei Entstehungsgründe. Der erste ist der Vertrauensverlust gegenüber den Banken, der durch die Finanzkrise noch verschärft wurde. Viele haben das Gefühl, dass die Berater die Produkte selber nicht verstehen, und die Vehikel bringen dann oftmals auch nicht die erhoffte Rendite. Darüber hinaus ermöglichen die heutigen Finanzprodukte wie ETF und Zertifikate eine Copy-Funktion. Durch ihre schlanke Kostenstruktur können sie einfach dafür eingesetzt werden, um Strategien abzubilden.

Und der dritte Grund?
Das sind die Sozialen Netzwerke, die in den vergangenen Jahren in den Alltag Einzug hielten.

Die Strategien der Profis sollten möglichst einfach abzubilden sein. Welche Produkte eignen sich dafür?
ETF sind beispielsweise bei wikifolio als Bestandteile einer Handelsstrategie erhältlich. Darüber hinaus gibt es Anbieter, die ein ETF-Portfolio im Angebot haben. Denkbar wäre auch, eine Strategie nicht über ein Zertifikat, sondern über einen ETF kaufbar zu machen. Bislang steht den Firmen noch die Höhe des benötigten ETF-Volumens im Weg. Die Produkte sind kostengünstig und bieten darüber hinaus den Vorteil, dass man auch auf fallende Kurse setzen oder die Kursentwicklungen hebeln kann.

Somit erfüllen sie genau den Zweck von Social Trading: eine höhere Rendite.
Richtig. Natürlich klappt das aber nicht immer. Ich habe bereits zahlreiche Trader kommen und gehen gesehen. Viele haben keine echte Strategie, die sie einsetzen. Bei fallenden Kursen beispielsweise kommen sie schnell an ihre Grenzen. Es gibt aber auch viele Händler, die kurzfristig orientiert sind und den Markt schlagen. Über einen längeren Zeitraum gelingt es ihnen jedoch selten.

Wie sollte man die Wahl des Traders angehen?
Anleger können sich die Risikostruktur genau ansehen. Es gibt Trader, die ihr gesamtes Geld in einen einzigen Titel investieren. Das kann einige Zeit gut gehen, aber es birgt ein hohes Klumpenrisiko. Anhand der Zusammensetzung des Portfolios können Anleger schnell erkennen, ob es mit ihrer eigenen Meinung übereinstimmt. Das sollte auch bei der Strategie der Fall sein. Ebenfalls beachtet werden sollten Risikokennziffern wie beispielsweise das Rendite-Risiko-Verhältnis und die Volatilität. Um zu sehen, ob der Trader seiner Strategie auch treu bleibt, ist letztlich ein permanentes Controlling nötig.

Ist hohe Transparenz ein weiterer Vorteil des Social Trading?
Sie ist ein wesentlicher Aspekt, den viele bei herkömmlichen Anlageprodukten wie Fonds oder Strategiezertifikaten vermissen. Weitere Pluspunkte sind der Community-Gedanke und die Unabhängigkeit der Trader.

Welche Rolle spielt der spielerische Umgang auf solchen Plattformen? Könnte dies zur Gefahr werden?
Den spielerischen Umgang finde ich eigentlich sinnvoll. Über Demo-Konten hat man die Möglichkeit, sein Talent vor einem richtigen Einsatz selbst zu testen. Wenn eher spielerisch orientierte Anleger ihre Handelsignale verkaufen wollen, kann das natürlich auch zum Misserfolg führen. Es ist an den Anbietern, eine klare Trennung zwischen Spielwiese und richtigem Handeln zu schaffen.

Hat ein Trader bereits viele Follower, springen immer mehr auf den Zug auf. Schnell läuft dann die ganze Herde in die gleiche Richtung. Ist das ein Risiko?
Das ist schwer zu sagen, aber sicherlich sollte man eine Strategie nicht einfach wegen einer hohen Zahl an Followern auswählen. Denn die Herde trampelt ganz gerne auch einmal in die falsche Richtung und springt schnell auf, wenn hohe Renditen locken. Das ist eine grosse Gefahr. Vielfach sieht man, dass Anleger einsteigen, wenn es nach oben geht. Sobald der Trader Verluste macht, springen sie ebenso schnell wieder ab. Dieses Herdenverhalten kennen wir auch gut von den Aktienmärkten und es sorgt eher für leere Kassen als für volle. Strategisch sinnvoller wäre es, die tieferen Kurse für Zukäufe zu nutzen.

Neben dem Folgen von Strategien können sich Anleger auch Ratschläge in der Community holen. Wird der Bankberater eines Tages überflüssig sein?
Ich hoffe nicht, dass es soweit kommt. Vielmehr sollte sich die Bankberatung an den Entwicklungen orientieren, die Social-Media-Aktivitäten verstärken und den Anleger dort abholen, wo er sich aufhält. Und anstatt ihm irgendein Produkt verkaufen zu wollen, sollte er nach seinen Bedürfnissen gefragt werden. Klar ist, dass sich die nachwachsende Generation immer stärker im Internet beraten lässt, Produkte sucht und bewertet. Der Weg ist vorgezeichnet, es kommt nur darauf an, wie die Institute darauf -reagieren.

Warum traut man der Community eher als dem Banker?
Im Netz macht man die Erfahrung, unabhängige Einschätzungen zu finden. Über Holidaycheck beispielsweise erhält man auch ein relativ differenziertes Bild über ein bestimmtes Hotel. Ohne solche Plattformen wäre es nicht möglich, dieses Wissen zusammenzutragen und darauf zurückzugreifen. Aus dieser sogenannten kollektiven Intelligenz kann man sich die nötigen Informationen heraussuchen. Ein gewisses Mass an Vorsicht ist aber auch im Netz angebracht.